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Felsenherz der Trapper – Teil 03.7

Felsenherz, der Trapper
Selbst Erlebtes aus den Indianergebieten erzählt von Kapitän William Käbler
Erstveröffentlichung im Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1922
Überarbeiteter Text
Band 3
Der Kundschafter von Fort Kavett
7. Kapitel
Im Tal der sprechenden Wasser

Zwei Tage später …

In einem der Seitentäler, eingebettet in die Uferberge des Rio Pecos, lagerten unsere drei Freunde mit ihren beiden Gefangenen. Sie hatten in einer grottenartigen Aushöhlung der Talwand Zuflucht gefunden, sicher verborgen hinter einem dichten Vorhang aus Schlinggewächsen und Dornen.

Als erfahrener Indianerhändler kannte sich der Skalpierte auch in dieser Gegend bestens aus und hatte diesen versteckten Platz vor einer Stunde als Lager ausgewählt. Nun wandte er sich leise an Felsenherz und den langen Billy: »Ich habe hin und her überlegt, was wohl mit dem sprechenden Wasser gemeint sein mag, das es in jenem uns noch unbekannten Tal geben soll. Vorhin fiel mir ein, dass ich vor zwei Jahren durch Zufall in ein Tal geriet, in dem ein Gießbach im äußersten Winkel über eine Felswand in die Tiefe rauscht. Durch eine besondere Form der Gesteinswand bringt das fallende Wasser dort, neben dem üblichen Zischen und Brausen, Töne hervor, die wie das helle Rufen von Kinderstimmen klingen. Ich traue mir dank meines guten Orientierungssinns zu, dieses Tal wiederzufinden. Es kann kaum eine halbe Meile flussabwärts liegen. Sobald es völlig dunkel ist, könnte ich mich mit Felsenherz auf die Suche machen. Ihr, Billy, bewacht derweil die Gefangenen.«

Felsenherz und Billy waren einverstanden. Felsenherz wandte sich an Tom Pickparell, der an einen Felsvorsprung gefesselt war, und fragte ihn, ob es in jenem Tal, in dem er damals das Blockhaus gefunden hatte, einen solchen Gießbach gebe. Tom nickte nur. Sprechen konnte er nicht, da sowohl er als auch der Große Bär zur Sicherheit geknebelt worden waren.

Eine Stunde später brachen Felsenherz und der Skalpierte auf. Die Nacht war sternenklar. Edward Barnley ging voraus. Mit größter Behutsamkeit, die hier in der Nähe der Felsendörfer der Mescalero dringend geboten war, bewegten sie sich vorwärts.

Es war ein mühseliger Weg über Felsen, durch Gestrüpp und kleine Waldstücke. Schließlich bog der Skalpierte in einen Canyon ein – Schluchten dieser Art sind hier am Rio Pecos genauso häufig wie im Flussgebiet des Colorado. Seitenschluchten gab es in rauen Mengen, doch Barnley zögerte keinen Augenblick, als er abermals abbiegen musste. Die Schlucht wand sich in vielen Krümmungen nordwärts und endete in einem schmalen Felsgrat, der um einen kegelförmigen Berg herumführte und schließlich steil abfiel.

Plötzlich machte Barnley Halt und drückte sich flach an die Steinwand. Nun bemerkte auch Felsenherz zwei Rothäute, die aus einem Tal langsam denselben Felsgrat heraufstiegen.

»Hinlegen!«, raunte er dem Skalpierten zu und schob sich lautlos an diesem vorbei nach vorn.

Die beiden Apachen näherten sich ahnungslos. Der Bergpfad war an dieser Stelle kaum zwei Meter breit. Nun war der Vordere nur noch einen halben Schritt von Felsenherz entfernt, der sich dicht an die Wand gekauert hatte. Ein in einer Gesteinsspalte über ihm hängender Dornbusch warf tiefe Schatten und verbarg ihn geschickt.

Der Apache schritt weiter. Als sich der Zweite näherte, fuhr plötzlich eine geballte Faust wie ein Blitz in die Höhe und traf den Indianer wuchtig an der Schläfe. Felsenherz schnellte sofort weiter vorwärts und packte auch den anderen Apachen an der Kehle. Ein gezielter Hieb, und auch dieser sank bewusstlos zu Boden.

