Band 1 – Buffalo Bill, der Grenzlandkönig – Kapitel 17
Die Geschichten von Buffalo Bill
Originelle Geschichten von Buffalo Bills Abenteuern
Nummer 1
Buffalo Bill, der Grenzlandkönig
Eine Geschichte von Daring Deeds
Kapitel 17
Der Skalp
Die Worte, die an das Ohr von Buffalo Bill drangen, als er dort von den Toten umgeben stand und sich für den einzigen lebenden Menschen weit und breit hielt, fuhren ihm wie eine Stimme aus dem Grab durch Mark und Bein. Für einen Moment war der berühmte Grenzer völlig erschüttert.
Doch als sein Blick auf den Sprecher fiel und er erkannte, dass er einem alten, tödlichen Feind gegenüberstand und dessen drohende Worte hörte, war er augenblicklich wieder ganz er selbst. Er sagte in einem Tonfall, der von absoluter Gleichgültigkeit zeugte: »Nun, so sieht man sich wieder. Und wie es aussieht, hast du erneut die besseren Karten, denn du hast mich im Visier, Boyd Bennett.«
Der Angesprochene stand keine zwei Meter von ihm entfernt und zielte mit einem Gewehr direkt auf sein Herz.
Äußerlich glich er einem Indianerhäuptling: Er war mit Federn geschmückt, sein Gesicht war scheußlich bemalt, und er trug die vollständige Tracht eines Indianers – von den Mokassins bis zur Adlerfederhaube.
Hinter ihm standen, die Gewehre und Pfeile auf den Kundschafter gerichtet, etwa zwanzig Krieger. Sie waren ihrem Anführer auf leisen Sohlen wie Panther gefolgt zu jener Stelle, an der Buffalo Bill über Danforths Leichnam kniete. Dem Kundschafter war wohlbewusst, dass er seinen Feinden auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war.
»Du kennst mich also, Buffalo Bill?«, fragte der Mann, dessen Worte ihn so erschreckt hatten.
»Ja, selbst unter deiner Farbe und deinen Federn erkenne ich dein schwarzes Herz«, war die furchtlose Antwort des Kundschafters.
»Nimm dich in Acht, Kundschafter! Für jedes Wort der Beleidigung, das du mir an den Kopf wirfst, wird dir ein glühendes Stück Kohle auf das Haupt gelegt, wenn du stirbst!«
»Ja, wenn meine Stunde zu sterben gekommen ist. Aber ich gehöre zu denen, die glauben, dass es Hoffnung gibt, solange Leben da ist.«
»Dieser Glaube wird dir jetzt auch nichts mehr nützen.«
»Bah! Ein bellender Hund beißt nicht«, entgegnete Buffalo Bill verächtlich.
Der Abtrünnige sah aus, als wolle er den Kundschafter auf der Stelle niederschießen. Doch dann erblickte er ein Lächeln auf dessen Gesicht. Da er es nicht verstand, hielt er inne und sagte:
»Du musst Hilfe in der Nähe haben, sonst wärst du nicht so aufsässig, Buffalo Bill.«
»Nein, ich bin ganz allein. Und der Mann, der mich einst vor deiner Rache gerettet hat, liegt hier tot vor dir. Sieh ihn dir an, Mann! Sieh dir diese tapferen Männer an, die tot um ihn herumliegen! Lass dein feiges Herz vor Scham erschauern, dass du als weißer Mann den Indianern bei diesem teuflischen Werk geholfen hast!«
Buffalo Bill sprach leidenschaftlich. Seine Augen sprühten Feuer, als er den Abtrünnigen fixierte, der unter den Worten des Kundschafters für einen Moment zusammenzuckte.
Doch im nächsten Augenblick sagte dieser mit einem Schulterzucken: »Ich war einmal ein Weißer, Bill Cody. Aber mein eigenes Fleisch und Blut haben mich verstoßen …«
»Wegen deiner eigenen Verbrechen!«, herrschte ihn Buffalo Bill an.
