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Al Capone – Band 34

Al Capone
Band 34
Erpressung!

1. Kapitel
Ein Erpresserbrief

Am Ende des vorigen Heftes befanden wir uns in der Opiumhöhle des Chinesen Chan-Shey, in der Dorothy Mac-Swigging mit ihrem ihr am selben Tage angetrauten Gatten Percy versteckt werden sollte. Moran und Drucci, die mit einigen Komplizen die Überwältigung und Entführung des jungen Ehepaares ausgeführt hatten, wandten sich nun an den Chinesen.

»Na, wie geht das Geschäft?«, fragte Moran Chan-Shey.

»Glänzend!«, antwortete der Chinese, sich die Hände reibend, als er an die Hundertausende von Dollar dachte, die er in einem sicheren Versteck verborgen hatte; aber es schien ihm nun, dass er zu große Freude gezeigt habe, da doch der Leichnam von O’Banion kaum erkaltet war, nach dessen Bestattung er sich noch gar nicht erkundigt hatte. Er hatte nämlich nicht an ihr teilgenommen, um nicht dadurch aller Welt kundzutun, dass er in Beziehungen zu der Bande von der North Side stand. Nun verbesserte er sich und sagte in einem falschen, verstellten Ton voller Trauer: »Na ja, man sagt so, es geht gut, also ich meine, es würde gut gehen, wenn sie nicht Dion O’Banion ermordet hätten, den armen Mann, der zu uns allen wie ein Vater war.«

»Hast du ihn immer wie einen Vater angesehen?«, fragte ihn Scheemer Drucci voller Hohn.

»Jawohl, das habe ich!«, erwiderte, ohne zu zögern, Chan-Shey, den seine Landsleute den Vater der Lügen nannten wegen seiner Schwindeleien, die er tagtäglich aller Welt vorsetzte.

»Darum hast du auch, als Dion O’Banion dir eines Tages ins Gesicht schlug, ihn nicht wieder geschlagen?«

Chan-Shey gab keine Antwort und presste die dünnen Lippen zusammen; er wurde blass.

»Du hast immer noch Wut auf ihn, nicht wahr?«, fragte ihn Scheemer Drucci, seine grauen Augen fest in die Schlitzaugen des Mongolenmischlings senkend.

Dieser nahm sich schnell zusammen und erwiderte sofort: »Trotzdem habe ich ihn von ganzem Herzen geliebt; es stimmt, er hat mir allerdings einmal ins Gesicht geschlagen, weil er sich übermäßig aufgeregt hatte, was bei ihm sehr oft vorkam, denn er war ja aufbrausend und jähzornig, aber ich schwöre euch, meine Freunde, als er mich schlug, war mir, als ob mir die Ohrfeige mein Vater gegeben hätte! Darum habe ich nicht zurückgeschlagen!«

»Du hast ihn nicht geschlagen, weil du feiger als eine Ratte bist!«, rief Scheemer Drucci grob aus. »Aber das interessiert uns jetzt nicht. Du sollst nun allerdings eine gute Gelegenheit erhalten, deine Liebe für den Toten zu beweisen. Du siehst da diese beiden Gefangenen; sie sollen in unserer Hand als furchtbares Werkzeug der Rache dienen, um den armen O’Banion zu rächen! Wenn sie aus deinem Gefängnis entweichen sollten, dann denke daran, dass, sobald wir von ihrer Flucht hören, es mit deinem Leben zu Ende ist! Wir schwören, dich zu töten. Nicht wahr, Moran?«

»Natürlich, du bist dem Tode verfallen«, versicherte dieser, »wenn Percy und seine Frau Dorothy Mac-Swingging von hier entkommen oder wenn es auch nur einen von ihnen gelingen sollte, von hier zu fliehen.«

Dieses formelle Versprechen der Gangster hatte zur Folge, dass sich Chan-Shey die Haare sträubten.

Er wusste, wie pünktlich und genau die Bootlegger aller Banden in der Erfüllung von Versprechen solcher Art zu sein pflegten.

Er bewahrte aber trotzdem Haltung, umso mehr, als er sah, wie die Leichenblässe seines Gesichts Moran und Drucci nur Anlass gab, sich über ihn lustig zu machen.

Drucci sagte zu seinem Komplizen: »Sieh ihn dir mal an! Wir haben ihn noch gar nicht umgebracht, und er sieht schon aus wie eine Leiche!«

»Ha, ha! Er sieht aus wie eine Wachsfigur …«


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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