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Aus den Geheimakten des Welt-Detektivs – Band 10 – 10. Kapitel

Aus den Geheimakten des Weltdetektivs
Band 10
Der Mann mit den sieben Frauen
10. Kapitel
Der schwarze Ritter

Sherlock Holmes verlor keine Zeit.

Er wusste, dass er schnell und rücksichtslos handeln musste, sonst gewann Lord Dungrave auf seiner Flucht einen zu großen Vorsprung, der nicht mehr aufzuholen war.

Der Detektiv eilte nun so schnell er konnte in den Bodenraum zurück.

Dort stieß er auf Harry Taxon.

»Komm mit mir, Harry, und halte deinen Revolver bereit«, sagte Sherlock Holmes. »Es gilt, eine Verhaftung vorzunehmen.«

Harry fragte nicht, sondern zog seinen Taschenrevolver hervor und folgte seinem Herrn schnellen Schrittes über die Treppe, die aus dem Bodenraum nach unten führte.

Als sie an der Tür zum Wohnraum des Dienerpaares des Lords Dungrave, des alten Samuel und seiner Kate, angekommen waren, blieb Sherlock Holmes stehen und flüsterte Harry zu: »Erwarte mich hier. Falls ich dich rufen sollte, komm sofort.«

Dann klopfte Sherlock Holmes an der Tür. Ohne das Herein abzuwarten, öffnete er sie und trat ein.

Der alte Samuel saß an einem Tisch, der von einer Lampe beleuchtet wurde, und las eifrig in einem dicken Buch, wahrscheinlich in einer Bibel.

Seine Frau war bereits zu Bett gegangen, denn die großgeblümten Vorhänge ihres Ehebettes waren zusammengezogen, während sie den ganzen Tag über geöffnet standen.

»Ah, Sie sind es, Mr. Vithney?«, rief der alte Samuel, indem er von seinem Buch aufblickte.

»Seid Ihr denn noch so spät wach? Was gibt es denn? Sollte in eurem Zimmer irgendetwas fehlen?«

Doch kaum hatte Samuel diese Worte gesprochen, fuhr er entsetzt von seinem Sessel auf.

Ein Revolver blitzte ihm entgegen und Sherlock Holmes rief ihm mit donnernder Stimme zu: »Sie sind verhaftet – Sie sind mein Gefangener! Ich bin nicht Daniel Whitney, der Maler, sondern Sherlock Holmes, der Detektiv!«

»Räuber, Mörder, Diebe!«, brüllte der alte Samuel. »Ich durchschaue dieses Manöver. Ihr gebt euch für einen Detektiv aus, um uns ungestörter berauben zu können.«

»Keinen Schritt weiter!«, rief Sherlock Holmes, als er sah, dass der Alte zur Tür eilen wollte.

»Ich schieße euch sofort nieder, wenn ihr nicht stehen bleibt! Hände hoch – ich will euch fesseln!«

»Ich weiche der Gewalt«, antwortete der alte Samuel, »aber wir wollen doch sehen, ob ihr einen unschuldigen Mann, der niemals im Leben etwas Schlechtes getan hat, so ohne Weiteres verhaften dürft, wenn ihr auch wirklich ein Detektiv seid.«

Sherlock Holmes war im Begriff, dem alten Diener die Handschellen anzulegen.

In dem Moment, in dem er die Hände nach ihm ausstreckte, krachte plötzlich ein Schuss, und eine Kugel flog ganz dicht an seinem Haupt vorüber.

Die Bettvorhänge waren auseinandergeflogen und auf dem Bett kauerte die alte Kate. Mit ihrer Nachtjacke und der weißen Mütze sah sie aus wie eine wütende Bestie.

Sie hielt einen rauchenden Revolver in der Hand und gab schnell drei weitere Schüsse auf den Detektiv ab, ohne ihn jedoch zu verletzen.

Sherlock Holmes bückte sich geschickt, und während er es tat, hörte er neben sich einen Aufschrei. Dann stürzte der alte Samuel in sich zusammen.