»Ja, ich habe gesündigt. Und weil man mir keine Gnade erwies und ich nicht im Gefängnis sterben wollte, bin ich in dieses gesetzlose Land gekommen.«
»Die Welt schuldete mir einen Lebensunterhalt, gab mir aber keinen. So begann ich Pferde zu stehlen und Kutschen zu überfallen; und du hast mir den Overland-Trail so heiß gemacht, dass ich zum Abtrünnigen werden musste.«
»Ich habe mir geschworen, mich an dir zu rächen. Und als dieser Mann – diese Leiche da – dich vor meinem wohlbedachten Plan gerettet hat, schwor ich, dass auch er das ganze Gewicht meines Hasses zu spüren bekommen sollte.«
»Du hast diesen Eid gehalten, du verdammter Abtrünniger!«, sagte Buffalo Bill mit voller Entschlossenheit.
»Er hat es gewagt, hierher in die Nähe des Dorfes der Sioux zu kommen. Er und seine Soldaten wurden zurückgeschlagen, überwältigt und vernichtet.«
»Und nicht einer ist übrig geblieben, um davon zu berichten? Keine Gefangenen?«, fragte der Kundschafter.
»Oh nein! Häuptling Oak Heart wollte keine Gefangenen aus Danforths Truppe. Alle, die hier angerannt sind, sind tot, und ihre Skalps zieren die Gürtel vieler tapferer Krieger.«
»Und du hast an der Seite der Sioux gekämpft?«, hakte der Kundschafter nach.
»Ja; und getötet, wie sie getötet haben – ohne Gnade.«
»Und du schämst dich nicht, das zuzugeben?«
»Warum sollte ich? Spreche ich doch zu jemandem, der selbst bald tot sein wird!«, war die Antwort.
»Es sieht ganz danach aus, das leugne ich nicht, Boyd Bennett. Aber beantworte mir eine Frage: Hast du Lieutenant Dick Danforth getötet – einen der edelsten und tapfersten Männer, die je ein Schwert trugen, und den ich wie einen Bruder geliebt habe?«
»Es tut mir leid, sagen zu müssen, dass ich es nicht war.«
»Weißt du, wer ihn getötet hat?«
»Ja, ich weiß es: Es war Häuptling Red Knife.«
Buffalo Bill antwortete nicht. Er lächelte nur still, woraufhin der Abtrünnige fragte:
»Weißt du auch, warum ich hierher zurückgekehrt bin?«
»Ja; warum hast du es gewagt, an diesen heiligen Ort der Toten zurückzukehren?«
»Ich will es dir sagen: Oak Heart hat sich geweigert, Red Knife oder einem anderen Häuptling zu erlauben, Danforth zu skalpieren, weil er wie ein Teufel gekämpft hat.«
»Gott segne den alten Sünder dafür!«, sagte Buffalo Bill von Herzen.
»Aber ich bin Death Killer, der Medizinmann, und ich bin selbst zurückgekommen, um mir den Skalp des Mannes zu holen, dem ich Rache geschworen habe.«
»Boyd Bennett, so verflucht du auch bist und ein Herz hast, das schwärzer ist als das des schlimmsten Indianers: Das wirst du nicht tun!«, rief Buffalo Bill mit vor Emotion zitternder Stimme.
»Du irrst dich, Cody«, entgegnete der Abtrünnige kalt. »Ich habe einige meiner Krieger angewiesen, mir zu folgen, und bin zurückgeritten, um mir diesen Skalp zu holen.«
»Ich habe dich kommen sehen und wusste, dass ich mich nicht in deinem stattlichen Gesicht und deiner eleganten Gestalt täuschen konnte. Wir haben deine Spuren verfolgt, während du zu sehr von Trauer überwältigt warst, um die Gefahr zu bemerken.«
»Siehst du, nun bist du mein Gefangener. Und wenn du mit ansiehst, wie ich mir die Trophäe von diesem Kopf hole, werde ich deiner stolzen Brust einen Schrei nach Gnade abringen, Buffalo Bill!«
»Niemals! Und wenn es meine letzte Tat auf Erden ist!«
Mit diesen donnernden Worten riss Buffalo Bill plötzlich einen Revolver aus dem Gürtel, warf sich nach vorne und feuerte blitzschnell ab.
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