Varney, der Vampir – Kapitel 62
Thomas Preskett Prest
Varney, der Vampir
oder: Das Blutfest
Ursprünglich als penny dreadful von 1845 bis 1847 veröffentlicht, als es zum ersten Mal in Buchform erschien, ist Varney, der Vampir ein Vorläufer von Vampirgeschichten wie Dracula, die es stark beeinflusst hat.
Kapitel 62
Das mysteriöse Treffen in der Ruine – Der Angriff des Vampirs auf den Constable
Es ist nun notwendig, dass wir noch einmal zu jener geheimnisvollen Ruine zurückkehren, in deren Wirrwarr es Varney, als er vom Mob verfolgt wurde, gelang, eine Zuflucht zu finden, die allen Anstrengungen zu seiner Entdeckung trotzte. Unsere Leser werden sich wohl bewusst sein, dass mit dieser Ruine einige für unsere Geschichte höchst bedeutsame Geheimnisse verbunden sind; und wir wollen nun, zur feierlichen Stunde der Mitternacht, einen weiteren Blick auf das werfen, was sich in ihren Tiefen abspielt.
Zu dieser feierlichen Stunde ist es unwahrscheinlich, dass jemand diesen düsteren Ort freiwillig aufsucht. Ein Liebhaber des Malerischen mochte ihn gewiss besuchen; doch das war nicht der Antrieb für die Pilgerschaft derer, die bald in seinen finsteren Mauern stehen sollten. Andere Motive diktierten ihre Anwesenheit an diesem Ort – Motive des Raubes, vielleicht gar des Mordes selbst.
Als die benachbarten Uhren die zwölfte Stunde schlugen und die schwachen Schläge vom Wind sacht zu der isolierten Ruine getragen wurden, hätte man einen hochgewachsenen Mann am Portal dessen sehen können, was einst ein großer Torweg zu einem Teil der Ruine gewesen war. Seine Gestalt war in einen weiten Umhang gehüllt, der aus so reichlichem Stoff bestand, dass er ihn anscheinend mehrmals um sich wickeln konnte und dennoch ein beträchtlicher Teil davon lose im sanften Wind flatterte.
Er stand eine beträchtliche Zeit lang so still, so ruhig und so regungslos wie eine Statue, bevor sich ein gewisses Maß an Ungeduld bemerkbar machte. Dann nahm er eine große antike Uhr aus der Tasche, deren weißes Zifferblatt es ihm gerade noch ermöglichte, die Zeit zu erkennen, und sagte mit einer Stimme, die einen gewissen Grad an Gereiztheit und Zorn verriet: »Noch nicht da, und fast eine halbe Stunde über die Zeit! Was mag ihn aufgehalten haben? Das ist wahrlich ein Spiel mit den wichtigsten Augenblicken im Dasein eines Mannes.«
Noch während er sprach, hörte er aus einiger Entfernung das Geräusch kurzer, schneller Schritte. Er beugte sich vor, um zu lauschen, und sagte dann in einem Ton der Genugtuung: »Er kommt – er kommt!«
Doch derjenige, der so in diesen trüben und alten grauen Ruinen auf einen Verbündeten wartete, wich keinen Schritt zurück, um ihm entgegenzugehen. Im Gegenteil, seine kaltblütige Vorsicht schien so groß zu sein, dass er sich, je näher der – offensichtlich herannahende – Mann kam, desto weiter in den Schatten der düsteren und zerfallenden Mauern zurückzog, die sich schon seit Jahren dem vorüberziehenden Windstoß zu beugen schienen und kurz davor standen, der zerstörerischen Hand der Zeit nachzugeben.
Und doch hätte er wohl kaum so vorsichtig sein müssen. Wer außer jemandem, der eine Verabredung hatte, würde wohl zu einer solchen Stunde zu den Ruinen kommen? Zudem hätte das Gebaren des herannahenden Mannes völlig ausreichen müssen, um den Wartenden davon zu überzeugen, dass so viel Vorsicht unnötig war; doch sie war fester Bestandteil seines Wesens.
Etwa drei weitere Minuten genügten, um den zweiten Mann zur Ruine zu führen, und dieser stürzte sich sogleich und furchtlos in deren Inneres. »Wer kommt da?«, sagte der erste Mann mit tiefer, hohler Stimme.
