Aus dem Wigwam – Menabuscho
Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig.1880
Menabuscho
enabuscho konnte zu allen Tieren sprechen, zu allen Vögeln, Fischen, Winden und Bäumen. Er wusste alles, was auf der Erde vorging, aber vom Himmel wusste er gar nichts, denn dieser war ihm zu hoch, und die Geister, die er deshalb befragte, wussten ebenfalls nichts davon zu berichten. Da sah er einst einen von den Adlern, die nur von toten Menschen leben und die ehemals sehr groß waren. Er rief ihn, doch der Adler wollte nicht herabkommen, musste aber doch zuletzt. Dann musste er Menabuscho auf seine Flügel nehmen und ihn in die Höhe tragen. Doch bald wurden seine Flügel lahm. Als ihn Menabuscho mit aller Gewalt zum Weiterfliegen antrieb, drehte er sich plötzlich um und ließ ihn fallen. Unterwegs flehte Menabuscho den Großen Geist um Hilfe an. Dieser ließ ihn in einen hohlen, mit weichem Moos gepolsterten Baumstamm fallen, in dem er jedoch so wenig Raum hatte, dass er weder Füße noch Hände bewegen konnte. Nach geraumer Zeit kam Weiterlesen
Aus dem Wigwam – Otterherz
Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig.1880
Otterherz
oder die gute und die böse Squaw

ief im Urwald am Ufer eines einsamen Sees lebte ein vierzehnjähriges Mädchen. Sie hatte niemand auf der weiten Welt, als einen jüngeren Bruder, für den sie sorgte, den sie kleidete und dem sie Nahrung gab. Der Kleine aber verstand bereits den Bogen zu führen. Er schoss Vögel und Präriehasen im Wald und brachte sie seiner Schwester, die sie zubereitete.
»Schwesterchen«, fragte der Bruder eines Tages, »woher kommt es, dass wir so allein leben? Gibt es denn gar keine menschlichen Wesen außer uns? Und wo sind Vater und Mutter?«
»Grausame Zauberer töteten unsere Eltern«, erwiderte die Schwester. »Ob es aber außer uns noch andere Indianer gibt, weiß ich nicht.«
Weiterlesen
Aus dem Wigwam – Zur Einführung
Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig.1880
Zur Einführung
Fern sei es von mir, den Leser ermüden zu wollen mit Aufführung der Gründe, welche mich bewogen, meinem Vaterland Valet zu sagen, um in Amerika mein Glück zu versuchen. Es ging mir, wie so vielen Tausenden vor mir. Ich schlug die Warnungen älterer erfahrener Freunde, im Land zu bleiben und mich redlich zu nähren, in den Wind und schiffte mich in Bremen ein. Von der Überfahrt will ich nichts erzählen. Dieses ewige Einerlei ist in den Weiterlesen
Märchen und Sagen der Indianer Nordamerikas 86
Wie einer ein berühmter Doktor wurde
Der blutdürstige Stamm der Steinriesen war beinahe ganz ausgerottet, und nur noch wenige davon trieben sich in den nördlichen Gegenden herum, wo sie häufig die allein umherstreifenden Jäger überfielen und skalpierten. Einer der Jäger, den auch so ein mörderischer Teufel beinahe an den Haaren erwischt hatte, suchte sich schnell durch die Flucht zu retten, aber sein Verfolger ließ auf einmal ein solch gliederlähmendes Kriegsgeschrei ertönen, dass der arme Jäger kaum noch ein Bein vor das andere setzen konnte. Nun suchte er sein Heil darin, dass er auf einen Baum kletterte, ohne dass es der Riese merkte.
Weiterlesen
Märchen und Sagen der Indianer Nordamerikas 85
Ein Jäger sah einst auf der Jagd ein merkwürdig gestaltetes, fremdartiges Tier an einem Bach sitzen. Es war von grauer Farbe, sah beinahe wie ein Hund aus, hatte aber keinen Kopf; wenigstens keinen sichtbaren. Seine Wohnung war nicht weit davon entfernt.
Als er am Abend nach Hause kam, erzählte er dies seinen Bekannten und gab dabei zu erkennen, dass er sich fürchte, noch einmal an jenen Platz zu gehen, weil, wie er sicherlich glaube, das ganze Tier aus Gift Weiterlesen
Neueste Kommentare