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Al Capone – Band 48

Al Capone
Band 48
Erzwungene Liebe

1. Kapitel
Der eitle Genna

Der Leser kann sich sicher sehr gut die Wut und den überschäumenden Zorn von Hymie Weiß vorstellen, als dieser in so schmachvoller Weise von Scarface gebrandmarkt wurde, der ihm in beide Ohrläppchen die berüchtigten Silberkugeln einprägte, wie es die mexikanische Polizei bei den Verbrechern ihres Landes zu tun pflegt…

Diese Schmach und die Tatsache, dass es Al Capone selbst fertigbekommen hatte, den Bankier Ahrens und dessen Tochter Eveline der Rache seiner Bande zu entziehen, setzten den Verbrecher in außerordentliche Wut.

Als dann, nachdem Scarface und seine Leute das Rote Haus verlassen hatten, seine eigenen Bootlegger wieder zurückkamen, musste Hymie Weiß ihnen, so schwer es ihm fiel, von der neuen Schmach, die ihm Al Capone angetan hatte, berichten.

»Ich schwöre euch, ich werde mich rächen! Ich will die Leiche von Capone haben, und ich kriege sie, und wenn ich selbst dabei um die Ecke gehe!«

Und mit derselben Wut rief er aus: »Ebenso müssen wir auch die Gennas erledigen, jetzt, da wir ganz genau wissen, dass sie es waren, die ihre Leute gegen O’Banion vorgeschickt haben!«

*

James Genna war ein Mann, der wie alle anderen Sterblichen seine schwachen Seiten hatte, und seine schwächste Seite war, dass er sich für einen unwiderstehlichen Herzensbrecher hielt.

Allerdings gewannen ihm sehr häufig seine stattliche Erscheinung, seine herkulische Kraft und sein ganz angenehmes Gesicht zusammen mit einer immer gut gefüllten Brieftasche die Sympathien des schwachen Geschlechts.

Wenn er einmal seine Augen auf eine Frau hatte fallen lassen, diese ihn aber nicht zu beachten schien, dann wurde James Genna aufgeregt, bekam eine entsetzlich schlechte Laune und machte Hunderte von Kindereien, um die Gunst der Spröden zu erringen; wenn er dann aber immer noch nicht triumphierte, dann besann er sich manchmal darauf, aus welcher Gesellschaftsklasse er stammte, und nahm sich oft mit Gewalt das, was ihm freiwillig nicht gegeben wurde.

Aber auch immer nur in beschränktem Maße … James Genna vergaß nie, wie streng in diesem Punkt die amerikanischen Gesetze sind, die vollkommen auf der Seite der Frau stehen und vom Mann unbedingten Respekt vor dem schwachen Geschlecht verlangen.

Deshalb bezwang er sich oft genug, um sich nicht von seinen wilden Instinkten hinreißen zu lassen.

In den Vereinigten Staaten war es ein weit schwereres Verbrechen, die Tugend einer Frau zu verletzen, als Alkohol zu verkaufen. Bei so gefährlichen Angelegenheiten war es manchmal unmöglich, dass die Polizei, mochte sie noch so sehr mit den Bootleggern befreundet sein, ihre Freunde aus der Patsche holte.

Wenn James Genna an und für sich auch zu den Gangsterkreisen gehörte, so hatte er doch gewisse aristokratische Allüren.

Er liebte es, sich wie ein feiner Herr zu kleiden und die Fünf-Uhr-Tees in den großen Hotels zu besuchen, wo er manchmal infolge seiner Eleganz und guten Erscheinung mit Damen in Verbindung trat, die gesellschaftlich weit über ihm standen.

Bei einem dieser Ausflüge in die große Welt gelang es ihm, sich an eine wunderschöne Frau heranzumachen, die Gattin eines hohen Gerichtsbeamten vom Gericht in Chicago.

Diese Frau faszinierte, ohne es zu wollen, den leicht entflammbaren Bootlegger, der, kaum dass er einmal mit ihr getanzt hatte, sofort anfing, ihr Schmeicheleien zu sagen in einer geschraubten Sprache, die er für besonders schön hielt.


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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