»Der, den Ihr erwartet«, lautete die Antwort. »Gut«, sagte er und trat nun sogleich aus seinem Versteck hervor. Sie standen zusammen in der fast völligen Dunkelheit, in die der Ort gehüllt war; denn die Nacht war bewölkt, und kein Stern erschien am Himmel, um sein schwaches Licht auf die Szenerie unter ihnen zu werfen.
Einige Augenblicke lang schwiegen beide, denn derjenige, der zuletzt angekommen war, hatte offensichtlich große Anstrengungen unternommen, um den Ort zu erreichen, und atmete schwer, während der erste aufgrund einer natürlichen Wortkargheit des Charakters das Gespräch nicht zu eröffnen gedachte. Schließlich sprach der Zweitgeborene und sagte: »Ich habe mich bemüht, pünktlich hier zu sein, und dennoch bin ich verspätet, wie Ihr zweifellos wisst.«
»Ja, ja.«
»Nun, das wäre nicht der Fall gewesen; doch ich hielt mich auf, um Euch eine wichtige Nachricht zu bringen.«
»Tatsächlich!«
»So ist es. Dieser Ort, den wir nun schon seit einiger Zeit als ruhigen und vollkommen geeigneten Treffpunkt nutzen, wird bald von einem jener rastlosen, lästigen Geister heimgesucht werden, die nie glücklich sind, außer wenn sie etwas zum Verdruss anderer aushecken, die sie gar nicht behelligen.«
»Erklärt Euch deutlicher.«
»Das werde ich. In einer Taverne in der Stadt haben sich einige seltsame Szenen der Gewalt abgespielt, als Folge der allgemeinen Aufregung, in die das einfache Volk über das schreckliche Thema der Vampire versetzt wurde.«
»Nun denn.«
»Die Folge ist, dass zahlreiche Verhaftungen stattgefunden haben. Die Gefängnisse für Gesetzesbrecher sind nun voll von jenen, deren erhitzte und zornige Fantasie sie zu gewaltsamen Schritten getrieben hat, um die Wahrheit oder Falschheit der Gerüchte zu ergründen – Gerüchte, die sie, ihre Frauen und Familien so sehr betrafen, dass sie sich fürchteten, sich zur Nachtruhe zu betten.«
Der andere lachte ein kurzes, hohles, rastloses Lachen, das nicht einen Funken echter Fröhlichkeit enthielt. »Fahrt fort – fahrt fort«, sagte er. »Was haben sie getan?«
»Es wurden enorme Ausschreitungen begangen; aber was mich vor allem über die Zeit aufhielt, war, dass ich einen Mann belauschte, der seine Absicht erklärte, in dieser Nacht von zwölf bis zum Morgen – und für einige kommende Nächte – Wache gegen den Vampir zu halten.«
»Tatsächlich!«
»Ja. Er blieb nur auf das dringende Bitten seiner Kameraden hin, um noch ein Glas zu trinken, bevor er zu seiner Expedition aufbrach.«
»Man muss ihm entgegentreten. Der Idiot! Was geht ihn das an?«
»Es gibt immer Leute, die alles zu ihrer Angelegenheit machen, ob es nun so ist oder nicht.«
»Die gibt es. Lasst uns tiefer in die Winkel der Ruine zurückziehen und dort überlegen, was sowohl hinsichtlich wichtigerer Angelegenheiten als auch mit diesem tollkühnen Eindringling hier zu tun ist.«
Sie gingen beide etwa zwanzig Schritte weit direkt in die Ruine hinein, und dann sagte derjenige, der zuerst dort gewesen war, plötzlich zu seinem Gefährten: »Es ärgert mich – obwohl das Gefühl nicht über Ärger hinausgeht, da ich eine natürliche Liebe zum Unfug besitze –, daran zu denken, dass mein Ruf sich so weit verbreitet und so viel Lärm verursacht hat.«
»Euer Ruf als Vampir, Sir Francis Varney, meint Ihr?«
»Ja; aber es gibt keinen Grund für Euch, meinen Namen laut auszusprechen, selbst hier nicht, wo wir allein sind.«
»Es entwich mir unbedacht.«
