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Captain Marvel – Ein mäßig inspirierter Lückenbüßer im MCU

Captain Marvel – Ein mäßig inspirierter Lückenbüßer im MCU

In den 1990er-Jahren kämpft die von Kree-Außerirdischen ausgebildete Kriegerin Vers ohne Erinnerung an ihre Vergangenheit in einem galaktischen Krieg gegen die gestaltwandlerischen Skrulls. Nach einer gescheiterten Mission bruchlandet sie im Jahr 1995 auf der Erde und trifft dort auf den S.H.I.E.L.D.-Agenten Nick Fury.

Gemeinsam versuchen sie, das Geheimnis um ihre gelöschten Erinnerungen zu lüften. Dabei entdeckt Vers, dass sie in Wahrheit die menschliche Air-Force-Pilotin Carol Danvers ist. Sie erkennt, dass sie von den Kree getäuscht wurde und ihre gewaltigen Superkräfte aus einem Experiment mit dem Tesserakt stammen. Carol stellt sich gegen ihre früheren Lehrmeister, entfesselt ihre vollen kosmischen Kräfte, rettet die flüchtenden Skrulls und bricht schließlich auf, um im Weltall für Gerechtigkeit zu sorgen.

Mit charmanter Besetzung, humorvollen 90er-Jahre-Referenzen und solidem Unterhaltungswert wagt Marvel seinen ersten Solo-Superheldinnenfilm. Doch hinter der feministischen Fassade leidet Captain Marvel unter einem zerfahrenen Drehbuch, blassen Charakteren und optischem Durchschnitt.

Die Erwartungen an Captain Marvel – von Marvel Studios 2019 als Vorbote für Avengers: Endgame platziert – waren immens. Als erster Film des Marvel Cinematic Universe (MCU) mit einer Heldin im Zentrum sollte die Origin-Story rund um die Air-Force-Pilotin Carol Danvers ein historischer Meilenstein werden. Das Ergebnis ist jedoch ein zwiespältiges Vergnügen: ein stellenweise amüsanter, aber glanzloser Blockbuster, der zwischen galaktischem Krieg und 90er-Jahre-Nostalgie nie ganz seine eigene Identität findet.

Die Handlung wirft die unter Amnesie leidende Protagonistin Vers – so ihr Name bei den außerirdischen Kree – mitten in einen interstellaren Konflikt mit den gestaltwandlerischen Skrulls. Als sie Mitte der 1990er-Jahre auf der Erde bruchlandet, verbündet sie sich mit dem S.H.I.E.L.D.-Agenten Nick Fury.

Das Skript, an dem gleich fünf Autorinnen und Autoren beteiligt waren, leidet jedoch unter deutlichen Mängeln:

Der Skrull-Anführer Talos versteht irdische Konzepte wie Jazz Hands oder das Ausleihen von Zucker beim Nachbarn problemlos, zeigt sich bei einfachen Redewendungen und Drohungen jedoch völlig überfordert.

Carol Danvers wird primär durch das definiert, was andere über sie sagen. Ihre emotionale Entwicklung bleibt starr, weshalb die Verwandlung zur übermächtigen Heldin eher behauptet als erzählerisch organisch erarbeitet wirkt.

Die Regie von Anna Boden und Ryan Fleck lässt die handwerkliche Eleganz anderer MCU-Teile vermissen. Die Action ist oft hektisch geschnitten und visuell erstaunlich blass.

Trotz der Mängel im Drehbuch rettet das Ensemble viele Szenen. Die Chemie zwischen Brie Larson und dem digital verjüngten Samuel L. Jackson stimmt perfekt, während Katze Goose regelmäßig zur Szenendiebin avanciert. Zudem überrascht der Film im zweiten Akt mit einer gelungenen Wendung: Die gestrandeten Skrulls werden als schutzsuchende Flüchtlinge gezeichnet, was dem Geschehen eine unerwartete politische und menschliche Tiefe verleiht.

