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Das Geheimnis zweier Ozeane – Erster Teil – Kapitel 3.2

Grigori B. Adamow
Das Geheimnis zweier Ozeane
Ein wissenschaftlich-phantastischer Roman
Originaltitel: Тайна двух океанов
Erster Teil
Ein außergewöhnliches Schiff
Zweites Kapitel Teil 3 Fortsetzung

Pawliks Hände, die in die Schutzhandschuhe gehüllt waren, hatten sich krampfhaft um den rundlichen Körper des Fisches unterhalb der Rückenflosse geschlungen.

Skworeschnja löste behutsam die Arme des Jungen.

»Heben Sie den Fisch an«, wies ihn der Zoologe an, »ich ziehe Pawlik darunter hervor.«

Es war schnell geschehen. Der Zoologe untersuchte sorgfältig den Raumanzug des Jungen und fand keinerlei Beschädigungen. Lediglich ein flacher, länglicher Kasten, der an eine Browning-Pistole erinnerte und an seiner rechten Seite hing, war vom Gürtel gerissen worden und baumelte nur noch an einer einzigen Schnur.

Der Zoologe blickte noch einmal eindringlich auf Pawliks blasses, lebloses Gesicht und sah, wie die dünne, zarte Haut an seiner rechten Schläfe kaum merklich pulsierte.

»Er lebt, Skworeschnja! Er lebt!«

»Habe ich es Ihnen nicht gesagt?«, antwortete der Gigant mit einem freudestrahlenden Lächeln, ohne den Blick vom Gesicht des Jungen abzuwenden.

Der Zoologe öffnete flink die Steuerung am Gürtel des Jungen und drückte eine der Tasten. »Eine kleine Extraportion Sauerstoff«, murmelte er, »wird ihm helfen, schneller zu sich zu kommen. Sieh an, die Wangen werden schon rosig. Ausgezeichnet! … Pawlik! Pawlik! Hörst du mich, Jungchen? Antworte! Antworte mir!«

Die Augen des Jungen öffneten sich. Einen Moment lang blickte er den Zoologen verständnislos an, dann huschte plötzlich Angst über seine Züge. Doch als er Skworeschnja sah, der sich lächelnd über ihn beugte, erwiderte er den Blick sofort mit einem schwachen Lächeln.

»Nun, alles in bester Ordnung«, fuhr der Zoologe fort. »Jetzt noch ein Schluck Kakao aus dem Thermobehälter, dann geht es dir gleich wieder blendend.«

Er drückte einen weiteren Knopf am Gürtel des Jungen. Sofort stieg unter Pawliks Kragen ein schwarzes, gebogenes Röhrchen empor, dessen abgerundetes Ende genau vor seinen Lippen zum Stehen kam.

»Trink, trink, Kleiner«, sagte der Zoologe liebevoll. »Das wird dir guttun.«

Pawlik nahm das Röhrchen in den Mund und trank gierig. Als er dabei zufällig zur Seite blickte, sah er die monströse Gestalt des Schwertfisches, richtete sich ruckartig auf und erstarrte vor Entsetzen. Skworeschnja lachte auf und legte ihm eine Hand auf die Schulter: »Du bist jetzt ein Held, Pawlik! Schau dir das Vieh an, das du ganz alleine erlegt hast! Gut gemacht, Kleiner!«

»Ich konnte ihn mir nicht einmal richtig ansehen«, antwortete Pawlik mit einem blassen Lächeln und schwacher Stimme. »Er ist so schnell auf mich zugeschossen …«

»Nun aber nach Hause, schnell nach Hause, Skworeschnja«, drängte der Zoologe.

»Zu Befehl, nach Hause, Genosse Lord!«, antwortete Skworeschnja vergnügt.

Wenige Augenblicke später rotierten die Propeller unter den Rückenmodulen der beiden. Pawlik hatte es sich auf den riesigen Armen des Giganten wie in einer Wiege bequem gemacht. Die drei schossen durch das Wasser und jagten über den sanft abfallenden Boden in die dunklen Tiefen des Ozeans davon.

In sechshundertfünfzig Metern Tiefe wirkte der Lichtstrahl des Scheinwerfers wie ein gewaltiger, hellblauer Tunnel, der in die dichte, undurchdringliche, samtige Schwärze gebohrt worden war. Sein fernes Ende leuchtete blendend wie ein Tropfen geschmolzenen Metalls, während das dem Beobachter nahe Ende wie ein breiter Trichter wirkte, der allmählich von der Finsternis zerfressen und verschlungen wurde.

