Der Detektiv – Band 32 – Zwei Zigarettenstummel – Kapitel 2
Walter Kabel
Der Detektiv
Band 32
Kriminalerzählungen, Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1920
Zwei Zigarettenstummel
Kapitel 2
Das sinkende Frachtboot
Es war dies der Rest einer selbst gedrehten Zigarette, wie man auf den ersten Blick sah. Der Stummel war etwa zweieinhalb Zentimeter lang. Das für die Zigarette benutzte Papier hatte eine gelbliche Färbung. Das Mundende des Stummels war breit gedrückt, und ein paar Tabakfasern ragten ein Stück heraus. Das andere, angekohlte Ende war merkwürdig platt. Als Harst nun mit einer Stecknadel in den schwarzen Aschenteilchen herumstocherte, löste sich ein kleines Etwas ab, das sich nach dem Abspülen als der Unterteil eines winzigen Druckknopfes entpuppte – wie Damen ihn für Blusen und Ähnliches verwenden.
»Nun wissen wir ja, weswegen die Zigarette nicht aufgeraucht wurde«, meinte Harst. »Sie ist infolge des metallenen Fremdkörpers im Tabak ausgegangen, und dann hat die Raucherin den Rest unter den Stuhl geworfen.«
Er wickelte den halben Druckknopf in ein Stückchen Papier, verwahrte ihn in seinem Taschenbuch und erklärte: »Einer Raucherin, die sich die Zigaretten selbst dreht, kann es leicht zustoßen, dass so ein halber Druckknopf in den Tabak gerät; bei einem Raucher dürfte dies seltener vorkommen. Also wieder ein kleiner Beweis, dass der birmanische Bote unsere verkleidete Eugenie gewesen sein dürfte.«
Er nahm nun sein Federmesser, schnitt das Papier des Stummels der Länge nach auf, schüttete den Tabak auf eine Zeitung und strich das Stückchen Zigarettenpapier glatt.
»Ah – ein Stempel!«, rief ich, denn ich hatte so etwas auf der Innenseite des viereckigen Papierstückchens bemerkt.
»Ein Stempel – ganz recht!«, meinte Harst. »Sieh nur: Es ist eine Kreislinie von bläulicher Farbe in der Größe eines Fünf-Pfennig-Stücks; darin das Bild zweier rechtwinklig übereinanderliegender … hm, was soll es nun sein? Krokodile, Molche, Eidechsen? Ich behaupte, es sind Eidechsen!«
Ich beschaute mir den Stempel ganz genau. »Die Zeichnung ist zu verschwommen«, erklärte ich. »Es können ebenso gut Krokodile sein.«
Harst lachte: »Können sein! Wie großzügig du bist – oder wie wenig sorgfältig!«
»Was kommt es schon auf das Firmenzeichen der Zigarettenpapierfabrik an?!«, sagte ich achselzuckend.
»Hm …!«
Dieses »Hm!« Haralds hatte ich schon so oft gehört – stets bei wichtigen Anlässen –, dass es für mich jedes Mal wie ein »Hast du eine Ahnung!« klang. Ich blickte ihn denn auch erwartungsvoll an und fragte kurz: »Kein Firmenzeichen?«
»Wie man es nimmt, mein Alter! Gut, einigen wir uns auf Firmenzeichen. Rufe jetzt mal Weber herbei; er soll Proviant für die Reise nach Kalkutta besorgen.«
Die Untersuchung des Stummels schien also beendet zu sein. Ich ging an Deck, schickte Kapitän Weber zu Harst und setzte mich unter das Sonnensegel. Nach einer Weile erschien Harst und erklärte, er wolle in der Stadt noch einiges einkaufen. Wohin ihn diese Einkäufe führten, erfuhr ich erst später.
Am folgenden Morgen um 7 Uhr schwammen wir schon auf dem Rangun-Fluss. Lustig ratterten die Motoren der Jacht, und noch lustiger pfiff Matrose Kersten beim Putzen der Messingteile an Deck einen Marsch.