Seine eigene Frau hatte ihm eine Kugel in die Brust gejagt. Die Kugel hatte natürlich ihm gegolten, aber die Vorsehung hatte es so gefügt, dass der alte Samuel durch die Hand seiner eigenen Frau fiel.

»Harry, Harry – schnell!«, rief Sherlock Holmes.

Der Gerufene stürzte herein.

»Hierher! Knie bei dem Alten nieder und lege seinen Kopf hoch! Er darf nicht sterben, bevor ich nicht mit ihm gesprochen habe. Ich will indessen die alte Bestie dort überwältigen!«

Als Sherlock Holmes sich mit diesen Worten der Alten zuwandte, sprang diese aus dem Bett. Sie war mit einem langen Küchenmesser bewaffnet, welches sie wie den Revolver unter ihrem Kopfkissen verborgen gehalten hatte.

Blindlings stach die Frau auf den Detektiv los, und nur seiner Geschicklichkeit im Ausweichen hatte er es zu verdanken, dass er keine Verletzungen erlitt.

Er hätte sie einfach über den Haufen schießen können, aber Sherlock Holmes wollte nicht unnütz Blut vergießen.

Außerdem musste er die alte Kate schonen, um sie zu einem Geständnis zu bewegen, falls er nichts mehr von Samuel erfahren konnte.

Er näherte sich daher schnell der Wütenden, packte plötzlich ihren Arm von der Seite und drehte ihr das Handgelenk um, sodass sie das große Messer mit einem wilden Schmerzensschrei fallen lassen musste.

Im nächsten Moment schleuderte er sie auf das Lager zurück und fesselte das in ohnmächtiger Wut heulende Weib.

»Damit wäre vorläufig die schwerste Arbeit getan«, wandte sich Sherlock Holmes an Harry. »Und jetzt wollen wir einmal sehen, ob der alte Samuel als verstockter Sünder zur Hölle fahren will oder sein Gewissen durch ein offenes Geständnis erleichtern wird.

Komm, Harry, hilf mir, ihn aufheben. Legen wir ihn neben seine Mörderin.«

Der alte Samuel kämpfte bereits mit dem Tod.

Das sah Sherlock Holmes, als er den Alten emporhob und mit Harrys Hilfe auf das Bett legte.

Das Bewusstsein hatte er jedoch noch nicht verloren. Noch waren seine Augen klar, und der feindselige Blick, den er auf Sherlock Holmes richtete, bewies am besten, dass er wusste, was mit ihm geschehen war.

»Hör zu, alter Mann«, rief Sherlock Holmes dem Alten zu, »deine Frau hat dir den Rest gegeben. Nicht meinem Revolver ist die Kugel entflogen, die dein Lebenslicht ausbläst, sondern deine Kate hat dich angeschossen.«

»Aber die Kugel hat euch gegolten«, erwiderte der alte Samuel mit schwacher Stimme, »und nur ein höllischer Zufall war es, der mich sie auffangen ließ.«

»Weißt du denn auch, Samuel, dass du sterben musst?«, fragte Sherlock Holmes. »In wenigen Minuten wird alles vorüber sein – dann wirst du zur Rechenschaft gezogen werden. Ich möchte nicht in deiner Haut stecken, wenn du vor den höchsten Richter trittst, denn du hast sehr vieles auf dem Kerbholz. Zwar warst du nur ein Helfer, doch der größere Sünder muss die volle Verantwortung auf sich nehmen. Doch wenn du jetzt klug genug bist und mir alles reuevoll beichtest, dann wäre es möglich, dass dir deine Verbrechen noch verziehen werden.«

»Was soll ich denn beichten? Ich weiß ja gar nichts«, versetzte der alte Samuel verstockt.

»Umso mehr weiß ich«, gab Sherlock Holmes zur Antwort.

»Ich weiß alles. Ich weiß, dass Lord Dungrave, dein Herr, ein Verbrecher oder ein Wahnsinniger ist. Auch er wird seinem Schicksal nicht entgehen.

Doch nun sage mir: Wie verschwindet man aus dem Rittersaal, ohne die große Tür zu benutzen?«

»Ich weiß es nicht«, erwiderte der Alte.

