Secret Service Band 4 – Kapitel 5
Francis Worcester Doughty
Secret Service No. 4
Old and Young King Brady Detectives
Der geniale Bluff der Bradys
Oder: Ihre Verfolgungsjagd zur Rettung einer Erbin
Eine interessante Detektivgeschichte aus dem Jahr 1899, niedergeschrieben von einem New Yorker Detective
Kapitel 5
Hayden ist nicht so grün
»Was lässt dich glauben, dass ich ein Narr wäre?«, fragte Hayden schroff.
»Weil es da drüben in Jersey einen Farmer gab, der zehntausend Dollar für einen Claim in diesem Goldland bezahlt hat, und am Ende musste er feststellen, dass er gebuncot worden war. Da war gar kein Gold, und er war seine zehntausend einfach los. Das ist der Grund!«
»Mensch!«, japste Farmer Hayden. »Was du nicht sagst!« Dann verfiel er in stilles Grübeln. »Aber dieser Jersey-Farmer«, fragte er schließlich, »der hat doch Geschäfte mit einem echten Mann gemacht, oder nicht?«
»Jawohl!«, erwiderte Jonas.
»Puh – das ist was anderes!«
Das Gespräch verlagerte sich nun auf andere Themen. Der Klondike wurde nicht wieder erwähnt. Doch Young King Brady sah wohl, dass der Farmer unter dem Bann des goldenen Zaubers stand, den die listige Lively Ann über ihn gewebt hatte. Er erkannte, dass die Chancen gut standen, dass dieser Ahnungslose zum Opfer der triumphierenden Spinne werden würde, sofern nicht etwas dazwischenkäme.
Am nächsten Tag fuhr Young King Brady den Farmer zum Bahnhof. Dieser nahm einen Zug nach New York. Der junge Detektiv wusste genau, wohin die Reise ging. Er konnte es zwar nur vermuten, aber er ahnte, dass Hayden keine großen Geldmengen bei sich trug. Old King Brady hatte richtig getippt. Vorsichtig, wie alle Männer seines Schlages, hatte Hayden beschlossen, erst das Goldgeschäft zu prüfen, bevor er sein Geld investierte.
Die Chancen standen gut, dass er erst nach einiger geschickter Arbeit der Drahtzieher eingefangen werden würde. Der junge Detektiv war fest entschlossen, zur Stelle zu sein, wenn die Zeit gekommen war. An jenem Abend kehrte Hayden zurück. Er war in einer zerstreuten Stimmung, und seine Augen brannten in einem seltsamen Licht. Er saß an seinem Scheunentor und kaute energischer denn je auf Heuhalmen. Jonas Pilkins versuchte ihn aus der Reserve zu locken, doch vergeblich. Hayden war nicht in Plauderlaune. Er legte sich früh schlafen, und Jonas tat es ihm gleich.
Am nächsten Tag war Hayden weinerlich und mürrisch. Er verbrachte viel Zeit damit, illustrierte Broschüren über das Klondike-Land zu studieren.
Young King Brady lächelte. »Er ist ein leichtes Opfer für die Gauner«, murmelte er. »Die Narren sterben eben nicht aus. Ah, Farmer Hayden, Sie werden uns noch dafür danken müssen, dass wir Sie vor dem sicheren Ruin bewahrt haben.«
Der zweite Tag von Jonas’ Aufenthalt auf der Hayden-Farm verging. Am Abend ging er zum kleinen Postamt und erhielt einen Brief. Dieser lautete:
Lieber Harry: Dein Mann Hayden kam in die Stadt und wurde in dem Mietshaus in der Second Avenue vom kranken Klondike-Miner und seiner Frau bewirtet. Ich war auf der Feuertreppe und habe alles mitgehört. Er hat sein Geld noch nicht für den Goldbarren hergegeben, aber er wird es früher oder später tun. Er erwartet morgen einen Besuch von Corcoran und Lively Ann. Der andere Vogel hält sich im Haus in der 44th Street versteckt. Ansonsten ist alles ruhig. Die Drei Flöhe sind hinter mir her, aber ich bin auf der Hut und werde sie an der Nase herumführen. Ich werde morgen mit den anderen zur Stelle sein.
Dein James Brady.
Young King Brady las diese Neuigkeiten mit großer Genugtuung. Alles lief nach Plan. Vielleicht würde noch vor der nächsten Nacht ein Fall gegen die hinterlistigen Bunco-Männer aufgebaut sein und sie säßen hinter Gittern. Young King Brady schlief in jener Nacht gut.
