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Arttu Tuominen – Was wir nicht sehen wollen

Arttu Tuominen – Was wir nicht sehen wollen

Der vorliegende Kriminalroman spielt in der finnischen Küstenstadt Pori. Er handelt vom Leben der Obdachlosen und vom Mord an einigen Vertretern dieser Gruppe.

Eine polizeibekannte Bande von Jugendlichen, angeführt von einem blonden, hochgewachsenen jungen Mann namens Ilkka Rajala, genannt Ile, macht regelrecht Jagd auf die Obdachlosen und prügelt und tritt auf sie ein, ohne dass sie eine Chance hätten, sich zu verteidigen.

Die Jugendlichen nehmen Drogen, die ihnen Dragan Valenski und seine Leute verschaffen, eine üble Gruppe Krimineller und Dealer, die in Pori ihr Unwesen treiben.

Diesmal aber wird einer der Obdachlosen namens Harri Kallio bei lebendigem Leibe mit Benzin übergossen und verbrannt. Sind die Jugendlichen einen Schritt weiter gegangen und zu Mördern geworden?

Während die Polizei um Kommissariatsleiterin Susanna Manner, Kriminaloberkommissar Jari Paloviita, Kriminalhauptmeisterin Linda Toivonen und Hauptkommissar Henrik Oksman vermutet, dass die Jugendlichen für Harri Kallios Tod verantwortlich sind, ist der Leser schon etwas besser informiert.

Tatsächlich hat ein Mensch, es ist nicht klar, ob Mann oder Frau, der unter dem Namen der Erlöser in der Szene bekannt ist, Harri aufgesucht. Er hat Harri einen Plastikkanister mit Benzin vor die Füße gestellt und ihn animiert, sich das Benzin über den ganzen Körper zu schütten und davon zu trinken. Dann gab er ihm ein Feuerzeug und entfernte sich, während Harri sich selbst damit anzündete.

Der Leser erfährt außerdem, dass Aleksi, der Sohn von Kommissariatsleiterin Manner, nach der Schule drogenabhängig wurde und kriminell geworden ist. Er hat mit Dragan zu tun, der diesen Umstand nutzen will, um an seine Mutter heranzukommen, die Leiterin einer Kriminaleinheit bei der Polizei Westfinnland ist.

Im Laufe des Geschehens erpresst Dragan Susanna Manner mithilfe eines Messers, das für einen Mord verwendet wurde und auf welchem die Fingerabdrücke ihres Sohnes zu finden sind. Dragan fordert für sein Schweigen Gefälligkeiten Manners.

Einige Zeit später wird Lauri Kaarto, genannt Krempel- Lauri, von den Jugendlichen zusammengeschlagen. Er verliert das Bewusstsein und blutet stark.

Aber damit nicht genug. Wenige Minuten, nachdem die Jugendlichen geflohen sind, taucht wieder der Erlöser auf, im dunklen Trenchcoat mit Kapuze, die sein Gesicht verbirgt. In der rechten Hand trägt er, wie beim letzten Mal, einen roten Plastikkanister, gefüllt mit Benzin.

Wieder stellt der Erlöser den Kanister vor die Füße des Obdachlosen und tritt einige Schritte zurück. Lauri aber gießt sich das Benzin über den Kopf und den ganzen Körper und trinkt davon, wie es auch Harri tat. Anschließend reicht ihm die Gestalt ein Feuerzeug, und auch Lauri steckt sich selbst in Brand.

Der Unterschied zum letzten Mal ist der, dass es dort, wo das Ganze stattfindet, diesmal eine Überwachungskamera gibt, die alles aufzeichnet, sodass die Polizei nun sehen kann, was geschah. Außerdem wurde Harri, das erste Opfer, nicht zuvor von den Jugendlichen misshandelt.

Nun stellen sich der Polizei eine Menge von Fragen, und die Ermittlungen scheinen schwierig und verwickelt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn es ist abzusehen, dass es weitere Opfer geben wird.

 

Arttu Tuominen schreibt mit Was wir nicht sehen wollen einen emotional aufwühlenden Kriminalroman, der zudem bis zur letzten Seite spannend ist.

Er beschreibt dabei nicht nur das Leben und die Gefühlswelt der Polizisten sehr intensiv, sondern er erzählt sehr empathisch und glaubwürdig die Geschichten der Obdachlosen, um die es in diesem Buch geht.

Auch der innere Konflikt von Susanna Manner bezüglich der Probleme, die ihr ihr Sohn Aleksi bereitet und die dazu führen, dass sie Straftaten im Amt begeht, ist sehr authentisch dargestellt.

Ob allerdings die Möglichkeiten eines Hypnotiseurs so groß sind, wie sie der Autor darstellt, sei dahingestellt. Eine interessante Lösung des Falls aber ergeben sie in der beschriebenen Form allemal.

Fazit:
Der Autor legt einen Krimi vor, der nicht nur die Emotionen des Lesers anregt, sondern auch spannend bis zum Schluss ist und eine ungewöhnliche Lösung bietet.

Ich kann diesen Roman jedem Leser empfehlen, der mit der Gruppe der Obdachlosen fühlt und zudem eine spannende Story mit extravaganter Auflösung mag.

Der Autor:
Arttu Tuominen wurde 1981 in der Küstenstadt Pori geboren. Als Ingenieur für Umwelttechnik arbeitet er bei der Stadt. Er lebt mit seiner Familie weiterhin dort, am Schauplatz seiner Romane.

Der Autor wurde für seine Krimis international mit renommierten Preisen ausgezeichnet, wie dem Preis für den besten Krimi Finnlands, dem Skandinavischen Krimipreis oder dem dänischen Palle- Rosenkrantz- Preis.

Inzwischen gehört er zu den beliebtesten und erfolgreichsten Autoren im Finnish Noir. Im Herbst 2024 wurde er von Lesern zum beliebtesten Krimiautor Finnlands gewählt.

Quellen:

  • Arttu Tuominen, Was wir nicht sehen wollen, Bastei Lübbe AG, Köln 2025.
  • de.wikipedia.org
  • bastei-luebbe.de

Bilder:

  • Cover des Romans. Mit freundlicher Genehmigung der Bastei Lübbe AG.
  • Foto des Autors. © Mikko Rasila. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung der Bastei Lübbe AG.

(ww)

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