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Secret Service Band 4 – Kapitel 7

Francis Worcester Doughty
Secret Service No. 4
Old and Young King Brady Detectives
Der geniale Bluff der Bradys
Oder: Ihre Verfolgungsjagd zur Rettung einer Erbin
Eine interessante Detektivgeschichte aus dem Jahr 1899, niedergeschrieben von einem New Yorker Detective

Kapitel 7
Eine Enthüllung für Mrs. Larkin

Graf Giuseppe muss in jener Nacht mit der felsenfesten Gewissheit nach Hause gegangen sein, dass sein Plan gelingen würde. Nach dem Knallen der Champagnerkorken schien er in einer überaus heiteren, ja ausgelassenen Stimmung zu sein, sodass man ihn zu seiner Kutsche stützen musste.

Aber das bedeutete nichts – viele andere waren in der gleichen Verfassung. Am nächsten Tag um vier Uhr würde er im Haus der Hadley-Larkins sicherlich wunderbare, verzinsliche italienische Anleihen zur Hand haben. Natürlich würde seine reiche Gönnerin ohne Zögern einen hübschen kleinen Scheck über zwanzigtausend Dollar unterschreiben, und er würde – nun, was eigentlich?

»Unmöglich! Er ist im Almanach de Gotha eingetragen …«

»Welches ein deutsches Register ist! Und er behauptet, Italiener zu sein. Sehr widersprüchlich, Gnädigste. Er ist ein gerissener Betrüger!«

Mrs. Larkin war völlig überwältigt. Sie stand auf und ging im Zimmer auf und ab.

»Wissen Sie das sicher?«, fragte sie.

»Das tue ich.«

»Ich habe mich sehr für den jungen Mann interessiert. Oh, das ist ja schrecklich! Glauben Sie wirklich, dass die Anleihen gefälscht sind?«

»Ich weiß es.«

Mrs. Larkin fasste sich wieder. »Nun«, sagte sie pragmatisch, »was raten Sie mir zu tun?«

»Ich möchte den Gauner überführen. Ich habe bereits ein Verfahren wegen versuchten Schwindels beim Spiel gegen ihn laufen. Das gäbe eine Anklage. Richtig angestellt, sollte diese Angelegenheit eine zweite ergeben. Sie wissen, Mrs. Larkin, es liegt sowohl in Ihrem Interesse als auch im Interesse aller anständigen Leute, dass solche Hochstapler hinter Gitter gebracht werden.«

Mrs. Larkin rang die Hände und ging weiter auf und ab. Man merkte ihr die große Aufregung an.

»Wenn ich mir vorstelle, dass dies auf Graf Giuseppe zutreffen könnte!«, sagte sie mit zitternder Stimme. »Es ist schrecklich. Aber ich brauche handfestere Beweise«, setzte sie plötzlich nach, drehte sich um und blickte Old King Brady direkt an.

Der Detektiv lächelte. »Ich werde es so einrichten, dass Sie keine Mühe haben werden, seinen wahren Charakter zu erkennen«, sagte er.

»Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie das täten.«

»Erstens sehe ich, dass Ihr Fenster sehr groß ist. Es ermöglicht Ihnen, die Straße hinauf und hinunter zu schauen und sofort zu sehen, wer Ihre Stufen betritt.«

»Das stimmt.«

»Gnädigste«, sagte der alte Detektiv, »um punkt vier Uhr werde ich die Straße überqueren und diese Stufen hinaufsteigen. Er wird sich zu diesem Zeitpunkt in diesem Zimmer befinden und mit Ihnen sprechen. Sie werden die gefälschten Anleihen sorgfältig prüfen und sein Vorhaben hinauszögern. Ich bin überzeugt, dass Ihre eigene Wahrnehmung ausreichen wird, um Sie davon zu überzeugen, dass er der ist, für den ich ihn halte. Seien Sie vorsichtig und stellen Sie ihm keinesfalls einen Scheck für die Anleihen aus. Wimmeln Sie ihn ab. Sagen Sie ihm, er solle morgen wiederkommen. Richten Sie dann plötzlich seine Aufmerksamkeit auf das Fenster – er wird mich sehen. Sie werden Ihre Freude darüber ausdrücken, mich zu erblicken, und vorschlagen, mich ins Zimmer zu rufen, damit er mich kennenlernt. Das Ergebnis werden Sie dann ja sehen.«

Mrs. Larkin nickte. »Es soll alles so geschehen, wie Sie sagen«, antwortete sie.

