Archiv

Kommissar Rosic – Band 1.14

Rodolphe Bringer
Kommissar Rosic
Band 1
Der Dolch aus Kristall
Kapitel 14:
Rosic begreift endlich

Man kann sich die Aufregung vorstellen, die Rosic ergriff, als er am Gare de Lyon – ausgerechnet in dem Moment, als er in den Schnellzug steigen wollte, der ihn nach Hause bringen sollte – jenem Reisenden gegenüberstand, der sich ihm gegenüber als Detektiv T. D. Shap ausgegeben hatte.

Er wollte schreien, um Hilfe rufen und diesen Betrüger festnehmen lassen.

Doch ein Pfiff ertönte; Bahnbeamte eilten herbei und riefen: »Einsteigen, bitte!«

Die Türen wurden bereits geschlossen, und der Zug setzte sich langsam in Bewegung.

»Kommen Sie, Monsieur Rosic, beeilen Sie sich, der Schnellzug fährt sonst ohne Sie ab!«

Rosic spürte, wie er auf das Trittbrett gehievt und in das Abteil geschoben wurde. Schließlich saß er auf einer Polsterbank, während der Zug mit lautem Dröhnen über die Drehscheiben die große Glashalle des Gare de Lyon verließ.

Ihm gegenüber saß der falsche T. D. Shap und lächelte.

Rosic war rot vor Zorn. Er wusste kaum, was ihn davon abhielt, diesem Kofferdieb an den Hals zu springen und ihn zu erwürgen. Beide waren allein in diesem Abteil erster Klasse. Er war so wütend, dass ihm die Worte fehlten. Und der andere sah ihn einfach nur lächelnd an.

Schließlich stammelte Rosic: »Monsieur, Sie haben mich zum Narren gehalten.«

Doch der andere schüttelte den Kopf: »Aber Monsieur Rosic, wie können Sie nur so etwas sagen? Ich war es doch, der Ihnen das Geheimnis von B-14 erklärt hat – etwas, das ohne mich für Sie noch immer ein Buch mit sieben Siegeln wäre.«

»Sie haben meinen Koffer gestohlen!«

»Ein Irrtum … ein einfacher Irrtum … den ich als Erster bedaure. Übrigens gebe ich ihn Ihnen zurück. Da ist Ihr Koffer, und Sie können sich selbst davon überzeugen: Es fehlt kein einziges Dokument.«

»Sie haben sich mir gegenüber als der ehrenwerte T. D. Shap ausgegeben.«

»Nun, da bin ich vielleicht ein wenig zu weit gegangen. Aber es musste sein, denn sonst hätten Sie meinen Worten keinen Glauben geschenkt und diese B-14-Geschichte für einen billigen Fortsetzungsroman gehalten.«

»Wer sind Sie überhaupt?«

»Wer ich bin? Aber Monsieur Rosic, haben Sie das denn noch nicht erraten? Wer könnte ich anderes sein als Sir William-Ralph Burnt.«

»Wahrhaftig! Ich habe es mir schon gedacht.«

»In Indien auch bekannt als Crystal-Dagger. Apropos: Ich hoffe, Sie werden Ihren Freund, Monsieur Chaulvet, bitten, mir meinen Kristalldolch zurückzugeben, an dem ich sehr hänge.«

»Das können Sie ihn schön selbst fragen!«

»Monsieur Rosic«, sagte W.-R. Burnt, »Sie betrüben mich wirklich. Man könnte fast meinen, Sie hegen einen Groll gegen mich. Dabei habe ich Sie im PARIS-MATIN mit Ruhm überschüttet!«

Rosic funkelte seinen Sitznachbarn noch immer mit wütenden Blicken an. Doch tief in seinem Inneren spürte er bereits, wie sein Zorn verflog. Im Grunde war dieser Burnt kein Verbrecher. Er konnte ihm nichts wirklich Ernsthaftes vorwerfen. Dass er sich einen Scherz mit ihm erlaubt hatte – nun gut, das war wohl wahr. Aber es galt herauszufinden, zu welchem Zweck. War es nicht besser, erfahren zu wollen, was dieser Burnt über das quälende Geheimnis wusste, anstatt sich weiter zu ärgern?

