Aus dem Wigwam – Die All-Mutter
Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880
Vierzig Sagen
Mitgeteilt von Chingorikhoor
Die All-Mutter
he noch die Erde existierte, lebte der Große Geist mit der All-Mutter allein im leeren Weltraum.
Kein Sonnenstrahl beschien das Wasser, in dessen Tiefe die Erde verborgen lag. Dieselbe kam erst dann zum Vorschein, als die All-Mutter einst herunterkam und sich niedersetzte. Anfangs war sie nur so groß, dass sie ihr hinlänglichen Raum zum Sitzen gewährte, aber sie wuchs so schnell, dass man sie zuletzt gar nicht mehr überblicken konnte; auch schossen überall Blumen und Bäume hervor.
Kurze Zeit danach gebar die All-Mutter drei Söhne, einen Bären, einen Wolf und einen Rehbock. Sie pflegte dieselben Weiterlesen
Oberhessisches Sagenbuch Teil 54
Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
Drei Stücklein von der Sotzbacher Kunst
Zu Sotzbach bei Birstein gab es früherhin Leute, die konnten bannen und sich unsichtbar machen. Wer sie hören will, dem wollen mir davon drei Stücklein erzählen.
1. Ein Sotzbacher Mann ging nach Büdingen unter die Steinhauer. Weil er ein großer und stattlicher Kerl war, stach er den preußischen Werbern merkwürdig in die Augen, die damals stark im Reich streiften. Er war aber ein Lüstling, der recht fein und lustig tun konnte. Als er sich hatte anwerben lassen, brachte er den Wachtmeister Weiterlesen
Der Konstanzer Hans Teil 29
W. Fr. Wüst
Der Konstanzer Hans
Merkwürdige Geschichte eines schwäbischen Gauners
Reutlingen, 1852
Neunundzwanzigstes Kapitel
Hans bekommt ein besseres Los.
Die vielen Verdienste, welche sich Hans um die Verminderung der Gaunerei erworben hatte, bestimmten den Oberamtmann in Sulz, darauf hinzuwirken, dass die Lage desselben erleichtert und verbessert würde. Die Stelle eines Hatschiers aber, die jener ihm verschaffen wollte, vermochte Hans wegen seiner geschwächten Gesundheit Weiterlesen
Elbsagen 54
Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig
54. Der Knabe mit dem Brettspiel
Einst ging ein Seiler aus Torgau über Land. Es war in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Als er auf dem Heimweg war, da sah er einen fremden schönen Knaben am Weg sitzen, der ein Brettspiel mit schwarzen und weißen Steinen auf dem Schoß hielt und emsig an den Steinen schob und ordnete. Als der Seiler vorbeiging, stieß er aus Versehen an des Knaben Knie, sodass die Steine auf dem Brett sich verschoben und durcheinanderrollten. Weiterlesen
Aus dem Wigwam – Die sechs Nantikoken
Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880
Vierzig Sagen
Mitgeteilt von Chingorikhoor
Die sechs Nantikoken
in wunderschöner Tag lachte in dem Monat, wo der Maifisch das Salzwasser verlässt und in die Süßwasserflüsse steigt, auf das Ufer des Großen Sees. Auf dem großen, weiten Ozean regte sich keine Welle und der Gott der Stürme hielt die Winde in seiner tiefen Felswohnung eingeschlossen. Vögel, Käfer und Schlangen freuten sich im heiteren Sonnenschein; Menschen aber gab es damals noch nicht. Doch ehe das Auge des Tages sich schloss, sah es plötzlich sechs Indianer vom Stamm der Nantikoken am Ufer des Ozeans sitzen. Woher sie kamen, ob sie aus dem Wasser oder aus dem Schlamm gekrochen oder ob sie aus der Luft gefallen waren, konnten sie selbst nicht sagen. Sie wussten nur, dass sie da waren und dass sie sich Kleider und Nahrung nur durch Jagen und Fischen verschaffen konnten.
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