Es war bereits glühend heiß. Der Luftzug an Deck milderte die echt tropische Hitze jedoch etwas. Der Rangun-Fluss mit seinem gelbbraunen Wasser und den dicht bewaldeten Ufern ist unterhalb der Stadt stellenweise tausend Meter breit. Die Fahrrinne verläuft sehr unregelmäßig. Als wir uns wieder einmal dem Ostufer näherten, rief Kersten plötzlich: »Dort – ein sinkendes Frachtboot! Die Leute winken!«
Harst, der neben Weber am Steuerrad stand, fügte hinzu: »Tatsächlich – das Boot liegt schon ganz schief! Ran mit uns! Es sind auch Frauen an Bord!«
Das Frachtboot war eines jener plumpen, großen Fahrzeuge mit Mattensegeln, wie sie den Verkehr zwischen den Dörfern am Rangun und der Stadt vermitteln. Diese Boote haben ein Verdeck, zwei Masten und meist ein Bambushäuschen auf dem Achterdeck. Ich zählte fünf Personen: drei Männer und zwei Frauen. Es waren Birmanen. Die Männer trugen die übliche, abgebundene Scheitellocke, die Frauen das straffe, schwarze Haupthaar frei herabhängend.
Das Boot sank sehr schnell. Als wir es erreichten, bespülte das Wasser schon die niedrige Backbordreling. Die Leute darauf schrien vor Angst. Einer der Männer bat schließlich in schlechtem Englisch, wir möchten das Boot doch schnell ans Ufer schleppen; es sei sein einziger Besitz, und er würde ruiniert, wenn es mit der Ladung Ölfeiler versänke.
Im Nu war eine Schlepptrosse angebracht, und die STANDARD zog das Boot nun in voller Fahrt dem nahen Ostufer zu, wo sich hinter einer Landzunge ein guter Platz befand, um es auf Grund zu setzen. Dies gelang Kapitän Weber auch. Hier, hinter der gekrümmten, bewaldeten Landzunge, ereignete sich dann der Auftakt zu den späteren Geschehnissen.
Unsere Jacht lag Bord an Bord mit dem Frachtboot, das schief auf Grund festsaß. Die Matrosen Ewald und Kersten holten gerade die Schlepptrosse ein, als der Birmane, mit dem Harst sich unterhielt, diesem wie eine Katze an die Kehle sprang. Gleichzeitig stieß mir eine der Frauen mit erstaunlicher Geschicklichkeit einen kurzen Bootshaken gegen die Brust. Hätte ich nicht das Fernglas am Riemen vor der Brust hängen gehabt, wäre ich durch die eiserne Spitze vielleicht für lange Zeit erledigt gewesen. So aber taumelte ich von dem Stoß nur nach rückwärts, verlor das Gleichgewicht und schlug lang hin.
Ehe ich wieder hochkam, hatten sich schon zwei oder drei Kerle auf mich gestürzt. Einer presste mir die Kehle zu, und im Nu war ich mit auf den Rücken gebundenen Händen unter Deck in den Wohnsalon gezerrt, wo Harst bereits von dem braunen Gesindel kunstgerecht auf einem Sessel festgeschnürt wurde. Mir erging es genauso. Nach einer Weile wurden auch Weber und unsere drei übrigen Leute hereingebracht und ebenso auf Stühlen festgebunden.
Nicht weniger als vierzehn Birmanen zählte ich jetzt. Der größere Teil der Schufte hatte sich also in dem Bambushüttchen verborgen gehalten, und das Ganze war nichts als ein schlau berechneter Anschlag auf uns und unsere Jacht.
Bevor ich den weiteren Verlauf dieses Flusspiratenstückchens schildere, möchte ich noch anmerken, dass die Birmanen als Buddhisten überaus abergläubisch und dabei recht feige sind. Ihnen fehlt beispielsweise die tollkühne Todesverachtung, die die Malaien auszeichnet und einst zu gefährlichen Seeräubern machte. Dennoch muss man die Birmanen alles in allem – trotz ihrer geringen Körpergröße – als einen ansehnlichen Menschenschlag bezeichnen. Wenn sie geistig regsamer wären, könnten sie bei ihrer Ausdauer und Geduld in ihrem Land eine ganz andere Rolle spielen. So aber liegt der gesamte Großhandel ausschließlich in den gierigen, betrügerischen Händen schlauer Chinesen sowie großzügiger Engländer und anderer Europäer. Der Birmane selbst ist lediglich ein Arbeitstier und vegetiert in einem dumpfen Fremdenhass dahin – wie die meisten anderen indischen, von England unterworfenen Völker.
