Tür des Todes – Kapitel 9.1
John Esteven
Tür des Todes
Kapitel 9
Der Wein der Toten Teil 1
Es waren Überraschung und Schock, die mich für mehrere Minuten flach auf dem trockenen Rasen liegen ließen, auf dem ich mich wiederfand. Ich war nicht einmal betäubt, aber es schien mir, dass ich es sein müsste; und ich scheute mich davor, Arm oder Bein zu bewegen, aus Angst, sie könnten gebrochen sein. Die Maschine war weiter hinten zerschellt, und ich nahm sie in gut sechs Metern Entfernung nur verschwommen wahr.
Schließlich sammelte ich mich und meine Gedanken und stand auf, wobei ich jede Bewegung vorsichtig prüfte. Doch als ich nun benommen dastand und mich umsah, bemerkte ich einen Mann, der sich die Böschung herabließ und so schnell herunterkam, wie der Abhang es zuließ. Er knipste eine Taschenlampe an, als er mich erreichte, und in ihrem Licht stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass es Roose von der Metropolitan Police war.
»Dr. Ames!«, rief er. »Ich dachte mir schon, dass Sie es sind. Tja, Sir, glauben Sie mir, das war haarscharf. Ich habe es von da oben gesehen. Sind ins Schleudern geraten, was?«
»Nein«, antwortete ich zittrig, »das Lenkgetriebe ist gebrochen.«
»Was?!« Seine Stimme drückte Verwunderung und Zweifel zugleich aus. »Es war doch ein neuer Marmon, oder nicht? Diese Sorte hat keine fehlerhaften Lenkgetriebe. Lassen Sie uns das mal ansehen. Aber Sie sind in Ordnung, oder? Nichts gebrochen? Verdammt gute Arbeit, dass Sie sich noch befreien konnten.«
Ich war ein wenig wackelig auf den Beinen, aber gemeinsam stolperten wir hinunter zum Wrack des Wagens.
»Was für eine verdammte Schande!«, murmelte Roose.
Die Maschine hatte sich überschlagen und war nun ein ebenso grausiger Haufen aus verdrehtem Eisen und Holz, wie sie noch vor wenigen Minuten die Verkörperung von Anmut und Kraft gewesen war.
»Versichert?«, fragte er.
Ich bejahte, und mit einem anerkennenden Nicken machte er sich daran, die Achsschenkel zu untersuchen – was aufgrund der umgedrehten Lage des Wagens keine Schwierigkeit darstellte. »Sie wären plattgedrückt worden«, bemerkte er. »Ich möchte jetzt mal sehen, was da los war. Das kommt mir seltsam vor.«
Er richtete das Licht seiner Lampe voll auf das Metall, beugte sich vor, und ich hörte einen Ausruf.
»Sehen Sie sich das an …«, er zeigte darauf, »ist das zu fassen!«
Ich bückte mich neben ihn, folgte der Bewegung seines Fingers und sah, was er meinte. Ein sauberer, dünner Schnitt verlief durch den Achsschenkel bis auf den allerletzten Bruchteil seines Durchmessers, der als Einziger gebrochen zu sein schien.
»Das ist das Werk einer Feile«, murmelte er. »Das hier war absolut kein Unfall – der Anschlag galt Ihnen.«
Unsere unbehaglichen Blicke trafen sich. Ich spürte, wie ein nervöses Zittern mich durchfuhr.
»Ohne Ihre Geistesgegenwart«, fuhr er fort, »würden Sie jetzt hier liegen.«
Aber wer und warum? Eine Frage jagte die andere, ohne eine Antwort zu finden.
»Der Mann, der das geplant hat«, grübelte Roose, »versteht sein Handwerk – ein echtes Ass, würde ich sagen. Aber für Sie ist das eine verdammt ernste Sache.«
Ich war durchaus bereit, den Ernst der Lage anzuerkennen; doch mit der Ungeduld eines Laien konnte ich mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass die Polizei doch ein Mittel dagegen finden müsse.
Roose zuckte mit den Schultern.