»Fesseln und knebeln!«, flüsterte der Trapper. Der Skalpierte eilte herbei, um zu helfen. Dann zerrten sie die Bewusstlosen ein Stück zurück und zwängten sie in eine Felsspalte, die so eng war, dass sich die beiden ohne fremde Hilfe unmöglich würden befreien können.

»Dort – das Tal liegt direkt vor uns!«, erklärte Barnley leise. »Ich habe mich nicht geirrt. Weiter!«

Bald spürten sie weichen Grasboden unter den Füßen. Linker Hand entdeckten sie an der Talwand den schwachen Widerschein eines Lagerfeuers. Sie krochen lautlos darauf zu und erkannten neben der verkohlten Ruine des Blockhauses vier Lederzelte. Das Feuer brannte vor dem größten Zelt. Darum herum saßen acht Apachen und vertrieben sich die Zeit mit ihrem beliebten Würfelspiel, bei dem die Würfel aus den Wirbelknochen von Bisamratten geschnitzt werden.

Felsenherz verständigte sich kurz mit dem Skalpierten, richtete sich auf und trat furchtlos in den Lichtkreis des Feuers. Die Apachen sprangen augenblicklich auf.

Doch Felsenherz hielt seine Büchse bereits im Anschlag und rief ihnen zu: »Die Krieger der Apachen sehen hier Felsenherz, den Trapper. Felsenherz’ Zunge ist nicht gespalten; sein Mund lügt nie. Der Große Bär ist unser Gefangener. Neben mir sind noch zwei weitere Bleichgesichter in der Nähe. Wir hätten euch niederschießen können, doch ich vergieße nicht unnötig Blut. Ihr haltet hier, wo ihr euch am sichersten wähntet, den Schwarzen Panther, die Blaue Taube und drei Comanchen gefangen. Gebt die fünf heraus, und der Große Bär ist frei. Weigert ihr euch, werden unsere Büchsen sprechen.«

Die acht Apachen – allesamt ältere, erprobte Krieger – berieten sich flüsternd.

Dann trat einer von ihnen vor und erklärte: »Felsenherz’ Mund ist wie die Sonne, die das Licht verbreitet und die Dunkelheit hasst. Wir glauben ihm. Der Große Bär ist der oberste Häuptling aller Apachenstämme. Ihr mögt ihn holen, und dann …«

Der blonde Trapper fiel ihm hart ins Wort: »Euer Hirn sinnt auf Heimtücke! Also sollen die Büchsen entscheiden!«

Er legte das Gewehr an.

»Halt!«, rief der Apache, in dessen Augen nun nackte Angst aufzuckte. »Felsenherz möge sich gedulden. Ich werde die Gefangenen losbinden!«

Er verschwand im Hauptzelt. Gleich darauf traten Chokariga, seine Schwester und die drei Comanchenkrieger in die kühle Nachtluft heraus. »Sollte es auch nur einer von euch wagen, uns zu folgen, ist das Leben des Großen Bären verwirkt!«, warnte Felsenherz die zurückbleibenden Indianer ein letztes Mal.

Eine knappe Stunde später erreichten die Retter zusammen mit den Befreiten wieder das südlichere Tal, wo der lange Billy bereits auf sie wartete.

Felsenherz durchtrennte die Fesseln des Großen Bären.

»Der Häuptling der Apachen ist frei«, sagte er knapp. »Felsenherz hat sein Versprechen gehalten.«

Der Apache dehnte seine vom langen Liegen steifen Glieder und sprach mit würdevollem Ernst: »Felsenherz ist ein großer Krieger. Doch wenn die Sonne über den Bergen des Rio Pecos aufgeht, wird der Große Bär erneut auf seiner Fährte sein!«

Dann geschah es: Mit einer blitzschnellen Bewegung riss er dem Skalpierten das Messer aus dem Gürtel, stieß es Tom Pickparell tief in die Brust und verschwand mit zwei gewaltigen Sätzen in der Dunkelheit. Der verräterische Spion war auf der Stelle tot.

Die Gefährten brachen unverzüglich das Lager ab. Im fahlen Licht des Morgengrauens erreichten sie den Rand jener endlos scheinenden Prärie, die sich bis zum befestigten Lager der Texaner erstreckte.

Was der Comanchenhäuptling seinem weißen Bruder Felsenherz anschließend über das geheimnisvolle Tal der sprechenden Wasser berichtete, soll jedoch den Auftakt für das nächste Abenteuer unserer Helden bilden.

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