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Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 30

Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung

VII. Lähnhaus
1. Der Burgname

Die Burg Lähnhaus ist an Stelle einer verfallenen heidnischen Veste von Herzog Boleslaus (III.) dem Schiefmäuligen (1102–1139) erbaut worden. Von dem Erbauer wurde die Burg Spörnchen genannt. Die alte Burg hat aber Wlan geheißen und das Volk, welches sich immer noch dieses alten Namens erinnerte, soll Wlen und endlich Lähn daraus gemacht haben.

2. Die Birke im Stadtwappen

Unter der Burg Lähn liegt das Städtchen gleichen Namens. Dasselbe führt eine Birke in seinem Wappen, welche es zum Andenken in demselben aufgenommen haben soll, weil es in uralten Zeiten aus einem Dorf Birkenau hervorgegangen sei, ehe es von Heinrich dem Bärtigen Stadtrechte erhielt.

3. Der Hedwigsteig

Auf der Burg Lähnhaus hat die heilige Hedwig viele Jahre gelebt und soll täglich von derselben barfuß zum Gottesdienst in die Stadt hinabgegangen sein. Der Weg von der Burg hinunter, den die Heilige benutzt haben soll, wird noch heute der Hedwigsteig genannt.

4. St. Hedwigs Ruhestein

Auf dem Lähnhausberg ist ein Stein, auf welchem die heilige Hedwig oft ausgeruht hat, weshalb derselbe St. Hedwigs Ruhesitz heißt. Auf dem Felsenvorsprung, bei diesem Steine soll die Heilige ihren Schuh nach jenem Mongolen geschleudert haben, welcher Heinrich dem Frommen, ihrem einzigen Sohn, tückisch die Lanze auf der Wahlstatt durch Rücken und Brust rammte.

5. Die Schreinerfrau und die heilige Hedwig

In der Stadt Lähn lebte zu St. Hedwigs Zeiten eine gottlose Schreinerfrau, welche schlechte Lieder sang und nicht in die Kirche ging. Den Sonntag heiligte sie auch nicht, sondern verrichtete Arbeiten an demselben. Die heilige Hedwig drang oft in das Weib, von dem gottlosen Leben abzulassen, aber sie predigte tauben Ohren.

Eines Sonntags drehte die Gottlose die Handmühle – damals gab es in der Gegend noch keine Wassermühlen – und plötzlich blieb ihr die Kurbel so fest an der Hand hängen, dass Bader und Schäfer dieselbe davon nicht mehr abtrennen konnten. Der Geistliche riet ihr, die Herzogin in ihrer Not anzuflehen, die bei Gott so viel vermochte, dass sie durch ein Gebet das Holz von der Hand ablöse.

Das Weib begab sich in ihrer Angst auf die Burg und flehte die Herzogin inbrünstig um Vergebung und Hilfe an. Die Heilige begab sich in ihr Kämmerlein und betete. Als sie wieder zu dem Weib trat, öffnete sie demselben die Hand und nahm das Kurbelholz heraus. Sie lächelte mild und wehrte den Dank ab.

»Gehe hin, mein Kind, und danke dem lieben Gott dafür, dass er der reumütigen Sünderin verzieh.«

Die Schreinerfrau änderte von der Stunde an ihren Lebenswandel und das Wunder, welches ihr widerfahren war, bekehrte alle gottlosen Menschen in der Stadt und der Umgegend.

6. Der unterirdische Gang

Von dem Wartturm der Burg Lähnhaus soll in alter Zeit ein riesiger unterirdischer Gang bis nach Greiffenstein gegangen sein. Der Eingang zu demselben war in dem, jetzt verschütteten, Burgverließ.

7. Der böse Konrad

Im Jahre 1598 hatte Konrad von Czedlitz die Burg Lähnhaus übernommen. Derselbe soll ein schlimmer Geselle gewesen sein und die Stadt Lähn hart bedrückt haben. Man erzählt, dass er den Bürgermeister des Städtchens oft gefangen genommen und in das 40 Ellen tiefe Burgverließ eingesperrt habe, um die Lähner seinen Wünschen gefügig zu machen. Für seine Härte aber hat der Burgherr im Grab keine Ruhe gefunden, sondern wandert mitternachts als Geist umher.

Oft soll der böse Konrad nachts von dem Burgberg auf einem funkenschnaubenden Rappen über den Burgberg herab in die Stadt gesprengt sein. Sonderbarerweise hat er niemals den Kopf auf dem Rumpf, sondern stets unter dem Arm getragen.

Bei der alten Boberbrücke am Fuße des Schlossberges soll der ruhelose Geist zur Mitternachtszeit auch häufig in den Fluss geritten sein und mit glühenden Augen auf die Kirche geschaut haben. Auch am Ausgang der Kirchgasse hat man den bösen Konrad sitzen oder den engen, steinigen Pfad bei den kleinen Häuschen vorbei auf den Schlossberg steigen sehen.

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