Sagen der mittleren Werra 101
Von den Wichteln auf Scherbera
Von Förtha nach Oberellen führt links ein kleines Tal vom Wiesengrund in die nahen bewaldeten Hügel ab. Einer dieser Hügel wird Scherbera genannt. In diesem lebten vor langer Zeit unzählige Wichtel, die dort viel Neckerei und Unfug trieben. Sie führten die nachts am Scherbera vorüber wandernden Menschen durch allerlei kuriose Tänze und Bockssprünge irre, brachten den Menschen in Förtha Wechselbalge ins Haus oder kamen in Scharen in den Ort und stahlen wie die Raben. Wurden sie von den Förthaern verfolgt, so liefen sie, so schnell sie konnten, zum Scherbera. Sobald sie das Holz jedoch erreicht hatten, stellten sie sich zur Wehr und verteidigten ihre Wohnungen so hartnäckig, dass ihnen nicht beizukommen war.
Bei einer solchen Gelegenheit wurde einer der Wichtel erschlagen. Als sie ihn mit einem feierlichen Leichenbegängnis beerdigt hatten, verschwanden sie eines Morgens miteinander aus der Gegend.
In der Nacht hatten sie sich bei dem Dörfchen Hörschel von dem Fährmann über die Werra setzen lassen, ihn dafür mit einer Metze Salz abgelohnt und gesagt, wenn einmal bessere Zeiten in das Land kämen, dann würden sie auch wieder zurückkehren. So Weiterlesen
Eine Reise ins Jahr 2000 – Kapitel 11
William Wallace Cook
Eine Reise ins Jahr 2000
Kapitel 11
Der weinende Philosoph
Wie alle Detektive, über die es sich zu lesen lohnt, war Kinch ein Meister der Verkleidung. Ein Büschel fremder Haare am Kinn, etwas Schminke hier und da, eine Perücke – und selbst seine Mutter hätte ihn nicht erkannt.
Aber nicht immer brauchte er solche Hilfsmittel. Manchmal reichte schon ein hochmütiger Gesichtsausdruck aus, um ihn bis zur Unkenntlichkeit zu verwandeln. Einmal war sein Hinken in seinem ansonsten zügigen Gang so effektiv, dass die gesamte New Yorker Polizeiabteilung um das Jahr 1900 eine Woche lang rätselte.
Darüber hinaus hatte er mehrmals die Natur herausgefordert, indem er an zwei Orten gleichzeitig war. Wie ihm das gelang, erklärte er nie.
Zehn Geschichten aus Meister Hämmerlings Leben und Denkwürdigkeiten – Teil 3
Zehn Geschichten aus Meister Hämmerlings Leben und Denkwürdigkeiten
Memoiren eines Scharfrichters aus den Zeiten des Mittelalters
Herausgegeben von Wilhelm von Chézy
Vom Rosental
Wenn ich es vor allem liebte, fernab der Menschen in der schauerlichen Obhut der Femstatt zu weilen und den Reden Arnulphs zu lauschen oder die Einsamkeit der Wälder und Fluren aufzusuchen, so geschah dies, wie ich oben schon sagte, vorzüglich deshalb, weil ich unter den Leuten statt Liebe und Anteilnahme nur Hass und abstoßende Verachtung fand. Doch auch das sollte sich in späterer Zeit ändern und die Stadt sollte mir ein lockendes Ziel der Wanderung werden, trotz des Hohns und aller Schmach, die mir den Weg immerdar verbitterten, sobald wir einem Menschen begegneten.
Der selige Vater ging regelmäßig jeden Samstagabend nach dem Aveläuten zur Stadt. Er wandte sich vom Marktplatz gegen das enge Gässlein, welches Zum Rosental genannt wird, krumm und düster hinter Sankt Kümmernis gegen die Frohnveste steil Weiterlesen
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 25
Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung
5. Das Jüngstenläuten
In Goldberg herrschte die alte Sitte, dass die jüngsten Zunftmeister die Glocken läuteten, wenn ein Gewitter aufkam. Wie diese Sitte entstanden ist, erzählt die folgende Sage:
Auf der Burg am Willenberg, von der heute noch Ruinen sichtbar sind, residierte im 12. Jahrhundert ein frommer Burgherr, der die Städter schätzte und die Wegelagerer hasste. Als Kaiser Friedrich I. (auf Veranlassung von Papst Gregor VIII.) den Dritten Kreuzzug unternahm, schloss sich der Willenberger dem Weiterlesen
Aus den Geheimakten des Welt-Detektivs – Band 9 – 6. Kapitel
Aus den Geheimakten des Weltdetektivs
Band 9
Die Lady mit dem Kanarien-Brillant
6. Kapitel
Schlome Hersch, der Trödler
Das Schneegestöber, welches vorher niedergegangen war, hatte sich zu einem wahren Schneesturm angefacht, und der Wind blies so kräftig Sherlock Holmes entgegen, dass er sich kaum behaupten konnte, als er um die Ecke der Baker Street bog.
Aber mit schnellen Schritten verfolgte der Detektiv seinen Weg, und tiefer und immer tiefer tauchte er in das Gassengewirr der City ein, dort, wo dieselbe noch ganz und gar von dem modernen Geist der Baukunst verschont geblieben ist.
Kleine, krüpplige Häuser reihen sich hier in engen, winkligen Straßen aneinander, ab und zu schmalbrüstige Hochbauten, denen man es ansieht, dass schon Jahrhunderte über sie dahingegangen sind.
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