»Was sollen wir machen?«, erwiderte er. »Wir können nicht einfach wahllos Leute verhaften. Der Captain hat das Gefühl, dass beim Verbrechen an Ballion etwas nicht geklärt wurde – und Ihr Autowrack hier scheint das zu beweisen. Aber das ist das Seltsame an der ganzen Geschichte. Wir stemmen uns gegen glasklare Beweise und haben nichts als Vermutungen, auf die wir uns stützen können. Verstehen Sie nicht? Natürlich werden wir nach dem Kerl suchen, der sich an Ihrem Wagen zu schaffen gemacht hat, aber«, fügte er düster hinzu, »wir werden ihn nicht finden. Eines ist jedoch klar: Hinter wem auch immer wir her sind, es sind mehr als nur ein oder zwei Personen – es sieht nach einer Bande aus. Für Norse wird das interessant sein.«
Ich dachte mir, dass das wohl so sein mochte, aber der Begriff reichte nicht aus, um meine eigene Haltung zu beschreiben. Von unsichtbaren Verfolgern, deren Motive völlig im Dunkeln lagen, nach dem Leben getrachtet zu bekommen, fand ich auf eine gewisse Weise fesselnd. Ich stand unschlüssig neben dem Wagen und wog die Ungewissheiten gegeneinander ab.
»Wenn ich Sie wäre, Doktor«, fuhr Roose fort, »würde ich zusehen, dass ich für eine Weile aus der Stadt verschwinde.«
Der Vorschlag verärgerte mich. Ein toller Polizeischutz war das, wenn die einzige Rettung für einen bedrohten Mann darin bestand, wegzulaufen! Außerdem hätte er wissen müssen, dass leitende Fachärzte an großen Krankenhäusern nicht einfach »für eine Weile verschwinden« können, wann immer ihnen danach ist – ganz zu schweigen davon, dass in diesem Fall auch eine Portion Stolz im Spiel war. Und das erinnerte mich an Anne Roderick in Greyhouse.
»Wenn Sie heute«, sagte ich zu ihm, »mich nicht unbehelligt meiner absolut legitimen Arbeit nachgehen lassen können, dann schätze ich, dass ich die Sache allein durchstehen muss. Auf jeden Fall muss ich jetzt weiter.«
»Denken Sie nicht, dass es für heute Nacht besser wäre, nach Hause zu gehen?«, fragte er bedeutungsvoll.
Aber ich antwortete mit mehr Mut, als ich tatsächlich verspürte, »Nein«, und schweigend erklommen wir gemeinsam den Hügel und erreichten wieder die Straße. Ebenfalls schweigend begleitete er mich bis zu den Toren von Greyhouse.
»Was hat Sie eigentlich hierher verschlagen?«, erkundigte ich mich, bevor wir uns trennten.
»Ach«, erwiderte er beiläufig, »ich war geschäftlich hier auf der Straße unterwegs. Ich kam rein zufällig vorbei. Gute Nacht, Doktor. Und übrigens, haben Sie eine Waffe? Nein? Na dann, nehmen Sie meine.«
Er drückte mir eine Automatikpistole in die Hand.
»Gute Nacht.«
Und mit diesem zweideutigen Abschied blieb ich zurück, um die zederngesäumte Allee zum Haus hinaufzugehen. Doch es erschien mir eher, als hätte ich eine Illusion betreten, einen schattenhaften Korridor des Geistes. Denn wie man in einem Traum mit bleiernen Schritten endlos hinterherhinkt, so schien mir auch heute Nacht der Weg unendlich lang; ich fühlte mich verwirrt, beklemmt. Die Luft hing warm und duftend zwischen den Zedern wie eine Ausdünstung, wie ein Hauch eines parfümierten Gewandes. Ich ging schwerfällig in einer Art Erstarrung – da blitzten plötzlich, unwirklich hell, die Lichter des Eingangs vor mir auf, und ich sah, dass ich die Tür erreicht hatte.
Dieser Abend unterschied sich völlig vom letzten. Tatsächlich dinierte ich während meiner Zeit in Greyhouse nie wieder allein. Carl Ballion war zum Abendessen eingetroffen, und ich fand ihn und Eleanor in der Halle auf mich wartend. Auf ihre Fragen und Ausrufe hin lieferte ich einen kurzen Bericht über den Unfall, verschwieg jedoch die Entdeckung des angefeilten Achsschenkels. Von Norses Vorsicht war genug auf mich abgefärbt, um mich diskret sein zu lassen, besonders in der Nähe von Hasta. Also behandelte ich die Angelegenheit so beiläufig wie möglich, ging nach oben, sah nach Anne Roderick, deren Zustand sich ein klein wenig verbessert zu haben schien, und kam wieder hinunter, nachdem ich mich umgezogen hatte.
