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Im Original Johann Konrad Friederich

Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel X, Teil 2

Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.

Kapitel X, Teil 2

Hätte man das peinliche Gesetzbuch seit dreißig Jahren befolgt, hätte man Dutzende von Ministern, Hunderte von Präfekten und Unterpräfekten und Tausende von Regierungsagenten wegen Bestechung anklagen und verurteilen müssen. Mehr als ein königlicher Prokurator und mehr als ein Richter hätten ihren eigenen Prozess instruieren und sich selbst verurteilen müssen. Und um ganze Gemeinden und Gewerbe zu bestechen, verspricht der Unterpräfekt, der an nichts, nicht einmal an den Teufel glaubt, dieser Dorfkirche einen schönen Heiligen, einen Schutzpatron, in Öl gemalt. Er lässt die erstaunten Wähler an dem Ufer eines Flüsschens oder Baches zusammenkommen und befragt sie, wo die Brücke am passendsten zu bauen wäre. Er lässt sie das Bild bereits sehen. Den Schankwirten, den Kaffeewirten, den Fleischern, den Bäckern, den Gastgebern – den Wählern – kündigt er einen Kasernenbau an. Alle diese Leute sehen schon wütende, hungrige und durstige Regimenter im Anmarsch, die Bier, Wein und Branntwein fässerweise leeren Weiterlesen

Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel X, Teil 1

Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.

Kapitel X, Teil 1

Die französischen Wahlumtriebe Michel und Asmodi lesen dem Ausschuss der Nordbahn-Gesellschaft die Leviten. Eine Exekution im englischen Oberhaus. Michel und Thiers beim Regattafest in Havre

»Nun, zurück in Frankreich«, sprach Michel zu seinem Gefährten und rief dem starren und wohleingeräucherten Reisbimbasch ein »Auf baldiges Wiedersehen« zu, während er davonschwebte. Die beiden Luftsegler ließen sich kurze Zeit später nahe Lyon nieder und begaben sich, um einige Erfrischungen einzunehmen, in ein Café auf dem Place des Terreaux. Dort trafen sie die anwesenden Gäste in einem äußerst lebhaften Wortwechsel an, der in einen förmlichen Zank und Streit auszuarten drohte. Es betraf die neuen Wahlen für die nächsten fünf Jahre, da die Kammer in Paris soeben geschlossen und aufgelöst worden war.

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Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel IX, Teil 7

Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.

Kapitel IX, Teil 7

Die beiden Reisenden gingen nun durch mehrere enge, krumme und finstere Gänge des Rummlers zur Reisbimbascherei und traten wieder unsichtbar in diese ein.

Hier fanden sie vor dem Reisbimbasch, der zugleich als Schumli diesem Amt vorstand, und dessen Beisitzer eine ziemliche Anzahl Quitschi-Quatscher versammelt. Es wurde eine Zahnausreißerei verhandelt, welche sogar einen Börsenlauf veranlasst hatte, bei dem es zu Realinjurien gekommen war, weshalb die Sache vor die hochlöbliche Polizei kam. Ein bekannter Zahnarzt L. hatte nämlich dem Sohn eines Kaufmanns einen schlechten Zahn gezogen und dafür sechs Franken (nach unserem Geld) verlangt. Der Kaufmann fand diese Forderung übertrieben und wollte nur drei Franken bezahlen, da dies seiner Meinung nach der höchste Preis sei. L verweigerte Weiterlesen

Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel IX, Teil 6

Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.

Kapitel IX, Teil 6

Sie traten nun wieder unsichtbar in ein ziemlich geräumiges Gemach, welches Asmodi seinem Gefährten als die Stadtdimbascherei bezeichnete und in dem es recht lärmend, ja mitunter toll ge­nug herging.

Im Zentrum hinter einer Art Balustrade saß ein wohlgemästeter Körper, auf dessen Rumpf eine Art Kürbiskopf saß, jedoch nicht mit hohlen, sondern im Gegenteil mit wohlglotzenden, etwas stieren Augen. Es war der Herr Stadtbimbasch, er verstand zwar wenig mehr als lesen, etwas barbarisch schreiben und mit einer ewig heiseren Kastratenstimme fortwährend Ruhe und Stille zu gebieten, aber er war der Sohn eines der einflussreichsten Schmuli, weshalb man ihm diesen so wichtigen wie schwierigen und große Intelligenz er­fordernden Posten als lebenslängliche Stallfütterung und Mast übergeben hatte. Zu seiner Rechten saß ein schöner, ebenfalls Weiterlesen

Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel IX, Teil 5

Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.

Kapitel IX, Teil 5

Nun machte einer der Schmuli folgenden Antrag: »Meine hochansehnliche, wohlfürsichtige und tief geehrteste, ehrenwerteste Herren! Es ist Ihnen all bereits bekannt, welches höchst wichtige Projekt, das unserem Staat zur ewigen Gloria, Ruhm und Heil dienen und bringen wird, ich zu Ihrer Kenntnis und Genehmigung zu bringen habe<1 Es handelt sich um nichts we­niger, als künftig allen um unseren Staat hochverdienten und preiswürdigen Männern würdige Monumente und Denkmäler zu setzen, da es jetzt so Mode und Brauch geworden ist, dass man fast jedem Pinsel und Gänsekiel ein Monument setzt, um seine Vaterstadt zu ehren. Ein hochweiser Rat ist aber in seiner untrüglichen und unfehlbaren Weisheit noch weiter gegangen und will geruhen, dass mit diesen Monumenten und Denkmälern auch zu gleicher Zeit ein praktischer, solider und brauchbarer Nutzen ver­bunden sei, nämlich dass diese Denkmäler und Monumente nicht nur als bloße stumme Steine und Erze figurieren, sondern dass sie auch der ganzen ehrsamen Bürgerschaft als ewig Weiterlesen