»Unbedacht! Ist es möglich, dass Ihr so wenig Beherrschung über Euch selbst habt, dass Ihr einen Namen unbedacht über Eure Lippen kommen lasst?«
»Manchmal.«
»Ich bin überrascht.«
»Nun, es lässt sich nicht ändern. Was schlagt Ihr nun vor zu tun?«
»Nein, Ihr seid mein Geheimrat. Habt Ihr kein tief angelegtes, listiges Projekt parat? Könnt Ihr nicht etwas planen und arrangieren, das doch noch den Erfolg herbeiführt, der anfangs so einfach schien, der aber durch den einen oder anderen unglücklichen Umstand voller Schwierigkeiten und schwanger mit allerlei Gefahren geworden ist?«
»Ich muss gestehen, ich habe keinen Plan.«
»Ich höre mit Erstaunen zu.«
»Ach was, Ihr scherzt doch.«
»Wann habt Ihr mich jemals scherzen hören?«
»Nicht oft, das gebe ich zu. Aber Ihr habt einen fruchtbaren Geist, und ich selbst fand es immer einfacher, die ausführende Gewalt zu sein, als einen ausgeklügelten Kurs für andere zu planen.«
»Dann wälzt Ihr alles auf mich ab?«
»Ich lege ein Gewicht natürlicherweise auf die Schultern, von denen ich glaube, dass sie am besten geeignet sind, es zu tragen.«
»So sei es denn – so sei es.«
»Ich vermute nach dem, was Ihr sagt, dass Ihr einen Handlungsplan habt, der bessere Hoffnung auf Erfolg bietet – bei geringerem Risiko, wie ich hoffe. Seht, welche große Gefahr wir bereits überstanden haben.«
»Ja, das haben wir.«
»Ich bitte Euch, das im nächsten Feldzug zu vermeiden.«
»Es ist nicht die Gefahr, die mich ärgert und beunruhigt, sondern dass trotz ihr das Ziel so fern wie eh und je ist.«
»Und nicht nur das, sondern wie es unter solchen Umständen unvermeidlich ist, haben wir die Ausführung erschwert, weil wir diejenigen gründlich gewarnt haben, die uns am wahrscheinlichsten Widerstand leisten.«
»Das haben wir – das haben wir.«
»Und die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs in weite Ferne gerückt.«
»Und doch habe ich mein Leben auf diese Sache gesetzt, und ich werde das Wagnis bestehen. Ich sage Euch, ich werde dieses Ziel erreichen, oder ich werde bei dem Versuch untergehen.«
»Ihr seid zu enthusiastisch.«
»Keineswegs. Nichts Schwieriges wurde jemals ohne Enthusiasmus vollbracht. Ich werde tun, was ich beabsichtige, oder Bannerworth Hall soll zu einem Trümmerhaufen werden, wo das Feuer sein schlimmstes Werk der Verwüstung verrichtet, und ich selbst werde inmitten dessen ein Grab finden.«
»Nun, ich streite mit keinem Mann darüber, wie er seinen Kurs festlegt, aber was gedenkt Ihr mit dem Gefangenen hier unten zu tun?«
»Ihn töten.«
»Was?«
»Ich sage, ihn töten. Versteht Ihr mich nicht?«
»Das tue ich wohl.«
»Wenn alles andere gesichert ist und wenn das Ganze, wonach ich so sehr trachte und was ich haben werde, in meinem Besitz ist, werde ich ihm das Leben nehmen – oder Ihr werdet es tun. Ja, Ihr seid genau der Mann für eine solche Tat. Ein glattgesichtiger, scheinheiliger Kerl seid Ihr, und Ihr liebt die Gefahr nicht. Es wird keine Gefahr dabei sein, einem Mann das Leben zu nehmen, der am Boden eines Kerkers angekettet ist.«
»Ich weiß nicht, warum«, sagte der andere, »Ihr ausgerechnet in dieser Nacht Vergnügen daran findet, alles zu sagen, von dem Ihr glaubt, es sei beleidigend für mich.«
»Nun, wie Ihr mich verkennt. Das ist der Lohn für Vertrauen.«
»Ich will solches Vertrauen nicht.«
»Warum, Ihr wollt doch sicher nicht, dass ich Euch schmeichle.«
»Nein; aber …«
»Pah! Hört zu. Dieser Admiral ist der große Stolperstein in meinem Weg. Ohne ihn hätte ich Bannerworth Hall längst ungestört in meinem Besitz. Er muss irgendwie aus dem Weg geräumt werden.«
