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Al Capone – Band 50

Al Capone
Band 50Ist Weller wirklich tot?

1. Kapitel
Der neue Direktor des CHICAGO HERALD

Ed Weller eröffnete seine Tätigkeit als Direktor des CHICAGO HERALD mit der Veröffentlichung einer Artikelserie über Gangster und Bootlegger. Schon früher, als diese unter der Leitung von Mister Benson Veltman anonym veröffentlicht worden waren, erregten seine Aufsätze großes Aufsehen. Jetzt aber, da sein voller Name unter jedem Artikel stand, riefen sie beim Publikum eine Riesensensation hervor. Die Leute rissen sich um die Exemplare der Zeitung, sodass die gesamte Auflage, obwohl sie der Verlag ganz bedeutend erhöht hatte, in kurzer Zeit vergriffen war.

Die Aktionäre strahlten; sie setzten ihrem neuen Direktor ein fabelhaftes Gehalt aus. In vier Tagen machte Ed Weller den CHICAGO HERALD zur größten Zeitung von Chicago.

Man kann sich jetzt gewiss sehr wohl die Gespanntheit des Publikums vorstellen, mit der es auf die Abendausgabe des CHICAGO HERALD wartete, in der der Bericht über den auf Capone verübten Feuerüberfall stand. Dieser war an dem gleichen Tage erfolgt, als er, eben erst von seiner Hochzeitsreise zurückgekehrt, zum ersten Male wieder das Hauptquartier seiner Bande besuchte.

Vor der Expedition im Zeitungsgebäude standen die Zeitungshändler in langen Reihen, ungeduldig auf die Auslieferung wartend.

Ed Weller enttäuschte seine Leser nicht; er veröffentlichte einen großen Leitartikel mit der Überschrift Wer hat Schuld?, in dem er unter anderem sagte:

Wenn man Alfonso Capone provoziert, was bleibt ihm da weiter übrig, als sich zu wehren? Wer sind in Wirklichkeit die Feinde des Publikums? Scarface und seine Leute oder die, die ihn feige angreifen und am helllichten Tage aus einer der belebtesten Straßen von Chicago ein regelrechtes Schlachtfeld machen?

Weiter fuhr er fort:

Die Polizei behauptet, sie wisse nicht, wer die Urheber dieses entsetzlichen Feuerüberfalls auf das Restaurant und Hotel Metropole gewesen sind… Der neue Polizeichef versichert ebenfalls, es nicht zu wissen … Nun gut, dann will ich es der Polizei enthüllen; möge es unser neuer Leiter des Sicherheitsdienstes und die gesamte Polizeimacht zur Kenntnis nehmen: Der Angriff gegen Capone ist von der North-Side-Bande verübt worden. Seine Urheber sind George Bugs Moran, Hymie Weiß und Komplizen… Ich klage diese Leute öffentlich an! Ich zeige sie bei der Polizei an – ich, der ich nicht dem Gangstergesetz des Schweigens unterworfen bin, ich, der ich von meinen Rechten so gut Gebrauch machen kann wie jeder andere Bürger!

Man kann sich einfach nicht vorstellen, welche Erregung dieser Artikel hervorrief, was für einen Staub er aufwirbelte, was für einen Eindruck er auf die Polizei machte … welche Furcht die bestechlichen Politiker ergriff, als sie sahen, dass es doch noch in der Stadt einen Mann gab – einen Ausländer obendrein –, der es wagte, seine Meinung so klar und deutlich zu sagen.

Als Ed Weller an diesem Tag mit seinen Arbeiten fertig war und sich vom Fahrstuhl zu dem luxuriösen Appartement hinauffahren ließ, in dem als Wohnung für den Direktor ein ganzes Stockwerk reserviert war, empfing ihn Eveline, die gerade den Artikel ihres Mannes gelesen hatte, zitternd und bleich.

»Ach, Ed, wenn du wüsstest, mit welcher Angst ich heute deinen Artikel gelesen habe!«

»Warum denn nur, Herzchen?«, fragte Ed lächelnd und umarmte sie zärtlich.

»Warum, Ed? Das fragst du auch noch? Bist du denn so begeistert von deinem Beruf, dass du vergisst, in welch großer Gefahr du schwebst? Dass du dein Leben aufs Spiel setzt, dass du es eines Tages verlieren kannst? Jetzt sind wir gerade so glücklich, endlich haben wir uns gefunden – und da willst du, dass eines Tages unser Glück zu Ende sein soll? Denk doch nur einmal daran, wie du hier an der Zeitung angefangen hast! Man hat dich ganz im Geheimen als Reporter eingestellt, als Ersatz für einen anderen, den die Gangster ermordet hatten. Diesen Posten hat dir Mister Benson Veltman gegeben, den dieselben Gangster kurze Zeit danach ebenfalls ermordeten. Glaubst du denn, Ed, dass diese Verbrecher dein Leben schonen werden? Willst du dich denn unbedingt der Gefahr aussetzen, auch über den Haufen geschossen zu werden?!«

»Aber, Frauchen, sieh doch mal: Was heute mit Al geschehen ist, war doch eine unglaubliche Gemeinheit. Du weißt doch, dass Scarface mein bester Freund ist; ich konnte doch bei einem so gemeinen Überfall wie heute nicht still sein. Aber hab’ nur keine Furcht. Du sollst sehen, mir wird nichts geschehen. Niemand stirbt, ehe Gott es nicht bestimmt, Eveline.«

»Aber trotzdem, Ed, du musst vorsichtiger sein!«

Weller gab darauf keine Antwort, sondern fasste Eveline um die Hüfte und schob sie sanft ins Esszimmer, wo eben aufgetragen war.

Das Ehepaar war gerade mit dem Essen fertig geworden, als plötzlich das Telefon klingelte. Ed ging sofort an den Apparat. Eveline folgte ihm unruhig.

Im Hörer vernahm er eine harte, unfreundlich klingende Stimme.

»Mister Ed Weller, Sie sagen in Ihrem heutigen Leitartikel, dass Sie bestimmt wissen, wer diejenigen gewesen sind, die heute den Überfall auf das Hotel Metropole verübt haben.«

»Ja, natürlich!«, erwiderte der Deutsche. »Aber wer ist denn da am Apparat?«

»Das werde ich Ihnen gleich sagen: Ich bin der Chef der Polizei. Wenn Sie also bereit sind, den Wahrheitsbeweis für Ihre Behauptung anzutreten, dann muss ich Sie ersuchen, sofort in mein Büro zu kommen, damit wir Ihre Aussage aufnehmen können. Haben Sie mich verstanden, Mister Weller? Sie müssen sofort kommen!«

»Ich werde mich unverzüglich auf den Weg machen, Mister Farrell.«

Weller legte den Hörer wieder auf.

»Mit wem hast du gesprochen?«, fragte ihn Eveline, deren Unruhe jetzt noch gestiegen war. »Es war Farrell, nicht wahr?«


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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