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Vincent Voss – Im Eis

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Abgeschnitten

Aus Furcht vor einem Stalker flieht die Comic-Zeichnerin Linda in ein kleines Haus auf Helgoland. Doch die Ruhe hat ein Ende, als ein Sturm aufzieht und das Eiland plötzlich vom Festland abgeschnitten ist. Auf einmal häufen sich die Anzeichen, dass ihr Stalker Danny sie gefunden hat. Obwohl Lindas Bruder ihr versichert, dass er keine Gefahr mehr für sie darstellt, flieht sie in Panik aus dem Haus. Doch da fangen ihre Probleme erst richtig an, denn Linda findet am Strand eine Leiche.
Zur selben Zeit findet der Pathologe Dr. Herzfeld während einer Sektion in einer Leiche eine Kapsel mit der Handy-Nummer seiner Tochter. Allerdings meldet sich unter der Nummer nur die Mailbox, die von seiner Tochter Hannah besprochen wurde. Diese befindet sich in den Händen eines skrupellosen Psychopathen, der Herzfeld zu einem grausamen Spiel herausfordert. Offenbar gibt es nämlich noch mehr mit Hinweisen präparierte Leichen. Eine davon ist der auf Helgoland angeschwemmte Tote, den Linda gefunden hat. Weil die Insel aufgrund des Orkans weder mit dem Schiff noch per Hubschrauber zu erreichen ist, bleibt den beiden Menschen keine andere Wahl. Linda muss die Obduktion selber durchführen, telefonisch angeleitet durch Dr. Herzfeld, der sich in Begleitung seines neureichen Praktikanten Ingolf trotzdem auf den Weg zur Insel macht, denn Hannahs Rettung ist ein Wettlauf gegen die Zeit und in den Gängen der leer stehenden Klinik, in der Linda die gefundene Leiche obduzieren soll, treibt sich zudem ein brutaler Mörder herum …

Fitzeks Gemeinschaftsarbeit mit dem Rechtsmediziner Michael Tsokos besitzt alle typischen Eigenschaften, die man von einem Thriller des Autors erwartet. Ein ebenso origineller wie raffiniert konstruierter Plot, eine hohe Sachkenntnis (für die hauptsächlich Michael Tsokos verantwortlich sein dürfte), hohes Tempo und überraschende Wendungen. Mit Linda und Dr. Herzfeld schuf Fitzek sympathische Protagonisten, mit denen man mitfühlt und mitfiebert. Kurze Kapitel mit aufreibenden Spannungsspitzen zwingen geradezu zum Weiterlesen. Obwohl sich der Autor für seinen neuen Roman Hilfe geholt hat, ist sein Stil unverkennbar. Ein wenig erinnert der Schauplatz des leeren Krankenhauses auf Helgoland an Fitzeks vierten Roman Der Seelenbrecher. Trotzdem nimmt das Geschehen einen anderen Verlauf. Obwohl einige Szenen sehr bemüht wirken, führen die einzelnen Handlungsfäden am Ende erstaunlich schlüssig zusammen. Wie konnte der Psychopath beispielsweise sicher sein, dass Herzfeld und Ingolf zu dessen Wohnhaus fahren würden? Auch Lindas Versteckspiel mit dem Killer im Krankenhaus erfordert ein gerüttelt Maß an Wohlwollen. Solche Konstruktionen werden von Sebastian Fitzek mit einem sicheren Gespür für Spannung und Dramatik kompensiert. Der Roman wirkt aus einem Guss geschrieben und schlägt den Leser von Beginn an in seinen Bann. Ein wenig deplatziert wirkt lediglich der ausufernde Epilog, der die Atmosphäre des unvermeidlichen Endes zunichtemacht. Ein herausragender Unterhaltungsroman, der an keiner Stelle langweilig wird.

Irgendwo an oder in den Büchern von Sebastian Fitzek sind ja immer kleine Gimmicks versteckt. Dieses Mal findet sich das Extra direkt vorne auf dem Schutzumschlag, in Form einer handschriftlichen Notiz, die man ertasten kann und die erst sichtbar wird, wenn man über diese Stelle reibt. Die Telefonnummer sollte man Spaßes halber mal anwählen. Zum Verständnis der Geschichte werden die Informationen jedoch nicht benötigt. Dessen ungeachtet ist der Titel recht sparsam aufgemacht, dafür aber äußerst treffend.

Fazit:
Raffiniert konstruierter Thriller mit einer großartigen Pointe. Eine schnelle Handlung, überraschende Wendungen und ein schlüssiges Finale trösten über ein paar bemühte Zufälle hinweg. Fitzek erweist sich einmal mehr als Könner seines Fachs. Ein Buch, das einen bis zum Schluss nicht mehr loslässt.

Copyright © 2013 by Florian Hilleberg

 

Sebastian Fitzek, Michael Tsokos
Abgeschnitten
Hardcover, Psychothriller
Droemer Knaur, München
September 2012
398 Seiten, 19,99 Euro
ISBN 9783426198810
Titelgestaltung von ZERO,
Werbeagentur München

www.droemer-knaur.de
www.sebastianfitzek.de