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Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 6

Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861

Kapitel 6

Eine Kammerjungfer

Der Tag neigte sich. Unter den Bäumen des Tiergartens herrschte schon Zwielicht.

In einer der Alleen, die rechts vom großen Stern aus tiefer in das Gebüsch des Tiergartens zur Spree hin führen, ging langsam ein kleiner untersetzter Mann auf und ab. Seine Augen waren in alle Tiefen des Gebüsches gerichtet, seine Ohren lauschten nach allen Seiten hin; manchmal blieb er stehen, als ob er nun sofort etwas sehen oder hören müsse.

War er ein Polizeibeamter? Er trug Zivilkleidung. Um so mehr konnte er es sein, denn die Beamten der Berliner Kriminalpolizei trugen immer gewöhnliche bürgerliche Kleidung.

In der Tat, es war der Kriminalinspektor, der am Mittag sich mit dem Polizeikommissarius der Chausseestraße gegen den Polizeirat verschworen hatte, die Mörder des Ochsenhändlers Nettelberg zu entdecken.

Er hatte auf einmal etwas gehört und blieb wieder stehen. Ein hastiger Schritt näherte sich durch das Gebüsch.

Der Inspektor griff an seine Brust, als ob er nach irgendeiner Waffe fassen wolle, die er dort verborgen hatte. Er war allein in einer einsamen, namentlich am Abend wenig besuchten Gegend des Parks. Er war unzweifelhaft in amtlicher Tätigkeit da, und seine amtliche Tätigkeit brachte ihn meist mit Verbrechern, und zwar mit verwegenen Verbrechern in eine Begegnung, in der am Ende das Recht des Stärkeren entschied.

Der hastige Schritt kam fast gerades Wegs auf den Inspektor zu. Aber es war ein schwerfälliger Schritt, und der Inspektor hörte schwer husten und keuchen. Er zog die Hand zurück, und auf einmal stutzte er überrascht; er wollte sogar lachen.

»Das ist doch nicht? Wahrhaftig, er ist es. Wo kommt der her?«

»Wo kommst du denn so eilig her?«, sprach er wirklich den Hustenden an.

»Du hier?«, rief dieser verwundert, freilich zugleich erfreut.

Sie hatten sich beide erkannt, der Inspektor und der Revierkommissarius aus der Chausseestraße.

»Gott sei Dank, dass ich dich treffe«, sagte der Kommissarius, »ich habe dir eine ganze Geschichte zu erzählen.«

»Erzähle sie.«

»Ich hatte meinen Sergeanten instruiert, auf verdächtige lange Kerls zu vigilieren. Er geht durch die Straßen, da sieht er am Mühlendamm einen baumlangen jungen Menschen herumschleichen, der sich verdächtig nach allen Seiten umsieht, und dann auf einmal, als er sich ungesehen glaubt, in einen Kleiderladen schlüpft. Meinem Sergeanten kommt das verdächtig vor, er stellt sich auf der anderen Seite des Dammes hinter einen Pfeiler auf die Lauer. Nach einer Viertelstunde kommt der lange Mensch aus dem Laden wieder hervor, sieht zuerst wieder vorsichtig umher, dann, als er eine leere Droschke ankommen sieht, wartet er diese ab, und so wie sie in seine Nähe kommt, springt er hinein, ruft dem Kutscher ein paar Worte zu, und dahin fährt die Droschke zum Köllnischen Fischmarkt zu. Und mein Esel von Sergeant, anstatt sie anzuhalten, lässt sie ruhig weiter fahren – o, diese Polizeisergeanten sind unbegreiflich dumm!«

»Du musst dir einen Vigilanten anschaffen«, bemerkte der Polizeiinspektor.

»Sie kosten nur zu viel Geld«, meinte der Revierkommissarius.

»Sie bringen es auch wieder ein.«

»Euch Herren von der Kriminalpolizei wohl, aber wir armen Revierbeamten!«

»Erzähle weiter.«

»Die Dummheit des Menschen«, erzählte der Kommissarius weiter, »war umso größer, da er gesehen hatte, wie der lange Kerl mit einem Arm voll Frauenkleidung aus dem Laden getreten war.«

»Voll Frauenkleider?«, fragte verwundert der Inspektor.

