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Phänomene und Legenden

Oberhessisches Sagenbuch Teil 12

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Der Fettborn zu Meiches

Wer kennt nicht die Meicheser Totenkirche? Sie liegt einsam auf der Höhe über dem Ort. Wenn man an das Erzählen kommt, könnte man von ihr ein ganzes Reff voll erzählen, dass einem das Maul nicht stillstünde. Vor ihr im Freien steht der alte heilige Taufstein, der ist zerborsten, seitdem einmal Mutwillens halber die Heidenleute (Zigeuner) bei nächtlicher Weile darin Feuer angezündet haben. Ehedem sammelte sich darin Regenwasser, das war allezeit heilkräftig gegen die Augenkrankheiten und die Alten haben es hehlings gar dick oben geholt. Sider Weiterlesen →

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern – 44. Blatt

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern
von Johann Heinrich Ramberg, mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Verlag C. B. Griesbach. Gera. 1871

Eulenspiegel betrügt zu Wismar einen klugen Pferdehändler.

ulenspiegel reiste nach seiner Errettung vom Galgen nach Wismar, wo eben Viehmarkt war. Hier traf er einen Pferdehändler, welcher bei seinem Pferdekauf jedes Mal die Pferde an den Schwanzhaaren zu ziehen pflegte. Wenn diese recht festsaßen, so meinte er, die Pferde wären ganz gesund und lebten lange. Eulenspiegel, der dies hörte und gerade einen Stumpfschwanz ritt, kaufte sich beim Abdecker einen abgeschnittenen Schweif von einem toten Pferd, nahm Pech und Leim, tat auch etwas Blut darunter und leimte seinem Stumpfschwanz den gekauften Schweif sehr geschickt an. Dann ritt er mit seinem Pferd zum Pferdehändler und bot ihm dasselbe an. Der Pferdehändler musterte das Pferd, ergriff nach gewohnter Art das Pferd beim Schwanz und zog daran. Auf einmal riss er dem Pferd Weiterlesen →

Sammlung bergmännischer Sagen Teil 37

Das arme Bergmannsleben ist wunderbar reich an Poesie. Seine Sagen und Lieder, seine Sprache, seine Weistümer reichen in die älteste Zeit zurück. Die Lieder, die wohlbekannten Bergreihen, die Sprachüberreste, die Weistümer sind teilweise gesammelt. Die Sagen erscheinen hier zum ersten Mal von kundiger Hand ausgewählt und im ganzen Zauber der bergmännischen Sprache wiedergegeben. Das vermag nur zu bieten, wer ein warmes Herz für Land und Leute mitbringt, wo diese uralten Schätze zu heben sind; wer Verständnis für unser altdeutsches religiöses Leben hat, wer – es sei gerade herausgesagt – selbst poetisch angehaucht ist. Was vom Herzen kommt, geht wieder zum Herzen, ist eine alte und ewig neue Wahrheit. Hat der Verfasser auch nur aus der Literatur der Bergmannssagen uns bekannte Gebiete Weiterlesen →

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern – 43. Blatt

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern
von Johann Heinrich Ramberg, mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Verlag C. B. Griesbach. Gera. 1871

Eulenspiegel kommt wieder nach Lübeck, wird erhascht und soll gehenkt werden.

ulenspiegel schlich sich heimlich, als der Lärm der Milchmädchen bekannt wurde, aus Bremen, denn er fürchtete, erhascht zu werden und ging nach Lübeck zurück. Er kehrte im Ratskeller wieder ein, wo er vor kurzer Zeit den großprahlerischen Weinküper so tüchtig angeführt hatte. Dieser, der nach Eulenspiegels Wegreise die zwei Kannen auf der Tafel fand und in einer noch vom besten Wein, aber in der anderen einige Tropfen Wasser, sah hieraus, dass ihn der listige Eulenspiegel betrogen hatte und fragte ihn deswegen gleich beim Eintreten, wie ihm neulich der Wein geschmeckt und warum er ihn mit der Kanne Wasser betrogen hätte? Eulenspiegel erwiderte: »Ich habe dich nicht betrogen, sondern habe getauscht, denn den Wein hast du mir gegeben und eine Kanne des stärksten Getränks Weiterlesen →

Sammlung bergmännischer Sagen Teil 36

Das arme Bergmannsleben ist wunderbar reich an Poesie. Seine Sagen und Lieder, seine Sprache, seine Weistümer reichen in die älteste Zeit zurück. Die Lieder, die wohlbekannten Bergreihen, die Sprachüberreste, die Weistümer sind teilweise gesammelt. Die Sagen erscheinen hier zum ersten Mal von kundiger Hand ausgewählt und im ganzen Zauber der bergmännischen Sprache wiedergegeben. Das vermag nur zu bieten, wer ein warmes Herz für Land und Leute mitbringt, wo diese uralten Schätze zu heben sind; wer Verständnis für unser altdeutsches religiöses Leben hat, wer – es sei gerade herausgesagt – selbst poetisch angehaucht ist. Was vom Herzen kommt, geht wieder zum Herzen, ist eine alte und ewig neue Wahrheit. Hat der Verfasser auch nur aus der Literatur der Bergmannssagen uns bekannte Gebiete Weiterlesen →