»Du weißt es, Samuel. Du würdest klüger handeln, wenn du es mir sagst. Denn wenn du am Leben bleibst, wirst du meine Fürsprache bei den Richtern brauchen. Überlege dir deshalb, ob du halsstarrig bleiben oder mir meine Frage wahrheitsgemäß beantworten willst.«

»Wenn du das tust, Samuel«, schrie die Alte, »dann bist du verflucht, dann bist du ein Verräter an deinem Herrn. Der Lord ist durch den Rittersaal entkommen, das ist klar. Willst du etwa, dass dieser Bluthund ihn fängt?«

Die alte Kate schien über ihren Mann eine große Gewalt zu haben, denn der Sterbende presste die Lippen fest zusammen, als ob er sich zusammenreißen müsste, um nichts zu verraten, obwohl er geneigt war, seine Sündenlast durch ein offenes Bekenntnis zu verringern.

»Harry«, befahl Sherlock Holmes, »presse dieser Alten einen Knebel in den Mund, denn wir können ihr Geschwätz nicht brauchen. So, mein Junge, jetzt wird sie wohl still sein. Und nun, Samuel, ermahne ich dich nochmals, mir die Wahrheit zu sagen. Es geht zwar darum, deinen Herrn zu ergreifen, aber du hast es nicht nötig, den Lord zu schützen. Der Versuch würde dir nur schaden und ihm nichts nützen, denn da wir seine Verbrechen kennen, werden wir hinter ihm her sein und ihn über den ganzen Erdball hetzen müssen.«

Der alte Samuel fühlte wahrscheinlich, dass er dem Tod nahe war. Ihn packte die Furcht vor dem Unbegreiflichen, dem Unerforschten, die wir alle haben, wenn sie sich uns naht.

»Sir«, stieß der Alte mit leise zitternder Stimme hervor, »der Lord ist durch den geheimen Gang zum See geflüchtet.«

»Ah, unter dem Rittersaal hinab führt also ein Geheimgang aus diesem Schloss?«

»Ja, Sir.«

»Und wie gelangt man in diesen geheimen Gang?«

»Habt Ihr den schwarzen Ritter gesehen, der sich im Saal erhebt?«

»Ich erinnere mich«, erwiderte Sherlock Holmes, »es ist eine zusammengestellte Rüstung. »Öffnet den schwarzen Ritter, dann gelangt ihr in den geheimen Gang.«

»Wie ist denn der schwarze Ritter zu öffnen? Wahrscheinlich durch einen Druck auf eine geheime Feder?«

»Ganz recht, Sir, das siebte Feld auf dem Schild – die kleine Erhöhung – ihr werdet sie ohne große Mühe finden.«

Kaum hatte Samuel diese Worte gesprochen, stellten sich bei ihm plötzlich die Anzeichen völligen Kräfteverfalls ein.

Seine Züge erschlafften, sein Gesicht nahm eine gelbliche Färbung an und seine Augen brachen.

Einige leise Atemzüge noch – und es war vorbei – der alte Samuel war tot.

»Harry«, rief Sherlock Holmes, »du begibst dich wieder zurück in den Bodenraum, denn es ist durchaus möglich, dass die unglückliche Frau dort deiner Hilfe bedarf.

Auch ich werde dorthin zurückkehren, wenn ich meine Pflicht getan habe.

Lebe wohl, mein Junge. Ich gehe ohne Zweifel einem schweren Kampf entgegen, aber ich hoffe, auch aus diesem als Sieger hervorzugehen.«

»Was soll mit der Alten geschehen?«, fragte Harry.

»Sie bleibt gefesselt hier neben der Leiche auf dem Bett liegen. Das ist eine kleine Lektion für sie, die ihr hoffentlich gut bekommen wird. Lebe wohl, mein Junge. Wenn wir uns wiedersehen, haben wir unsere Arbeit auf Schloss Dunsinam getan. Sherlock Holmes eilte nun, ohne länger zu zögern, in den Rittersaal zurück.