»Fällt dir dabei etwas auf?«

»Gewiss. Aber nachher. Fahre fort.«

»Es ist nicht viel mehr fortzufahren. Als die Droschke schon ein gutes Ende weggefahren war, fiel es dem Sergeanten erst ein, ihr zu folgen. Aber er konnte sie nicht mehr einholen, er sah nur, wie sie die Leipziger Straße hinauffuhr, und dann durch das Potsdamer Tor verschwand; er machte mir Mitteilung und ich fuhr gleich hinaus. Am Potsdamer Tor erfuhr ich von der Wache, dass eine Droschke, in der ein Mann mit Frauenkleidung vor sich gesessen, in die Bellevuestraße gefahren sei; dann hatte man sie noch in der Bellevuechaussee und zuletzt am kleinen Stern gesehen, von da an verlor ich ihre Spur. In der Nähe hörte ich aber von zwei Knaben, dass sie kurz vorher durch das Gebüsch ein Frauenzimmer hätten herumstreichen sehen, deren ungeheure Länge ihnen aufgefallen sei.«

»Wann war das?«, unterbrach auf einmal eifrig den Erzählenden der Polizeiinspektor, der immer aufmerksamer geworden war.

»Vor einer Viertelstunde.«

»Richtig. Fahre fort.«

»Ich laufe in die Gegend, die die Knaben mir bezeichnen, ich sehe wirklich in der Ferne unter den Bäumen ein Frauenzimmer, eile darauf zu – es ist verschwunden. Ich gehe leise hin und her, sehe es wieder, ich eile wieder darauf zu, es ist wieder verschwunden. Ich horche von Neuem, ich höre von neuem Schritte, ich renne, was ich kann, aus Leibeskräften, ich komme ihnen näher, ich denke die Person zu greifen – da bist du es.«

»Ja, da bin ich es«, entgegnete der Inspektor mit einem Lächeln. »Und beinahe ganz auf dieselbe Weise dachte ich, einen baumlangen Kerl in Weiberkleidung zu fassen, als ich dich erkannte.«

»Was, du auch? Du hast den Kerl auch gesehen?«

»Gewiss.«

»Hier?«

»Hier, vor zehn Minuten; gerade wie du. Mein Vigilant hatte eine Droschke schnell aus der Stadt durch das Tor fahren sehen. Es saß ein Mensch darin, der ihm verdächtig vorkam. Als er einen Blick in die Droschke werfen wollte, suchte der Mensch geschwind weibliche Kleidungsstücke zu verbergen. Der Vigilant folgt der Droschke, er kann es nur von Weitem; an der Bellevueallee sieht er einen zweiten Menschen, der auf sie wartet, und der rasch hineinspringt, als sie bei ihm ankommt. Es ist ein langer Kerl. Die Droschke fährt mit beiden zum großen Stern zu. Mein Vigilant meldet mir das Gesehene, und wir eilen zusammen hierher. Wir verteilten uns, ihn habe ich noch nicht wiedergesehen. Aber eine fabelhaft lange Person in Frauenkleidern habe ich schon ein paarmal unter den Bäumen von Weitem gesehen, und jedes Mal, wenn ich ihr nahe kommen wollte, war sie verschwunden; die Sache hat ordentlich etwas Rätselhaftes.«

»Es soll ein neues, schweres Verbrechen ausgeübt werden«, meinte der Kommissarius, und zwar hier im Tiergarten.«

Der Meinung war auch der Inspektor. Umso mehr waren beide einverstanden, dass man des langen, verkleideten Frauenzimmers habhaft werden müsse; vielleicht seien es gar zwei. Aber wie den Fang bewerkstelligen, zumal da es schon dunkel geworden war?

»Wir müssen zuerst«, entschied der Inspektor, »meinen Vigilanten aufsuchen, hören, was ihm begegnet ist, und dann weiter beschließen.«

Sie gingen links, mehr nach der Charlottenburger Chaussee zurück, wo der Inspektor seinen Vigilanten vermutete.

Wären sie rechts gegangen, sie hätten das, was sie suchten, nicht lange mehr zu suchen brauchen.