Dem gegenüber steht jedoch eine oft zu plumpe Symbolik: Wenn während eines entscheidenden Kampfes No Doubts 90er-Hymne Just a Girl ertönt, wirkt die feministische Botschaft im Vergleich zu Filmen wie Wonder Woman nicht organisch erzählt, sondern mit dem Holzhammer gezimmert. Solche Momente zeigen, dass die Filmemachenden unsicher wirken, wenn es darum geht, ihre politische Agenda subtil zu vermitteln.

Die Kameraarbeit von Ben Davis hätte das Potenzial gehabt, die Zeitreise in die 1990er-Jahre visuell reizvoll zu gestalten. Stattdessen wirken viele Szenen überbearbeitet und digital aufgeblasen. Die Weltraumflüge und die Kree-Heimatwelt Hala bleiben visuell eintönig, ohne je die kosmische Grandeur zu erreichen, die beispielsweise Guardians of the Galaxy oder Thor: Tag der Entscheidung auszeichnet. Auch die Entscheidungen beim Kostümdesign bei Danvers’ Verwandlung zu Captain Marvel sind gewöhnlich und einfallslos geraten.

Während Jackson und Larson das Beste aus ihren Rollen herausholen, wirken andere Charaktere stark unterentwickelt. Jude Laws Rolle als Yon-Rogg bleibt ein eindimensionaler Antagonist ohne echte Tiefe, und Gemma Chan wird als Minn-Erva zur austauschbaren Schurkin reduziert. Nur Ben Mendelsohn gelingt es, seiner Figur Talos eine gewisse Menschlichkeit zu verleihen – besonders in den ruhigen Momenten zwischen den Action-Szenen.

Fazit
Captain Marvel ist kein schlechter Film – er ist schnell, stellenweise sehr witzig und bietet soliden Popcorn-Kino-Standard. Doch gemessen am Potenzial der Figur und dem sonstigen MCU-Standard enttäuscht das Werk durch narrative Formelhaftigkeit und fehlenden Mut zu echter Tiefe. Der Film funktioniert als Vorbereitung für Endgame, wird aber langfristig vor allem als verpasste Gelegenheit im Gedächtnis bleiben, einer weiblichen Heldin im Marvel-Universum wirklich gerecht zu werden.

Besetzung

Brie Larson: Carol Danvers, Vers, Captain Marvel; Samuel L. Jackson: Nick Fury;

Jude Law: Yon-Rogg (Kommandant der STARFORCE); Ben Mendelsohn: Talos (Skrull-Anführer), Keller; Annette Bening: Die Oberste Intelligenz / Dr. Wendy Lawson / Mar-Vell; Lashana Lynch: Maria Photon Rambeau; Clark Gregg: Agent Phil Coulson; Lee Pace: Ronan, der Ankläger; Djimon Hounsou: Korath; Gemma Chan: Minn-Erva; Akira Akbar: Monica Rambeau (jung); Mckenna Grace: Carol Danvers (jung); Stan Lee: Cameo-Auftritt als er selbst; Reggie, Gonzo, Archie & Rizzo: Die Katze Goose u.a.

Stab

Regie: Anna Boden & Ryan Fleck; Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck, Geneva Robertson-Dworet; Story/Idee zusätzlich: Nicole Perlman & Meg LeFauve; Produktion: Kevin Feige; Ausführende Produktion: Louis D’Esposito, Victoria Alonso, Jonathan Schwartz, Patty Whitcher, Stan Lee; Filmmusik: Pınar Toprak; Kamera: Ben Davis; Schnitt: Elliot Graham, Debbie Berman; Kostümdesign: Sanja Milković Hays; Casting: Sarah Finn

Produktions- und Hintergrunddetails

• Der Film feierte am 27. Februar 2021 seine Weltpremiere und kam im März 2019 weltweit in die Kinos.

• Es handelt sich um den 21. Spielfilm innerhalb des Marvel Cinematic Universe (MCU) und den vorletzten Film der sogenannten Phase Drei (direkt vor Avengers: Endgame).

• Bei den Produktionskosten von etwa 150 bis 175 Millionen US-Dollar spielte der Film weltweit über 1,128 Milliarden US-Dollar ein und war damit ein enormer kommerzieller Erfolg.

• Laufzeit: ca. 124 Minuten

• FSK 12

Quelle:

marvelcinematicuniverse.fandom.com

(wb)

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