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John Sinclair Band 1994 – Ich, der Exorzist

Ian Rolf Hill
John Sinclair Band 1994
Ich, der Exorzist

Grusel, Heftroman, Bastei, Köln, September 2016, 68 Seiten, 1,80 Euro, Covermotiv: Timo Würz
www.bastei.de

»In diesem Moment riss der Besessene den Mund so weit auf, dass Ignatius befürchten musste, die Haut an den Mundwinkeln würde reißen. Doch stattdessen ergoss sich mit ohrenbetäubendem Summen eine Wolke von dicken Schmeißfliegen in den kleinen Raum, der binnen Sekunden gefüllt war von Tausenden kleinen Insektenleibern.«

Bill Connolly verweilt bei Father Ignatius in Rom, um dort für einen Bericht über Geheimarchive zu recherchieren, als es zu einigen seltsamen Vorfällen kommt. Schmeißfliegen sammeln sich um das Refugium der weißen Macht, auf den Speisen tummeln sich unzählige Maden und Monsignore Antonio Fiore ersticht einen Kardinal mitten im Vatikan mit einem Buttermesser. Der Täter lässt sich widerstandslos festnehmen und zeigt keine Zeichen geistiger Verwirrung, stattdessen Anzeichen von Besessenheit. Außerdem verlangt er, den Sohn des Lichts zu sehen.

»Der kleine Raum nachte einen trostlosen Eindruck auf mich. Auch hier brannte eine Neonröhre unter der Decke. In den beiden gegenüberliegenden Ecken befanden sich Videokameras. Einen großen Spiegel, durch den heimliche Beobachter das Geschehen verfolgen konnten, gab es allerdings nicht.

Auch Stühle oder Tische sah ich keine, dafür stand in der Mitte des Raums ein Bett, dessen Fußteil genau gegenüber der Tür lag, sodass wir der Länge nach auf den liegenden Signor Conte blickten konnten, der unter einer weißen Decke lag.«

Mit Ich, der Exorzist liefert Autor Ian Rolf Hill eine deutliche Abwechslung im wöchentlichen John-Sinclair-Programm, das ansonsten von Monstern der Woche oder eben den bekannten Dämonen(gruppen) dominiert wird. Die Idee, John Sinclair bei einem Exorzismus assistieren zu lassen, dürfte neu sein.

Wie meist in Hills Romane beginnt das Grauen eher schleichend in Form von einer ungewöhnlich nervigen Anzahl von Fliegen, die sich, als sich zufällig gerade Bill Connolly im Vatikan aufhält, eben dort breitmacht. Nicht lange und es kommt zu einem Mord, der offensichtlich besessene Täter wird geschnappt, festgeschnallt und verlangt, John Sinclair zu sehen. Sobald der Sohn des Lichts eingetroffen ist, werden die Standards des Exorzismusgenres abgespult. Der Besessene redet mit veränderter Stimme, teilt wüste Beschimpfungen aus und ergeht sich in vagen Andeutungen. Fliegen und Maden spielen dabei auch noch eine unappetitliche Rolle.

Erst als der besessene Fiore stirbt und der Dämon zu Ignatius Stellvertreter, Signor Conte, weiter wandert, der eine ungleich höhere Machstellung innehat, kommt mehr Zug ins Geschehen. Bereits zuvor war klar, dass man hier einen ernstzunehmenden Gegner vor sich hat, wenn dieser sogar ins Machtzentrum des Vatikans eindringen konnte. So gilt es nun, Conte einem Exorzismus zu unterziehen, den Father Ignatius persönlich mit der Assistenz von John Sinclair durchführt. Parallel verlassen Suko und Bill Conolly den Vatikan, um die Wohnungen zweier Schweizer Gardisten aufzusuchen, die sich ebenfalls in dieser Sache, möglicherweise unfreiwillig, der Mittäterschaft schuldig gemacht haben.

Insgesamt wirkt Ich, der Exorzist reichlich gestreckt. Es gibt gleich zwei nacheinander Besessene, die »Verwandlung« und Vernichtung der Schweizer Gardisten ist im Grunde völlig belanglos und immer wieder wird der Handlungsfluss durch Nebensächlichkeiten á la »Sinclair geht duschen« und Wiederholungen gebremst und die Spannungskurve fällt dabei mehr als einmal wieder ab.

Dafür ist der Roman relativ eigenständig zu lesen, auch wenn es hilft, die vielen Figuren zu kennen. Außerdem wird wieder einige Male auf alte Fälle und auf die Vergangenheit des Geisterjägers Bezug genommen.

Fazit:
Auch wenn das Thema im Sinclair-Kosmos neu ist, ist der Roman insgesamt zu zäh geraten, um zu fesseln.

(eh)