Es lag dort eine große, eingefriedigte Wiese, die sich bis an das Ufer der Spree hinzog. In der Hecke, die sie nach der Seite des Tiergartens einschloss, war ein großes hölzernes Gittertor. An den Pforten desselben war ein Pferd angebunden, Decke und Z zeigten ein Offizierspferd.

Aus dem Grund der Wiese kam ein einzelner Mann hervor, eine große, schwere Gestalt in Offiziersuniform. Er trat aus der Wiese heraus, durch eine Öffnung, die sich neben dem Tor in der Hecke befand, ging auf das Pferd zu, löste den Zaum, mit dem es an dem Pfosten angebunden war, schwang sich hinauf und wollte davonreiten. Vorher besah er sich noch einmal die Gegend.

»Man muss sich doch orientieren«, sagte der Premierleutnant von Schwarzhof dabei zu sich. »Heute Nacht wird kein Mond scheinen, und auch die Sterne werden am Ende fehlen. Und mit Fackeln darf man doch den Weg zu einer solchen Geschichte nicht suchen. Ich bin nur neugierig, wie es während des Duells selbst werden soll. Werden sie sich mit oder ohne Fackeln schießen? Ich habe leider vergessen, mit dem Franzosen darüber Verabredung zu treffen. Wer Teufel denkt gleich an alles? Nun, hier ist das Tor. Dies ist ein hübscher Weg, in dem ein Wagen fahren kann, er muss zum großen Stern, oder sonst zur Charlottenburger Chaussee führen, ich will ihm folgen.«

Ein guter Feldherr, oder der es werden will, muss über das eine nicht alles andere übersehen, und warum sollte ein dicker Premierleutnant von den Gardekürassieren, wenn er auch für seine Jahre im Avancement zurückgeblieben ist, nicht einmal ein Feldherr werden wollen?

»Holla, was ist denn das?«, unterbrach der Herr von Schwarzhof plötzlich seine Betrachtungen über die Gegend. »Teufel, ein Frauenzimmer? Und so allein, hier, in dem abgelegenen Teil des Tiergartens? Es hat schon angefangen, dunkel zu werden, und Donnerwetter, was für eine Figur! Sapperment, welch eine Länge! Die könnte unter die Gardekürassiere treten! Teufel, ich muss sie näher in Augenschein nehmen. Ah, sie sieht mich, sie will sich davon machen; also spröde! Desto interessanter. Nein, mein Schätzchen, so haben wir nicht gewettet, du entkommst mir nicht.«

Mit diesen Worten gab er seinem Pferd die Sporen, und nach zwei Minuten hatte er erreicht, was er erreichen wollte.

Es ist doch ein Unterschied, ob ein paar steife Polizeibeamte zu Fuß oder ein Gardeoffizier auf schnellem Ross hinter einem Frauenzimmer herrennen.

Der Leutnant hatte ein, soviel man in der begonnenen Dunkelheit erkennen konnte, das allerliebste junge Frauenzimmer auf seiner Flucht vor ihm eingeholt. Das Gesicht war wie Milch und Blut, und verschämt und züchtig dabei, eine schneeweiße Haube verlieh ihm doppelten Reiz. Zu der Haube passte ganz der nette und doch bescheidene Anzug einer Kammerjungfer, und am Arm ein leichtes Körbchen.

Nur eins wollte nicht ganz so recht passen, die hübsche, nette Zofe war von einer fast erschreckenden Länge. Der Herr von Schwarzhof hatte recht, sie hätte unter die Gardekürassiere treten können. So groß wie er, war sie gewiss, und er gehörte wahrlich nicht zu den Kleinsten.

»He, mein schönes Kind, wohin so eilig?«

Sein Pferd musste ihr den Weg versperren.

»Lassen Sie mich meiner Wege gehen«, erhielt er als schnippischen Antwort.

»Oho, mein Engel, wenn man zur Abendzeit allein im Tiergarten umherschweift …«

»Sind Sie nicht auch allein hier?«

»Richtig, mein Kind, und wenn man so allein ist, so sucht man eben Gesellschaft, das wollte ich gerade sagen, und da ich nun deine reizende Gesellschaft gefunden habe …«

»So werden Sie sich mit dem Finden begnügen, und Ihres Weges nun weiter ziehen.«

»Und wenn ich dazu keine Lust hätte?«

»So …«

Die Augen der langen Kammerjungfer flammten durch das Dunkel des Waldes.