Am nächsten Tag schien Hayden in besserer Stimmung zu sein. Er pfiff, sang und schmunzelte bei der Arbeit. Gegen Mittag, während Jonas dem Vieh im Hof das Futter gab, hörte er Hayden wütend schreien: »Raus da, du dreckiger Landstreicher! Verschwinde, oder ich jage dir die Mistgabel durch den Leib!«
Hinter einem Heuhaufen schlurfte ein Mann von unbeschreiblichem Aussehen hervor. Ein schlimmeres Exemplar der Gattung Tramp hätte man kaum finden können. Er glitt hinaus auf die Landstraße und schlich am Zaun entlang. Als er Jonas gegenüberstand, ging Hayden in die Scheune. Da gab der vermeintliche Tramp Young King Brady ein Signal. Der junge Detektiv wusste sofort, wer es war. Es war Old King Brady. Er beantwortete das Signal.
Der alte Detektiv lehnte sich über den Zaun und sagte mit gedämpfter Stimme: »Corcoran und Lively Ann sind unterwegs. Behalte Hayden im Auge.«
»Alles klar«, antwortete Young King Brady. »Haben Sie meinen Brief erhalten?«
»Ja.«
Der Landstreicher schlurfte weiter und verschwand kurz darauf hinter einer Steinmauer. Eine halbe Stunde später fuhr ein Wagen mit drei Insassen vor.
Neben dem Fahrer, der zugleich der Bahnhofsvorsteher war, saßen ein Mann in der derben Kleidung eines Bergarbeiters und eine schlicht gekleidete Frau. Sie stiegen vor der Tür des Farmerhauses aus. Der Mann ging an Krücken. Hayden kam aus der Scheune, begrüßte sie freundlich, und alle betraten das Haus – bis auf den Fahrer, der seiner Wege fuhr. Einen Augenblick später schlich der Landstreicher hinter der Steinmauer hervor und umging die Scheune.
Jonas ließ seine Mistgabel fallen und schlüpfte in die Küche des Hauses. Die Haushälterin schlief in ihrem Sessel. Alle anderen Männer waren weit draußen auf den Feldern bei der Heuernte. Der Weg war also frei. Jonas glitt zu einer Seitentür und hob die Klinke. Ein Mann hockte dicht am Haus unter dem Fenster des Wohnzimmers, das offen stand. Es war der Landstreicher. Young King Brady gab ein Zeichen. Dann kroch er zur geschlossenen Tür des Wohnzimmers. Das Schlüsselloch war groß und von altmodischer Art. Der junge Detektiv konnte sowohl sehen als auch hören. Es erübrigt sich zu sagen, dass er diese Gelegenheit nutzte.
Hayden saß an einem Tisch. Corcoran und Lively Ann saßen rechts und links von ihm. Auf dem Tisch lag der Goldbarren. Er glänzte hell und prächtig. Dass es echtes Gold war, schien außer Zweifel zu stehen. Hayden las in einem Dokument.
»Da ist das Zertifikat des Prüfers«, sagte Corcoran überzeugend. »Ich wüsste nicht, was Sie noch an Beweisen brauchen könnten, Fremder. Er hat die Probe direkt aus der Mitte des Barrens entnommen und sie als achtundneunzig Prozent reines Naturgold zertifiziert.«
Hayden nickte langsam. »Ja«, sagte er; »ich verstehe.«
»Nun, zehntausend Dollar entsprechen nur etwa zwei Dritteln dessen, was dieser Barren wert ist. Ich bringe da ein großes Opfer.«
»Warum bringen Sie den Barren nicht zum Münzamt und lassen sich den vollen Wert auszahlen?«, fragte Hayden mit mehr Scharfsinn, als er bisher gezeigt hatte.
»Habe ich das nicht erklärt?«, hinterfragte Corcoran ungeduldig. »Ich sagte Ihnen doch, dass ich den Barren behalten will. Ich biete ihn Ihnen nur als Sicherheit für genug Geld an, um zum Klondike zurückzukehren. Ich werde ihn sehr bald wieder einlösen und Ihr Geld innerhalb eines Jahres verdoppeln.«
Haydens Augen glänzten. Es war ein verlockendes Angebot.
