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Der Phantom-Wolfshund

Otis Adelbert Kline
Der Phantom-Wolfshund

Kapitel I

Doktor Dorp legte widerwillig das Manuskript beiseite, steckte seinen Füllfederhalter in die Tasche und stand auf, um seine Besucher zu empfangen.

Er war sichtlich verärgert über diese dritte Unterbrechung am Nachmittag. Doch sein genervter Gesichtsausdruck wich einem freundlichen Lächeln, als er die massige Gestalt im Türrahmen erkennen konnte. Er erkannte Harry Hoyne von der Hoyne Detective Agency – einen kräftigen Mann mit rotem Gesicht, dessen eisengraues Haar und Schnurrbart ihn als weit über das mittlere Alter hinaus verrieten.

Der schlanke, gebeugte Mann, der ihn begleitete, war ihm völlig unbekannt. Er hatte blasse, falkenkartige Gesichtszüge, kleine, schlangenhafte Augen, die seltsam aus den tief liegenden Augenhöhlen funkelten, sowie lange, knochige Finger, die an Weiterlesen

Das Gespensterbuch – Zehnte Geschichte

Das Gespensterbuch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink
München 1913

Gustav Meyrink

Das Präparat

Die beiden Freunde saßen in einem Eckfenster des Café Radetzky und steckten die Köpfe zusammen.

»Er ist fort. Heute Nachmittag ist er mit seinem Diener nach Berlin gefahren. Das Haus ist vollkommen leer. Ich komme gerade von dort und habe mich genau überzeugt. Die beiden Perser waren die einzigen Bewohner.«
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Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 3

Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861

Kapitel 3

Ein baumlanger Kürassierleutnant

Bei dem Grafen Tichy war große Gesellschaft. Die vornehmsten Kreise der Residenz waren vertreten, man tanzte, spielte und unterhielt sich.

Man gefiel sich, man gefiel sich nicht, man intrigierte, man intrigierte nicht. Wer gefiel und intrigierte, dem gefiel man auch.

Mitternacht war vorüber. Die Gesellschaft war noch immer zahlreich. In anderen großen Residenzen beginnen die Weiterlesen

Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel IX, Teil 7

Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.

Kapitel IX, Teil 7

Die beiden Reisenden gingen nun durch mehrere enge, krumme und finstere Gänge des Rummlers zur Reisbimbascherei und traten wieder unsichtbar in diese ein.

Hier fanden sie vor dem Reisbimbasch, der zugleich als Schumli diesem Amt vorstand, und dessen Beisitzer eine ziemliche Anzahl Quitschi-Quatscher versammelt. Es wurde eine Zahnausreißerei verhandelt, welche sogar einen Börsenlauf veranlasst hatte, bei dem es zu Realinjurien gekommen war, weshalb die Sache vor die hochlöbliche Polizei kam. Ein bekannter Zahnarzt L. hatte nämlich dem Sohn eines Kaufmanns einen schlechten Zahn gezogen und dafür sechs Franken (nach unserem Geld) verlangt. Der Kaufmann fand diese Forderung übertrieben und wollte nur drei Franken bezahlen, da dies seiner Meinung nach der höchste Preis sei. L verweigerte Weiterlesen

Unter Einsatz seines Lebens

Georg Barton
Unter Einsatz seines Lebens

Anfang Oktober 1878 schickte Franklin B. Gowen, Präsident der Philadelphia and Reading Railroad sowie der Philadelphia and Reading Coal and Iron Company, Allan Pinkerton, dem Leiter der gleichnamigen Detektei, mit der Bitte um Hilfe. In den Kohleregionen Pennsylvanias terrorisierte eine organisierte Bande die Gegend, zerstörte Eigentum und ermordete alle, die sich ihrer illegalen Herrschaft in den Weg stellten.

Diese Organisation war unter den Namen Buckshots, Ribbonmen und Molly Maguires bekannt. Sie war an einen Eid gebunden, geheim und die Bedingungen hatten einen Punkt erreicht, an dem das Leben nicht mehr als heilig angesehen wurde und die Besitzer der Kohleminen das Gefühl hatten, die Kontrolle über ihren eigenen Besitz zu verlieren. Die gewöhnlichen Mittel des Gesetzes hatten sich als unwirksam erwiesen und Mister Gowen bestand darauf, dass die einzige Möglichkeit, mit den Straftätern fertig zu werden, darin bestünde, einen mutigen, entschlossenen und zuverlässigen Detektiv in den Orden einzuschleusen, um die Geheimnisse des Ordens aufzudecken und die Schuldigen vor Gericht zu bringen. Man erkannte die Schwierigkeit, einen Mann zu Weiterlesen