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Mosaik Band 3

Hannes Hegen
Mosaik Band 3
Die Bimmel-Bummelbahn

Abenteuer, Comic, Verlag Neues Leben, Berlin, März 1956, 32 Seiten, Texte: Hannes Hegen, Hans Oesterreicher, Zeichnungen: Hannes Hegen, Kolorierung und Tusche: Jochen Arfert, Heinz Handschick

Mit dem dritten Heft der legendären Comic-Bilderzeitschrift Mosaik festigte Schöpfer Hannes Hegen (Johannes Hegenbarth) das Fundament für den langanhaltenden Erfolg seiner Publikation in der DDR. Nach den ersten beiden Heften, die die Digedags – Dig, Dag und Digedag – auf einer abenteuerlichen Orientreise einführten, verlagert Heft 3 das Geschehen in eine dynamische, von Technikbegeisterung und humorvollem Chaos geprägte Reisewelt. Die Erzählung nutzt das Motiv der Eisenbahnfahrt als klassisches literarisches und grafisches Vehikel, um menschliche Schwächen, technischen Pioniergeist und gesellschaftliche Interaktion auf engstem Raum zu parodieren.

Die Handlung des Heftes entfaltet sich primär entlang einer von Turbulenzen geprägten Zugfahrt. Das Transportmittel wird dabei zu einem erzählerischen Mikrokosmos, in dem unterschiedlichste Charaktere aufeinandertreffen. Wie im überlieferten Dokument prägnant zusammengefasst, beschreibt die Erzählung humorvolle und chaotische Situationen während einer Zugfahrt, inklusive Streit, Pannen und Reiseerlebnissen.

Hegen nutzt diese Kulisse, um das Aufeinandertreffen von Fortschrittsglauben und menschlicher Unzulänglichkeit zu inszenieren. Die Reise der Digedags verläuft keineswegs geradlinig; sie ist eine Aneinanderreihung von Episoden, die durch das übergeordnete Motiv der Fortbewegung zusammengehalten werden.

Ein zentrales narratives Element, das für die humoristische Zuspitzung sorgt, ist die gereizte Dynamik unter den Reisenden. Auf engem Raum eskalieren alltägliche Belanglosigkeiten rasant. Hegen zeichnet hier ein treffendes Bild menschlicher Ungeduld: Die Passagiere meckern ständig und streiten sich vehement über Platzmangel, Gepäckstücke und das ungebührliche Verhalten der Mitreisenden.

Die Stimmung ist angespannt, und es werden Strafen angedroht. Inmitten dieses Trubels kommt es zu handfesten Auseinandersetzungen, bei denen symbolisch Hosen gezogen und handfeste Drohungen ausgesprochen werden. Diese akuten Konflikte führen im rhythmischen Wechsel zu vorübergehender Ruhe und erneuter Unruhe im Zug.

Literarisch fungieren diese Reibereien als Katalysator für den Slapstick-Humor, der für das frühe Mosaik charakteristisch ist. Die Autoritäten im Zug – vertreten durch das Bahnpersonal – versuchen vergeblich, durch Disziplinarmaßnahmen die Ordnung aufrechtzuerhalten, was das anarchische Moment der Reise nur noch verstärkt.

Trotz auftretender Widrigkeiten kippt die Grundstimmung der Erzählung nie ins Negative. Das Chaos besitzt stets einen unterhaltsamen, befreienden Charakter. Während der gemächlichen Fahrt beobachten die Passagiere die vorüberziehende Landschaft und die lokalen Sehenswürdigkeiten, was sie fortlaufend humorvoll kommentieren.

Die visuelle und textliche Ebene bricht hierbei bewusst die Realität auf: Es entstehen absurde, lustige Szenen – wie das assoziative Verreisen in einem Flugzeug oder ein spontanes Baden im See während eines Zugstopps. Die Gesamtstimmung des Heftes ist tief geprägt von Witz, visuellen Überraschungen und chaotischen, aber durchweg charmanten Momenten.

Hannes Hegens Mosaik Nr. 3 gelingt durch ein dichtes Verweben von interpersonalen Konflikten und technischen Unzulänglichkeiten ein zeitloser humoristischer Kommentar auf das Phänomen des Reisens. Die Bimmel- Bummelbahn ist nicht nur ein Transportmittel, sondern eine Bühne des Lebens, auf der das Chaos triumphiert und der Weg unmissverständlich zum eigentlichen Ziel des Abenteuers wird.

(wb)

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