»Kurze Zeit wird ihn des Wartens müde machen. Er ist einer jener impulsiven Männer, die der Untätigkeit bald überdrüssig werden.«
»Ja, und dann kehren die Bannerworths in die Hall zurück.«
»Das mag sein.«
»Ich bin mir sicher. Wir wurden in dieser Angelegenheit taktisch ausgespielt, obwohl ich zugestehe, dass wir alles getan haben, was Männer tun konnten, um uns den Erfolg zu sichern.«
»Auf welche Weise wollt Ihr diesen lästigen Admiral loswerden?«
»Ich weiß es kaum. Ein Brief von seinem Neffen könnte ihn, wenn er geschickt verfasst ist, nach London locken.«
»Ich bezweifle es. Ich hasse ihn abgrundtief. Er hat mich mehr als einmal aufs Schwerste beleidigt.«
»Ich weiß es. Er hat Euch durchschaut.«
»Ich traue ihm nicht so viel Verstand zu. Er ist ein argwöhnischer Mann, eitel und eifersüchtig.«
»Und doch hat er Euch durchschaut. Nun hört mir zu. Ihr seid völlig ratlos und habt keinerlei Operationsplan im Kopf. Was ich von Euch will, ist, dass Ihr für eine Weile aus der Nachbarschaft verschwindet, und ich ebenso. Was unseren Gefangenen hier unten betrifft, so sehe ich nicht, was man sonst mit ihm tun könnte als … als …«
»Als was? Zögert Ihr?«
»Das tue ich.«
»Was wolltet Ihr also sagen?«
»Ich kann nicht umhin zu fühlen, dass alles, was wir bisher in Bezug auf diesen jungen Gefangenen getan haben, gescheitert ist. Er hat mit entschlossener Hartnäckigkeit, wie Ihr wisst, allen Drohungen getrotzt.«
»Das hat er.«
»Er hat sich geweigert, auch nur eine Tat zu begehen, die mir in meinen Zielen irgendwie hätte helfen können. Tatsächlich war er vom ersten bis zum letzten Augenblick nichts als eine Ausgabe und eine Belastung für uns beide.«
»Und doch, obwohl Ihr wie auch ich einen bewundernswert schnellen Weg kennt, solche Belastungen loszuwerden, muss ich gestehen, dass ich mit mehr als nur einem Gefühl des Widerstrebens vor dem Mord an dem Jüngling zurückschrecke.«
»Ihr habt ihn also in Erwägung gezogen?«, fragte der andere.
»Nein; man kann nicht sagen, dass ich ihn in Erwägung gezogen habe. Das ist nicht der richtige Ausdruck.«
»Was dann?«
»Eine Tat in Erwägung zu ziehen, scheint mir in engem Zusammenhang mit dem Willen zu stehen, sie zu tun.«
»Und Ihr habt keinen solchen Wunsch?«
»Ich habe keinen solchen Wunsch, und was mehr ist, ich werde es nicht tun.«
»Dann ist das ausreichend; und die einzige Frage, die für Euch zu bedenken bleibt, ist, was Ihr tun werdet. Es ist bei allen Unternehmungen weit einfacher zu entscheiden, was wir nicht tun werden, als was wir tun werden. Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich keine Möglichkeit sehe, uns mit so etwas wie Sicherheit aus dieser Verwicklung zu befreien.«
»Dann muss es eben mit so etwas wie Gefahr geschehen.«
»Ganz wie Ihr wünscht.«
»Das sagt Ihr so, und Eure Worte haben eine klare Bedeutung; aber an Eurem Tonfall kann ich erraten, wie unzufrieden Ihr mit dem Stand der Dinge seid.«
»Unzufrieden!«
»Ja, ich sage: unzufrieden. Seid ehrlich und gesteht das ein, was vor mir zu verbergen vergeblich ist. Ich kenne Euch zu gut; so ein Erzheuchler Ihr auch seid und vollkommen fähig, viele leicht zu täuschen – mich könnt Ihr nicht täuschen.«
»Ich kann Euch wirklich nicht verstehen.«
»Dann werde ich dafür sorgen, dass Ihr es tut.«
»Wie?«
»Hört zu. Ich werde nicht zulassen, dass Charles Holland das Leben genommen wird.«
»Wer will es ihm denn nehmen?«
