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Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 3

Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861

Kapitel 3

Ein baumlanger Kürassierleutnant

Bei dem Grafen Tichy war große Gesellschaft. Die vornehmsten Kreise der Residenz waren vertreten, man tanzte, spielte und unterhielt sich.

Man gefiel sich, man gefiel sich nicht, man intrigierte, man intrigierte nicht. Wer gefiel und intrigierte, dem gefiel man auch.

Mitternacht war vorüber. Die Gesellschaft war noch immer zahlreich. In anderen großen Residenzen beginnen die Weiterlesen

Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel IX, Teil 7

Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.

Kapitel IX, Teil 7

Die beiden Reisenden gingen nun durch mehrere enge, krumme und finstere Gänge des Rummlers zur Reisbimbascherei und traten wieder unsichtbar in diese ein.

Hier fanden sie vor dem Reisbimbasch, der zugleich als Schumli diesem Amt vorstand, und dessen Beisitzer eine ziemliche Anzahl Quitschi-Quatscher versammelt. Es wurde eine Zahnausreißerei verhandelt, welche sogar einen Börsenlauf veranlasst hatte, bei dem es zu Realinjurien gekommen war, weshalb die Sache vor die hochlöbliche Polizei kam. Ein bekannter Zahnarzt L. hatte nämlich dem Sohn eines Kaufmanns einen schlechten Zahn gezogen und dafür sechs Franken (nach unserem Geld) verlangt. Der Kaufmann fand diese Forderung übertrieben und wollte nur drei Franken bezahlen, da dies seiner Meinung nach der höchste Preis sei. L verweigerte Weiterlesen

Unter Einsatz seines Lebens

Georg Barton
Unter Einsatz seines Lebens

Anfang Oktober 1878 schickte Franklin B. Gowen, Präsident der Philadelphia and Reading Railroad sowie der Philadelphia and Reading Coal and Iron Company, Allan Pinkerton, dem Leiter der gleichnamigen Detektei, mit der Bitte um Hilfe. In den Kohleregionen Pennsylvanias terrorisierte eine organisierte Bande die Gegend, zerstörte Eigentum und ermordete alle, die sich ihrer illegalen Herrschaft in den Weg stellten.

Diese Organisation war unter den Namen Buckshots, Ribbonmen und Molly Maguires bekannt. Sie war an einen Eid gebunden, geheim und die Bedingungen hatten einen Punkt erreicht, an dem das Leben nicht mehr als heilig angesehen wurde und die Besitzer der Kohleminen das Gefühl hatten, die Kontrolle über ihren eigenen Besitz zu verlieren. Die gewöhnlichen Mittel des Gesetzes hatten sich als unwirksam erwiesen und Mister Gowen bestand darauf, dass die einzige Möglichkeit, mit den Straftätern fertig zu werden, darin bestünde, einen mutigen, entschlossenen und zuverlässigen Detektiv in den Orden einzuschleusen, um die Geheimnisse des Ordens aufzudecken und die Schuldigen vor Gericht zu bringen. Man erkannte die Schwierigkeit, einen Mann zu Weiterlesen

Aus dem Reiche der Phantasie – Heft 2 – Die Totenstadt – 7. Teil

Robert Kraft
Aus dem Reiche der Phantasie
Heft 2
Die Totenstadt
Verlag H. G. Münchmeyer, Dresden, 1901

Verwildert

Als Richard eines Tages vom Söller aus die Umgebung beobachtete, sah er am Rande des Waldes eine dunkle Gestalt sich bewegen. Die Entfernung war zu groß, als dass er etwas Näheres erkennen konnte, doch das Geschöpf musste groß sein, denn es schien auf zwei Beinen zu gehen. Wahrscheinlich war es ein Mensch.

Zitternd vor Aufregung holte Richard ein Fernrohr und richtete es auf die Gestalt. Es war in der Tat ein Mensch! Ohne erst durch das Fernrohr nähere Beobachtungen anzustellen, griff er gewohnheitsmäßig nach den Waffen und eilte in die Richtung, in der er Weiterlesen

Varney, der Vampir – Kapitel 49

Thomas Preskett Prest
Varney, der Vampir
oder: Das Blutfest

Ursprünglich als penny dreadful von 1845 bis 1847 veröffentlicht, als es zum ersten Mal in Buchform erschien, ist Varney, der Vampir ein Vorläufer von Vampirgeschichten wie Dracula, die es stark beeinflusst hat.

Kapitel 49

Die Ankunft des Pöbels bei Sir Francis Varney – Der Versuch, Eintritt zu erlangen

Die Soldaten waren von ihrem Hauptquartier in der Nähe des Friedhofs herbeigerufen worden. Sie rückten mit einer gewissen Zurückhaltung vor, um das, was sie für nichts Besseres oder Schlechteres als eine betrunkene Schlägerei in einer Kneipe hielten, zu unterdrücken. Ihrer Meinung nach sollten sie sich nicht einmischen.

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