»Donnerwetter!«, scherzte ironisch der Leutnant und wollte vom Pferd steigen.

»Donnerwetter!«, rief darauf drohend eine kräftige Stimme zurück, und der Leutnant fiel fast entsetzt wieder in den Sattel hinein.

Darüber aber erhob die lange Zofe ein lautes Gelächter und sagte: »Du hast kein Glück bei den Damen, Schwarzhof, mach, dass du fortkommst.«

»Verdammter Bursche!«, fluchte der dicke Premierleutnant. »Mensch, wie kommst du in diese Kleidung?«

»Sie gefällt dir wohl?«

»Gib mir Antwort.«

»Ich bin auf demselben Weg, auf dem Du eben warst.«

»Das heißt?«

»Zu einem Rendezvous mit einer schönen Dame.«

»In dieser Verkleidung?«

»Höre nur zu.«

»Na, ich bin neugierig.«

»Die kleine Gramzow ist ein Engel.«

»Bah, für dich.«

»Sie erlaubte mir gestern beim Grafen Tichy, sie wiederzusehen.«

»Und die Mutter ist wohl der Erlaubnis der Tochter nicht beigetreten?«

»So ist es.«

»Ich sagte dir ja, dass sie ein Satan sei.«

»Ich habe heute dreimal versucht, die Geliebte zu sehen.«

»Und du hast sie kein einziges Mal gesehen?«

»Mit keinem Auge. Die Mutter hütet sie wie ein Drache.«

»Sie ist ihr Schatz.«

»Aber ich muss sie sehen.«

»Und du bist jetzt wohl auf dem Weg zu ihr?«

»Ja.«

»In dieser Kleidung?«

»Nun ja.«

»Aber, Mensch, bist du toll?«

»Im Gegenteil, ich habe die Sache sehr vernünftig eingeleitet.«

»Der Wahnsinnige hält sich immer für vernünftig. Die alte Gramzow hatte gestern meiner Mutter erzählt, dass sie ihre Kammerjungfer weggejagt habe und eine neue suche.«

»Und die neue willst du werden?«

»So ist es.«

»Und deine eigene Mutter hilft dir dabei?«

»Sie hat mir ein Attest für die Alte mitgeben müssen.«

»Dass du dich bisher als Kammerjungfer gut betragen hättest?«

»Ein brillantes Führungsattest! Die Schwierigkeit war nur, Kleidungsstücke zu finden, die mir lang genug waren.«

»Das glaube ich.«

»Mein Bursche – er ist ungefähr von meiner Größe – hat alle Kleiderläden von Berlin durchlaufen müssen. Jetzt muss ich aber auch zum Küssen sein.«

»Wie ein ausgemachter Narr bist du. Warum liefst, oder vielmehr jagtest du mir denn so eifrig nach?«

»In der Dunkelheit sind alle Katzen grau und alle Schürzen bunt.«

»Darum gehe ich auch in der Dunkelheit hin.«

»Und du meinst wirklich, die Alte werde dich nicht erkennen?«

»Sie ist sehr kurzsichtig und mein Bart ist so radikal wegrasiert, dass man in drei Tagen keine Stoppel von ihm sehen wird.«

»Du hattest immer nur semmelblonde Stoppeln. Aber deine Länge, Mensch, die sieht auch das blödeste Auge!«

»Meine Mutter hat nur große Domestiken, unsere Familie stammt von den Gardekürassieren. Die Alte weiß das, und außer ihr sind nur ein alter Kammerdiener und eine alte Köchin im Haus und beide halb blind.«

»Und deine Ungeschicktheit, Bursche! Du willst die Dienste einer Kammerjungfer verrichten können?«

»O, Freund Schwarzhof, zum Entzücken. Ich werde sie, Malvine, auskleiden …«

»Auch den Satan, die Alte!«

»Ich werde sie gar zu Bett bringen!«

»Die dicke, garstige Alte auch!«

»Man muss Schwiegermütter immer mit in den Kauf nehmen.«

Der dicke Premierleutnant war dennoch ernst und bedenklich geblieben; auf einmal erschrak er wieder.