An diesem Abend bemerkte ich zum ersten Mal eine Veränderung an Eleanor Graham. Ob es eine Reaktion auf die jüngsten Belastungen war, ob sie nervös erregt war, oder ob Carl Ballions Persönlichkeit als Stimulans wirkte, konnte ich nicht sagen; aber ihre Wangen waren gerötet, ihre Augen leuchtender, ihre gesamte Erscheinung strahlender. Sie lachte und unterhielt sich mit ungewöhnlicher Heiterkeit, und obwohl sie in Trauerkleidung war, schien sie den Grund dafür vergessen zu haben. Und doch drückt dies mehr aus, als ich meine, denn allmählich wurde ich mir einer anderen Stimmung bewusst, die in der ersten untergetaucht schien. So zuckte ich beispielsweise in einer Gesprächspause unmerklich zusammen, als ich in ihren Augen einen Ausdruck auffing, der so verhärmt, so trostlos war, dass er mich auf seltsame Weise an Celia Ballion erinnerte; und einmal sah ich ihre Hand zittern, als sie ihr Glas erhob. Doch das waren nur flüchtige Schatten; sie verschwanden wieder in einem neuen Aufblitzen ihrer Lebhaftigkeit. Ich hatte sie noch nie reizender, noch nie großartiger gesehen. Und über den Tisch hinweg antworteten ihr Ballions Augen.
Wir bildeten eine sonderbare Gruppe an diesem Ort, der noch vor so Kurzem mit anderen Bewohnern in Verbindung gebracht wurde und nach wie vor unter dem Schatten ihres Todes stand. Wenn ich nun zurückblicke, erscheint es mir absolut unwirklich; Carl auf dem Stuhl von Francis, dessen Leichnam erst an jenem Morgen geborgen worden war; Eleanor, die allem Anschein nach Celias Tragödie bereits vergessen hatte; ich selbst, der dem Tod gerade erst entronnen war – wir drei plauderten miteinander, als ob nichts geschehen wäre. Ich muss sagen, dass mir das im Nachhinein auf geradezu fantastische Weise makaber vorkommt. Seltsamerweise schien es in diesem Moment jedoch natürlich, und rein äußerlich betrachtet gab es natürlich nichts daran auszusetzen; wir verhielten uns alle nach außen hin völlig korrekt; es gab keinen Grund, warum drei Freunde in Greyhouse nicht gemeinsam zu Abend essen sollten, oder warum sie schweigend essen sollten. Es war vielmehr eine unausgesprochene Gefühllosigkeit, ein Hauch von Taktlosigkeit, der sich bemerkbar machte; und genau das ist es, was in meiner Erinnerung hervorsticht.
Wir atmeten gewissermaßen eine sinnliche Atmosphäre ein, die mit starken Strömungen aufgeladen war, gegen die ich genauso wenig immun war wie die anderen. Ich war mittlerweile damit vertraut, hatte mich ihrem Einfluss aber noch nie so vollständig hingegeben wie jetzt. Das Gefühl der Fremdheit war verschwunden. Greyhouse schien für Eleanor und mich eine andere Norm etabliert zu haben. Bei Carl konnte ich keinen Unterschied feststellen.
»Francis hatte einen guten Geschmack, was Wein betrifft«, bemerkte er, »wie in den meisten Dingen. Diesen Barbera zum Beispiel«, – er hielt sein Glas gegen das Licht – »diesen Barbera würde ich jedem mit blassen Lippen empfehlen; er färbt sie rot. Was für Nuancen von Granatrot und Purpur! Auf dich, Eleanor!«
Sein Blick entflammte in ihre Richtung, als er trank.
»Die Ballions«, fügte er vielsagend hinzu, »hatten schon immer einen Kult für das Schöne.«
Aber zwischen den Zeilen flüsterte es, dass der Wein der Toten nichts von seinem Geschmack einbüßte, und das Lächeln, das sie ihm als Antwort schenkte, war ein noch viel stärkerer Wein.
Die Augenblicke verstrichen. Mir kam mit neuer Eindringlichkeit in den Sinn, dass ich ein Narr war, in Bezug auf Eleanor zurückzustehen, und dass ich Carl Ballion zu nichts verpflichtet war. Ich hasste sein besitzergreifendes Gehabe; ich spürte, wie in mir plötzlich ein lodernder Hass auf ihn aufstieg. Warum stand er dem im Weg, was ich wollte? Welches Vorrecht hatte er auf sie – als ob die Liebe der Frauen kein offenes Feld wäre? Offensichtlich war mir jedoch das Glück hold. Wegen seines Bruders musste ihre Hochzeit verschoben werden, und Verschiebungen dieser Art standen unter keinem guten Stern. Außerdem war ich in Greyhouse und konnte meinen Vorteil nutzen. Was brachten mir schon konventionelle Skrupel ein?
