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Wenn Dämonen aufeinandertreffen

Wenn Dämonen aufeinandertreffen
Die epische Welt von Fabula Ensis

Fabula Ensis: Krieg der Tengu und Shinigami entführt uns in eine düstere Sphäre, die tief von japanischer Mythologie und traditioneller Folklore geprägt ist. Mit einer Mischung aus übernatürlichen Wesen, mächtigen Kräften und erbitterten Auseinandersetzungen erschafft die Geschichte eine faszinierende Welt voller Geheimnisse, Gefahren und moralischer Konflikte. Das Werk lässt sich dem Genre der Dark-Myth(ologie) zuordnen und richtet sich besonders an Leserinnen und Leser, die asiatisch inspirierte Welten, eindrucksvolle Schwertkämpfe und dramatische Machtduelle schätzen.

Im Mittelpunkt der Handlung steht das fragile Gleichgewicht zwischen uralten Mächten, das zunehmend ins Wanken gerät. Die stolzen, kampferprobten Tengu – mystische Wesen, die eng mit den Winden und Bergen verbunden sind – treffen auf die unerbittlichen Shinigami, die als Hüter des Todes und des Seelenreichs gelten. Die Spannungen zwischen beiden Lagern nehmen immer weiter zu, bis ein verheerender Krieg unausweichlich scheint. Während die Auseinandersetzung eskaliert, geraten einzelne Figuren zwischen die verhärteten Fronten und müssen sich nicht nur gefährlichen Gegnern stellen, sondern auch ihre eigenen Überzeugungen hinterfragen. Es geht um Loyalität, Ehre und Schicksal, aber auch um die schwierige Frage, welche Opfer notwendig sind, um die eigene Welt vor dem Untergang zu bewahren.

Eine besondere Stärke des Buches liegt in seinem mythologischen Fundament. Elemente aus der japanischen Sagenwelt, darunter Motive rund um Yōkai und Geister, werden mit einer eigenständigen Erzählung kunstvoll verwoben. Gleichzeitig verzichtet die Geschichte bewusst auf eine klare Trennung zwischen Gut und Böse. Beide Seiten verfolgen ihre eigenen Ziele und handeln aus Beweggründen, die zumindest teilweise nachvollziehbar sind. Dadurch entstehen komplexe Konflikte, in denen moralische Grenzen verschwimmen und Entscheidungen weitreichende Konsequenzen haben. Die Handlung wird von bildgewaltigen Kämpfen, intensiven magischen Duellen und einer düsteren, stellenweise melancholischen Atmosphäre getragen, die der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht.

Fabula Ensis: Krieg der Tengu und Shinigami bietet damit eine reizvolle Alternative zur klassischen westlich geprägten Mittelalter-Fantasy. Die Verbindung aus japanischer Mythologie, epischen Auseinandersetzungen und vielschichtigen Konflikten macht das Buch besonders interessant für Leserinnen und Leser, die eine außergewöhnliche Welt entdecken möchten. Wer Geschichten über Ehre, Macht, Schicksal und Magie liebt und sich für die geheimnisvolle Welt japanischer Legenden begeistert, dürfte in diesem Werk ein packendes Leseerlebnis finden.

Das Buch

Lillith Korn, DeSade

Fabula Ensis: Krieg der Tengu und Shinigami

Dark-Myth, Gebundene Ausgabe, Dark-Empire-Verlag, Berlin, 25. Juli 2022, 350 Seiten, 9,99 EUR, ISBN 9783982357072

In einer Welt, die von Dämonen beherrscht wird, gibt es nur drei Menschen, die das Unheil aufhalten können …
Kurz vor seiner Prüfung zum Clanführer erfährt Kiaji von einem Clangeheimnis, das sein gesamtes Leben ändert. Zeitgleich erwacht Jin aus einem tausendjährigen Schlaf und der Mönch Dawey kehrt nach fünfzehn Jahren Verbannung zurück zu seinem Meister.
Schicksalhaft kreuzen sich ihre Wege, als zwischen den Tengu und Shinigami ein grausamer Krieg entflammt. Die Kämpfe drohen die gesamte Welt zu zerstören und nichts kann den Dämonen Einhalt gebieten. Bis auf Horus, den die drei zu finden versuchen – doch Jin wird selbst von einem Shinigami beherrscht, Kiaji vom Tod verfolgt und Dawey hat eine unfassbare Bürde zu tragen. Als wäre das nicht genug, spielt die Zeit gegen sie …