Der schwarze Ritter leuchtete ihm, vom Mondlicht beschienen, gespenstig entgegen.

Der Detektiv ließ seine Blendlaterne spielen und entdeckte nach der Anweisung des toten Samuel sofort eine kleine, knopfartige Erhöhung auf dem siebten Feld im Schild, welches der schwarze Ritter trug.

Ohne zu zögern, drückte Sherlock Holmes darauf, und sogleich klaffte die eiserne Gestalt auseinander und gab den Eingang zu einer Treppe frei, die nach unten führte.

Sherlock Holmes befestigte seine Blendlaterne auf seiner Brust, nahm seinen Revolver in die Hand und schritt mutig die Treppe hinab.

Der Schein seiner Laterne beleuchtete zwanzig Schritte vor ihm die Wände des unterirdischen Ganges, in dem er sich nun befand.

Nirgends war eine Spur von Lord Dungrave zu entdecken, und doch zweifelte Sherlock Holmes nicht daran, dass der Elende durch den geheimen Gang seine Flucht angetreten hatte.

Wohin führte dieser geheime Gang? Aus dem Schloss heraus, das war klar, doch wohin?

Nachdem Sherlock Holmes etwa drei Minuten lang ziemlich schnell gegangen war, wehte ihm frische Luft entgegen. Daraus schloss er, dass er dem Ende des Geheimganges nahe sein musste.

Sogleich war es ihm, als höre er ein dumpfes Rauschen.

Sein Fuß stieß an eine Treppenstufe und bei näherer Untersuchung entdeckte er eine leiterartige Treppe, die er sofort emporstieg.

Nachdem er einige Stufen zurückgelegt hatte, wurde ihm der weitere Weg durch eine große Marmorplatte versperrt.

»Teufel, da bin ich dem alten Samuel vielleicht in eine Falle gegangen«, dachte Sherlock Holmes, »oder ich habe nicht gründlich genug gefragt.« Der Alte hat mir zwar gesagt, wie man in den geheimen Gang gelangt, aber nicht, wie man aus demselben wieder herauskommt.

Und doch bin ich überzeugt, dass ich, wenn ich die Platte heben könnte, sofort draußen wäre.

Lass sehen – wahrscheinlich wird sie auch durch eine geheime Feder bewegt werden.«

Und siehe da – Sherlock Holmes fand nach einigen Minuten der Suche eine kleine Kurbel am Rande der Platte.

Er drehte daran, und sogleich begann sich die Platte zu heben.

Im nächsten Moment hatte sich der Detektiv bereits ins Freie geschwungen. Nun sah er, dass er sich am Ufer des Sees befand, an dem er mit Lord Dungrave selbst spazieren gegangen war.

Die Marmorplatte, die er soeben bewegt hatte, bedeckte das Grab von Lord Dungraves erster Gattin, die angeblich in den See gestürzt war.

Dieser raffinierte Verbrecher hatte das Denkmal für seine Gattin hier am Ufer des Sees errichten lassen, um auf diese Weise den Geheimgang zu verdecken, durch den er sein Schloss nach Belieben verlassen konnte, ohne bemerkt zu werden.

Aber was hatte Sherlock Holmes damit erreicht?

Der Lord war offenbar entkommen, denn er hatte genügend Zeit gehabt, um einen Vorsprung zu erreichen.

In welche Richtung war der Flüchtling nun geflüchtet?

Es war nicht anzunehmen, dass er es wagen würde, nach Ashkirk zu gehen, da er ja fürchten musste, dort am nächsten Tag von dem Detektiv gesucht und gefunden zu werden.

Hatte er den Waldweg eingeschlagen? Irrte er umher?

Während Sherlock Holmes noch über alle Möglichkeiten der Flucht Dungraves nachdachte, richteten sich seine Falkenaugen plötzlich auf den Spiegel des Sees.

Dort, weit drüben, wo der See beinahe das andere Ufer erreichte, glitt ein Boot dahin.

»Dungrave!«, stieß der Detektiv hervor, und sofort war sein Plan gefasst.

In der Nähe lag ein kleines Boot.