»Ihr.«
»Da tut Ihr mir wahrlich unrecht. Glaubt Ihr, dass ich unnötigerweise sowohl den Abscheu als auch die Gefahr einer solchen Tat auf mein Haupt laden würde, wenn Ihr nicht selbst dachtet, dass ein solcher Akt durch die Lage der Dinge zwingend geboten sei? Nein, nein. Lasst ihn leben, wenn Ihr wollt; er mag von mir aus tausend Jahre alt werden.«
»Es ist gut. Merkt Euch: Ich bin nicht nur gewillt, sondern ich bin entschlossen, dass er leben soll, soweit es uns betrifft. Ich kann den Mut respektieren, der es ihm ermöglichte – selbst als er glaubte, sein Leben stehe auf dem Spiel –, Nein zu einem Vorschlag zu sagen, der feige und unehrenhaft war, obwohl er zur Vereitlung meiner eigenen Pläne beitrug und mir viel Ärger eingebracht hat.«
»Still! Still!«
»Was ist?«
»Ich glaube, ich höre einen Schritt.«
»Tatsächlich; das wäre ein Novum an einem Ort wie diesem.«
»Und doch nicht mehr, als ich erwartet habe. Habt Ihr vergessen, was ich Euch erzählte, als ich heute Nacht nach der vereinbarten Stunde hier ankam?«
»Wahrhaftig; ich hatte es für den Moment vergessen. Glaubt Ihr also, dass der Schritt, der nun an unser Ohr dringt, der jenes Abenteurers ist, der damit prahlte, er könne Wache gegen den Vampir halten?«
»Meiner Treu, das glaube ich. Was soll mit einem solchen vorwitzigen Narren geschehen?«
»Er sollte gewiss gelehrt werden, sich nicht so sehr in die Angelegenheiten anderer Leute einzumischen.«
»Gewiss.«
»Vielleicht wird die Lektion auch für andere nicht ganz umsonst sein. Es mag sich lohnen, sich etwas Mühe mit dem prahlerischen Gesellen zu geben und ihn seine Neuigkeiten verbreiten zu lassen, um jeden anderen davon abzuhalten, ebenso abenteuerlustig und lästig zu sein.«
»Ein guter Gedanke.«
»Soll es getan werden?
»Ja; wenn Ihr das arrangiert, was ein solches Ergebnis herbeiführt.«
»So sei es. Der Mond geht auf.«
»Das tut er.«
»Ah, ich glaube bereits ein Aufhellen der Luft zu sehen, als ob der milde Glanz der Königin der Nacht sich bereits still durch die Reiche des Raumes verbreitete. Kommt weiter in die Ruinen hinein.«
Sie gingen beide weiter zwischen den zerfallenden Mauern und Säulenfragmenten umher, an denen der Ort reich war. Dabei hielten sie hie und da inne, um zu lauschen, und mehr als einmal hörten beide deutlich das Geräusch bestimmter Schritte außerhalb des einst stattlichen und weitläufigen Gebäudes.
Varney, der Vampir, der dieses Gespräch mit keinem Geringeren als Marchdale geführt hatte, lächelte, als er letzterem mit flüsternder Stimme sagte, was zu tun sei, um den tollkühnen Mann vom Ort zu verscheuchen, der geglaubt hatte, er allein könne etwas gegen den Vampir ausrichten.
Es war in der Tat ein hirnrissiges Unternehmen; denn ob Sir Francis Varney nun wirklich ein so schreckliches und übernatürliches Wesen war, wie so viele übereinstimmende Umstände zu verkünden schienen, oder nicht – er war kein Wesen, das sich wahrscheinlich von einem Einzelnen besiegen ließe, wie groß dessen Kräfte oder dessen Mut auch sein mochten.
Was diesen Mann dazu bewog, so wagemutig zu werden, werden wir nun berichten, ebenso wie die Art des Empfangs, den er in den alten Ruinen erhielt – jenen Ruinen, die seit dem mysteriösen Verschwinden von Sir Francis Varney in ihrem Inneren ein so gesteigertes Interesse besaßen und so viel öffentliche Aufmerksamkeit und Spekulation auf sich gezogen hatten.
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