Diesen stillen Hass bekamen wir sechs Deutschen nun ausreichend zu spüren. Unsere Überwinder benahmen sich vor Freude über den unblutigen Sieg wie die Idioten: Sie tanzten höhnend vor uns herum, schnitten uns wie ungezogene Kinder Fratzen und beschimpften uns auf eine Weise, die mehr lächerlich als verletzend wirkte.
Mich wunderte es, dass Harst sich durch diese Flut von Schimpfwörtern so aus der Ruhe bringen ließ. Dann aber merkte ich, dass er die gelbbraune Bande absichtlich noch mehr reizte. Er wollte dadurch fraglos erreichen, dass sie in ihrer Erregung Dinge ausplauderten, die sie sonst wohl verschwiegen hätten.
Harst saß dicht neben mir. Neben ihm folgten der Reihe nach Weber, Ewald, Jürgensen und Kersten. Wir bildeten nun um den Mitteltisch herum eine Kette, deren Enden Harst und Kersten darstellten. Fritz Kersten, der vielseitige, gerissene Berliner, hatte seinen Platz genau gegenüber der zweiten Tür des Wohnsalons, die in den Gang zu den Kabinen führte. All dies ist wichtig, wie der Leser bald erkennen wird.
Der Anführer dieser Flusspiraten war offenbar derselbe alte, runzlige Kerl, der uns so flehentlich gebeten hatte, sein Boot aufs Trockene zu schleppen. Die anderen nannten ihn Pi-Mano und schienen großen Respekt vor ihm zu haben. Dieser Pi-Mano trug einen Anzug aus starker Leinwand, der vor Jahren einmal sauber gewesen sein mochte, und dazu eine Weste, deren Knöpfe sämtlich ungleich waren. Neben großen Zierknöpfen erblickte man gewöhnliche Hornknöpfe; sogar die Platte eines Manschettenknopfes hatte Herr Pi-Mano sich angenäht.
Auf diesen Alten hatte Harst es mit seinen aufreizenden Entgegnungen besonders abgesehen. Wenn ein Mann von Haralds Intelligenz jemanden beschimpfen will, so vermag er dies weit besser als ein armseliger Eingeborener, der das Englische noch nicht einmal geläufig spricht.
So kam es denn auch, dass Herr Pi-Mano sehr bald förmliche Wutanfälle bekam. Bei einem dieser Anfälle trat er ganz dicht vor Harst hin, schüttelte die Fäuste und brüllte: »Hund von einem Deutschen, du wirst sehr bald in zwei Hälften zerschnitten! So hat es die Lapo Tau-Tau beschlossen!«
Ich beobachtete Harst. Er hielt den Kopf gesenkt und starrte angestrengt auf Pi-Manos Westenknöpfe. Dann sagte er plötzlich in gleichgültigstem Ton: »Genug davon. Wir wollen jetzt vernünftig miteinander reden, Pi-Mano. Ich bin sehr reich. Ich werde dir 1000 Pfund geben, wenn du uns freilässt. Das kann dir die Lapo Tau-Tau nie bezahlen.«
Der Alte lachte schrill auf.
»Und wenn du 100 000 Pfund bietest, wirst du doch getötet! Ihr alle müsst sterben. Euer Blut wird das Holzmehl färben, und eure Seelen werden hinabfahren zu den bösen Geistern! Was weißt du weißer Mörder von der Macht der Lapo Tau-Tau?! Nichts – nichts!« Er grinste höhnisch-überlegen. »Du wirst die Lapo Tau-Tau sehen – aber erst, wenn dein Fleisch und deine Knochen auseinanderfallen wie … wie …« Er konnte den Satz offenbar nicht recht beenden.
»Wie die Bretter eines Baumstammes«, half Harald nach. »Ich kenne Rangun. Es besitzt gegen fünfzig Schneidemühlen, und die Lapo Tau-Tau hat uns den Tod durch ein Sägegatter zugedacht.«
Der alte Kerl riss den Mund auf. »Woher … woher …«, stammelte er, konnte aber nichts weiter hinzufügen, da mit einem Mal von der zweiten Tür, der Tür zum Gang, ein dumpfer Ruf erscholl.
