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Vincent Voss – Im Eis

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Abgeschnitten

Sebastian Fitzek, Michael Tsokos
Abgeschnitten

Hardcover, Psychothriller, Droemer Knaur, München, September 2012. 398 Seiten, 19,99 Euro. ISBN 9783426198810, Titelgestaltung von ZERO, Werbeagentur München
www.droemer-knaur.de
www.sebastianfitzek.de

Der Rechtsmediziner Paul Herzfeld findet im Kopf einer schrecklich zugerichteten Leiche die Telefonnummer seiner Tochter. Seine Tochter wurde entführt und der Entführer hat Hinweise in einer anderen Leiche versteckt, die sich auf Helgoland befindet. Dumm nur, dass Helgoland aufgrund eines Orkans vom Festland abgeschnitten ist und sich nur noch eine Handvoll Menschen auf der Insel befindet. Und so ist es die Comiczeichnerin Linda, die den Toten am Strand gefunden hat, die sich von Herzfeld überreden lässt, nach seinen Anweisungen die Obduktion am Toten vorzunehmen. Dabei stellt sie schnell fest, wie krank der Täter sein muss und das nicht nur Herzfelds Tochter Hannah in Lebensgefahr schwebt. Während Herzfeld immer mehr von seiner Vergangenheit und seinen eigenen Prinzipien, die er langsam aber sicher über Bord zu werfen beginnt, als es um das Leben seiner Tochter geht, eingeholt wird, entwickelt sich der Orkan für Linda zu einer beinahe nebensächlichen Sorge.

Es ist ein Werk zweier Autoren, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch perfekt zusammenpassen. Während in Fitzek einer der besten deutschen Thrillerautoren den ersten Teil dieses Duos gibt, ist mit Tsokos einer der führenden Rechtsmediziner Deutschlands der zweite Teil des Teams. Und so sind die Beschreibungen, die dem Leser im Laufe des Buches angeboten werden, so klar und konkret wie selten zuvor in einem Fitzek-Roman. Dazu kommt die gewohnte, beinahe durchgehend hoch gehaltene Spannung, die sich am Ende in einem großen Knall entlädt.

Die Autoren haben eine Botschaft an ihre Leserschaft, wie sie schnell klarmachen. Sie prangern in diesem Roman ein klares Ungleichgewicht im deutschen Rechtssystem an. Wo jemand, der ein Kind missbraucht, mit relativ milden Strafen davonkommt, dafür aber Steuersünder mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden. Auch wenn dieser Roman lange vor der nicht anerkannten Selbstanzeige eines bekannten deutschen Sportmanagers veröffentlicht wurde, zeigt er doch einmal mehr, wie aktuell diese Diskussion ist. Dabei verdeutlichen Fitzek und Tsokos relativ klar, dass es ihnen nicht darum geht, die eine Straftat zu verharmlosen, sondern viel mehr darum, klar aufzuzeigen, dass es nicht sein kann, dass ein Kinderschänder mit einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten davonkommt und zu allem Überfluss weiterhin im selben Haushalt leben darf wie sein vierjähriges Opfer, während ein Unternehmer für sein Steuervergehen, für welches er bereits eine vollständige Selbstanzeige vorbereitet hatte, als er vom Fiskus erwischt wurde, für sieben Jahre ins Gefängnis geht.

Fazit: Fitzek und Tsokos liefern einen spannenden Thriller, der mehr ist als nur gute Unterhaltung. Das Duo liefert einen Roman mit Tiefgang, zum Nachdenken und Selbstreflektieren. Ein Stück weit halten sie unserer Gesellschaft den Spiegel vor. Dabei ist es die ganz besondere Fitzek-Note, die dieses Buch zu einem erstklassigen Roman macht. Und das Spannende an Fitzek-Romanen ist vor allem eines: Man weiß nie, wann es wirklich vorbei ist.

(jp)