Er sagte: »Ja, in der Tat … Nur Sie konnten diesen langen Bericht über das Verbrechen von B-14 verfasst haben. Aber warum haben Sie diesen Artikel veröffentlicht, wo Sie doch anscheinend so großes Interesse daran haben, die Polizei aus im Spiel zu lassen?«

Burnt brach in Lachen aus. »Ja«, meinte er, »Sie verlieren darin den Überblick. Das verstehe ich. Warum habe ich mich dem Streckenläufer nicht zu erkennen gegeben, und später auch nicht dem Bankier in Viviers? Warum habe ich Ihren Koffer genommen und Ihnen meinen gelassen? Warum habe ich diesen Artikel geschrieben? Warum … Monsieur Rosic, ich will Ihnen alles erzählen. Umso mehr, als wir bis Lyon reichlich Zeit haben … und außerdem … nun ja, vielleicht kann ich dort drüben Ihre Hilfe noch einmal gebrauchen.«

Als Rosic große Augen machte, fuhr er fort: »Ja … denn auch wenn wir uns dem Ende dieses Abenteuers nähern, bin ich noch lange nicht am Ziel meiner Mühen. Aber Sie werden verstehen, Monsieur Rosic, Sie werden alles verstehen. Und Sie werden sehen, wie einfach es ist … oh, so einfach!«

Er sammelte sich einen Moment und begann: »Kennen Sie Lord Hyton?«

Rosic schüttelte den Kopf.

»Gut!«, sagte Burnt. »Er war der reichste Lord der drei Königreiche. Er besaß mit Sicherheit nicht weniger als ein Vermögen von hundert Millionen, dazu Schlösser, Ländereien und einen ganzen Stadtteil von London. Kurz gesagt: ein recht wohlhabender Gentleman, wie Sie sehen! Er hatte einen einzigen Sohn, dem dieses immense Vermögen zufallen sollte: Robert … Bob, wie wir seine Freunde ihn nannten. Ein reizender Junge, aber extrem eigenwillig. Oh ja, wirklich extrem eigenwillig! Er mochte kein Geld. Es ist genauso, wie ich es Ihnen ehrenvoll berichte, lieber Monsieur Rosic. Sein Vermögen war ihm völlig schnuppe, und anstatt es zu genießen, wie es jeder andere an seiner Stelle getan hätte, zog er es vor, in die Welt hinauszuziehen und Abenteuer zu suchen. Und eines Tages ging er – zum großen Missfallen seines Vaters, Lord Hyton – als Offizier in der Armee Ihrer Gnädigsten Majestät nach Indien. Ja, er verpflichtete sich wie ein nachgeborener Sohn … wie ein armer kleiner Younger, der in den Kolonien sein Glück sucht. Nun, das ist doch mal ein Sonderling, nicht wahr?

Aber es kommt noch besser.

Glauben Sie, dass dieser vortreffliche Bob – der immerhin Marquis von Westbury, Graf von Barnstaple, Baronet von Penbroke und Herr von so vielen anderen Orten war, dass die bloße Aufzählung seiner Titel wie ein geografisches Register klang –, glauben Sie, dass dieser verflixte Kerl, der Erbe von Lord Hyton und einer der ältesten Pairswürden des Königreichs war, einen Weg fand, sich unter einem falschen, überaus bürgerlichen Namen zu verpflichten? Ganz recht! Und nur wenige seiner engsten Freunde kannten seine wahre Identität.

Und das ist noch nicht alles: Eines Tages trieb er seine Exzentrizität so weit, eine junge Dame zu heiraten – gewiss sehr hübsch und ebenso vornehm, aber die Tochter eines Händlers, die denkbar ungeeignet war, eines Tages eine Lady oder Pairesse zu werden und am Hofe Rang einzunehmen.

Diese junge Dame war die Tochter eines Franzosen oder vielmehr eines Nachfahren jener Franzosen, die sich zur Zeit von Ludwig XV. in Indien niedergelassen hatten, als das Land noch in französischer Hand war, wie ich glaube.«

Dieser wackere Franzose namens Monsieur Doux handelte mit Seide. Er besaß ein gewisses Vermögen, aber seine Tochter war wahrhaftig das hübscheste Mädchen, dem man begegnen konnte. Denn im Laufe von zweihundert Jahren hatten verschiedene indische und englische Verbindungen einen ungewöhnlichen und bezaubernden Typus hervorgebracht, der in ihr erblühte.

Ich könnte Ihnen nicht einmal sagen, wo Bob sie kennengelernt hat.

Es muss wohl auf irgendeiner offiziellen Soiree gewesen sein. Wessen ich mir jedoch sicher bin: Er verliebte sich unsterblich in sie und sprach sogleich davon, sie zu heiraten.