Die Autoren

Lillith Korn kam über einen ungewöhnlichen Umweg zum Schreiben: Eine ironische Kleinanzeige mit dem Titel Suche: Sinn des Lebens gab den Anstoß zu ihrem ersten Buch. Seit 2015 veröffentlicht sie Geschichten zwischen Fantasy, Science-Fiction und Dystopie, in denen auch Humor und große Gefühle ihren Platz haben. Zu ihren Werken zählen Better Life, Die Zeitwächterin und der gemeinsam mit DeSade geschriebene Roman Fabula Ensis – Krieg der Tengu und Shinigami. Außerdem arbeitet sie als Lektorin und Korrektorin.

Piotr DeSade Kucharzak ist Autor, Gitarrist und Musikproduzent. Seine Begeisterung für Fantasy, Anime und Pen-and-Paper-Rollenspiele legte früh den Grundstein für sein eigenes Erzähluniversum: Fabula Ensis. Darin verbindet er japanische Mythologie mit düsterem Cyberpunk. Gemeinsam mit Lillith Korn schrieb er den Roman Fabula Ensis – Krieg der Tengu und Shinigami. Seine Welt wächst auch in Kurzgeschichten, Hörspielen und Musik weiter – und verbindet so seine Leidenschaft für Geschichten und Klang.

Leseprobe

Kapitel 1

Kiaji

Durch das Fenster seines Zimmers betrachtete Kiaji das Schloss der Kabaru auf dem mittleren Plateau. Ob vom Ryushen-Tower aus oder einem der anderen: Im Prinzip zeichnete sich von jedem Clan-Plateau dasselbe Bild ab, lediglich leicht gedreht. Ein riesiges, dank dem glänzenden Material spiegelndes Gebäude aus seinerseits fünf Wolkenkratzern, von dem aus die Kabaru über alle Clans herrschte.

Vom größten Wolkenkratzer ausgehend erstreckte sich eine Bühne in die Luft, auf der wichtige Veranstaltungen stattfanden, die das gesamte Volk betrafen. Etwa die Wahl des Crux Talos’. Es gab noch eine andere für kleinere Feierlichkeiten, die sich weiter unten befand und mit dem Auto zu erreichen war.

Kiaji drehte den Schlangenring an seinem Finger, als er an die schlimmste Zeremonie dachte, die er jemals hatte erleben müssen. Die, bei der seine geliebte Mutter gestorben war. Yumi hatte die Bühne auf dem Ryushen-Gelände der Unterstadt nie erreicht. Sie war in einer gewaltigen Explosion zu Asche verwandelt worden, die ihn selbst heute wie ein dunkler Nebel umgab.

Allein die Erinnerung daran nahm ihm den Atem. Er brauchte dringend frische Luft.

Also tippte er auf das Modul an seinem Handgelenk, welches das Fenster öffnete, und blinzelte kurz wegen der Spiegelung.

Tief atmete er ein, schob die Gedanken an seine Mutter beiseite und ließ andere deren Platz einnehmen.

Probleme hatte er definitiv genug, zum Beispiel die morgige Prüfung. Aber Kiaji war bestens vorbereitet. Niemand sonst, nicht einmal höherrangige Clan-Mitglieder, konnte so gut mit den Nanopartikeln umgehen wie er. Wie um es sich selbst noch einmal zu beweisen, konzentrierte er sich. Das gewohnte Gefühl der Verbundenheit breitete sich aus, als wäre er mit ihnen verschmolzen. Er ordnete sie, wie es ihm gefiel, und formte Yumis lächelndes Gesicht, das blau leuchtend in seiner Hand erschien. Dann schloss er die Finger und das Bild verpuffte. Eigentlich konnte man mit den Elementarteilchen lediglich Waffen erscheinen lassen und sie beherrschen, doch Kiaji hatte eine Affinität für diese Technologie und bildete sich stets weiter. Zudem hatte Yumi ihn heimlich in den Inneren Künsten ausgebildet, die sie meisterlich beherrscht hatte.

