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Storys

Rübezahl – Moderne Geschichten 2

Eine Reise in die Anderwelt

Es war einer dieser späten Herbstabende. Draußen war es bereits dunkel und der Sprühregen nässte die Scheiben des Computerladens ein. Nur noch der Besitzer war im Laden, aber auch er bereitete sich darauf vor, für heute Feierabend zu machen. Ein schneller Blick auf die Uhr: 20 Uhr durch, Kundschaft war nicht mehr in Sicht. Der Ladenbesitzer schloss die Kasse ab und schaltete noch schnell die Bildschirmserie im Schaufenster auf Nachtbetrieb. Die Webcam legte er auf den großen Flachbildschirm in der Mitte. Unter dem Ladentisch surrte leise der Lüfter des PCs, der die Bilder von der Webcam übers Netzwerk Weiterlesen →

Der perfekte Mord

Eine Krimi-Kurzgeschichte von Bernd Hasch

Kriminalrat a.D. Richard Baumann war sichtlich überrascht. Vor ihm stand ein schlaksiger junger Mann, der sich für die Störung am frühen Morgen entschuldigte und sich als Marcus Vollmer von der Kriminalpolizei vorstellte. Baumann studierte intensiv den ihm entgegen gestreckten Ausweis, nachdem er die Lesebrille vom Kopf auf seine Nase geschoben hatte. Er ließ sich Zeit und Vollmer hatte Gelegenheit den kleinen und gebrechlich erscheinenden Mann vor ihm zu studieren. Ein schmaler Schädel mit einer aristokratischen Nase, auf deren Ende die Brille gerade noch ihren Halt bekam. Das blasse Gesicht, mit Pigmentflecken versehen, wurde durch buschige Augenbrauen eingerahmt, deren rötliche Farbe vermuten ließ, Weiterlesen →

Gila

Gila

Malte nahm jeweils zwei Stufen auf einmal, um möglichst rasch wieder in der Wohnung zu sein. Natürlich war nichts daran außergewöhnlich oder gar verdächtig, dass er einen Katzenkorb in seinen klobigen Händen trug, und wenn jemand einen neugierigen Blick in das Innere würfe, würde er nur ein ganz normales Kätzchen erkennen.

Allerdings war es nicht sein Kätzchen, und zudem war es jedes Mal ein anderes. An diesem Nachmittag war es eine ganz normale Hauskatze, deren Fell wie das einer Kuh gesprenkelt war. Er hatte sie in einer Seitenstraße aufgelesen, wo sie auf einem Altpapiercontainer lag, der Körper majestätisch ausgestreckt, wie eine Miniaturausgabe der Sphinx. Rückblickend erschien es ihm beinahe so, als hätte sie nur auf ihn gewartet.

Erleichtert betrat Malte die Wohnung und warf die Tür ins Schloss. Seit dem ersten Mal pulsierte die unergründbare Angst in ihm, jemand würde sein Treiben beobachten und seltsam genug finden, die Polizei einzuschalten.
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Begegnungen

Begegnungen

Unzählige Schwerverwundete lagen stöhnend und an ihrem Blut erstickend auf nur notdürftig hergerichteten Lagerstätten.

Pater Bishop stand inmitten der vielen zerschossenen und von der Wucht der Hotchkisskanonen aufgerissenen Leiber der Frauen und Kinder. Mit Tränen in den Augen sah er auf das über ihm angebrachte hölzerne Kreuz, hoch über der so unendlich weit von ihm fortgerückten und fremd gewordenen weihnachtlich geschmückten Kanzel. Teilnahmslos blickte die handgeschnitzte Figur Christi auf die sich vor Schmerzen windenden und hinsterbenden Menschen hinunter.

Konnte dies dort wirklich sein Gott sein, da er so etwas zuließ? Verzweifelt sah er noch einmal auf das Kreuz und blickte anschließend Hilfe suchend in die Runde. War denn da niemand, der an ihn herantrat und ihn vom Gegenteil überzeugen Weiterlesen →

Major Gripps letzter Bericht

Ok­to­ber 1865. Mein Name ist Ma­jor Ben­ja­min Gribb. Ich weiß, dass ich bald ster­ben wer­de. Aus die­sem Grun­de hal­te ich es für mei­ne letz­te Pflicht, ei­nen Be­richt über die Er­eig­nis­se ab­zu­fas­sen, die dazu ge­führt ha­ben, dass Mr. Quint und ich an die­sen son­der­ba­ren, ja un­er­klär­li­chen Ort ge­lang­ten. Ich glau­be nicht, dass es uns je ge­lin­gen wird, von hier wie­der weg­zu­kom­men. Viel­leicht fin­det je­doch ei­nes Ta­ges je­mand ei­nen Weg hier­her. Dem­je­ni­gen mö­gen die­se Auf­zeich­nun­gen ge­wid­met sein.

Wir be­fan­den uns auf dem Rück­marsch. Der Krieg, der Bru­der ge­gen Bru­der auf­ei­nan­der hetz­te, war end­lich vor­bei. Am frü­hen Mor­gen je­nes son­ni­gen, doch kal­ten Ta­ges sat­tel­ten mei­ne Män­ner und ich die Pfer­de, um uns in un­se­re Hei­mat zu­rück zu be­ge­ben. Die Zeit des Kämp­fens war vo­rü­ber. Den­noch la­gen auf den Schlacht­fel­dern noch im­mer die Lei­chen un­zäh­li­ger Weiterlesen →