Ich sagte zu ihm: ›Bob, mein Freund, Sie begehen eine Dummheit, und Lord Hyton, Ihr respektabler Vater, wird Sie verfluchen.‹

Doch er zuckte nur mit den Schultern. ›Lord Hyton, mein respektabler Vater, hat mit dieser Angelegenheit nichts zu tun, alter Kamerad. Außerdem wird er nie etwas davon erfahren.‹

›Wie! Sie haben vor, es ihm nicht mitzuteilen?‹

›Natürlich … denn ich weiß nur zu gut, dass er mir seine Zustimmung verweigern würde.‹

›Bob, Sie verflixter Kerl, passen Sie auf. Ich ahne nichts Gutes bei diesem Abenteuer. Ich befürchte, dass daraus eine Katastrophe entsteht.‹

›Daraus wird nur ein glücklicher Mensch entstehen, und das wird Ihr alter Kamerad Bob sein.‹

Und er heiratete diese junge Mademoiselle Doux tatsächlich. Er hütete sich nicht nur davor, seinen Vater Lord Hyton zu benachrichtigen, sondern er versäumte es auch, seine junge Frau über seine wahre Identität aufzuklären. So glaubte die junge Mademoiselle Doux, einen mittellosen Offizier geheiratet zu haben, dessen einzige Zukunft in seinem Degen und seinem Mut lag.

Daraufhin wurde ich versetzt, um einen recht gefährlichen Posten in Kaschmir zu übernehmen, und musste mich von meinem alten Freund Bob trennen.«

»War das dort«, fragte Rosic, der sich langsam für diese Geschichte zu interessieren begann, »wo sich das Abenteuer mit dem Kristalldolch zutrug, das Sie Monsieur Cazeneuve aufgetragen hatten, mir zu erzählen?«

»Ja.«

»Monsieur Cazeneuve hat diesen Auftrag hervorragend ausgeführt.«

»In diesem Fall«, fuhr Sir Burnt fort, »wissen Sie ja, wie ich dank dieses Talismans an einem Ort überleben konnte, an dem so viele meiner Kollegen hinterhältig ermordet wurden. Der Ort liegt am Ende der Welt … Ich blieb dort zehn Jahre lang ohne Nachrichten aus der zivilisierten Welt. Als ich zu meinen Landsleuten zurückkehrte, erfuhr ich, dass mein alter Kamerad gestorben war. Er hatte mich zum Alleinerben eingesetzt und mir seine letzten Wünsche anvertraut. Sie waren in einer Art Testament enthalten, in dem er schrieb:

Wir sind alle sterblich. Ich bin voller Lebenskraft, aber in unserem Beruf weiß man nie, was einen erwartet. Falls mir etwas zustoßen sollte, mein lieber Will, trage ich Ihnen auf, über meine liebe Frau und meine kleine Tochter zu wachen. Ich habe es noch nicht gewagt, meiner lieben Frau meine wahre Identität zu offenbaren, und jetzt, bei klarem Verstand, begreife ich meinen Fehler. Aber es ist zu spät. Die Wahrheit jetzt zu enthüllen, würde das Risiko bergen, das Vertrauen derjenigen zu verlieren, die mir teurer ist als alles andere. Doch sollte mir ein Unglück zustoßen, müssen Sie es sein, mein lieber Will, der ihr mitteilt, dass sie in Wahrheit Lady Hyton, Marquise von Westbury, Gräfin von Barnstaple und Herrin von hundert anderen Orten ist – und vor allem Erbin des gewaltigen Vermögens von Lord Hyton, ihrem ehrwürdigen Schwiegervater. Ich zähle also auf Sie, mein lieber Will, denn wenn Sie sich nicht darum kümmern, würden meine liebe Frau und meine kleine Tochter nach meinem Tod in größter Armut leben. Ich hinterlasse Ihnen alle Papiere, die beweisen, wer ich bin, und die die Ansprüche meiner Frau und meiner Tochter auf das Erbe geltend machen werden, das ihnen gegebenenfalls zusteht.

Tja … Als ich in Singapur ankam, war Bob bereits seit sieben oder acht Jahren tot – dahingerafft von einer schrecklichen Krankheit. Was seine Frau und seine Tochter betrifft, wusste niemand, was aus ihnen geworden war.

Drüben in London war Lord Hyton ebenfalls gestorben, und sein immenses Vermögen sowie all seine Titel waren an seinen Neffen Bradfort gefallen.