Das Seltsame daran war nun, dass ich ihre Einstellung in dieser Angelegenheit überhaupt nicht berücksichtigte – es kam mir gar nicht in den Sinn. Ich betrachtete sie in einem neuen Licht, als ein exquisites Objekt des Besitzes, das es, wenn möglich, auf die eine oder andere Weise zu sichern galt. Und als ich abwog, wie viel ich bei dieser Auktion im Vergleich zu Ballion bieten konnte, und die Eitelkeit sich einmischte, schien es, dass ich mehr anzubieten hatte, als meine sentimentale Bescheidenheit mich hatte glauben lassen. Wenn er in seiner Karriere herausragend war, so war auch ich in meiner nicht unbedeutend. Wenn er eine Zukunft hatte, hatte ich das auch. Wenn er nun durch den Tod seines Bruders ein Vermögen erworben hatte, so war ich doch auch nicht ohne Reichtum, der sich in der Tat als größer erweisen mochte als der des verschwenderischen Sammlers. Zugegeben, sie war reich und erhaben über solche Überlegungen. Aber in der Derbheit meiner Gedanken, die mich damals beherrschten, war ihr Reichtum zu einem Faktor geworden; er trug zu ihrer Anziehungskraft bei, verlieh ihr einen noch größeren Glanz. Jetzt erschien sie mir zum ersten Mal wie eine Trophäe – nicht nur im persönlichen Sinn.
Andererseits besaß Carl Ballion physische Vorzüge, die mir fehlten – gutes Aussehen, Elan und Bravour. Aber an ihm haftete seine unheilvolle Verbindung zu Francis. Es würde nicht schwer sein, sie durch beiläufige Anspielungen daran zu erinnern. Schließlich sah er Francis sogar ähnlich – heute Abend mehr denn je, wie ich fand. Wie konnte sie vergessen, was in Greyhouse geschehen war? Wie konnte sie den Bruder von Francis Ballion heiraten, ohne jedes anständige Gefühl zu verraten? Das war mein bester Trumpf, und ich beschloss, ihn auszuspielen.
Ihr Verhalten gab mir eine vage Ermutigung. Man hätte erwarten können, dass sie ihm – ohne es an Höflichkeit mangeln zu lassen – mehr Interesse entgegenbringen würde als mir, wie es zwischen zwei Verlobten üblich ist; aber davon war keine Spur zu erkennen. Ihre Unparteilichkeit erschien mir wie ein beabsichtigter Wink; sie war nachdrücklich, und mir wurde bald klar, dass Carl dies genauso wenig entging wie mir. Wenn er zum Beispiel versuchte, das Gespräch auf ihre gemeinsamen Angelegenheiten zu lenken, lenkte sie es immer wieder ab und ließ unsere Erlebnisse vom letzten Sommer aufleben, die Ausritte, die wir unternommen hatten, die Leute, die wir getroffen hatten. Darauf ging ich natürlich ein, sodass sich das Gespräch zu einer Art Wippe entwickelte oder sich vielmehr recht schnell in ein unausgesprochenes Duell zwischen ihm und mir verwandelte. Und hierbei wurde ich mir zweier Eindrücke bewusst: erstens, dass Carl Ballion nach einem sonderbaren Starrblick, der alles Mögliche bedeuten konnte, äußerlich umgänglicher, gleichsam geschmeidiger wurde; und zweitens, dass Eleanor einen Konflikt zu spüren schien und diesen genoss. Ihre Unparteilichkeit war gleichermaßen provokant. Man spürte, dass der Schwung ihrer Lippen, die Weichheit ihres Haares, dieses seltsame neue Glimmen ihrer Augen uns beide in eine verschleierte Andeutung miteinschloss. Ein- oder zweimal, erinnere ich mich, kam es mir vor, als würde ich träumen, als könne diese veränderte Beziehung zwischen uns dreien nur ein Trugbild sein und ich müsse gleich in einer handfesten Realität erwachen. Aber die Illusion blieb bestehen – ein Gefühl von Hass, Gier und Verlangen, verpackt in gute Manieren, und all das lag wie dichte Giftwolken schwer zwischen der getäfelten Decke und den tapezierten Wänden.
Meine wachsende Feindseligkeit führte zu einem Vertrauensbruch.
