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Al Capone – Band 35

Al Capone
Band 35
Mörder im Verhör

1. Kapitel
Das Verhör wird fortgesetzt

Der freundliche Leser wird sich erinnern, dass bei dem Verhör auf dem Polizeipräsidium, das man wegen der Ermordung Dion O’Banions angestellt hatte, auch einige Zeugen vernommen wurden. Diese sollten angeben, ob sie die Verhafteten – Anselmi, Scalise und Yale – für dieselben Leute hielten, die sie nach der Ermordung O’Banions aus dessen Laden hatten kommen sehen. Der schwarze Diener O’Banions, ein junger Verkehrsschutzmann und ein Bäcker waren soeben vernommen worden, von denen die beiden Letzteren die Verhafteten für die Täter hielten.

Bei jeder der belastenden Aussagen, die die beiden Zeugen machten, stießen die Beschuldigten aufgeregte Protestrufe aus, sodass der Staatsanwalt mehr als einmal unter Anwendung seiner ganzen Autorität sie zur Ruhe bringen musste. Shoemaker dagegen warf ihnen triumphierende Blicke zu; jetzt saßen sie in der Falle, jetzt konnten sie ihm nicht mehr entgehen!

Mac-Swigging jedoch sah ganz so aus, als ob er mit seinen Gedanken fern von hier weilte, und das war in der Tat so, denn seine Gedanken flogen nach dem unbekannten Ort, wo seine arme Schwester Dorothy schmachten musste …

»Sie haben eben gesagt, dass Sie es beschwören würden«, sagte der Staatsanwalt mit belegter Stimme. »Können Sie nun also einen Eid dafür ablegen, sodass nicht der geringste Zweifel mehr darüber herrscht, dass diese drei Männer hier wirklich dieselben sind, die Sie aus dem Laden von Dion O’Banion haben herauskommen sehen, kurz nachdem die Schüsse gefallen waren?«

»Nun, schwören?!«, erwiderte der Bäcker und kratzte sich den Kopf, was bei ihm ein Zeichen davon zu sein schien, dass er nicht recht wusste, was er tun sollte.

Mit dem Verkehrsschutzmann war es genau dasselbe; gewiss, er war der Ansicht, dass diese Leute hier denjenigen, die er in dem Auto hatte davonfahren sehen, in ganz außerordentlicher Weise glichen, andererseits aber spielte sich die Szene mit einer solchen Geschwindigkeit ab, dass er kaum Zeit hatte, sich die Gesichter so genau einzuprägen, wie er es gern getan hätte. Aber das Verlangen des Staatsanwalts, dass sie den Eid ablegen sollten, brachte die beiden Zeugen doch in große Verlegenheit. Sie wussten, dass es von ihren Worten abhing, die Verhafteten von der Anklagebank auf den elektrischen Stuhl zu bringen.

Und das war doch eine heikle Sache! Sollten sie sich die entsetzliche Verantwortung dafür auf das Gewissen laden, dass drei vielleicht doch unschuldige Mitmenschen infolge eines »Nein« oder »Ja«, das ihre Lippen aussprachen, auf den elektrischen Stuhl kamen?

»Warum zögern Sie denn noch?«, rief Shoemaker aus und sprang energisch von seinem Stuhl auf. »Sind Sie sich denn dessen nicht sicher, dass diese hier es waren? Haben Sie sie denn nicht mit eigenen Augen gesehen? Also los doch! Machen Sie sich doch keine Gewissensbisse, geben Sie doch die Erklärung ab, wie sie das Gesetz verlangt! Überlegen Sie sich, dass das Verbrechen nur deswegen so hochgezüchtet wird, weil die Verbrecher so häufig ihrer Bestrafung entgehen! Bedenken Sie, dass, wenn diese hier ein Verbrechen begangen haben, es auch richtig ist, dass sie dafür büßen!«

Shoemaker sagte das alles in einem solchen Ton, als ob er der Staatsanwalt sei, der anzuklagen habe, und nicht ein Polizeibeamter. Wieder traten die beiden Zeugen an die Verhafteten heran, um noch einmal die Gesichter zu betrachten.


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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