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Im Original J. D. H. Temme

Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 4

Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861

Kapitel 4

Ein Ochsenhändler

In der Jerusalemer Straße in Berlin gibt es viele Keller, in denen bei Tag wie bei Nacht ein reger Verkehr herrscht. Es verkehren allerlei Leute dort, und zu der Zeit, aus der ich erzähle, waren in mehreren davon, vor allem nachts, immer einige Berliner Diebe anzutreffen.1  Die Berliner Diebe bilden eine Genossenschaft für sich, freilich zusammen mit ihren Frauen. In jenen Kellern pflegten daher nachts nur Diebe mit ihren Frauen zu verkehren.

In einem dieser Keller war es noch in später Nacht sehr voll. Es fand eine Zusammenkunft statt. Es wurde Musik gemacht, Weiterlesen

Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 3

Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861

Kapitel 3

Ein baumlanger Kürassierleutnant

Bei dem Grafen Tichy war große Gesellschaft. Die vornehmsten Kreise der Residenz waren vertreten, man tanzte, spielte und unterhielt sich.

Man gefiel sich, man gefiel sich nicht, man intrigierte, man intrigierte nicht. Wer gefiel und intrigierte, dem gefiel man auch.

Mitternacht war vorüber. Die Gesellschaft war noch immer zahlreich. In anderen großen Residenzen beginnen die Weiterlesen

Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 2

Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861

Kapitel 2
Ein Mädchen für alles

Eine Minute später traten Herr und Diener in ein sehr bequem und elegant eingerichtetes Zimmer.

Eine große Astrallampe erleuchtete es hell. Sie hatte wohl schon auf ihren Herrn gewartet.

Der Gegensatz dieses reichen, wohnlichen Gemachs gegen die kahle, nackte Zelle der Stadtvoigtei war allerdings ein großer.

Wir erlebten es in neueren Zeiten, dass Männer unmittelbar aus den Kabinetten der Könige in das Zuchthaus geworfen wurden; Weiterlesen

Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 1

Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861

Kapitel 1
Ein Gefangener

Seit den nachfolgenden Begebenheiten sind über zwanzig Jahre verflossen. Eine nähere Angabe der Zeit wolle der geneigte Leser nicht von mir fordern. Die Gründe werden ihm von mancher Seite her klar werden, mag er das Erzählte für wahr oder für nicht wahr halten. Ob es wahr sei, er wird es ja auch schon herausfinden.

In einer Zelle der Stadtvogtei zu Berlin saß ein einzelner Gefangener.

Es war Abend. In der Zelle herrschte Dunkelheit, rund umher tiefe Stille. Der einsame Gefangene musste hier in einem sehr Weiterlesen

Berliner Polizei- und Kriminalgeschichten in humoristischer Färbung – 3. Geschichte

Jodocus Donatus Hubertus Temme
Berliner Polizei- und Kriminalgeschichten in humoristischer Färbung
Verlag von A. Hofmann & Comp., Berlin 1858

Seidene Strümpfe

Ich war Staatsanwalt in Berlin. Ein Berliner Staatsanwalt lernt allerlei Menschen und allerlei Dinge kennen.

Eines Morgens ließ sich ein Herr Müller bei mir melden.

Der Kladderadatsch hatte damals seinen Schultze und Müller noch nicht erfunden. Schultze und Müller waren daher, zwar keine eigent­lichen Eigennamen mehr, aber doch noch immer, auch in Berlin, sehr reputierliche Namen, auf die namentlich ein Berliner Bürger sich etwas zugutetun konnte.

Ich ließ den Herrn Müller eintreten.
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