Adventskalender 2024 – 1. Türchen
Es war ein schlauer Müller, der lehrte die Säcke tanzen. Wenn sie in seine Mühle kamen, pfiff er ihnen ein Liedchen vor, und wenn sie nicht dazu tanzen wollten, mussten sie zur Strafe Korn lassen. Als er nun gestorben war, wollten ihn gleich zwei Pfarrer ehrlich begraben, weil seine Mühle auf der Grenze zweier Kirchspiele lag und der eine Pfarrer ihn gern begraben hätte und der andere noch lieber. Um den Streit zu schlichten, band man ihn auf den Rat eines klugen Mannes auf einen Esel: Wo der ihn trage, da solle er begraben werden. Und siehe, der Esel wusste es am besten, denn er trug ihn gerade unter den Galgen, und da wurde er auch begraben. Seine Seele aber nahm ein Teufel und führte sie vor das Höllentor. Da stand Meister Satanas und fragte: »Wen schleppst du da?«
»Den schlauen Müller von Zweibrücken«, sagte der Teufel.
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius … Teil 6
Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius,
seinem Leben, seinen Taten und seinem Ende
Volksbücher Nr.46, Verlag Otto Wigand, Leipzig
Wie der Kaiser dem Virgilius sein Erbe und seine Güter zurückgab und noch vieles andere und was sonst noch geschah
Dann verabschiedeten sie sich von Virgilius und kehrten nach Hause zurück, und als sie wieder daheim waren, gab der Kaiser Virgilius sein ganzes Land zurück, wie er es verlangte, und machte ihn zum vornehmsten Herrn in seinem Rat.
Nach diesem geschah es, dass Virgilius sich in eine schöne Frau verliebte, die schönste in ganz Rom.
Virgilius gelang es durch seine Zauberkunst, ihr seine Zuneigung vollkommen zu offenbaren; sie aber dachte in ihrem Sinne, wie sie ihn hintergehen und betrügen könnte. Sie sagte ihm, wenn er um Mitternacht an die Schlossmauer käme, wolle sie einen Korb an starken Stricken hinunterlassen und ihn darin zu ihrem Fenster hinaufziehen, um mit ihm die Minne zu pflegen. Darüber freute sich Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 194
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
263. Wunderbare Quellen
Dicht am Ufer des Luzerner Sees sieht man einen Quell, der jährlich am Kreuzerfindungstag zu springen beginnt und am Kreuztag im Herbst zu fließen aufhört. Noch andere Quellen haben diese Eigenschaft, wie Cysatus ausführlich beschreibt.
Die Bauern des Dorfes Stansstadt versichern, es springe ein Born in den Alpen, der nur in den Monaten, wo man das Vieh austreibt, und dann auch nur zweimal am Tag, und zwar zu den Stunden, wo das Vieh trinkt, sein Wasser gibt.
Ein Quell im Berner Gebiet leidet, gleich dem Mummelsee, keinen Schmutz. Wirft man solchen hinein, dann fließt er während einigen Tagen nicht. Tut ein Tier das aber, das macht nichts; dann wirft er den Schmutz bloß aus.
Der Kurier und der Detektiv – Kapitel 9
Allan Pinkerton
Der Kurier und der Detektiv
Originaltitel: The Expressman and the Detective
Chicago: W. B. Keen, Cooke & Co., 113 and 115 State Street. 1875
Kapitel 9
Roch ging achtlos an der Tür von Maroneys Zimmer vorbei und sah ihn eifrig beim Packen. Er zögerte nicht lange. Wohin Maroney gehen würde, wusste er nicht. Er eilte ins Büro, bezahlte seine Rechnung, ging in sein Zimmer, zog sich um und verließ in weniger als zehn Minuten das Hotel, wieder als der trottende Niederländer. Aladdin mit seiner wundersamen Lampe hätte keine schnellere Verwandlung bewirken können. Als er den Bürgersteig erreichte, war Maroney gerade in eine Kutsche gestiegen, und Roch hörte, wie er dem Fahrer befahl, so schnell wie möglich zur Dampfschiffanlegestelle zu fahren. Roch, mit seiner langen Pfeife und der alten Tasche, folgte ihm, und die Bürger, die ihm begegneten, staunten, einen schläfrigen Niederländer in solchem Tempo reisen zu sehen.
Aus den Geheimakten des Welt-Detektivs – Band 8 – 3. Kapitel
Aus den Geheimakten des Weltdetektivs
Band 8
Die Geliebte des Staatsanwalts
3. Kapitel
Gesteigerter Verdacht
Staatsanwalt Whitely saß in seinem Arbeitszimmer; doch heute fehlte ihm die Ruhe zur Arbeit. Umsonst hatte er sich bemüht, die Erinnerung an Lady Likeness zu verscheuchen. Sie kehrte immer wieder zu ihr zurück und zu dem unaufgeklärten Mord ihrer Verwandten. Der junge Staatsanwalt vermochte keinen klaren Gedanken für etwas anderes zu fassen. Solange ihn der Zweifel beschäftigte, was in dieser Mordsache zu tun sei, musste er die Arbeit weglegen.
Am peinlichsten war ihm die Erinnerung, dass Sherlock Holmes das Fest besucht hatte. Dieser Gast musste zweifellos einen Weiterlesen

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