Der Zoologe und Skworeschnja mit Pawlik auf dem Arm schwammen mit zwei Zehnteln der Höchstgeschwindigkeit entlang des Lichtkanals, stets in sicherem Abstand. Ein schwacher blauer Schimmer lag auf ihren Gesicherten und den metallischen Anzügen. Im Inneren des Tunnels, wie auf einer transparenten silbernen Leinwand, wanden sich die Silhouetten von Fischen. Sie tauchten unvermittelt auf, spielten, als wären sie vom berauschenden Licht trunken, oder verharrten wie verzaubert für lange Zeit unbeweglich, um dann so plötzlich zu verschwinden, als hätten sie sich in Luft aufgelöst.

Der Zoologe wandte sich vom Lichtstrahl ab, und es schien ihm, als blicke er in einen seltsamen, von außergewöhnlichen Sternen übersäten Nachthimmel, der oben über seinem Rücken ein wenig heller leuchtete.

Diese Sterne – blaue, rote, grüne, silberne – schwirrten in alle Richtungen; sie flackerten auf und erloschen, mal einzeln wie einsame Lämpchen, mal verschlangen sie sich zu funkelnden Ringen, flochten sich zu perlengleichen Diademen oder dehnten sich zu bunten, blinkenden Girlanden aus.

Sowohl im Lichtstrahl als auch in den schimmernden Punkten, Flecken und Linien ringsum erkannte der Zoologe Lebewesen, die ihm entweder aus den seltenen Fängen von Tiefseeschleppnetzen bekannt waren, oder er ahnte ihre Existenz. Doch meist stand er staunend vor einer Fülle seltsamer Kreaturen, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hatte.

Wie viele Überraschungen bargen diese grenzenlosen Tiefen noch! Was bedeuteten die raffiniertesten Fangmethoden gegen die Kraft, Schnelligkeit und Gewandtheit dieser Tiefseebewohner! Wen brachten diese armseligen Werkzeuge blinder Jagd schon an die Oberfläche, außer den langsamsten oder schwächsten Wesen, die diese geheimnisvollen, rätselhaften Wasserschichten bevölkerten?

Alles, was der Zoologe in der kurzen Zeit mithilfe dieses wunderbaren Schiffes bereits erfahren hatte, zeigte ihm, wie begrenzt, karg und zufällig die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Meer und sein Leben bisher gewesen waren. Erst jetzt, mit dem Erscheinen dieses Schiffes, begannen Ozeanographie, Meeresphysik und -chemie ihr Kindheitsstadium zu überwinden. Die Brust des Zoologen weitete sich vor Begeisterung bei dem Gedanken, dass ausgerechnet er der Erste war, der das Meer und seine Bewohner in ihrer wahren, natürlichen Umgebung direkt erforschte.

Ein gewaltiger Schatten, der an die Silhouette eines gigantischen Pottwals erinnerte, tauchte im Dunkeln auf und zeichnete sich kaum merklich gegen das schwache Reflexlicht ab, das den Raum um den Scheinwerfer herum ausleuchtete.

»Nun, da sind wir zu Hause«, sagte der Zoologe nach einer Weile. »Ich rufe das U-Boot.«

Die gesamte Strecke von zehn Kilometern, die den Ort des Kampfes von dem U-Boot trennte, legten der Zoologe und Skworeschnja in nur zehn Minuten zurück. Sie näherten sich dem U-Boot von der Steuerbordseite, aus deren Mitte mit tödlicher Kraft ein Scheinwerferstrahl von zwölf Milliarden Candela brach. Der Lichtkanal wirkte hier, als sei er mit geschmolzenem, blendend weißem Metall gefüllt. Kein Lebewesen konnte diese Lichtstärke im Umkreis von hundert Metern überstehen. Jene, die zufällig in den Strahl gerieten, erblindeten augenblicklich und sanken, für lange Zeit gelähmt, hilflos zu Boden.

Nach einem kurzen Funkspruch mit der Zentrale des U-Bootes schwammen der Zoologe und Skworeschnja langsam unter den Scheinwerfer. Vom gewellten Rumpf des Unterwasserschiffes klappte eine ebene Metallplattform nach außen, die sich waagerecht hielt und seitlich von Geländern gesichert war. Gleichzeitig schob sich der Rumpf hinter der Plattform beiseite und gab eine würfelförmige Kammer frei, die mit grünlichem Wasser gefüllt war und in einem gelblichen Licht von elektrischen Lampen erstrahlte.

