Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 8
Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861
Kapitel 8
Ein junger Pole
Der Polizeirat saß an seinem Schreibtisch im Büro, vor sich einen Stapel Unterlagen. Er las in alten Aufzeichnungen und fertigte neue an. Von Zeit zu Zeit blickte er auf und schaute nach der Uhr, die über seinem Arbeitstisch hing. Er schien jemanden zu erwarten.
Da trat sein Gendarm Schmidt ein: eine lange, hagere, aber dennoch kräftige Gestalt mit einem blassen, mageren und melancholischen, aber ruhigen und aufmerksamen Gesicht. Er genoss das Vertrauen jedes ehrlichen Menschen und war der Weiterlesen
Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 7
Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861
Kapitel 7
Eine Diebin
In der einsamen Zelle dahinten in dem abgelegensten Winkel der Stadtvoigtei war es wieder so still, wie dunkel. Der Gefangene der Zelle lag wieder ruhig auf seiner Pritsche; doch heute wohl nur äußerlich ruhig, denn bald teilte seine innere Unruhe sich auch seinem Äußeren mit. Er stand von seinem Lager auf und ging in der engen, dunklen Zelle umher. Gefühle und Gedanken mancherlei Art hatten ihn nicht mehr ruhen lassen, sie mussten auch aus seinem Inneren heraus durch halblaute Worte sich Luft machen.
Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 6
Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861
Kapitel 6
Eine Kammerjungfer
Der Tag neigte sich. Unter den Bäumen des Tiergartens herrschte schon Zwielicht.
In einer der Alleen, die rechts vom großen Stern aus tiefer in das Gebüsch des Tiergartens zur Spree hin führen, ging langsam ein kleiner untersetzter Mann auf und ab. Seine Augen waren in alle Tiefen des Gebüsches gerichtet, seine Ohren lauschten nach allen Seiten hin; manchmal blieb er stehen, als ob er nun sofort etwas sehen oder hören müsse.
Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 5
Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861
Kapitel 5
Ein Polizeirat
Gegen fünf Uhr morgens beabsichtigte der Ochsenhändler Joachim Nettelberg abzureisen. Der Hausknecht, obschon noch schläfrig, versah pünktlich seinen Dienst: Bereits um vier Uhr war er erwacht, hatte Stiefel und Kleider der Gäste gereinigt und schickte sich nun, fünf Minuten vor halb fünf, an, den Ochsenhändler zu wecken.
Er klopfte an die Tür. »Herr Nettelberg, es ist Zeit!«
Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 4
Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861
Kapitel 4
Ein Ochsenhändler
In der Jerusalemer Straße in Berlin gibt es viele Keller, in denen bei Tag wie bei Nacht ein reger Verkehr herrscht. Es verkehren allerlei Leute dort, und zu der Zeit, aus der ich erzähle, waren in mehreren davon, vor allem nachts, immer einige Berliner Diebe anzutreffen.1 Die Berliner Diebe bilden eine Genossenschaft für sich, freilich zusammen mit ihren Frauen. In jenen Kellern pflegten daher nachts nur Diebe mit ihren Frauen zu verkehren.
In einem dieser Keller war es noch in später Nacht sehr voll. Es fand eine Zusammenkunft statt. Es wurde Musik gemacht, Weiterlesen
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