Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 5
Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861
Kapitel 5
Ein Polizeirat
Gegen fünf Uhr morgens beabsichtigte der Ochsenhändler Joachim Nettelberg abzureisen. Der Hausknecht, obschon noch schläfrig, versah pünktlich seinen Dienst: Bereits um vier Uhr war er erwacht, hatte Stiefel und Kleider der Gäste gereinigt und schickte sich nun, fünf Minuten vor halb fünf, an, den Ochsenhändler zu wecken.
Er klopfte an die Tür. »Herr Nettelberg, es ist Zeit!«
Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 4
Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861
Kapitel 4
Ein Ochsenhändler
In der Jerusalemer Straße in Berlin gibt es viele Keller, in denen bei Tag wie bei Nacht ein reger Verkehr herrscht. Es verkehren allerlei Leute dort, und zu der Zeit, aus der ich erzähle, waren in mehreren davon, vor allem nachts, immer einige Berliner Diebe anzutreffen.1 Die Berliner Diebe bilden eine Genossenschaft für sich, freilich zusammen mit ihren Frauen. In jenen Kellern pflegten daher nachts nur Diebe mit ihren Frauen zu verkehren.
In einem dieser Keller war es noch in später Nacht sehr voll. Es fand eine Zusammenkunft statt. Es wurde Musik gemacht, Weiterlesen
Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 3
Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861
Kapitel 3
Ein baumlanger Kürassierleutnant
Bei dem Grafen Tichy war große Gesellschaft. Die vornehmsten Kreise der Residenz waren vertreten, man tanzte, spielte und unterhielt sich.
Man gefiel sich, man gefiel sich nicht, man intrigierte, man intrigierte nicht. Wer gefiel und intrigierte, dem gefiel man auch.
Mitternacht war vorüber. Die Gesellschaft war noch immer zahlreich. In anderen großen Residenzen beginnen die Weiterlesen
Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 2
Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861
Kapitel 2
Ein Mädchen für alles
Eine Minute später traten Herr und Diener in ein sehr bequem und elegant eingerichtetes Zimmer.
Eine große Astrallampe erleuchtete es hell. Sie hatte wohl schon auf ihren Herrn gewartet.
Der Gegensatz dieses reichen, wohnlichen Gemachs gegen die kahle, nackte Zelle der Stadtvoigtei war allerdings ein großer.
Wir erlebten es in neueren Zeiten, dass Männer unmittelbar aus den Kabinetten der Könige in das Zuchthaus geworfen wurden; Weiterlesen
Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 1
Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861
Kapitel 1
Ein Gefangener
Seit den nachfolgenden Begebenheiten sind über zwanzig Jahre verflossen. Eine nähere Angabe der Zeit wolle der geneigte Leser nicht von mir fordern. Die Gründe werden ihm von mancher Seite her klar werden, mag er das Erzählte für wahr oder für nicht wahr halten. Ob es wahr sei, er wird es ja auch schon herausfinden.
In einer Zelle der Stadtvogtei zu Berlin saß ein einzelner Gefangener.
Es war Abend. In der Zelle herrschte Dunkelheit, rund umher tiefe Stille. Der einsame Gefangene musste hier in einem sehr Weiterlesen
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