Der Mann mit dem gelben Koffer
Eines schönen Tages erschien ein unscheinbarer Mann, gekleidet in einen höchst langweiligen Anzug in der Stadt. Außer einem großen gelben Koffer trug er nichts bei sich. Zu groß für eine Aktentasche, zu klein als Reisegepäck. Sein schütteres Haar umgab den blanken Schädel gleich einem Kranz aus staubigem Stroh. Auf der Nase des Mannes saß eine dicke, schwarze Hornbrille, die längst schon aus der Mode gekommen war. Der Mund war so schmallippig, dass es ständig aussah, als würde er sich gewaltig anstrengen, ganz gleich, was er gerade tat.
Der Mann zog in einen der schönen, neuen Wohnblocks. Teuer waren die Wohnungen in diesen Gebäuden. Viel zu teuer für arme Menschen, aber der fremde Mann verfügte scheinbar Weiterlesen
Mit einem Lächeln auf den Lippen
Einen derart heißen Sommer hatte es schon lange nicht mehr gegeben. Die Sonne brannte vom Himmel als müsste sie ihre Zurückhaltung in den vergangenen Jahren gerade in dieser Woche nachholen. Zum Glück verfügte der Firmenwagen über eine anständige Klimaanlage, sonst wäre Lisa wohl längst im eigenen Saft gar gekocht.
In ihrem eleganten Kostüm fühlte sie sich eingeengt und unwohl. Bei diesem Wetter sollte man andere Klamotten tragen, leichtere Sachen, aber auf Dienstreisen war das Tragen legerer Kleidung untersagt. Immerhin repräsentierten die Mitarbeiter im Außendienst eine der erfolgreichsten Banken Deutschlands.
Weiterlesen
Auch Vampire dürfen Fast Food
Heutzutage der dunklen Bruderschaft anzugehören ist wirklich kein Zuckerschlecken mehr. Sie können sich das ja gar nicht vorstellen. Da wir gerade dabei sind: Hier ist auch schon das erste Problem, kaum dass ich einen Satz zu Papier gebracht habe. Um einem allgemeinen Aufschrei der Damen vorzubeugen, erwähne ich an dieser Stelle natürlich auch wohlwollend die Schwesternschaft unseres nächtlichen Gesindels.
Doch zurück zum Wesentlichen. Ich war dabei, mich über die schlimmen Zustände für heutige Blutsauger auszulassen. Damit liege ich doch voll im Trend und folge der Mode, uns als wehleidige Waschlappen darzustellen. Jammernd, vor Liebe schmachtend und mit sich und dem eigenen Los unsagbar unzufrieden. Wir leiden ja so schrecklich unter unserem Fluch, wir möchten doch nur geliebt werden. Ach, es bräche mir glatt das Herz, wäre da nicht die Übelkeit, die dieser Schwachsinn in mir auslöst.
Engel oder so …
Zwei Tage.
Er konnte es selbst nicht glauben, aber seit zwei endlosen Tagen wanderte er in diesem winzigem Raum nun schon auf und ab, ruhelos, die Nerven mittlerweile aufs Äußerste gespannt. Missmutig warf er einen Blick über die Schulter, fixierte die runde, speckig glänzende Halbglatze, welche über die Kante des zerschlissenen Polstersessels hinausragte und marschierte dann entschlossen auf die betreffende Person zu.
Wie er dort saß, in den ausgebleichten Jogginghosen, dem fleckigen T-Shirt, welches ihm eindeutig zu klein war und so den Blick auf einen, von dunklen Haaren gekrönten, mächtigen Bauch freigab.
Weiterlesen
Nächtliche Jagd
Müde saß ich in meinem Auto und war erleichtert, endlich den Heimweg antreten zu können. Meine Augen brannten und ich fragte mich, ob ich die rund einstündige Fahrt ohne Pause durchhielte. Hinter mir lag eine Betriebsfeier, die sich länger als befürchtet hingezogen hatte. Ich wollte nicht der Erste sein, der Abschiedsworte in die Runde rief, und so hatte ich bis nach Mitternacht warten müssen, bis endlich einige Kollegen aufbrachen. Mir lagen solche Feiern einfach nicht, vielleicht lag es am sinnleeren Gerede oder dem heimlichen Profilieren einiger Kollegen, zu dem es unweigerlich immer kam.
Genug jetzt, sagte ich mir und versuchte, meine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. Müde rieb ich über mein Gesicht und schaltete das Radio ein. Ich suchte eine Weile einen Sender, der eine einigermaßen annehmbare Musik spielte. Die Straße, die mich zur Autobahn brachte, lag dunkel und gerade vor mir und lud dazu ein, mit Weiterlesen


Neueste Kommentare