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Die letzte Fahrt der Enora Time

Andreas Gruber
Die letzte Fahrt der Enora Time

Science-Fiction, Kurzgeschichten, Softcover, Goldmann, München, April 2026, 336 Seiten, 14,00 EUR, ISBN: 9783442497423

Autor Andreas Gruber hat die im vorliegenden Buch gesammelten Texte, die allesamt schon in anderen Publikationen erschienen sind, im Jahr 2025 komplett überarbeitet und mit persönlichen Anmerkungen versehen, die Hintergründe zur jeweiligen Entstehung offenbaren, was nicht nur eine Einordnung in den zeitlichen Veröffentlichungsrahmen zulässt, sondern z.B. Aufschluss zu Inspiration und Motivation des Autors gibt.

Andreas Gruber ist kein Unbekannter und in vielen Genres bewandert. Man kennt ihn als Krimi- und Thrillerautor wie auch als Verfasser unheimlicher Romane.

Wie er zur Science-Fiction kam, erzählt der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller in seinem launigen Essay zu Beginn des Buches: Mein Zugang zur Science-Fiction.

Perry Rhodan-Leser kennen Andreas Gruber vermutlich aus seiner Kolumne Aus dem Tagebuch eines Spätlesers in der SOL, dem Magazin der Perry Rhodan Fanzentrale.

Allein aufgrund der eklatanten Unterrepräsentation von Science-Fiction-Anthologien im deutschsprachigen Literaturbetrieb, stellt die veröffentlichte Kurzgeschichtensammlung etwas Besonderes dar. Solche Projekte sind sonst eher in Kleinverlagen zu finden.

In seinen 11 Stories bedient sich Andreas Gruber verschiedenster Sujets der Science-Fiction.

Gleich in der ersten Geschichte, Ecke 57th Street, geht es um die Optimierung des Menschen, seine Perfektionierung, das Erreichen der nächsten Stufe der Evolution. Es geht um ein Leben im Cyberspace und quasi Unsterblichkeit. Doch ist dieses Konzept wirklich erstrebenswert? Wieviel Menschlichkeit bleibt dann noch vom Menschen?

Das darauffolgende Duell im Mintauer ist eine actionreiche Space Opera und belegt umgehend die Vielseitigkeit des Autors, der sich gerne ausprobiert und sich auch von anderen Genres und Medien inspirieren lässt.

Exlibris: Achtzehntausend Gigabyte ist eine Wertschätzung, eine Hommage an das Wort, an geschriebene Texte, die in Widerspruch zu einer rationalen, kalten, entmenschlichten Gesellschaft stehen, die keine Emotionen mehr kennt und die letzten Bewahrer des kulturellen Erbes vernichtet. Eine erschreckende dystopische Vision auf acht Seiten.

Das Motel mit seinem surrealen Setting könnte auch dem Doctor Who–Universum entsprungen sein, wohingegen Rendezvous für mich eine gelungene Verknüpfung von Hard Science mit einer Amour fou darstellt.

Und somit erneut »Hut ab!« vor der Kreativität und Experimentierfreudigkeit des Autors.

Zeitreise Ltd. – Wir korrigieren alles greift, wie der Titel schon sagt, das beliebte Thema Zeitreise auf und gewinnt diesem einen neuen, intelligenten wie auch parodistischen Aspekt ab, mit einer cleveren Schlusspointe.

Mit Dr. Stein hat Andreas Gruber eine originelle, eine fantastische Version der bekannten Schauergeschichte geschaffen. Das Planspiel scheint mir vom Werk eines Douglas Adams inspiriert zu sein.

Joyce ist ebenfalls eine Zeitreisegeschichte, sowie gleichzeitig eine sehr poetische und sehr romantische Liebesgeschichte.

Heimkehr nach Algata hat bei mir ein gewisses Star Wars – Feeling ausgelöst, welches in der Kraft, der Macht des Geistes begründet ist.

Die titelgebende Story, Die letzte Fahrt der Enora Time, ist die abschließende wie auch längste Geschichte dieses wunderbaren Bandes.

Hier vereint der Autor Space Opera, Military SF, Zeitreise und Alien-Horror zu einer spannenden, dramatischen und pointierten Erzählung.

Fazit:
Andreas Gruber hat mit Die letzte Fahrt der Enora Time eine lesenswerte, unterhaltsame und abwechslungsreiche Sammlung an Science-Fiction Kurzgeschichten vorgelegt, die zu Recht eine Neuauflage erhalten haben und mit den jeweiligen Anmerkungen des Autors ist daraus zudem ein sehr persönliches Buch geworden, welche für die Leserin, den Leser definitiv einen Mehrwert darstellen.

(stb)

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