Seine Mutter wäre sicher stolz auf ihn gewesen. Auch die meisten anderen freuten sich – die Prüfung der Akademie Imperium Armis zu absolvieren und zu bestehen, das war eine absolute Ehre.

Aber Kiaji zweifelte. An sich selbst, an allem. Wollte er wirklich Clan-Führer werden? Ginge es nach ihm, sollte sein Vater Akira alles weiter wie bisher führen, am besten für immer. Kiaji hatte ohnehin nichts mehr von ihm, da Akira seit Yumis gewaltvollem Tod auf Rache sann und seine Vaterrolle mehr oder minder an ihren Bruder Damon abgeschoben hatte.

Ein letztes Mal holte er tief Luft und blickte hinaus, bevor er das Fenster schloss.

Wütend wandte er sich ab, lief an den Wandbildern vorbei, die zum Großteil ihn und seinen besten Freund Fin zeigten, und nahm sich ein Glas Wasser vom Tisch. Warum dachte er überhaupt über all diese Dinge nach, obwohl ihm kaum eine Wahl blieb? Warum haderte er mit seinem Schicksal, wenn er es nicht ändern konnte? Vielleicht taten Menschen das einfach. Vielleicht war es der irrationale Funke Hoffnung, der irgendwo in ihm keimte … den er ersticken musste.

Die Tür klickte. Kaum hatte Kiaji sich umgedreht, sprang eine schwarz gekleidete Gestalt mit vermummtem Gesicht und einem Katana in den Händen ins Zimmer, preschte voran und hob ihre Waffe.

Kiaji brauchte nicht nachzudenken. In Sekundenbruchteilen ließ er das Glas fallen, das mit einem lauten Klirren auf dem Marmorboden zerschellte. Zugleich duckte er sich unter dem ersten Hieb seines Angreifers hinweg und konzentrierte sich auf den Nanohandschuh. Während sich sein eigenes Katana mit der Schmetterlingsklinge materialisierte, wich er einem weiteren Hieb des Fremden aus. Der Typ war groß, stark – und verdammt schnell. Dessen schwarzer Kimono flatterte auf, als er sich im Kreis drehte, um auszuholen und dieses Mal seitlich zuzuschlagen.

Nun hielt Kiaji allerdings sein Schwert in der Hand und riss es hoch. Die Klingen klirrten gegeneinander. Im selben Moment trat er zu und stieß den Angreifer damit nach hinten. Das verschaffte ihm kostbare Zeit. Zuerst tat er, als wollte er ihn aufspießen, was den Gegner weiter zurückweichen ließ, dann drehte er sich schwungvoll um die eigene Achse und durchschnitt von der Seite geräuschvoll die Luft. Leider verfehlte er den Mann um Haaresbreite. Der sprang zurück, knallte gegen die Tischplatte, nutzte jedoch den Schwung und vollführte eine Rückwärtsrolle, um auf den Beinen zu landen – sofort wieder in Kampfposition. Dieser Typ war ein verdammt guter Kämpfer. Er schien wie ein schwarzer Blitz in all dem Weiß, das ihn in Kiajis Zimmer umgab.

Unschlüssig stand Kiaji ihm gegenüber, das Katana schützend vor sich haltend. Der andere musterte ihn und wartete ab.

Ein Angriff, ausgerechnet im Tower … Hier war seine Leibgarde selten nötig. Wer rechnete denn in einem gesicherten Bereich im 48. Stockwerk mit einem Anschlag?

»Was willst du von mir?«, keuchte Kiaji. »Wer zur Hölle bist du?«

War das ein Ausblick auf seine zukünftige Clan-Herrschaft? Immer bereit sein müssen, sein Leben zu verteidigen? Immer ein Auge beim Schlafen offenhalten? Tag für Tag reihten sich weitere Gründe aneinander, diese verdammte Clan-Herrschaft nicht anzutreten. Einfach bei der Prüfung zu versagen.

Wie erwartet erhielt er keine Antwort. Stattdessen stieß der Mann sich ab, stützte sich im Sprung mit der Hand auf den Tisch, um erneut darüber hinweg zu wirbeln, und landete direkt vor Kiajis Füßen, die Waffe kampfbereit erhoben.