»Wovor haben Sie Angst?«, fragte Lively Ann. »Sie haben genug Sicherheit. Sie behalten den Goldbarren einfach. Wenn wir ihn nicht in einem Jahr auslösen, gehört er Ihnen.«
Hayden zog ein Bündel Banknoten aus der Tasche. Sie hatten hohe Nennwerte. Er begann, sie langsam zu zählen. Die beiden Bunco-Männer beobachteten ihn wie die Habichte. Die beiden Detektive hörten alles mit und warteten gespannt auf das Ergebnis.
Langsam zählte Hayden das Geld. Plötzlich hielt er inne und blickte die Betrüger scharf an.
»Woher weiß ich, dass Sie den Barren überhaupt wieder einlösen?«, fragte er.
»Nun, wenn wir es nicht tun, haben Sie das Gold«, sagte Corcoran geschmeidig. »Sie wären der Gewinner und wir die Verlierer.«
»Haben Sie noch eine andere Sicherheit zu bieten – irgendeinen Grundbesitz?«
»Sie wissen, dass wir das nicht haben«, sagte Lively Ann. »Ich teilte Ihnen doch mit, dass dieses Gold alles ist, was wir auf der Welt besitzen.«
Hayden fingerte an den Banknoten. Dann erhob er sich. »Warten Sie einen Moment«, sagte er. »Unsere Zeit ist kostbar«, sagte Corcoran. »Es gibt andere, die nur auf diese Gelegenheit warten.«
»Ich werde ihnen reichlich Gelegenheit geben«, sagte der Farmer kühl. »Ich bin in einer Minute zurück.«
Dann schritt er auf die Tür zu, durch deren Schlüsselloch Young King Brady gerade blickte. Der junge Detektiv hatte gerade noch Zeit, durch den Außenraum und aus der Tür zu springen. Hayden trat hinaus ins Freie und erhob seine Stimme.
»Jonas!«, schrie er. »Jonas Pilkins!«
Young King Brady kam schwerfällig um das Haus herumgelaufen. Er stieß seine Mistgabel in den Boden.
»Ja, Sir, ich komme.«
Er trat an die Stufen heran. Hayden musterte ihn scharf.
»Jonas«, sagte er, »du bist ziemlich helle im Kopf. Erinnerst du dich noch an das, was du mir gestern über den Klondike erzählt hast?«
Young King Brady starrte den Farmer erstaunt an. Doch er antwortete: »Das tue ich gewiss, Sir.«
»Komm rein.«
Der junge Detektiv war über diese Wendung der Dinge verblüfft. Wahrlich, Farmer Hayden war ein exzentrischer Charakter. Ohne weiteres Zögern folgte er ihm. In das kleine Zimmer, in dem die Bunco-Männer warteten, führte Hayden den Weg. Sowohl Corcoran als auch »Lively Ann« starrten Jonas überrascht an. Es war ein völlig unerwarteter Vorgang.
»Das ist mein Knecht, Jonas Pilkins«, sagte Hayden beiläufig. »Er weiß mehr über den Klondike und Goldbarren als ich.«
»Was soll das?«, rief Corcoran und gab sich entrüstet. »Wollen Sie uns zum Narren halten?«
»Komm«, sagte Lively Ann und erhob sich, »lass uns gehen, Mann.«
»Oh, sachte, sachte! Werden Sie nicht nervös«, sagte Hayden. »Ich wollte nur um Rat fragen, das ist alles. Nun, Jo hat einen guten Kopf auf den Schultern und er sollte in der Lage sein, mir zu helfen.«
Die Bauernfänger starrten Jonas an. Sie sahen ein einfältiges, bäuerliches Gesicht, und erneut huschte ein Grinsen der Gewissheit über ihre Mienen. Was konnte einfacher sein, als auch diesen Mann zum Narren zu halten? Wenn Hayden leichte Beute war, musste Jonas wie Knete in ihren Händen sein.
Sie machten sich an die Arbeit. Auf geschickteste Weise ließen sie sich über die Vorzüge des Goldbarrens aus und über den großen Profit, den Hayden aus dessen Verkauf ziehen würde, sollten sie es nicht schaffen, ihn selbst auszulösen.
Jonas grinste und war sichtlich amüsiert. Die geschmeidige Sprache und die flinken Komplimente schmeichelten ihm, und die Bauernfänger waren sich sicher, ihn in der Tasche zu haben.
Schließlich sagte Hayden kurz angebunden: »Nun, Jonas, was sagst du dazu? Würdest du ihnen zehntausend Dollar auf diesen Goldbarren geben?«
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