Archiv

Mythen & Wirklichkeiten

Deutsche Märchen und Sagen 199

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

276. Bischof Wulfhelm

Kaiser Ludwig II., auch der Deutsche genannt, verirrte sich eines Tages bei der Jagd und kam spät abends in den Ort Katzenhausen. Dort kehrte er in der Wohnung des Pfarrers ein. Der Pfarrer war ein schlichter, armer Mann, aber von gutem Herzen. Er empfing den Kaiser freundlich und liebevoll und ließ ihn in seinem eigenen Bett schlafen. Er hatte nur dieses eine, doch das machte ihm nichts aus: »Ich schlafe ebenso gut auf meinem Strohsack«, sprach er. Auch kochte er ihm einen guten Brei. Am anderen Morgen brachte er ihm nach der Messe Brot und Butter und einen Becher frisches, klares Wasser.

Als der Kaiser nun wieder aufbrechen wollte, sprach er zu dem Pfarrer: »Sagt mir, Herr, welchen Dienst ich Euch erweisen kann; Ihr habt mir so viel Liebes erwiesen.«
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Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 21

Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung

8. Die Gröditzburg
Nordöstlich von Löwenberg liegt die Gröditzburg. Sie ist sehr alt; schon im Jahr 1200 herrschten Raubritter darin. Sie soll zum Schutz gegen die Wenden von einem Sachsenherzog (Heinrich I.) erbaut worden sein.
9. Der Burggeist
Auf der Gröditzburg hauste im Jahr 1200 der berüchtigte Raubritter Rüdiger von Buseway. Er beraubte Klöster und Städte der ganzen Umgebung und kannte kein Erbarmen. Er hatte jedoch eine fromme und schöne Tochter, die nach Kräften die Wunden zu heilen suchte, die ihr wilder Vater der Menschheit schlug. Charitas, so hieß die Jungfrau, liebte sogar einen Feind ihres Vaters: den Burgherrn Czedlitz auf Alzenau. Weiterlesen

Sagen der mittleren Werra 99

Vom spukenden Mönch auf dem Wackenhof

Drei Viertelstunden hinter Möhra in Richtung Eisenach stand das ehemalige Lazaritenkloster Wachenhausen mit einer dem heiligen Bonifatius geweihten Kapelle.

Eine der drei Wohnungen, aus denen der Wackenhof besteht, hat noch ein steinernes Untergeschoss. Dieses soll ebenso wie der unter dem Haus befindliche Keller, der sogenannte Mönchskeller, aus jener alten Zeit stammen. In diesem Keller hält sich eine spukende Mönchsgestalt auf, die bis heute nicht selig werden konnte. Wenn es dem Mönch dort zu kalt wird, steigt er die Treppe in die Küche hinauf, setzt sich an den Herd und wärmt sich. Da er niemandem etwas in den Weg legt, machen es die Leute, die an seine Erscheinung gewöhnt sind, mit ihm gerade so. Wenn die Knechte und Mägde jedoch ihre nicht zum Haus gehörenden Liebsten heimlich einschmuggeln und bei sich schlafen lassen, kommt der Mönch zornig zu ihnen ans Bett, packt die Eindringlinge, schleppt sie in den Stall und wirft sie vor das Vieh in die Raufen. Gewiss kommen sie dann kein zweites Mal wieder.

Auch soll der Mönch es nicht dulden, dass die Mägde vor dem Anrichten zu viel von den Speisen naschen. Als eine von ihnen den Weiterlesen

Sagen der mittleren Werra 98

Der verfluchte Wald bei Wilhelmsthal

Zwischen Wilhelmsthal und Ruhla steht rechts und links vom Fahrweg ein Eichwald mit verdorrten Wipfeln. Die Sage erzählt darüber Folgendes:

Es soll einmal geschehen sein, dass sie in Eisenach einen Unschuldigen zum Strick verurteilten. Auf dem Weg zum Galgen beteuerte der Mann vor allen Leuten nochmals seine Unschuld. Als er jedoch sah, dass alles vergebens war, verfluchte er den Wald, aus dem das Holz für den Galgen eines Unschuldigen gezimmert worden war.

Seit jener Zeit verdorren hier die Wipfel des Waldes, weil das Galgenholz aus ihm genommen wurde.

Der Taubeneller Hans

Es kamen einmal zwei Studenten nach Taubenellen. Sie hatten schon viel vom Taubeneller Hans, einem gewaltigen Hexenmeister, gehört und wollten gern einen seiner Streiche miterleben. Man wies sie vom ehemaligen Jägerhaus in die Mühle, wo sie, ohne ihre Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 198

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

273. Karl lässt einen Brunnen graben

Nach der Eroberung von Goulette hatte Karls Heer großen Wasserbedarf. Da ließ Karl einen Brunnen graben. Die Soldaten gruben tief und fanden ein schönes Kreuz. Sie berichteten dem Kaiser davon, der kam hinzu und nahm das Kreuz mit großer Ehrerbietung aus dem Loch. Kaum hatte er es von der Stelle genommen, an der es gelegen hatte, da sprang ein klarer Quell hervor, und das ganze Lager labte sich daran. Das Kreuz sandte er seiner Kaiserin mit der Weisung, es als einen allerköstlichsten Schatz zu bewahren.

274. Karls Handzeichen

Kaiser Karl konnte, wie bekannt, nicht schreiben. Wenn er etwas unterzeichnen sollte, dann tauchte er seine Hand in Tinte, spreizte die Finger weit aus und schlug damit auf das Papier, sodass das Zeichen seiner Hand darauf zurückblieb. Darum nennt man eine Weiterlesen