Er sprang hinein, löste das Fahrzeug vom Ufer und setzte die Ruder in Bewegung.

Das kleine, leichte Boot flog pfeilschnell über die Wasserfläche des unergründlichen Sees.

So lautlos wie möglich führte Holmes die Ruder, um die Aufmerksamkeit des Mannes in dem Boot vor ihm nicht zu erregen.

Da Holmes ein ausgezeichneter Ruderer war, gelang es ihm, mit unglaublicher Schnelligkeit näher und immer näher an das Boot des Verfolgten heranzukommen. Plötzlich — Sherlock Holmes hatte mit diesem Manöver nicht gerechnet — lenkte Lord Dungrave sein Boot direkt auf das von Sherlock Holmes zu.

Es kam zu einem furchtbaren Zusammenstoß.

Lord Dungrave warf sich mit einem Sprung aus seinem Fahrzeug in das Boot von Sherlock Holmes, welches unter der Last der beiden Männer fast umschlug.

Der Überfall wurde so blitzschnell ausgeführt, dass der Detektiv seine Schusswaffe nicht einsetzen konnte.

Im Gegenteil, er musste sie fortschleudern, um seine Hände frei zu bekommen, denn schon hatte der Lord seinen Hals mit beiden Händen umklammert. Mit einem wahnsinnigen Schrei: »Bin ich verloren, sollst du es mit mir sein, Sherlock Holmes – du musst mit mir hinab in die Tiefe des Sees«, begann er, den Detektiv zu erdrosseln.

Doch Sherlock Holmes schlug seine starken Arme um den Leib des Lords und gelangte trotz des auf ihm lastenden Körpers in eine aufrechte Position.

Jetzt standen die beiden Männer im Boot.

Durch die Bewegungen der Ringenden schwankte das kleine Fahrzeug hin und her und drohte, unter ihren Füßen zu kentern.

Da, plötzlich – Sherlock Holmes wusste sich keinen anderen Rat, denn er fühlte sich dem Ersticken nahe, da die Hände des Lords immer fester seinen Hals umschlossen – schleuderte er sich zur Seite und stürzten die beiden Gegner zusammen kopfüber in den See.

Eine Sekunde später erschienen sie wieder an der Oberfläche.

Noch hielten sie sich gefasst, aber der Lord hatte bei dem Sturz unwillkürlich den Hals des Detektivs freigegeben.

Der Kampf wurde im Wasser fortgeführt.

Hoch spritzten die Wogen des Sees.

Jeder der beiden Gegner war bemüht, den anderen unter die Wasseroberfläche zu drücken, um ihn zu ertränken.

Da endlich gelang es Sherlock Holmes, mit eiserner Hand die Kehle des Lords zu umklammern.

Nochmals blickte er in das grauenhaft verzerrte Gesicht Dungraves, auf dem das bleiche Mondlicht ruhte. Dann drückte er Dungrave unter die Wasseroberfläche und spürte, wie der Körper immer schwächer zuckte, bis er schließlich regungslos blieb.

Als Sherlock Holmes den Körper Dungraves emporheben und in das Boot legen wollte, das er schwimmend zu erreichen versuchte, entglitt ihm der Tote. Eine Welle erfasste ihn und Holmes vermochte ihn nicht wieder zu erreichen.

Etwa hundert Schritte von ihm entfernt sah Sherlock Holmes, wie Dungraves Körper langsam in die Tiefe des Sees hinabsank.

Der Detektiv erreichte das Boot, schwang sich über den Rand in das kleine Fahrzeug hinein und begann, zum Ufer zurückzurudern, an dem sich das Schloss erhob.

»Das Scheusal von Dunsinam ist tot«, sagte Sherlock Holmes zu sich selbst. »Umso besser – so wird die Welt nicht durch den Prozess erfahren, zu welchen verbrecherischen Ausschreitungen der Mensch fähig ist.

Es gibt Verbrechen, die so furchtbar sind, dass es besser ist, sie mit ewigem Vergessen zu bedecken.

Dieser unergründliche See birgt fortan ein menschliches Scheusal, das genug Menschenleben gefordert hat.«

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