Damit zog sich Old King Brady zurück. Er ging die Straße hinunter und bog um die Ecke. Dort stand ein Mann im Schatten eines Hauseingangs. Es war Young King Brady.

»Welch ein Glück?«, fragte der junge Detektiv.

»Alles läuft bestens.«

Der alte Detektiv erläuterte ihm daraufhin seine Pläne. Young King Brady hörte aufmerksam zu.

»Großartig!«, rief er. »Aber warum nehmen wir den Schuft nicht gleich fest?«

»Jetzt?«

»Ja.«

»Noch zu früh.«

»Warum?«

»Das ist leicht zu erklären«, antwortete Old King Brady. »Erstens stehen wir in dieser Sache erst am Anfang. Ich will der Sache ganz auf den Grund gehen. Wenn wir jetzt einen von ihnen verhaften, erwischen wir in einem Jahr keinen einzigen der anderen mehr.«

»Das stimmt allerdings«, pflichtete Young King Brady bei.

»Wir haben bereits eine Anklage, die wir beweisen können – das Artful Trio. Das betrifft die Hayden-Goldbarren-Geschichte. Hier bahnt sich eine weitere an, die wir uns sichern können. Ich habe noch einen Bluff auszuspielen. Wenn es mir gelingt, schnappen wir die ganze Bande so sauber und vollständig wie noch nie zuvor.«

»Einen Bluff?«

»Ja.«

»Nun, Sie überraschen mich immer wieder. Warum weihen Sie mich nicht in Ihre Pläne ein?«

»Ich werde dich in den großen Bluff einweihen – und er ist tatsächlich ein reiner Bluff.«

»Bitte, tun Sie das.«

Old King Brady holte sein Notizbuch heraus und zeichnete ein Skizze. Das war seine bevorzugte Methode, um komplexe logische Schlussfolgerungen zu veranschaulichen. Als er fertig war, ging Young King Brady mit dem Plan davon.

»Hurra!«, rief er. »Das wird ein kompletter Durchmarsch! Wir ziehen den großen Bluff durch. Die Gauner werden Augen machen! Bradys großer Bluff wird noch lange das Gespräch in der Unterwelt sein, das garantiere ich!«

Old King Brady lächelte grimmig. »Aber die Zeit ist noch nicht reif«, erklärte er. »Sie wird es aber bald sein. Zuerst müssen wir uns um die Angelegenheit von Mrs. Larkin kümmern. Um vier Uhr können wir erwarten, dass der pompöse Graf Giuseppe standesgemäß vor die Tür seines vermeintlichen Opfers fährt. Ich muss bis dahin in der Nähe sein.«

»Kann ich behilflich sein?«

»Ich denke nicht.«

»Dann werde ich hier warten, bis Sie fertig sind.«

»Sehr gut.«

Old King Brady ging zurück zur Fifth Avenue und beobachtete aufmerksam den Eingang von Mrs. Larkins Haus.

Punkt vier Uhr fuhr eine Droschke vor. Ihr entstieg der fein frisierte und parfümierte Graf Giuseppe. Er sprang leichtfüßig die Marmorstufen hinauf und betätigte die Klingel. Einen Moment später verschwand er im Herrenhaus.

Sehr langsam und bedacht überquerte Old King Brady die Straße.

Der umgängliche Graf wurde in Mrs. Larkins Empfangssalon geführt. Er fand die schöne Gastgeberin dort bereits vor. Ihre Haltung erschien so herzlich wie immer und ihr Lächeln nicht weniger gewinnend. Der Graf erging sich eine Weile in belangloser, angenehmer Plauderei.

Allmählich kam er jedoch auf den eigentlichen Zweck seines Besuchs zu sprechen. Die sanften Blicke seiner Gastgeberin ruhten aufmerksam auf ihm …

Sie entging nicht, mit welcher Geschicklichkeit er das Gespräch auf den Punkt brachte. Schließlich zog er die gefälschten Anleihen aus der Tasche und legte sie auf einen Tisch.

»Es gibt kein Quäntchen Glück, das ich nicht mit Ihnen teilen möchte, Mrs. Larkin«, sagte er gewandt. »Ich weiß, was für eine Investition das ist, und ich weiß, dass Ihnen mein Wort genügt. Ich besitze selbst große Anteile dieser Anleihen und profitiere gewaltig davon. Ich möchte mein Glück einfach mit Ihnen teilen.«

»Wie überaus freundlich von Ihnen!«, entgegnete Mrs. Larkin gedehnt und mit einem gewinnenden Lächeln.

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