American Indian Weekly Nr. 2 – Aufgespürt in seinem Versteck – Kapitel 3
American Indian Weekly
Nummer 2, 1910
Aufgespürt in seinem Versteck
oder Die Verfolgung des Mitternachtsräubers
von Colonel Spencer Dair
Kapitel 3
Die Erkenntnis des Ranchers
Die Behauptung des Ranchbesitzers, das Gespenst sei eine Erfindung der Menschen, und die Erklärung seines Vorarbeiters, es handele sich lediglich um einen Trick, um den Viehdiebstahl zu vertuschen, lösten bei den Cowboys eine sofortige Reaktion aus.
»Bei allem, was mir heilig ist, du hast recht«, stimmte Deadshot zu. »Das ist das Problem. Jemand versucht, das Vieh zu stehlen. Ich habe schon zu oft erlebt, wie sie eine Stampede auslösen, um die Symptome nicht erkennen zu können. Und wir hatten Angst vor einem Gespenst und haben den verdammten Dieben genau die Gelegenheit gegeben, die sie geplant hatten. Sag mal, Sam, ich würde es dir nicht übel nehmen, wenn du uns alle rausschmeißt!«, fügte er hinzu, wobei seine Stimme Scham und Reue verriet.
»Verschwende keine Zeit mit Reue, mach dich an die Arbeit und hilf, das Vieh zu beruhigen!«, erwiderte sein Arbeitgeber. »Ihr Jungs reitet um sie herum und bringt sie zum Kreisen, wenn ihr könnt. Ich will meine Augen offen halten, um Mr. Spook wiederzusehen.«
Zutiefst verärgert darüber, dass sie sich einen solchen Streich hatten spielen lassen – war ihnen klar, dass die Double-Cross-Crew zum Gespött aller anderen Viehzüchter in der Region werden könnte, wenn die Geschichte bekannt würde –, machten sich die Cowboys mit Elan an die Arbeit.
Aber die Aufgabe war zu groß für sie!
Noch bevor sie fünfzig Meter entlang des Stacheldrahtzauns geritten waren, wurde ihnen klar, dass ihre Bemühungen erfolglos bleiben würden.
Mit lautem Gebrüll, Schnauben und Brüllen stürmte eine Herde Rinder auf die Ebene hinaus. Deren Umrisse waren gerade noch zu erkennen, als sie davonpreschten.
Als wäre diese Flucht vorher abgesprochen gewesen, rannten auch andere Herden in die Dunkelheit davon.
»Der Zaun ist durchschnitten! Der Zaun ist durchschnitten!«, brüllte Sandy aus voller Kehle.
»Es hat keinen Sinn, die Tiere zurückzuhalten. Komm zurück zu Sam. Wir werden herausfinden, was er von uns erwartet«, antwortete Deadshot.
Da ihnen klar war, dass es unmöglich sein würde, die Tiere wieder einzufangen oder auch nur diejenigen zurückzuhalten, die noch nicht weg waren, ritten Pinky und Deadshot mit ihrem Vorarbeiter zurück, bis sie den Rancher erreichten.
»Was sollen wir tun?«, fragte Pinky, nachdem Bowser berichtet worden war, dass der Stacheldrahtzaun an mehreren Stellen durchtrennt worden war.
»Haltet Ausschau nach Mr. Spook!«, fauchte der Besitzer der Double Cross. »Ich gebe jedem von euch tausend Dollar für seine Leiche! Wir werden uns jeweils eine Seite des Korals vornehmen und dort patrouillieren.«
»Aber wir haben keine Gewehre, nur unsere Sixshooter«, unterbrach ihn Deadshot.
»Dann reite so schnell du kannst zum Bunkhouse und hole sie! Wenn du dort bist, erzähl meiner Frau einfach, was los ist. Dann beeil dich, zurückzukommen. Und bring ein paar Fackeln mit«, rief er hinterher, als ihm einfiel, dass Licht nützlich sein könnte. Sein Mann war bereits auf dem Weg zu den Gewehren.