»Pi-Mano! Hörst du mich?«
Die Tür war etwa eine Handbreit offen. Sämtliche Köpfe flogen herum. Die Stimme hatte so unheimlich tief geklungen – sie hatte in der Tat etwas Unwirkliches an sich.
Der Alte stierte auf die Türspalte und fragte kurz: »Wer ist da?«
Er benutzte seine englischen Sprachkenntnisse, da auch der Anruf auf Englisch erfolgt war.
Als Antwort kam sofort ebenso dumpf zurück: »Ich bin es, die Lapo Tau-Tau!«
Pi-Mano spielte den Mutigen und Klügeren: »Das ist nicht wahr. Die Lapo Tau-Tau bist du nicht. Sie ist weit weg von hier.«
Dann ging er hin und stieß die Tür auf. In dem kurzen Gang, der zu jeder Seite zwei Kabinentüren und geradeaus eine niedrige Tür zur Schiffsküche hatte, war kein Mensch zu sehen.
Der Alte befahl seinen Leuten nun, die Kabinen zu durchsuchen. Sie taten es, durchstöberten auch die kleine Küche und kamen mit sehr langen, ängstlichen Gesichtern in den Wohnsalon zurück.
Pi-Mano zog die Gangtür ins Schloss. Auch er war unsicher geworden, stellte sich wieder vor Harst hin und meinte: »Wir warten hier nur noch auf die Simlo Tau-Tau. Dann werdet ihr alle an Land geschafft und bis zum Abend gut verborgen. Und dann …«
Da – abermals von der Gangtür derselbe Anruf! Es musste jemand dahinter stehen.
»Pi-Mano! Hörst du mich?«, ertönte es noch dumpfer, aber gut verständlich.
Der Birmane war mit einem Satz an der Tür und riss sie auf. Nichts. Keine lebende Seele!
Er schloss sie – sehr langsam. Er blickte seine Genossen fragend an, sah aber nur ängstliche Gesichter und winkte die ganze Bande in eine Ecke, wo die Leute scheu miteinander flüsterten.
Schon wieder derselbe Ruf – genau dieselben Worte!
Der Alte zauderte, näherte sich der Tür und fragte: »Bist du es wirklich, Lapo Tau-Tau?«
»Ich bin es! Wenn du nicht gehorchst, werde ich dich bestrafen. Nimm Mr. Harst sofort die Fesseln ab und schicke ihn hierher zu mir. Ich habe mit ihm zu reden!«
Da erst kam mir die Erleuchtung! Da erst! Ich schaute unauffällig zu unserem Berliner hinüber – zu Fritz Kersten mit dem krausen Vollbart und dem dicken Schnurrbart, der den Mund völlig verdeckte. Und Kerstens Lippen bewegten sich kaum merklich. Er war diese geheimnisvolle Lapo Tau-Tau, von der ich noch nie etwas gehört hatte! Desto öfter hatte ich Fritz Kersten aber als Bauchredner ehrlich angestaunt, der diese seltsame Kunst tatsächlich in Perfektion beherrschte.
Pi-Mano gehorchte – wenn auch zaudernd –, löste Harsts Stricke und sagte dabei: »Die Lapo Tau-Tau will es!« Es klang so, als wollte er ausdrücken: Ich lehne jede Verantwortung ab!
Jedenfalls hatte Kersten sich auch hier wieder überaus klug gezeigt, da dieser Befehl der angeblich im Gang verborgenen Lapo Tau-Tau, lediglich Harst zu ihr zu schicken, am wenigsten verdächtig war.
Harst verschwand hinter der Tür. Dass er den Schwindel längst durchschaut hatte, unterlag keinem Zweifel. Ich war nun außerordentlich gespannt darauf, wie er unsere Befreiung ins Werk setzen würde. Mit Gewalt war für ihn als Einzelnen der bewaffneten Übermacht der Piraten gegenüber schließlich nichts auszurichten: Nur List konnte hier helfen.
