Die Burg
Thriller, Softcover, Knaur Verlag, Februar 2026, 400 Seiten, 12,99 EUR, ISBN: 9783426448397
Milliardär Nevio erfüllt sich einen Kindheitstraum, eine interaktive Burg, hier gesteuert von einer Künstlichen Intelligenz (KI), die das Prinzip eines überdimensionierten Escape Rooms Wirklichkeit werden lässt. Hierzu hat Nevio die halbverfallene Burg Greiffenau gekauft und diese entsprechend auf- und umrüsten lassen.
Vor der Eröffnung dieser Erlebniswelt, die alles sein kann, was sich zahlende Besucher nur wünschen, lädt der Milliardär eine Reihe illustrer Persönlichkeiten ein, die die Spiele, die Aufgabenstellungen und natürlich die simulierte Ausstattung nach unterschiedlichen Kriterien testen und beurteilen sollen, wie Authentizität, Originalität, Spielbarkeit, Qualität der Rätsel usw..
Die Probanden sind Maxim Ascher, der selbst ein kleines Unternehmen mit fünf Escape Rooms leitet, sowie Professor Lothar Melerski, ein fachkundiger Historiker. Des Weiteren sind da noch Olympiaschwimmer Emil Strauss, Influencerin Yvonne Rothe und Petra Seifert, eine kluge Rätsellöserin. Motiviert werden alle von Nevio durch Prämienzahlungen im fünfstelligen EUR-Bereich.
Zudem gibt es das vierköpfige Technik-Team bestehend aus Alissa, Jannek, Sam und Fuxo, die im Hintergrund agieren und natürlich die mit dem Spitznamen KIsmet betitelte KI.
Der in einem Mittelalterszenario spielende Testlauf ist für vier Stunden geplant, doch als sich die Gruppe in die Räume unterhalb der Burg begibt, beginnt für die Menschen ein wahrer Alptraum, der ihnen alles abverlangt, mit veritablen Schrecken aufwartet und manch dunkles Geheimnis der Spieler ans Licht zerrt.
Die österreichische Autorin, Ursula Poznanski, ist seit mehr als zwei Jahrzehnten bekannt und erfolgreich in den Genres Krimi, Thriller sowie Kinder- und Jugendbuch.
Mit Die Burg hat Poznanski nicht nur einen aktuellen Spieletrend aufgegriffen, sondern auch die immer schneller voranschreitende Entwicklung Künstlicher Intelligenz und deren Einsatz im Alltag, wie z.B. in Recruiting Prozessen von Unternehmen, in Kunst und Kultur.
Ein Fortschritt, der kritisch zu betrachten ist und dessen negative Aspekte ansatzweise in das vorliegende Buch eingeflossen sind. Die Abhängigkeit des Menschen vom Internet, blinder Technikglaube und die suggerierte Notwendigkeit umfangreicher Social Media Präsenz, sowie die Definition Einzelner hierüber.
Auf jeden Fall hat Poznanski ihre Hausaufgaben hinsichtlich Escape Romes gemacht, die sich auch in deutschen Großstädten wachsender Beliebtheit erfreuen.
Die Autorin schildert die einzelnen Szenarien recht anschaulich, doch manchmal hätte ich mir etwas mehr Detailreichtum und Abwechslung gewünscht, um das Unheimliche greifbarer zu machen, sowie eine höhere Komplexität der Rätsel. Dies ist ein Eindruck, den ich bereits innerhalb der ersten 100 Seiten des Romans gewonnen hatte. Ebenfalls hatte ich schon früh das Empfinden, dass die Handlung bis Kapitel 15 (von 47) häufig auf der Stelle tritt, bis dann die KI die Regie übernimmt und in gewisser Weise die Realität verändert.
Leider muss ich in diesem Zusammenhang ebenfalls sagen, dass nach der Hälfte des Romans durchaus hätte Schluss sein können, wiederholen sich doch viele der Handlungselemente wie auch der beschriebenen Szenarien.
Die Probanden sind unter der Erde festgesetzt, die Gruppe wird aufgesplittet, die installierte Technik versagt bzw. wird von KIsmet blockiert, die Sicherheit und das Wohlergehen der Menschen werden ignoriert. Klingt spannend, ist es aber nicht.
Keiner der Charaktere weist einen gewissen Tiefgang auf oder bietet dem Leser Identifikationspotential, allen voran der eindimensionale Nevio, der glaubt, mit Geld alles regeln zu können und alle aus seinem Umfeld haben sich ihm zu unterwerfen. So ist mir dann das Schicksal der einzelnen Gruppenmitglieder relativ egal geworden.
Letztendlich kann man sich fragen, ob die KI plötzlich ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat und damit sogar zu Emotionen fähig ist oder die Gruppe ihre Wünsche, das bevorstehende Abenteuer betreffend, einfach nur schlecht formuliert und somit der KI zu viel Interpretationsspielraum ermöglicht hat.
Wer beispielsweise schon mal ChatGPT genutzt hat weiß, je genauer der Prompt formuliert ist, desto besser ist das erzielte Ergebnis.
Ich hätte mir definitiv mehr Dynamik im Storytelling gewünscht, sowie mehr Abwechslung in den Szenarien. Das Potenzial der möglichen 32 Schauplätze wurde ebenfalls nicht ausgeschöpft. Ständig hat man so das Gefühl, bereits mehrfach am selben Ort gewesen zu sein.
Nach der Hälfte des Romans habe ich zunehmend das Interesse am Fortgang der Geschichte und deren Ende verloren. Nur die Neugier nach einer möglichen Wendung und der Gedanke, dass die bisherige Lektüre und die dafür aufgewendete Zeit nicht ganz umsonst gewesen sollen, haben mich bis zum Ende durchhalten lassen.
Da der Roman außerdem mit dem Etikett „Thriller“ versehen wurde, hatte ich auch aus diesem Grund ein gerüttelt Maß an Spannung erwartet, doch Ermüdungserscheinungen bei der Lektüre gewannen bald die Oberhand.
Die dem Roman zugrundeliegende Idee ist grundsätzlich nicht schlecht, jedoch nicht tragfähig für ein 400 Seiten-Manuskript. Mich persönlich hat Die Burg jedenfalls enttäuscht.
(stb)


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