»Das ist ein gewagter Plan« murmelte Sandy, während sie warteten. »Ich frage mich, ob es mehr als einen von ihnen gab.«
»Sicher«, behauptete Pinky. »Wahrscheinlich waren es drei oder vier, die am Zaun gearbeitet und die Drähte durchtrennt haben, während der andere Verstecken gespielt hat!«
Diese Einschätzung der zahlenmäßigen Stärke der Midnight Raiders wurde von Bowser und Sandy zwar bereitwillig akzeptiert, sollte sich jedoch später als falsch erweisen.
Sie sollten erfahren, dass der waghalsige Viehdieb ein Einzelgänger war.
»Wenn das so ist, verschwenden wir dann nicht unsere Zeit, wenn wir versuchen, ihn zu erschießen?«, fragte der Vorarbeiter. »Wahrscheinlich sind sie mit der ersten Herde Rinder geflohen.«
»Vielleicht hast du recht, Sandy«, stimmte der Rancher zu.
Aber ich habe so eine Ahnung, dass sich dieser Geist noch einmal zeigen wird.«
Und der Besitzer der Double Cross hatte recht – wenn auch die Methode, mit der der gespenstische Räuber seinen Aufenthaltsort preisgab, anders war, als Bowser erwartet hatte.
Deadshot blieb nur so lange bei den Häusern, um der Frau des Ranchbesitzers hastig Bericht zu erstatten und dann die Gewehre und Fackeln zu holen. Bald war er wieder bei seinen Gefährten.
»Hier, jeder nimmt eine Fackel und eilt zu seinem Posten«, befahl Bowser, als Deadshot herangeritten kam. »Sandy, du gehst zur Westseite, Pinky zur Nordseite, Deadshot zur Ostseite und ich nehme die Südseite. Haltet die Augen offen – und denkt an die tausend Dollar!«
Noch während er sprach, zündete der Rancher seine Fackel an. Als die Flamme aufflammte, wurden die vier Männer in ein grelles Licht getaucht.
»Wie lange sollen wir patrouillieren?«, fragte Deadshot.
»Bis ich meine Fackel in die Luft schwinge. Dann reiten wir zum Haus. Wir essen etwas und nehmen die Spur wieder auf, sobald es hell wird.«
Bevor das Quartett jedoch mit der Patrouille entlang des durchtrennten Zauns beginnen konnte, machte sich der Viehdieb bemerkbar.
»Bang!« hallte es aus dem Norden.
Erstaunt drehten sich die Cowboys um.
Und noch während sie das taten, pfiff eine Kugel durch die Luft und riss Bowser den Sombrero vom Kopf.
»Löscht die Fackeln! Das verrät uns! «, rief Deadshot alarmiert, aus Angst, eine zweite Kugel könnte ihr Ziel finden.
Der Rancher und seine Männer brauchten keine Aufforderung, um zu reagieren. Der Schuss war zu gut gezielt und zu nah an seinem Ziel gewesen, als dass sie sich noch als Zielscheiben für einen so geschickten Schützen anbieten wollten.
Doch als sie die Fackeln zu Boden warfen, erhob sich der Rancher in seinen Steigbügeln.
»Ihr habt mich jetzt vielleicht im Visier!«, brüllte er und schüttelte wütend und machtlos seine Faust in die Richtung, aus der der Schuss gekommen war. »Aber wartet nur! Niemand kann Sam Bowsers Rinder stehlen, seine Männer erschrecken, auf ihn schießen und damit davonkommen! Solange ich noch atme, werde ich euch verfolgen und euch in eure Höhle jagen. Merkt euch meine Worte! Der Besitzer der Double Cross sprach mit einem dramatischen Tonfall. Die schemenhafte Silhouette seiner großen Gestalt, die sich im Sattel hin und her bewegte, sein vor Wut durch die Luft schlagender Arm, während er Rache an den Übeltätern schwor, die sein Vieh in Panik versetzt und versucht hatten, ihn zu ermorden, wirkten äußerst dramatisch.
Doch kaum waren die letzten Worte über seine Lippen gekommen, da knallte erneut eine Waffe und eine Kugel flog mit einem bösartigen Ping über seinen Kopf hinweg!
»Mann, das ist zu viel!«, zischte der Rancher. »Hinter ihnen her, Jungs! Wir nehmen ihre Spur auf und bleiben dran, bis der Letzte von ihnen den Geiern als Futter dient!«
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