Die Birmanen wie auch wir fünf Deutschen ließen die Tür nicht mehr aus den Augen, hinter der Harst angeblich mit der Lapo Tau-Tau verhandelte.
Wir hörten Harst sprechen. Es klang ganz so, als ob er sich mit jemandem unterhielte. Er täuschte dieses Gespräch glänzend vor, spielte des Öfteren den Erregten, steigerte seine Stimme und rief einige Male laut eine energische Verneinung, bis er die Zeit für gekommen hielt, mit dem nächsten Teil seines Programms zu beginnen.
Die Gangtür öffnete sich ein wenig. Harsts Kopf wurde sichtbar: »Pi-Mano, die Lapo Tau-Tau will dich und meinen Freund Schraut sprechen.«
Der alte Birmane beeilte sich, auch meine Fesseln zu lösen. Wir traten in den Gang ein. Harst drückte hinter uns die Tür zu – er tat es mit der Linken. Mit der Rechten hielt er Pi-Mano den Selbstlader vor die Stirn. Die Piraten hatten es wohl für überflüssig erachtet, uns die Waffen abzunehmen.
»Keinen Laut!«, flüsterte er drohend. »Wenn du nicht blindlings tust, was wir verlangen, schieße ich dich nieder!«
Pi-Manos Gesicht wurde erdgrau vor Schreck und Angst.
»Ich werde die Tür eine Handbreit aufmachen«, fuhr Harst fort. »Dann schickst du deine Leute an Land. Sie können von dem Frachtboot aus bequem über die Sandbänke ans Ufer gelangen. Befiehl ihnen, sich irgendwo zu verbergen und sich bis auf Weiteres vor niemandem sehen zu lassen, bis du zu ihnen kommst. Du wirst diese Befehle in englischer Sprache erteilen, damit ich verstehe, was du sagst. Nun vorwärts!«
Das Weitere verlief ohne jeden Zwischenfall. Der Alte war fraglos viel zu beschränkt, um uns Schwierigkeiten zu machen. Seine Leute gehorchten ohne Widerrede. Sie räumten den Salon, und wir beobachteten durch die Fenster, wie sie an Land wateten und in den Büschen verschwanden. Pi-Mano hatte ihnen als Versteck eine leere Hütte mitten in einem nahen Wäldchen angegeben.
Wir waren also wieder frei und Herren der Jacht. Unsere vier Landsleute wollten Pi-Mano nun wegen des Bauchrednertricks aufziehen, dem wir diesen schnellen Umschwung der Lage verdankten.
Aber Harst rief sofort: »Bitte – kein Wort davon, Freunde! Man kann nie wissen, ob wir Kerstens Fertigkeit nicht nochmals brauchen können.«
Er hatte auf Deutsch gesprochen, und der Alte hatte somit nichts von dieser Warnung verstanden.
Harst begann nun ein kurzes Verhör mit ihm. Als er ihn fragte, wer die Lapo Tau-Tau sei, erwiderte der Birmane ängstlich, er wisse es nicht. Jedenfalls sei es ein Mann, der große Macht besitze.
Harst drang nicht weiter in den Alten, sondern verlangte nur noch zu erfahren, wann die Simlo Tau-Tau sich hier einfinden werde.
Pi-Mano musste erst wieder mit dem Selbstlader bedroht werden, ehe er entgegnete: »Er kann jede Minute eintreffen. Er kommt im Boot.«
»Es war zwischen euch also ganz genau vereinbart worden, dass meine Jacht das Frachtboot hierher schleppen sollte«, meinte Harst. »Ihr habt die Stelle gut gewählt. Diese durch die Landzunge gebildete Bucht ist vom Fluss her nicht zu übersehen, und das Land ringsum scheint wenig bewohnt zu sein. Höre nun zu, Pi-Mano: Du wirst dich jetzt oben an Deck aufstellen. Ich nehme meinen Platz am Fuße der Kajütentreppe ein und werde feuern, wenn du auch nur eine verdächtige Fingerbewegung machst. Du wirst dem Boot der Simlo Tau-Tau zuwinken und zurufen, dass alles in bester Ordnung sei.«
»Herr, es wird mich das Leben kosten!«, jammerte der alte Spitzbube. »Die Simlo Tau-Tau ist blutgieriger als der Tiger!«
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