»Aber was fällt mir da ein! Bursche, hast du Urlaub genommen?«

»Ich? Wozu Urlaub?«

»Du hast heute Nacht die Ronde.«

»Teufel, daran hatte ich nicht gedacht.«

»Leichtsinniger Mensch! Weißt du, dass sie dich vor ein Kriegsgericht stellen und kassieren können?«

»Mit acht Tagen Arrest wird es auch abzumachen sein. Aber du könntest ja für mich die Ronde machen.«

»Ich muss heute Nacht sekundieren.«

»So gehe ich acht Tage in Arrest.«

»Aber, Mensch, ich bin dein Vorgesetzter, und ich lasse dich nicht.«

»Sei kein Narr, Schwarzhof. Lass mich gehen; oder vielmehr bring mich zu der Alten.«

»Ich soll dich hinbringen?«

»Sie wohnt in einem Landhaus, zehn Minuten von hier.«

»Nein, und wenn sie nur eine halbe Minute von hier wohnte.«

»Aber da rennen seit einer halben Stunde ein paar Narren von Polizeikommissarien hinter mir her – Gott weiß, was sie von mir wollen. Du musst mich beschützen.«

Der gutmütige dicke Leutnant war gegen den jungen Kameraden nun einmal wie eine zärtliche Mutter, die ihrem verzogenen Kind nichts abschlagen kann.

»Na, so komm«, sagte er. »Und einen Stellvertreter für die Ronde werde ich dir auch wohl verschaffen müssen.«

Sie machten sich auf den Weg zu dem Landhaus der Frau von Gramzow, das in der Tiefe des Waldes, ebenfalls an der Spree hin lag.

Unterwegs wollte Herr von Schwarzhof seinem Gefährten gute Lehren geben, wie er sich als Kammerjungfer zu benehmen habe.

»Vor allen Dingen, Mensch, zerbrich nur nichts, keine Tassen und keine Teller. Du hast eine ungeschlachte, etwas tölpelhafte Hand und die Alte ist geizig …«

Aber der undankbare Verliebte achtete nicht darauf.

»Ach, Schwarzhof, was gehen mich Tassen und Teller an? Ich werde sie sehen, ich werde sie auskleiden, vor ihr auf den Knien liegen, ihre Hände fassen …«

Er griff nach der Hand des dicken Lieutenants, neben dem er ging.

»Donnerwetter«, sagte in diesem Augenblick nicht weit von ihnen leise eine Stimme. »Die Person ist doch am Ende ein Frauenzimmer!«

Der Polizeiinspektor sagte es zu dem Revierkommissarius. Beide standen auf der Seite hinter Bäumen verborgen. Sie hatten die Spur des oder der Verfolgten wiedergefunden; bei dem Anblick eines Offiziers wagten sie nun nicht hervorzutreten.

»Aber einen langen Schatz hat der Mann sich ausgesucht«, bemerkte der Revierkommissarius.

»Ja, diese Offiziere haben oft einen sonderbaren Geschmack. Indes mit dem Geschmack der Leute hat die Polizei nichts zu schaffen. Das war vor dem Jahr 1849 unter dem Herrn von …

Die beiden Polizeibeamten kehrten von ihrer vergeblichen Jagd zurück, zum großen Stern zu. Allein schon nach wenigen Minuten kam der Offizier mit dem sonderbaren Geschmack hinter ihnen her gesprengt. Er jagte im Galopp der Stadt zu.

Die beiden Beamten sahen sich an. »Teufel, der hat seinen Schatz so schnell verlassen? Wenn es doch ein Kerl gewesen wäre?«

»Sicher!«

»Er ist noch da!«

»Zurück!«

Sie eilten zu der Gegend zurück, aus der sie gekommen waren.

Ob sie ihn fanden, den baumlangen Leutnant von den Gardekürassieren, der nur in dem Glück schwelgte, heute Abend als Kammerjungfer seine Geliebte auszukleiden?

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