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Ghost Stories – Die Geschichte der alten Kinderfrau

Elizabeth Cleghorn Gaskell
Die Geschichte der alten Kinderfrau
Originaltitel: The Old Nurse’s Story. 1852

Ihr wisst, meine Lieben, dass eure Mutter eine Waise und ein Einzelkind war. Ich wage zu behaupten, dass ihr auch gehört habt, dass euer Großvater Pfarrer in Westmoreland war, wo ich herkomme. Ich war noch ein Mädchen in der Dorfschule, als eines Tages eure Großmutter hereinkam und die Lehrerin fragte, ob es unter den Schülerinnen eine gäbe, die als Kinderfrau geeignet wäre. Ich war sehr stolz, als die Lehrerin mich aufrief und sagte, ich sei ein gutes Mädchen, das gut nähen könne, zuverlässig und ehrlich sei und dessen Eltern sehr angesehen seien, auch wenn sie arm waren. Ich dachte, es gäbe nichts Besseres, als der hübschen jungen Dame zu dienen, die genauso rot wurde wie ich, als sie von dem kommenden Baby sprach und davon, was ich damit zu tun haben würde. Ich sehe jedoch, dass ihr euch nicht so sehr für diesen Teil meiner Geschichte interessiert, sondern vielmehr für das, was eurer Meinung nach noch kommen wird. Also werde ich es euch gleich erzählen. Ich war verlobt und lebte im Pfarrhaus, bevor Miss Rosamond geboren wurde, die jetzt Ihre Mutter ist. Natürlich hatte ich wenig mit ihr zu tun, als sie kam, denn sie war nie aus den Armen ihrer Mutter weg und schlief die ganze Nacht neben ihr. Manchmal war ich sehr stolz, wenn die Weiterlesen

Aus dem Reiche der Phantasie – Heft 3 – Der rote Messias – 8. Teil

Robert Kraft
Aus dem Reiche der Phantasie
Heft 3
Der rote Messias
Verlag H. G. Münchmeyer, Dresden, 1901

Kapitel 8

»Kreuzige ihn!«

Wie ein wildes Tier, das gejagt wurde, irrte Todespfeil durch die verkohlten Wälder des Territoriums. Er konnte sich nur mühsam von den wenigen Tieren ernähren, die das Kampfgetöse nicht aus dieser Gegend vertrieben hatte.

Es war nicht Feigheit, die ihn vor seinen Verfolgern fliehen ließ. Er wollte seine Waffen, die er bisher zurückgehalten hatte, nicht mit dem Blut seiner roten Brüder besudeln und auch nicht als Opfer ihres ungerechten Zorns enden.

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Die Abenteuer des Harry Dickson – Band 1 – Kapitel 8

Die Abenteuer des Harry Dickson
Band 1
Einem schrecklichen Tod entkommen
Kapitel 8
Die Enthüllung des Geheimnisses

Harry Dickson schritt nervös in seinem Zimmer auf und ab. Es waren bereits mehrere Tage vergangen, ohne dass er etwas von Tom oder dem Prinzen gehört hatte. Hatten sich alle seine Berechnungen als falsch erwiesen? Hatte er die Russin umsonst verschont, und war sie ihm entkommen?

In diesem Moment überreichte ihm sein Kammerdiener einen Brief, der am Morgen eingetroffen war und das Wappen des Prinzen Nischkoff trug. Der Inhalt lautete wie folgt:

Mylord
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Sagen der mittleren Werra 101

Von den Wichteln auf Scherbera

Von Förtha nach Oberellen führt links ein kleines Tal vom Wiesengrund in die nahen bewaldeten Hügel ab. Einer dieser Hügel wird Scherbera genannt. In diesem lebten vor langer Zeit unzählige Wichtel, die dort viel Neckerei und Unfug trieben. Sie führten die nachts am Scherbera vorüber wandernden Menschen durch allerlei kuriose Tänze und Bockssprünge irre, brachten den Menschen in Förtha Wechselbalge ins Haus oder kamen in Scharen in den Ort und stahlen wie die Raben. Wurden sie von den Förthaern verfolgt, so liefen sie, so schnell sie konnten, zum Scherbera. Sobald sie das Holz jedoch erreicht hatten, stellten sie sich zur Wehr und verteidigten ihre Wohnungen so hartnäckig, dass ihnen nicht beizukommen war.

Bei einer solchen Gelegenheit wurde einer der Wichtel erschlagen. Als sie ihn mit einem feierlichen Leichenbegängnis beerdigt hatten, verschwanden sie eines Morgens miteinander aus der Gegend.

In der Nacht hatten sie sich bei dem Dörfchen Hörschel von dem Fährmann über die Werra setzen lassen, ihn dafür mit einer Metze Salz abgelohnt und gesagt, wenn einmal bessere Zeiten in das Land kämen, dann würden sie auch wieder zurückkehren. So Weiterlesen

Eine Reise ins Jahr 2000 – Kapitel 11

William Wallace Cook
Eine Reise ins Jahr 2000
Kapitel 11
Der weinende Philosoph

Wie alle Detektive, über die es sich zu lesen lohnt, war Kinch ein Meister der Verkleidung. Ein Büschel fremder Haare am Kinn, etwas Schminke hier und da, eine Perücke – und selbst seine Mutter hätte ihn nicht erkannt.

Aber nicht immer brauchte er solche Hilfsmittel. Manchmal reichte schon ein hochmütiger Gesichtsausdruck aus, um ihn bis zur Unkenntlichkeit zu verwandeln. Einmal war sein Hinken in seinem ansonsten zügigen Gang so effektiv, dass die gesamte New Yorker Polizeiabteilung um das Jahr 1900 eine Woche lang rätselte.

Darüber hinaus hatte er mehrmals die Natur herausgefordert, indem er an zwei Orten gleichzeitig war. Wie ihm das gelang, erklärte er nie.

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