Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel X, Teil 4
Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.
Kapitel X, Teil 4
Kaum Platz genommen, erhob sich Herzog Michel von seinem Sitz und begann: »Meine Herren Lords! Es muss Ihnen bereits bekannt sein, auf welche scheußliche Weise abermals ein Soldat des englischen Heeres, ein Husar vom 7. Regiment, sein Leben verlor und zu Tode gepeitscht wurde. Ich trage nun darauf an, für den Augenblick alles andere ruhen lassend, dass ein Gesetz in Vorschlag gebracht werde, welches ein für alle Mal die Peitschenstrafe bei unserem Heer aufhebt. Ist es nicht eine Schande für Großbritannien, dass dessen Krieger noch immer durch die siebenschwänzige Katze in Zucht und Ordnung gehalten werden sollen – nicht müssen; denn der englische Soldat besitzt ebenso viel Ehrgeiz und steht auf derselben Stufe der Bildung wie der französische und deutsche, und wenn er hie und da mehr Rohheit zeigt, so ist es gerade diese rohe Behandlung, welche sie erzeugt. Fast in allen deutschen Staaten ist das Stockregiment abgeschafft, und wir, die wir uns das freie England nennen, an die Spitze der zivilisierten Nationen stellen wollen, wir Weiterlesen
Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel X, Teil 3
Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.
Kapitel X, Teil 3
»Meine Herren, wissen Sie etwas Neues?«, rief in diesem Augenblick ein eintretender Kaffeegast den Anwesenden zu. »Soeben ist die Nachricht angekommen, dass sich ein furchtbares Unglück auf der Nordbahn zwischen Paris und Lille zugetragen hat. Ein Zug von dreißig Wagen ist von einem zwanzig Meter hohen Damm in tiefes Wasser hinabgestürzt; mehrere hundert Reisende sind ertrunken.«
Alle Anwesenden gaben Zeichen und Laute des Entsetzens von sich.
»So arg ist es gerade nicht«, murmelte Asmodi, »aber doch noch immer arg genug.«
»Haben Sie nähere Nachrichten?«, fragte der eben Eingetretene.
Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel X, Teil 2
Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.
Kapitel X, Teil 2
Hätte man das peinliche Gesetzbuch seit dreißig Jahren befolgt, hätte man Dutzende von Ministern, Hunderte von Präfekten und Unterpräfekten und Tausende von Regierungsagenten wegen Bestechung anklagen und verurteilen müssen. Mehr als ein königlicher Prokurator und mehr als ein Richter hätten ihren eigenen Prozess instruieren und sich selbst verurteilen müssen. Und um ganze Gemeinden und Gewerbe zu bestechen, verspricht der Unterpräfekt, der an nichts, nicht einmal an den Teufel glaubt, dieser Dorfkirche einen schönen Heiligen, einen Schutzpatron, in Öl gemalt. Er lässt die erstaunten Wähler an dem Ufer eines Flüsschens oder Baches zusammenkommen und befragt sie, wo die Brücke am passendsten zu bauen wäre. Er lässt sie das Bild bereits sehen. Den Schankwirten, den Kaffeewirten, den Fleischern, den Bäckern, den Gastgebern – den Wählern – kündigt er einen Kasernenbau an. Alle diese Leute sehen schon wütende, hungrige und durstige Regimenter im Anmarsch, die Bier, Wein und Branntwein fässerweise leeren Weiterlesen
Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel X, Teil 1
Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.
Kapitel X, Teil 1
Die französischen Wahlumtriebe Michel und Asmodi lesen dem Ausschuss der Nordbahn-Gesellschaft die Leviten. Eine Exekution im englischen Oberhaus. Michel und Thiers beim Regattafest in Havre
»Nun, zurück in Frankreich«, sprach Michel zu seinem Gefährten und rief dem starren und wohleingeräucherten Reisbimbasch ein »Auf baldiges Wiedersehen« zu, während er davonschwebte. Die beiden Luftsegler ließen sich kurze Zeit später nahe Lyon nieder und begaben sich, um einige Erfrischungen einzunehmen, in ein Café auf dem Place des Terreaux. Dort trafen sie die anwesenden Gäste in einem äußerst lebhaften Wortwechsel an, der in einen förmlichen Zank und Streit auszuarten drohte. Es betraf die neuen Wahlen für die nächsten fünf Jahre, da die Kammer in Paris soeben geschlossen und aufgelöst worden war.
Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel IX, Teil 7
Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.
Kapitel IX, Teil 7
Die beiden Reisenden gingen nun durch mehrere enge, krumme und finstere Gänge des Rummlers zur Reisbimbascherei und traten wieder unsichtbar in diese ein.
Hier fanden sie vor dem Reisbimbasch, der zugleich als Schumli diesem Amt vorstand, und dessen Beisitzer eine ziemliche Anzahl Quitschi-Quatscher versammelt. Es wurde eine Zahnausreißerei verhandelt, welche sogar einen Börsenlauf veranlasst hatte, bei dem es zu Realinjurien gekommen war, weshalb die Sache vor die hochlöbliche Polizei kam. Ein bekannter Zahnarzt L. hatte nämlich dem Sohn eines Kaufmanns einen schlechten Zahn gezogen und dafür sechs Franken (nach unserem Geld) verlangt. Der Kaufmann fand diese Forderung übertrieben und wollte nur drei Franken bezahlen, da dies seiner Meinung nach der höchste Preis sei. L verweigerte Weiterlesen
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