Scheiße.

Die Klinge sauste auf ihn zu. Im allerletzten Moment rollte sich Kiaji zur Seite. Das Geräusch des Schwertes, das auf den Marmor schepperte, hallte wie eine Warnung durch seinen Schädel. Er versuchte aufspringen, schaffte es nicht, da der Angreifer ihn mit einem Ruck auf den Rücken drehte und ihm den schweren Stiefel in die Kehle presste.

Kiaji röchelte. Er ließ automatisch die Waffe verschwinden und legte beide Hände an den Knöchel des Gegners, um freizukommen. Keine Chance. Das Gewicht drückte auf seinen Hals wie ein Betonklotz.

Er wollte nicht sterben. Vor allem nicht so. Wollte dieser Kerl den zukünftigen Clan-Führer schon vorab beseitigen? Irgendeinen Grund musste es geben, dass ein eiskalter Killer ihn hier überraschte und niederrang.

Gedanken rasten durch seinen Schädel und die Stimme seines Mentors Damon erklang wie ein Mantra: »Gib niemals auf, Kiaji. Sei achtsam, handle weise. Finde kreative Wege, die Oberhand zu gewinnen. Gewalt ist nicht immer die richtige Methode – lenke deinen Gegner ab, führe ihn auf eine falsche Fährte oder verwirre ihn. Pariere Kraft mit Intelligenz.«

Der Mann beließ es nicht dabei, ihn mit seinem Gewicht zu ersticken oder ihm den Kehlkopf zu zerquetschen. Er holte zu einem letzten Hieb aus.

Verzweifelt tippte Kiaji auf sein Handgelenksmodul. Das Fenster öffnete sich und verursachte die gewohnte kurze Spiegelung – und tatsächlich, für eine Sekunde wirkte sein Angreifer irritiert und drückte weniger stark zu.

Lange genug, damit Kiaji sich unter ihm herauswinden und eine neue Waffe materialisieren lassen konnte. Diesmal eine Pistole.

Kiaji zögerte keine Sekunde.

Er sprang vor, riss dem Gegner die Balaklava vom Kopf, presste ihm die Waffe an die Stirn und –

»Damon?«, fragte er ungläubig und die Pistole sank hinab. Schließlich ließ er sie ganz verschwinden und trat einen Schritt zurück.

Damon grinste, während er sein Katana wegsteckte. »Das war knapp. Ich bin stolz auf dich, Kiaji. Du hast gut gekämpft.«

Endlich entspannte sich Kiaji. Er stützte die Hände auf die Knie, schloss einen Moment die Augen und atmete durch. »Ich hätte dich fast erschossen! Was hattest du vor? War das ein Test?« Langsam kam er wieder hoch und betrachtete seinen Mentor, der seine Kleidung zurechtzupfte und schmunzelte.

»Du hast diesen Angriff gut gemeistert und bist bereit. Aber vergiss nicht, dass das ein Trainingskampf war. Deine Gegner in der Prüfung werden kein Erbarmen kennen, deshalb bleib wachsam.« Er nickte zu den Scherben auf dem Boden und dem Tisch, dessen Glasplatte einen tiefen Riss aufwies. »Diese Dinge ersetzt dir der Clan.« Er rieb sich seinen Bauch. »Das war ein harter Tritt, ich hoffe, mein Magen ist noch an Ort und Stelle«, murmelte er. »Wie dem auch sei – komm mit, wir müssen kurz zu Akira.«

Kiaji wischte sich über die verschwitzte Stirn. Sie würden zu seinem Vater gehen? Alles in ihm weigerte sich. Wieso dachte er außerdem von ihm als Vater? War Akira nicht bloß der Clan-Führer, dem alle zu dienen hatten, Kiaji ebenso? Wann hatten sie überhaupt das letzte Mal miteinander gesprochen? Das musste Monate her sein. Dementsprechend ging es um etwas Offizielles, dabei gab es im Moment nichts, das nicht längst besprochen worden wäre.

»Zu Akira?«, fragte er. »Es ist schon ziemlich spät und ich wüsste nicht –«

»Spiel nicht Echo, sondern komm.« Aus dem Mund eines anderen hätten der Satz abwertend geklungen, doch Damon neckte ihn bloß.

