Romantisches Dinner
So, wie sie hier vor mir sitzt, wie sie sich bewegt, mit mir redet. Alles an ihr liebe ich. Sie ist wunderschön, verführerisch, einzigartig. In ihr kann ich versinken, mit ihren Worten möchte ich schweben.
Es ist unser zehntes gemeinsames Essen. Wir treffen uns seit langer Zeit, um zusammen etwas zu unternehmen, aber heute ist der Anlass ein anderer. Ein romantisches Dinner bei Kerzenschein, denn heute werde ich ihr sagen, dass ich sie liebe. Keine Freundschaft mehr. Nein, Liebe. Ich weiß, dass sie ähnlich empfindet, weiß es aus tiefstem Herzen. Andeutungen hatte es gegeben, immer wieder. Eine leichte Berührung hier, ein gehauchtes Wort dort. Sie liebt mich, das spüre ich.
Weiterlesen
Der schwarze Mann
Der dunkle Schleier der Nacht lag schon über unserem Haus, als meine Mutter in angsterfüllter Sorge meinen Bruder losschickte, um den Doktor zu holen. Mein Zustand war besorgniserregend; ich war todkrank. Draußen tobte ein Schneesturm, der meinen Bruder allerdings nicht hindern konnte, seiner brüderlichen Fürsorge nachzugehen. Er war immer gut zu mir gewesen und sorgte sich ebenso um seine Schwester, wie meine Mutter. Sie verabreichte mir in den Tagen zuvor, an denen es mir nicht wesentlich besser ging, einige Hausmittelchen, um mein Befinden zu verbessern. Diese Mittelchen und die Zeit halfen jedoch nicht besonders, mich gesünder zu machen. Mir schien hingegen, dass mein Zustand sich noch verschlechterte. Ich war froh, dass der Doktor jetzt kam, um mich zu untersuchen. Sicherlich würde er mir zu schneller Genesung verhelfen.
Weiterlesen
Gewitter
Dumpf grollte in weiter Ferne der Donner eines herannahenden Sommergewitters. Um diese Jahreszeit waren Unwetter nicht selten, aber was sich da zusammengebraut hatte, konnte einem eine regelrechte Furcht einflößen. Die Luft roch nach Ozon, sämtliche Tiere waren verstummt und hatten sich verkrochen. Deutliche Zeichen dafür, dass es dieses Mal nicht an der kleinen Stadt in Illinois vorbeiziehen würde.
Im sonst um diese Uhrzeit stillen Korridor des Krankenhauses erzeugten Poltern und Rumoren unheimliche Geräusche, die nicht hierher gehörten. Es gab der gesamten Atmosphäre einen unheilvollen Beigeschmack.
Tolos Schatz
I
»Dieser Tunichtgut!«, rief Zwergenmutter Sansa verzweifelt hinter dem lachend flüchtenden Tolo her. »Er hat drei Hühnern aus unserem Stall die Schwanzfedern ausgezogen! Was soll aus diesem Burschen nur noch einmal werden, wenn er schon als Junge so ein Taugenichts ist?«
»Beruhigen Sie sich erst einmal!«, sagte Zwerg Boro, der gerade des Weges kam, zu Sansa.
Weiterlesen
Im Sande verlaufen
Heiß strich der Wind über die wüstenhafte Einöde, die wohl jeden normalen Menschen das Leben kosten würde. Doch die Gestalt, die sich hier Meter um Meter vorwärts schob, musste sich über dererlei Dinge keinerlei Gedanken mehr machen, da sie schon seit mehreren Wochen tot und dies doch auch wieder nicht war. Denn nachdem sie vergeblich versucht hatte, den rechtmäßigen Thronfolger des alten und bereits im Sterben liegenden Pharaos Rhuatep, des II. vor dessen Einsetzung hinterrücks mit Gift zu ermorden und dies zu ihrem Leidwesen noch rechtzeitig genug entdeckt wurde, war ihr Schicksal selbstverständlich besiegelt. Zwar wurde sie noch sorgfältig nach der uralten Kunst des Einbalsamierens präpariert, aber entgegen der vorgeschriebenen Riten einfach nur in einem beliebigen Sandloch verscharrt. Doch niemand im Hofstaate des noch jungen Herrschers hätte auch nur im entferntesten erahnen können, dass der Hohepriester schon etliche Tage davor – als er seinen perfiden Plan zur Übernahme des mächtigen Pharaonenreiches vorzubereiten begann – ein schwarzmagisches Ritual an die alten und bereits seit Weiterlesen


Neueste Kommentare