Ich kannte diesen Bradfort. Er war eine ziemlich üble Gestalt. Er war der Sohn einer Schwester von Lord Hyton, die sich schändlicher Weise mit einem Stallknecht verheiratet hatte und deshalb von ihrer Familie verstoßen worden war. Aber Gesetz ist Gesetz: Bradfort war der Neffe von Lord Hyton und sein einziger Erbe, da mein armer Bob tot war und seine Ehe mit der hübschen Mademoiselle Doux allen außer mir unbekannt geblieben war. Und da kam mir ein Verdacht auf: Wer weiß, ob Bradfort nicht seine Hände bei dem Tod meines armen Bobs im Spiel hatte? Ich ermittelte diskret, aber meine Verdachtsmomente waren unbegründet: Bob war tatsächlich an einem heimtückischen Fieber gestorben.

Doch während dieser Nachforschungen erfuhr ich, dass sich ein Soldat, der in Bobs Diensten gestanden hatte, derzeit in England an der Seite von Lord Bradfort befand – und das eröffnete mir düstere Aussichten.

Ja, denn ich hatte die schlechtesten Informationen über diesen Joe Wistler, der seinem Herrn in dessen letzten Minuten beigestanden hatte. Ich fragte mich, ob er nicht zumindest derjenige war, der die Tochter und die Frau meines alten Kameraden Bob beseitigt hatte – die nach englischem Recht die einzigen Erben von Lord Hyton waren.

Und in diesem Punkt täuschte ich mich nicht. Ich fand schließlich heraus, dass genau dieser Joe Wistler unter irgendeinem Vorwand – vielleicht indem er ihr die Wahrheit offenbarte, was alles in allem das Klügste war – die Frau und die Tochter meines armen Bobs in das Mutterland gebracht und sich auf dem Schiff der armen Mademoiselle Doux entledigt hatte.«

»Aber was war aus dem kleinen Mädchen geworden?«

»Ohne Zweifel hatte er sie ebenfalls ermordet, um seinem neuen Herrn Bradfort den Weg zur Pairswürde und zum Vermögen freizumachen.

Ich war verzweifelt und verfluchte das Schicksal, das mich vom Sterbebett meines Freundes ferngehalten und mich daran gehindert hatte, über seine Frau und seine Tochter zu wachen.

Doch auch in diesem Punkt täuschte ich mich, wie ich bald unwiderlegbar bewiesen bekam.

Als ich mich nämlich auf die Rückreise nach Europa vorbereitete, um dem Oberhaus die von meinem armen Bob hinterlassenen Papiere zu übergeben – und wenn ich die Morde schon nicht hatte verhindern können, so doch wenigstens um die Schuldigen ihrer Strafe zuzuführen –, entging ich nur durch einen glücklichen Zufall einem scheußlichen Hinterhalt. Und wer war der Organisator dieses Anschlags auf mich? Joe Wistler, der plötzlich wieder in Indien aufgetaucht war.

Wenn Joe Wistler versuchte, meine Abreise aus Indien zu verhindern, bedeutete das doch klarerweise, dass die Tochter meines armen Bobs noch lebte und sie befürchteten, ich könnte sie in den Besitz ihres Erbes einsetzen!

Das war doch sonnenklar, nicht wahr, Monsieur Rosic? In einer solchen Lage hätten Sie selbst nicht anders kombiniert.

Ich schiffte mich ein und bemerkte, dass Joe Wistler mit mir an Bord ging.

Doch ich war ihm überlegen: Wenn er auch meine Pläne kannte, so hatte ich die seinen ebenso durchschaut. Das konnte er nicht wissen, und er glaubte wohl, ich schöpfte keinen Verdacht gegen ihn.

Wie diese Reise verlief, können Sie sich denken. Joe wich mir kaum von der Stelle und suchte nach einer Gelegenheit, mich loszuwerden. Ich war zahllosen Unfällen ausgesetzt, die meine Mitreisenden erstaunten: Plötzlich gab die Reling, an die ich mich lehnte, unter mir nach. Persenninge fielen mir wie durch Zufall auf den Kopf. Ich wäre in meiner Kabine beinahe erstickt. Eine Tasse Kakao, die man mir anbot, enthielt ein starkes Gift. Ich kann Ihnen gar nicht alles erzählen!