»Ich habe mich heute Nachmittag mit Ihren Vorfahren beschäftigt«, sagte ich zu ihm, aber die Bemerkung galt Eleanor. »Es scheint, dass Norse immer noch Interesse daran hat.«
»Wirklich?«, hinterfragte er mit einem Lächeln. »Nun, sie sind interessant, die Baglioni, obwohl ich eigentlich denken sollte, dass ein städtischer Kriminalbeamter dringendere Verpflichtungen haben müsste. Und wie lautete Ihr Urteil über sie?«
»Oh«, erwiderte ich, »die Höflichkeit verbietet es.«
»Nicht im Geringsten, Richard; ich bin nicht empfindlich. Sie waren Schufte, nicht wahr? Ich habe zwar nicht das Wissen meines Bruders, aber sie waren zweifellos eine üble Gesellschaft. Ich bin außerordentlich stolz auf sie«, fügte er hinzu.
»Das ist eine Frage des Geschmacks«, antwortete ich.
»Aber natürlich ist es das – ganz genau. Sie waren sicherlich Halunken, aber sie waren auch Prinzen, Heerführer und Mäzene. Zumindest waren sie nicht gewöhnlich. Ich sehe nicht ein, warum ich lieber von einem Jones, Smith oder Jenkins abstammen sollte, die ehrliche Tölpel waren; obwohl Sie zweifellos«, fuhr er verbindlich fort, »in Ihrem eigenen Fall nichts dagegen einzuwenden haben. Wie Sie schon sagten, es ist eine Frage der Vorliebe.«
Ich hatte bei diesem Wortwechsel eine schlechte Figur gemacht und saß da, händeringend nach einer Antwort suchend. Die einzige Erwiderung, die mir einfiel, wäre unverzeihlich gewesen und hätte mich in eine noch jämmerlichere Lage gebracht, sodass ich zum Schweigen verurteilt war und versuchte, es mit einem Lächeln abzutun. Ich glaubte, einen Hauch von Mitleid in Eleanors Augen zu erkennen, als ihr Blick von mir zu Ballion glitt, was mich nur noch mehr wurmte. Wie gelassen er doch aussah!
»Ich habe echtes Mitgefühl mit Norse«, fuhr er fort. »Der Fall wurde aus seiner Sicht vermasselt, und ich weiß, er fühlt sich gedemütigt. Es ist nur natürlich, dass er sein Gesicht wahren will. Aber da er Sie schon ins Vertrauen gezogen hat, wünschte ich, Sie würden ihm andeuten, dass er sich hoffentlich auf meine Vorfahren beschränken wird. Mein Respekt vor ihm wächst nicht gerade, wenn er versucht, eine Bank dazu zu nötigen, ihn die Papiere meines Bruders untersuchen zu lassen. Das grenzt an eine Zudringlichkeit und fällt nicht in seinen Zuständigkeitsbereich. Obwohl Sie sich natürlich keine Sorgen machen müssen: Ich werde es ihm selbst sagen. Ich werde ihm sagen, er ist wie ein Hund mit einem abgenagten Knochen – und es tut mir leid, dass er abgenagt ist, aber was kann ich schon tun?«
Er sprach mit einer amüsierten Entrüstung, die absolut jovial war. Und lachend fuhr er fort: »Aber es scheint mir, als wäre jeder neugierig geworden. Was zum Teufel haben Sie eigentlich letzte Nacht um diese Uhrzeit gemacht, als Sie im Haus herumgeschlichen sind, Ames?«
»Wie meinen Sie das?«, rief Eleanor aus.
»Genau das«, sagte Carl. »Hasta ist ihm gegen ein Uhr nachts im Dunkeln auf der Treppe begegnet. Und«, er lachte wieder, »Hasta sagt, der Doktor sah ziemlich verängstigt aus.«
Sein Lachen war ansteckend. Eleanor lächelte, und wieder spürte ich den Stich. Es verlieh meiner Antwort eine gewisse Schärfe.
»Ich dachte, ich hätte Hasta das gestern Nacht bereits erklärt. Ich hörte unten Schritte und bin hinausgegangen, um nachzusehen.«
»Ein fabelhaftes Gehör!«, entgegnete Carl. »Es ist ein weiter Weg von Ihrem Zimmer, um Schritte zu hören – oder hatte Hasta Stiefel an?«
»Zweifeln Sie an meinem Wort?«, konterte ich scharf. Seltsam, wie einem in dieser schweren Luft das Blut in Wallung geriet!
Sein Blick traf meinen unerschütterlich, jedoch mit einem leichten Unterton von Spott.
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