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Das schwarze Schiff – Kapitel 9

Beadle’s Half Dim Library
John S. Warner
Das schwarze Schiff
Kapitel 9

Ronald auf der Suche

In einer dunklen, stürmischen Nacht einige Monate nach den im letzten Kapitel geschilderten Ereignissen eilte ein Mann durch die Straßen von New York. Er schien sich nicht um die Regenfluten zu kümmern, die auf ihn niederprasselten. Er zog seinen großen Umhang enger um sich, eilte weiter und murmelte leise seinen Unmut. Der Wind wehte in unregelmäßigen Böen um die Straßenecken, klapperte an den Fensterläden und ließ die Schilder knarren, als wären es die traurigen Schreie eines umherirrenden Geistes. Die Straßenlaternen warfen ein krankhaftes, flackerndes Licht auf die durchnässten Gehwege und machten den Weg des Reisenden noch trostloser. Im Hintergrund war das entfernte Plätschern und Rauschen der North und East River zu hören, wenn ihre aufgebrachten Wellen an die Ufer schlugen.
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Al Capone – Band 15

Al Capone
Band 15
Furchtbare Rache

1. Kapitel
Zurück ins Vaterhaus

Bankier Ahrens fuhr wie von einer Tarantel gestochen in die Höhe, als seine Tochter ihm strikt erklärte, nicht mit ihm ins Elternhaus zurückkehren zu wollen.

»Wie, du willst dich mit diesem Menschen verheiraten? Eher will ich dich tot sehen! Hörst du, Eveline? Diese Hochzeit wird niemals stattfinden, das merke dir … niemals!«, schrie er wütend.

»Dann sollst du mich nur als Leichnam von Ed trennen!«, erklärte Eveline unerschütterlich und fest. Zugleich umklammerte sie mit beiden Armen den Geliebten, dessen Herz in diesem Augenblick von der schmerzlichsten Aufregung durchwühlt wurde.

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Ein Klondike-Claim – Kapitel 4

Nicholas Carter
Ein Klondike-Claim
Eine Detektivgeschichte
Street & Smith, New York, 1897

Kapitel 4
Eine elektrische Geldbörse

Einen Moment lang stand Fowler sprachlos da. Dann rief er aus: »Was zum Teufel lässt Sie das glauben?«

»Zwei oder drei Dinge«, antwortete Stokes. »Zunächst einmal macht der amerikanische Ureinwohner keinen Fehler, wenn er sich vornimmt, weiße Männer zu töten. Zwei Indianer, die beschlossen haben, zwei Männer zu töten, würden nie zufällig den gleichen Mann auswählen – das ist ein Fehler, den nur ein Weißer macht.«

»Nun, vielleicht stimmt das«, sagte Fowler, »aber wir hatten keinen Grund anzunehmen, dass sich in diesem Teil des Landes Weiterlesen

Der wilde Jäger vom Ettersberg

Der wilde Jäger vom Ettersberg
oder: Elternsegen, Himmelsschutz, Beut den Höllenscharen Trutz
Romantische Sage aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg
Verlag der J. Lutzenberger’schen Buchhandlung, Altötting ca. 1860

1. Die Rettung

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges stand in den Wäldern des Ettersberges ein stattliches Schloss, das dem Herzog Wilhelm von Sachsen als Jagdschloss diente. Dort wohnte der alte Erbförster Egbert Koch, ein biederer, gottesfürchtiger Waidmann, der seine Gattin vor Jahren durch den Tod verloren hatte und nun in seiner einzigen Tochter Kunigunde, die zur Zeit, als unsere Erzählung beginnt, zu einer blühenden Jungfrau herangewachsen war, seine höchste Lebensfreude und seinen wohltuendsten Trost fand. Wenn sie am Sonntagmorgen mit dem Gebetbuch in der Hand durch den stillen Wald zur Kirche in Ettersburg hinwandelte, folgte ihr der Blick des alten Erbförsters aus dem Fenster des Schlosses voller seliger Wonne nach. Dann war es dem alten Vater, den die Fußgicht im Sorgenstuhl festhielt, als zöge sein Schutzengel durch den Wald zu dem Gotteshaus. In solchen Augenblicken Weiterlesen

Der vielförmige Hintzelmann – Vorrede

Der vielförmige Hintzelmann
oder: Umständliche und merkwürdige Erzählung von einem Geist,
so sich im Haus Hudemühlen und danach zu Estrup im Land Lüneburg unter vielfältigen Gestalten und wunderlicher Veränderung durch göttlicher Providenz sehen lassen und sich bald freundlich und familiär, bald aber schädlich und gefährlich erwiesen.
Aus bisher noch niemals gedruckten Nachrichten kolligiert und ihrer Kuriosität halber zum Druck befördert und mit unterschiedlichen Historien von Erscheinungen und Gespenstern vermehrt und durch Kupfer vorgestellt.
Leipzig. Anno 1704

Vorrede

Nachdem wir hier eine Erzählung über einen Geist oder ein Gespenst, das sich vor Zeiten sehen ließ und ein vornehmes Haus unsicher machte, anführen, so ist kein Zweifel, dass sich verschiedene finden werden, die ein solches Werk als eine Fabel verlachen und sich einbilden werden, alle dergleichen Erzählungen kämen aus der Einbildungskraft alter Weiber. Ebenso wie diese Leute sich dabei eine besondere Klugheit einbilden, weil sie etwas erfunden haben, das von der alten Meinung abweicht, halten Weiterlesen