Skworeschnja stoppte seinen Antrieb, zog ihn ein und betrat als Erster die Plattform. Mit Pawlik auf dem Arm glitt er in die Wasserkammer. Der Zoologe folgte ihm und drückte die viereckige, rot leuchtende Taste rechts neben dem Eingang. Die Plattform hob sich und verschloss die Öffnung. Massive Metalltüren schoben sich zusammen und pressten sich mit solcher Kraft aneinander, dass die Trennlinie kaum noch zu erkennen war.

Das Wasser begann schnell abzulaufen. Die metallenen Wände traten hervor. Am nun unauffälligen Ausgang an der Außenwand prangte eine Reihe von Knöpfen, die in bunten Lichtern funkelten. An der gegenüberliegenden Wand waren mehrere Instrumente eingelassen – mit Ziffernblättern, Zeigern und graduierten Glasröhren.

Nach zehn bis fünfzehn Sekunden war der Boden der Kammer vollkommen trocken. Der Zoologe und Skworeschnja verharrten reglos.

»Wie hoch ist der Druck, Lord?«, fragte Skworeschnja ungeduldig.

Der Zoologe trat an die Instrumente und betrachtete einen der Zeiger. »Schon achtzehn Bar«, antwortete er. »Gleich erreicht er die Normalwerte, dann können wir uns ausziehen.«

Aufgeregt von einem Fuß auf den anderen tretend, starrte er gebannt auf die Anzeigen, öffnete dann seinen Gürtel und drückte einen Knopf. Sofort saugten die Verschlüsse, die den Helm am Kragen hielten, die Luft ein, und der Zoologe nahm den Helm zügig vom Kopf.

Anschließend zog er eine Kupfernadel an einer langen, dünnen Schnur aus seiner Ausrüstung. Er drückte einen winzigen Knopf am Griff der Nadel und führte die Spitze entlang der Mittellinie seines Anzugs – von oben nach unten, dann an beiden Beinen bis zu den Füßen und schließlich rund um die Taille. Der Anzug öffnete sich an all diesen Linien, und der Zoologe begann sich nach und nach aus seiner metallenen Hülle zu befreien. Skworeschnja vollführte dieselbe Prozedur bei Pawlik.

In diesem Moment schoben sich die Türen in der inneren Wand auseinander, und ein junger, hagerer und dunkelhäutiger Seemann in weißer Uniform und schwarzen Hosen stürmte in die Kammer. Sein pechschwarzes Haar war glatt zurückgekämmt, mit einem akkuraten Seitenscheitel, doch auf dem Scheitel ragte trotzig eine widerspenstige, harte Strähne hervor.

»Was ist mit Pawlik?«, rief er und stürzte auf Skworeschnja zu.

»Nichts, Marat Moissejewitsch, gar nichts!«, antwortete Pawlik fröhlich, riss sich aus Skworeschnjas Armen und lief auf den jungen Matrosen zu.

»Nun, nun, nichts …«, wandte der Zoologe ein. »Zieh ihn schnell aus, Marat, und bring ihn in die Krankenstation, ich werde ihn mir gleich noch einmal genau ansehen.«

Eilig trat ein junger Mann in weißem Kittel in die Kammer – untersetzt, schwarzhaarig, mit einem dunklen, gelblichen Gesicht mongolischer Züge. Seine schmalen, schräg gestellten Augen musterten besorgt die sich auskleidenden Taucher.

»Zoi! Zoi!«, begrüßte ihn Pawlik freudig, ohne ihn zu Wort kommen zu lassen. »Ich habe dir eine interessante Muschel mitgebracht! Ich bin gesund, und es ist gar nichts passiert! Arsen Dawidowitsch sagt, es ist eine neue Art. Nur krank scheint sie irgendwie zu sein. Arsen Dawidowitsch will, dass du sie untersuchst.«

»Ach du meine Güte!«, spöttelte Zoi und zeigte zwei Reihen prachtvoller weißer Zähne. »Da hast du mir ja eine Geschichte aufgetischt! Also bist du gesund! Na gut, erst einmal ab zur Untersuchung, kleiner Held!«

Alle fünf verließen die Kammer und traten in eine Welt aus funkelndem Metall, seltsamen, lautlos arbeitenden Maschinen und einer Atmosphäre der Stille und Einsamkeit.

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