Die Gespenster – Vierter Teil – 38. Erzählung
Die Gespenster
Kurze Erzählungen aus dem Reich der Wahrheit von Samuel Christoph Wagener
Allen guten Schwärmern, welchen es mit dem Bekämpfen und Ablegen beunruhigender Vorurteile in Absicht des Geisterwesens ernst ist, liebevoll gewidmet von dem Erzähler Friedrich Maurer aus dem Jahr 1798
Vierter Teil
Achtunddreißigste Erzählung
Schulmeister Wenzel zu Mohlstadt bei Saarbrücken
Ein ähnliches Schicksal hatte der Schulmeister Wenzel zu Mohlstadt bei Saarbrücken. Auch er starb nach der unbestreitbaren Meinung seiner Hausgenossen und Nachbarsleute. Einige Meilen von ihm hatte sich seine Schwester häuslich niedergelassen. Da man ihre Gegenwart beim Leichenbegängnis wünschte, und deshalb ihre Ankunft, die erst am dritten Tag erfolgen konnte, abwarten wollte, so konnte der Verstorbene zu seinem Glück nicht nach dortiger Gewohnheit schon nach achtundvierzig Stunden, sondern erst nach drei Tagen begraben werden. Während dieser Zeit lag er mit völligem Bewusstsein da, aber ganz unfähig, sich zu bewegen.
Die Schwester kam. Das Begräbnis sollte nun vor sich gehen. Die Schwester trat mit lautem Wehklagen an den noch offenen Sarg. Der entsetzliche Gedanke, sobald die Schwester vom Sarg abtritt, wird er zugenagelt, spannte die noch vorhandenen Kräfte des unglücklichen Mannes, (wie er danach erzählte) aufs Höchste, sodass er nun ein Auge bewegen konnte. Die Schwester wurde dies gewahr, bebte anfangs, heftig erschrocken, vom Sarg zurück, erkannte aber bald den Wert dieses wohltätigen Lebensblickes; denn die gute Natur dieses Scheintoten mit Beihilfe eines Arztes gab ihn bald, völlig hergestellt, den seinen wieder
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