Ohne weitere Widerworte folgte Kiaji ihm in den ausladenden Flur, der in freundlichen Beigetönen strahlte und dessen Wände mit Bildern der Clan-Abzeichen, wichtiger Mitglieder und Lehrmeister geschmückt waren. Das Abzeichen des Ryushen-Clans, dem er und Damon angehörten, erinnerte an ein auf den Kopf gestelltes Dreieck, das an der Seite jeweils eine Extraspitze aufwies, als würde es die Ellenbogen ausstrecken.

Bis auf ihre eigenen Schritte herrschte Stille auf dem Weg zu dem Fahrstuhl, der lediglich von hochrangigen Ryushen benutzt werden durfte. Dieser fuhr sogar ohne weitere Kontrollen in die Unterstadt. Das Licht schien hell und warm von der Decke.

Sie liefen vorbei an den metallenen Türen der Zimmer seiner Mitschüler, die im Kontrast zum altertümlichen pompösen Innenausbau des Gebäudes standen, und betraten den gläsernen Fahrstuhl. Er war außerhalb des Towers angebracht, was vermutlich für manche Person mit Höhenangst problematisch war. Selbst Kiajis Magen ballte sich an diesem Tag zusammen, obwohl das eher an dem bevorstehenden Treffen lag.

Damon drehte sich zum Bedienfeld und scannte seinen Fingerabdruck. Stockwerk 318 … Kiaji unterdrückte ein Augenrollen und beobachtete die Wolken, die den Fahrstuhl von Zeit zu Zeit umhüllten, bis das Gefährt stoppte und beim Öffnen der Türen den Weg in Akiras dunkel gehaltenes Büro freigab.

Ein dunkler Singsang drang in Kiajis Ohren. Der Gesang der Shinsengumi, mit dem sie Schwingungen von Feinden wahrnehmen konnten. Sie standen rechts und links neben Akira, der an einem riesigen, fein säuberlich polierten Glastisch saß. Die Kapuzen ihrer Kutten waren tief ins Gesicht gezogen. Jederzeit bereit, ungebetene Gäste innerhalb von Sekunden zu vernichten. Sie folgten lediglich den Befehlen des Clan-Führers. Würden sie irgendwann Kiajis Befehle entgegennehmen? Ein seltsamer Gedanke.

Kiaji betrat das Büro seines Vaters selten, doch jedes Mal, wenn er es tat, schien ihm die Atmosphäre im Raum etwas düsterer. Oder war es bloß so lange her, dass die Dunkelheit und Kälte des ehemals so einladenden Raumes ihm aufs Neue einen Schauer über den Rücken jagten?

Damals, als Yumi hier Clan-Geschäfte erledigt und nebenbei mit Kiaji verstecken gespielt hatte, hatte eine wohlige Atmosphäre geherrscht. Gemeinsam waren sie oft auf den Balkon gegangen, hatten über die Brüstung auf die riesige Stadt und die verschiedenen Plateaus geschaut. Unermüdlich hatte sie ihm versichert, irgendwann würde es Frieden und keine Grenzen mehr zwischen den Clans geben. Und jetzt … Kiaji wandte den Blick zu Akira.

Falten zogen sich durch dessen fahles Gesicht, als wäre er in den letzten Monaten um Jahre gealtert.

Akira hob die Hand. Der Gesang stoppte. »Kiaji. Damon«, grüßte er knapp.

Kiaji nickte statt einer Erwiderung. Unpersönlich konnte er auch.

Weder er noch Damon bewegten sich auf Akira zu – sie blieben einfach direkt nach dem Aussteigen im Raum stehen.

»Du wolltest uns sehen«, sagte Damon.

Akira deutete auf die Stühle ihm gegenüber. »Setzt euch.«

Kiaji ging die wenigen Schritte zum Tisch, der ihn an eine dieser viel zu langen Tafeln in mittelalterlich angehauchten Filmen erinnerte. Die räumliche Distanz zwischen ihnen schien die emotionale höhnisch zu untermauern. Er ließ sich auf das kalte Leder sinken und Damon tat es ihm gleich.

Veröffentlichung der Leseprobe mit freundlicher Genehmigung der Autoren

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