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Storys & Lyrik

I hear a new world

Jörg Kleudgen

I hear a new world

Von Staub und Ruß unansehnlich stürzten die verwitterten Fassaden der Stadt an mir vorüber. In einer einzigen grauen Stunde war der Tag zu Asche verbrannt. Wie üblich in den frühen Abendstunden verstopfte der Feierabendverkehr den Autobahnzubringer, verfolgt von den nimmermüden Kameraaugen Weiterlesen

Drachenfeuer

Drachenfeuer

»Und ich sage dir, sie kommt wieder!« Centhei verzog unwillig das Gesicht. »Glaubst du mir etwa nicht?«, fragte Lykaon mit einem spöttischen Unterton in der Stimme.

»Dieses Mal nicht.« Der Drache stieß ein belustigtes Schnauben aus und Centhei sprang von seinem Felsen, um der Rauchwolke zu entgehen.

»Du bist kein Pferd mehr, Lykaon! Wann merkst du dir das endlich?«

Das Lachen des Drachen klang wie entfernter Donner. »Weißt du, Centhei, man kommt irgendwann durcheinander, wenn mal als Elf geboren und zur Verwandlung in einen Wolf bestimmt wird, und dann nach mehr Jahren, als andere überhaupt leben, ein Drache ist. Und dann ein Pferd wird und schließlich wieder ein Drache. Ich würde mich nicht wundern, wenn ich morgen wieder als Wolf aufwachen Weiterlesen

Jegors Ende

Jegors Ende

 

I

 

Im kleinen Lande Escosa, nahe dem großen Gebirge im Süden, herrschte einst Regent Jegor. Jegor war ein despotischer Mann, der zu Wutausbrüchen und Gewalt neigte, was sich auch in seiner Politik niederschlug. So gab es in Escosa zu seiner Zeit eine Geheimpolizei, die die Bürger bespitzelte und nicht selten einen von ihnen grundlos einsperrte, folterte oder sogar hinrichtete.
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Joeys Geständnis

Joeys Geständnis

Mein Name ist Joey Fletscher. Eigentlich bin ich ein ganz friedlicher Kerl. Gewisse Umstände aber haben mich dazu gebracht, einen etwas anderen Weg einzuschlagen. Gemeinsam mit meinem Kumpel Speedy Jones. Mein Gott, Speedy. Der war alles andere als schnell. Eigentlich war er ne absolute Schnecke. Das sollte ihm auch zum Verhängnis werden. Das Ergebnis seiner »Schnelligkeit« kennen Sie ja bereits. Das zermatschte Etwas spricht für sich.

Ich lernte Speedy unter einer Brücke kennen. Nieselregen. Trübe Wolkendecke. Novemberwetter eben. Ich denke, es hatte gerade mal drei Grad über null. Speedy hockte da wie ein Sack voller Lumpen, mit dem Rücken gegen den Pfeiler gelehnt. Er hatte so etwas Ähnliches wie ein Feuer zustande gebracht. Die Wärme von innen kam jedoch eher von zwei Flaschen billigen Fusel, die leer neben ihm lagen. Eine Dritte stand bereits in Habachtstellung.
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Ein neuer Engel für die große Stadt

Eine Krimi-Kurzgeschichte von Renate Behr

Fröstelnd zog er die Schultern hoch. Die Nächte waren schon empfindlich kalt. Bald würde er sich eine Bleibe suchen müssen, um die frostkalten Nachtstunden zu überstehen. Das Leben auf der Straße – er hatte sich damit arrangiert. Im Sommer, da hatte es einen Hauch von Freiheit und Abenteuer und war genauso, wie er es sich vorgestellt hatte. Aber jetzt, wo der Winter in greifbare Nähe gerückt war, da wurde es unangenehm. Er sah sich um. Die Leute hasteten an ihm vorbei, würdigten ihn keines Blickes. Alle wollten sie schnell wieder ins Warme.
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