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Frank Allan Band 1.7

Frank Allan
Rächer der Enterbten
Band 1
Die Zuchthausrevolte
7. Kapitel

Ein seltsames Raunen ging durch die kahlen Räume von Sing Sing, aber es wurden keine Worte laut gesprochen! Hier herrschte die Ruhe der Verdammnis.

Es war eher ein wortloses Flüstern mit der Sprache der Augen und dem rätselhaften Bewegen der Hände. Nachts klang geisterhaftes Klopfen an den Zellenwänden, wie das Ticken eines Telegrafenapparats – die Sprache der Zuchthäusler.

Ein Leuchten huschte über die bleichen Gesichter, die hoffnungsvoll dem winzigen Lichtstreifen entgegenblickten, der durch die hochliegende, vergitterte Luke in die Zelle drang – ein Lebenszeichen von der Welt jenseits der undurchdringlichen Mauern.

Bebenden Herzens harrten die Eingekerkerten auf das Signal, das den beginnenden Sturm verkünden sollte.

Es würde ein erbitterter Kampf werden, und manches Leben könnte jäh zu Ende gehen! Was fragten aber die Einsamen danach, wenn die ersehnte Freiheit der lockende Siegespreis sein sollte?

 

*

 

Gerade zu dieser Zeit war Nr. 27 wieder in seine Zelle zurückgebracht worden.

Still saß Frank Allan. Er wartete.

Knirschend drehte sich der Schlüssel im Schloss. Der Wärter trat ein, goss frisches Wasser in den irdenen Krug und legte das derbe Brot daneben.

Schon wollte er wortlos gehen, da stockte er, denn ein leises Wort war an sein Ohr gedrungen: »Allan!«

Leise kam der Wärter näher zu Nr. 27.

»Ihr kennt das Stichwort? Wer schickt euch?«

»Ein Mächtiger, dessen Hände in Gold wühlen!«

Begehrlich leuchtete es in den Augen des anderen auf.

»Wird er sein Wort halten?«

»Unbedingt! Ich bin sein Bote. Freiwillig ließ ich mich fangen.«

»Also seid Ihr nicht Nr. 27?«

»Hört auf mit unnützen Fragen! Ist alles vorbereitet?«

»Alles! Morgen gegen Abend, wenn ihr von der Arbeitsstätte zurückgeführt werdet. Doch denkt an mich, wenn es vorbei ist.«

»Verlasst euch darauf. Wo liegt Nr. 63?«

»Nebenan!«

Da trat auch in des Sträflings Augen ein triumphierendes Leuchten, doch er sagte ruhig und fast gleichgültig: »Ich wusste es! Doch geht! Euer langes Bleiben könnte Aufsehen erregen!«

Da ging der Wärter. Schwer fiel die Tür ins Schloss, leise knirschte der Schlüssel.

»Das nenne ich Glück. Sam Lawland, hier Nr. 63, der Gründer jenes Schurkenbundes, wohnt direkt neben mir! Er soll mir nicht entgehen! Kurz nur soll sein Freiheitsjubel sein. Bald wird er hierher zurückkehren und edle Gesellschaft wird ihm folgen. Doch nun möchte ich ein kleines Gespräch mit meinem werten Nachbarn beginnen und ihn in einen Freudentaumel versetzen.«

Ein eifriges Klopfgespräch begann.

Wie heftig und erregt die Schläge von drüben herüberklangen! Kein Wunder! Nr. 27 erzählte Nr. 63 alles, was er in Mac Farlans geheimer Versammlung erlauscht hatte.

Jener glaubte, einen rettenden Freund neben sich zu haben.

Ein grausamer, wohlverdienter Irrtum!

 

*

 

Am nächsten Tag, als die Dämmerung herniedersank und die Sträflinge aus dem Arbeitssaal zu den Zellen zurückgeleitet wurden, brach der Sturm los.

Der Widerstand der Wächter wurde schnell überwunden, denn die meisten ergaben sich fast widerstandslos in ihr Schicksal und ließen sich in die Zellen einschließen. Die wenigen Unbestechlichen aber wurden mit Fäusten niedergeschlagen.

Balken wurden losgerissen und die Türen damit zertrümmert.

Tapfer hielt die Schar der Soldaten stand, die die äußerste Mauer bewachten; manch ein Sträfling brach entseelt zusammen, die Freiheit vor Augen. Über die toten Kameraden hinweg wälzte sich die Masse der anderen.

Nr. 27 wich Nr. 63 nicht von der Seite. Gemeinsam erreichten sie das Freie.

»Rechts im Gebüsch wartet das Auto!«

Willig folgte Sam Lawland dem vermeintlichen Freund. Doch als er das Gebüsch betrat, wurde er von derben Fäusten gepackt. Ehe er sich versah, saß er gefesselt und geknebelt im Wagen. Ein Mann mit einem geladenen Revolver saß ihm gegenüber.

»Nick! Halte gut Wacht. Gleich bin ich zurück!«

Nr. 27 warf sich einen Mantel über und drückte einen weichen Hut tief ins Gesicht. Dann eilte er hastig davon.

Weiter abseits, tiefer im Wald, hielt ein zweites Auto.

Ärgerlich stampfte Mac Farlan hin und her.

»Verdammt! Sam müsste doch längst hier sein! Ich kann nicht mehr lange warten, ich habe keine Lust, meine eigene Haut zu Markte zu tragen!«

Nahte dort nicht eine Gestalt in einem dunklen Mantel?

»Wer seid Ihr?«

»Gut Freund!«

»Das Stichwort?«

»Allan!«

»Was wollt ihr?«

»Sam Lawland ist verwundet. Helft mir, ihn herzutragen!«

Fluchend folgte Mac Farlan der Aufforderung.

Als sie das kleine Dickicht erreichten, stürzte sich der Begleiter jedoch auf den überraschten Schurken. Nach einem kurzen Kampf war Mac Farlan überwältigt und erlebte ein wenig angenehmes Wiedersehen mit seinem Freund Sam Lawland.

Nr. 27, oder besser Frank Allan, lenkte den Wagen selbst in sausender Fahrt zu seiner Wohnung.

In zwei getrennten, fest verschlossenen Kellerräumen fanden die Schurken vorläufige Unterkunft.

Frank Allan aber ging daran, sein Werk zu vollenden!

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