Aber es gelang mir, all diesen Fallen zu entgehen, und ich kam trotz allem wohlbehalten in Marseille an, wo ich den berühmten Zug B-14 bestieg.

Dort drüben, zwei Waggons hinter dem meinen, wusste ich Joe Wistler auf der Lauer. Jeden Moment rechnete ich mit seinem Auftauchen. Doch ich war auf der Hut. Ich beobachtete die Korridortür – allerdings nicht aufmerksam genug die Tür zur Toilette, denn genau dort brach unser alter Freund Barnabé auf mich ein.

Als ich im Haus des Streckenläufers erwachte, zweifelte ich zunächst nicht daran, von Joe niedergeschlagen worden zu sein. Doch die Erinnerungen kamen in Scharen zurück. Ich erriet die Wahrheit und das Abenteuer dieses lästigen Barnabé.

Was tun?

Barnabé hatte mir seine Kleider angezogen, um meine zu nehmen, und hatte seine Geldbörse in der Tasche vergessen – sodass ich ohne einen einzigen Cent dastand. Zunächst brauchte ich Geld, und deshalb eilte ich nach Viviers, wo ich mir dank dieses Kristalldolches, der Sie so neugierig gemacht hat, tausend Francs beschaffen konnte. Dort erfuhr ich auch, dass Barnabé ermordet worden war – der arme Kerl, der nicht auf der Hut gewesen war. Mir schoss sofort durch den Kopf, dass sich meine Brieftasche mit den wertvollen Papieren bei der Leiche des Ermordeten befinden musste.

Meinen Rock zu stehlen, war eine Sache von Sekunden … und ich rühme mich gar nicht damit, denn ich habe noch Besseres vollbracht, Monsieur Rosic! Ich bitte Sie tausendmal um Verzeihung, aber mir scheint, selbst in Ihren Augen verlangte es mir mehr Mumm ab, Ihnen Ihren Koffer zu stehlen.

Sie haben verstanden, wie das vor sich ging?

»In Valence, wo ich Ihnen kaum von der Seite wich, erfuhr ich, dass Joe sich in Saint-Rambert dumm hatte töten lassen und meine Papiere somit in den Händen der Justiz waren.

Perfekt, sagen Sie? Nein … Die Justiz würde ganz sicher von diesen Papieren sprechen, und drüben in London würde Lord Bradfort die ganze Wahrheit erfahren. Das durfte nicht geschehen, zumindest nicht, bevor ich diesen Bradfort gesehen hatte. Und Sie werden gleich verstehen, warum.

Nur Bradfort konnte mir die Adresse der Tochter meines Freundes Bob geben, denn er wusste ganz sicher, wo sie sich aufhielt. Damit mein Plan gelang, musste ich es also sein, der ihm die Sache mitteilte, um seine Bestürzung auszunutzen. Ebenso musste der Bericht über die Affäre in einer Zeitung erschienen sein, damit ich Bradfort antworten konnte, ich kenne die ganze Geschichte nur aus diesem Zeitungsartikel.

Das ist der Grund, Monsieur Rosic, warum ich mir erlaubt habe, Ihnen meinen eigenen Koffer zu stehlen, und warum ich das Verbrechen von B-14 bis ins kleinste Detail diesem Journalisten erzählt habe, der seinen Nutzen daraus gezogen hat.

Und nun, lieber Monsieur Rosic, entschuldigen Sie bitte, dass ich ein wenig falsch mit Ihnen gespielt habe.«

Als einzige Antwort reichte Rosic W.-R. Burnt die Hand und sagte: »Monsieur, Sie haben solche Dinge vollbracht, dass ich Ihnen – ehrlich gesagt – keinen Groll hegen kann.« Dann fragte er: »Aber die Adresse dieses jungen Mädchens – haben Sie sie wenigstens bekommen können?«

Burnt lachte auf: »Nicht ohne Mühe …«

»Ah!«

»Ich musste nach London reisen, um Bradfort zu treffen.«

»Und dieser Bradfort hat eingewilligt?«

»Ja … gegen das Versprechen, dass ich das junge Mädchen gegen eine Zahlung von viertausend Guineen verschwinden lassen würde. Er hat mir ihre Adresse gegeben, und Sie sehen, Monsieur, dass ich mich nach Lyon begebe, um diesen Auftrag zu erfüllen.«

»Was … Sie?«

»Ja, und ich hoffe, Monsieur Rosic, dass Sie mir freundlicherweise helfen werden, dieses arme Kind zu ermorden!«

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert