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Varney, der Vampir – Kapitel 68

Thomas Preskett Prest
Varney, der Vampir
oder: Das Blutfest

Ursprünglich als penny dreadful von 1845 bis 1847 veröffentlicht, als es zum ersten Mal in Buchform erschien, ist Varney, der Vampir ein Vorläufer von Vampirgeschichten wie Dracula, die es stark beeinflusst hat.

Kapitel 68
Marchdales heimtückischer Anschlag und sein Ergebnis

Varney der Vampir verließ das Verlies von Charles Holland inmitten der grauen Ruinen in der festen Überzeugung, dass der junge Mann sein Wort halten und vor Ablauf der festgelegten Zeit keinen Fluchtversuch wagen würde.

Diese Zuversicht war vollkommen berechtigt: Da Charles Holland einmal sein Wort gegeben hatte, zu bleiben, bis er die Uhr einer nahe gelegenen Kirche zwei schlagen hören würde, dachte er keinen Augenblick daran, sein Versprechen zu brechen. Es war zwar eine beschwerliche Wartezeit, wo die Freiheit doch greifbar nahe schien, doch er war die Ehrlichkeit in Person – der letzte Mensch auf Erden, der eine von ihm freiwillig eingegangene Bedingung verletzen würde.

Sir Francis Varney ging mit schnellen Schritten, bis er sich den Ausläufern der Stadt näherte. Dort verlangsamte er sein Tempo, bewegte sich vorsichtiger voran und blickte sich wachsam um, als befürchte er, jemandem zu begegnen, der ihn erkennen könnte. Er war noch nicht weit gegangen, als er die schattenhafte Gestalt eines Mannes bemerkte, der in die entgegengesetzte Richtung ging. Aufgrund der äußeren Erscheinung keimte in ihm der Verdacht auf, dass es sich um Marchdale handeln könnte. Sollte dem so sein, wunderte er sich, ihn zu so späten Stunde draußen anzutreffen.

Um letzte Gewissheit zu erlangen, eilte er vorwärts, um der Gestalt entgegenzutreten. Seine Vermutung bestätigte sich, und Marchdale sprach ihn mit einigem Unbehagen in Blick und Verhalten an.

»Ah, Sir Francis Varney«, sagte er, »Sie sind aber spät unterwegs.«

»Nun, Sie wissen doch, dass ich spät auf Beinen sein würde«, entgegnete Varney, »und Sie kennen ebenso den Auftrag, der mich nach draußen führt.«

»Oh, ich erinnere mich; Sie wollten Ihren Gefangenen freilassen.«

»Ja, das hatte ich vor.«

»Und haben Sie es getan?«

»Oh nein.«

»Ach tatsächlich? Ich … ich bin froh, dass Sie es sich noch einmal besser überlegt haben. Gute Nacht; wir sehen uns morgen.«

»Leben Sie wohl«, sagte Sir Francis Varney. Er blickte der sich entfernenden Gestalt Marchdales hinterher und fügte leise für sich hinzu: »Ich kenne sein Ziel nur zu gut. Sein feiges Gemüt schreckt vor der durchaus gewissen Vorstellung zurück, dass Charles Holland ihn erkannt hat. Sobald dieser frei ist, würde er ihn vor den Bannerworths denunzieren, ihn in seinen wahren Farben der Lächerlichkeit preisgeben und vermutlich noch weit mehr als nur Abscheu und Verachtung auf sein Haupt herabbeschwören. Der Schuft! Er geht nun hin, um dem Mann das Leben zu nehmen, den er an den Boden gekettet glaubt. Nun denn, sie müssen es unter sich austragen. Charles Holland ist frei genug, um sich selbst zu verteidigen – auch wenn Marchdale kaum ahnt, dass dem so ist.«

Marchdale ging noch ein Stück weiter, ehe er sich umdrehte und Sir Francis Varney hinterherblickte.

»Tatsächlich!«, sagte er. »Du hast ihn heute Nacht also nicht freigelassen. Aber ich weiß wohl, dass du es bald tun wirst. Ich für meinen Teil halte nichts von dieser romantischen Großmut, die einen Fuchs genau in dem Moment freilässt, in dem er am gefährlichsten ist. Es ist schön und gut, großmütig zu sein, aber man sollte zuerst gerecht handeln – und das bedeutet für mich, zuerst an sich selbst zu denken. Ich habe hier einen Dolch, der den Leiden des Gefangenen in seinem Verlies bald ein Ende bereiten wird. Seine Klinge ist scharf und wird mühelos den Weg zu seinem Herzen finden.«

Beschwingt und sorglos setzte er seinen Weg fort, denn er hatte nun das freie Feld erreicht, wo es äußerst unwahrscheinlich war, auf dem Weg zu den Ruinen noch jemandem zu begegnen. Es dauerte nur wenige Minuten strammen Marsches, bis er sich dem Ort näherte, der Schauplatz eines so tückischen Mordes werden sollte. In diesem Augenblick hörte er von fern etwas wie das Grollen eines Donners – als verkünde der Himmel selbst seine Rache an dem Mann, der ausgezogen war, eines seiner edelsten Geschöpfe zu töten.

»Was ist das?«, sagte Marchdale und weicht einen Moment zurück. »Was ist das – ein aufziehendes Unwetter? Es muss wohl so sein. Nun erinnere ich mich: Die Sonne ging hinter einer feuerroten Wolkenwand unter, und als der Abend einbrach, deutete am Himmel alles auf einen bevorstehenden Kampf der Elemente hin.«

Er lauschte einige Augenblicke und starrte angestrengt in Richtung des Horizonts, aus dem das Grollen gedrungen war. Er musste nicht lange warten, ehe ein gleißender blauer Blitz den Himmel für einen Moment erhellte. Noch ehe er bis zwölf hätte zählen können, folgte der Donner auf den Blitz. Plötzlich verlangte es ihn tief verunsichert danach, sein Vorhaben rasch zu vollenden, um in die Stadt zurückzukehren und sicher unter Dach und Fach zu sein, bevor das heraufziehende Unwetter über ihm losbrach.

»Es zieht rasch herauf«, sagte er. »Warum bin ich nicht früher aufgebrochen?«

Noch während er sprach, drang er in die abgelegenen Winkel der Ruine ein. Als er nach dem alten Stein suchte, der den Eingang zum Verlies verdeckte, stellte er zu überrascht fest, dass dieser von seiner Stelle gerollt und die Öffnung freigelegt war.

»Was hat das zu bedeuten?«, fragte er sich. »Wie nachlässig von Sir Francis Varney! Oder hat er vielleicht nur Scherze mit mir gemacht und den Gefangenen laufen lassen? Sollte das der Fall sein, bin ich tatsächlich gescheitert. Aber so unvorsichtig kann er doch unmöglich gewesen sein.«

Wieder folgte ein blendender Blitzschlag, der ihn inmitten der Ruinen zurückschrecken und für einen Moment die Augen verdecken ließ. Direkt darauf krachte ein Donnerschlag, bei dem die Zeitspanne zwischen Blitz und Knall nicht einmal halb so lang war wie beim vorherigen Naturschauspiel.

»Das Unwetter nähert sich schnell«, sagte Marchdale. »Ich muss mein Werk rasch zu Ende bringen – vorausgesetzt, mein Opfer ist überhaupt hier, was ich allmählich ernsthaft bezweifle.«

Er stieg den gewundenen, unwegsamen Gang in das darunter liegende Gewölbe hinab, das als Verlies diente. Als er fast die Tiefe des Raumes erreicht hatte, rief er laut:

»Heda! Ist da jemand?«

»Ja«, antwortete Charles Holland, der glaubte, sein vorheriger Besucher sei zurückgekehrt. »Bist du gekommen, um dein Vorhaben zu bereuen?«

»Ah!«, sagte Marchdale zu sich selbst. »Sir Francis hat mir also doch die Wahrheit gesagt – der Gefangene ist noch hier.«

Das Licht von draußen reichte bei Weitem nicht aus, um auch nur den geringsten Strahl in die Tiefen dieses Verlieses zu werfen. Als Marchdale den Raum betrat, sah er daher nichts als absolute Finsternis. Anders erging es Charles Holland: Seine Augen hatten sich bereits so sehr an die Dunkelheit gewöhnt, dass er die Umgebung wie in einem dämmrigen Zwielicht wahrnehmen konnte. Er erkannte in seinem Besucher augenblicklich seinen ärgsten Feind – und nicht etwa den Mann, der ihn vor Kurzem in die Freiheit entlassen hatte.

Er sah auch, dass die Hand des Besuchers eine Waffe umklammerte – Marchdale glaubte wohl, diese im Schutz der Dunkelheit offen tragen zu können.

»Wo bist du?«, rief Marchdale. »Ich kann dich nicht sehen.«

»Hier!«, rief Charles. »Du kannst meine Faust spüren!«

Und im selben Augenblick sprang er auf ihn zu.

Der Angriff kam so überraschend und unvorhergesehen, dass Marchdale im ersten Ansturm von Charles Holland rückwärts umgeworfen und ihm der Dolch entwunden wurde. Zudem schlug sein Kopf mit solcher Wucht auf den Stampflehmboden auf, dass er kurzzeitig die Besinnung verlor. Hätte Charles Holland es gewollt, hätte er ihm mit Marchdales eigener Waffe mühelos das Leben nehmen können.

Im ersten Impuls hob der junge Mann die Hand mit dem Dolch, doch bei einem zweiten Gedanken warf er die Waffe von sich und rief: »Nein, nein! Nicht doch! Ich wäre nicht besser als er. Dieser Schuft ist gekommen, um mich zu ermorden, doch ich werde sein Leben nicht für diese Tat nehmen. Was soll ich mit ihm tun? Ha, ein glücklicher Einfall – die Ketten!«

Er schleifte Marchdale genau zu der Stelle, an der er selbst so lange gelegen hatte. Da Sir Francis Varney den Schlüssel im Vorhängeschloss der Ketten stecken gelassen hatte, gelang es ihm innerhalb weniger Augenblicke, Marchdale in dieselbe Gefangenschaft zu bringen, aus der er selbst kurz zuvor entkommen war.

»Bleib dort liegen«, sagte er, »bis dich jemand rettet. Ich werde dich nicht verhungern lassen, aber ich werde dir ein langes Fasten auferlegen. Und wenn ich wiederkomme, dann in Begleitung von Mitgliedern der Familie Bannerworth, um ihnen zu zeigen, was für eine Natter sie an ihrer Brust genährt haben.«

Marchdale war nun wieder so weit bei Bewusstsein, um die ganze Ausweglosigkeit seiner Lage zu begreifen. Vergebens versuchte er, sich aus seiner am Boden liegenden Haltung zu erheben. Die Ketten taten ihre Pflicht: Sie hielten einen Schuft mit denselben Mitteln am Boden, mit denen sie zuvor einen ehrbaren Mann in schmachvoller Haft gehalten hatten.

Er befand sich in heller Verzweiflung, da er befürchtete, man würde ihn dort verhungern lassen – womit ihm ein grausameres Ende bevorstünde als alles, was er je einem anderen zugedacht hatte.

»Schurke!«, rief Charles Holland. »Dort wirst du bleiben! Und welche seelischen Qualen du auch erleiden magst: Du hast sie reichlich verdient.«

Er achtete weder auf Marchdales Schreie noch auf seine Verwünschungen oder seine Flehenden Bitten – und der Erzheuchler brachte beides im Überfluss hervor. Charles war viel zu glücklich, wieder auf den offenen Himmel blicken zu können – selbst wenn dieser in Dunkelheit gehüllt war –, als dass er noch darauf geachtet hätte, was Marchdale in seiner Verzweiflung vorzubringen versuchte.

Nachdem er sich für einige Augenblicke umgeschaut hatte, als er das Ruinengelände verlies, und mit köstlicher Freude die freie Luft der umliegenden Wiesen einsog, erkannte er am Funkeln der Lichter die Richtung, in der die Stadt lag. Er wusste, dass er, wenn er diesen Pfad einschlug und später ein wenig nach rechts abbog, zum Anwesen Bannerworth Hall gelangen würde. Er ging weiter, und vermutlich hatte er in seinem ganzen Leben das reine Dasein noch nie so sehr genossen wie in diesem Augenblick köstlicher Freiheit.

Die Leser können sich gewiss mit uns vorstellen, wie es ist, die freie, frische Luft des Himmels zu schmecken, nachdem man lange Zeit – wie Charles Holland – in einem feuchten, feindseligen Verlies voller ungesunder Ausdünstungen eingesperrt war. Man kann sich wohl ausmalen, mit welcher Wonne er feststellte, dass seine Bewegungen nicht mehr von jenen quälenden Fesseln gehemmt wurden, die so lange auf seinen jugendlichen Gliedern gelastet hatten und von denen er in der Verzweiflung seines Herzens oft geglaubt hatte, dass er unter ihnen sterben würde.

Und zu guter Letzt – doch keineswegs an letzter Stelle in seinem liebenden Herzen – überkam ihn mit einem Wonnegefühl der beglückende Gedanke, wieder in das süße Gesicht seiner Geliebten zu blicken.

»Ja!«, rief er aus, während er seine Schritte beschleunigte. »Ja! Ich werde Flora Bannerworth sagen können, wie sehr und wie treu ich sie liebe. Ich werde ihr sagen können, dass mich in meiner beschwerlichen und scheußlichen Gefangenschaft allein der Gedanke an sie aufrecht hielt.«

Als er sich dem Anwesen näherte, beschleunigte er sein Tempo so sehr, dass er schon bald innehalten musste. Die Anstrengung machte ihm nur allzu deutlich klar, dass die Kerkerhaft, die karge Kost und der Mangel an Bewegung in der vergangenen Zeit seine Kräfte erheblich geschmälert hatten. Seine Glieder zitterten, und ein kalter Schweiß trat auf seine Stirn, obwohl die Nacht ansonsten eher kühl war.

»Ich bin sehr schwach«, sagte er sich. »Und es wundert mich nun sehr, dass es mir gelungen ist, diesen Schuft Marchdale zu überwältigen – der mich andernfalls mit Sicherheit ermordet hätte.«

Und es war tatsächlich ein Wunder: Denn Marchdale war kein alter Mann – wenngleich er die Blüte seines Lebens hinter sich hatte – und von kräftiger, athletischer Statur. Doch es war die Plötzlichkeit des Angriffs gewesen, die Charles Holland den entscheidenden Vorteil verschafft und zur Niederlage des Unholds geführt hatte. Dieser war gekommen, um einen der feigsten und niederträchtigsten Morde zu begehen: an einem schuldlosen Mann, von dem er annahm, dass er in Ketten läge und nicht imstande sei, auch nur den geringsten Widerstand zu leisten.

Charles kam bald wieder hinreichend zu Atem und Kräften, um seinen Weg zum Anwesen fortzusetzen. Durch die Erschöpfung gewarnt, dass er längst nicht mehr die Kraft besaß, um schnell voranzukommen, ging er nun mit langsamen, bedachten Schritten weiter.

Diese Art des Vorankommens war dem Nachdenken förderlicher als der wilde, hastige Schritt, den er zuerst gewählt hatte. In den glühendsten Farben einer jugendlichen und reinen Fantasie malte er sich die Überraschung und die Freude aus, die auf dem Antlitz seiner geliebten Flora aufleuchten würden, wenn sie ihn wieder an ihrer Seite wüsste.

Natürlich konnte Charles nichts von den Ränkespielen ahnen, die man geschmiedet hatte – und die der Leser vollends Marchdale zur Last legen darf –, um seinen Charakter zu beflecken und ihn als treulos gegenüber seiner erklärten Liebe darzustellen. Hätte er davon gewusst, hätte die Empörung seinen Schritten wohl Flügel verliehen, und er wäre kaum in der Lage gewesen, jenes bedächtige Tempo beizubehalten, das ihm sein körperlicher Schwächezustand gebot.

Nun sah er die oberste Spitze von Bannerworth Hall aus den Bäumen hervorragen, von denen das alte Gemäuer so dicht umgeben war. Der Anblick der Heimat seiner Geliebten belebte ihn neu und ließ das warme Blut rascher durch seine Adern fließen.

»Ich werde sie gleich sehen!«, rief er. »Ich werde sie gleich sehen! Nur noch wenige Minuten, und ich werde sie an mein Herz drücken – an jenes Herz, das immer das ihre war und das ihr Bildnis tief im Inneren bewahrt hat, selbst in der Düsterkeit eines Verlieses!«

Doch während Charles Holland sich diesen beglückenden Erwartungen hingibt – Erwartungen, die sich, wie wir wegen der Abreise der Bannerworths von ihrem Anwesen bedauern müssen, nicht so bald erfüllen werden, wie er glaubt –, wollen wir einen Blick zurück auf den gescheiterten Heuchler und Schurken Marchdale werfen, der nun seinen Platz im Verlies der alten Ruine einnimmt.

Bis Charles Holland diesen seltsamen, schrecklichen und zellenartigen Ort tatsächlich verlassen hatte, konnte sich Marchdale kaum vorstellen, dass der junge Mann die ernsthafte Absicht hegen könnte, ihn dort zurückzulassen. Vielleicht glaubte er nicht, dass irgendjemand so grausam und böse sein könnte wie er selbst. Der Leser erinnert sich schließlich gewiss daran, dass Marchdales Rat an Varney gelautet hatte, Charles Holland in den Ketten im Verlies seinem Schicksal zu überlassen – einem Schicksal, das darin bestanden hätte, im Laufe weniger Tage elend zu verhungern.

Als er jedoch nun die Gewissheit hatte, verlassen zu sein – als er das Geräusch von Charles Hollands sich entfernenden Schritten hörte, das in der Ferne verhallte, bis nicht einmal mehr das leise Echo sein Ohr erreichte –, ergriff ihn tiefe Verzweiflung. Die Todesangst, die er in den folgenden zehn Minuten erlitt, mochte als reichliche Sühne für manche seiner Verbrechen gelten. Sein Geist war völlig verwirrt; nichts von greifbarer Natur drang an seinen Verstand, außer der Tatsache, dass er hier festgekettet lag und dem Hungertod überlassen war.

Dann bemächtigte sich für einige Augenblicke eine Art Wahnsinn seiner. Er machte eine ungeheure Anstrengung, um die Fesseln zu sprengen, die ihn hielten. Doch es war vergebens. Die Ketten – die man Charles Holland in den ersten Tagen seiner Gefangenschaft angelegt hatte, als er sich ein wenig von den Folgen der ihm bei der Ergreifung angetanen Gewalt erholt hatte – hielten Marchdale stand.

Sie schnitten ihm lediglich tief ins Fleisch und fügten ihm schmerzhafte Wunden zu. Das war alles, was er mit seinem gewaltigen Befreiungsversuch erreichte, sodass er nach wenigen Augenblicken blutend und unter großen Schmerzen mit einem tiefen Stöhnen von den fruchtlosen Anstrengungen abließ, die er besser gar nicht erst begonnen hätte.

Danach blieb er eine Zeit lang stumm. Es war jedoch nicht das Schweigen der Einkehr, sondern das der Erschöpfung, und als solches sollte es nicht lange anhalten. Schon nach fünf Minuten schrie er laut auf. Vielleicht hoffte er auf die geringe Chance, dass jemand, der die Wiesen überquerte, ihn hören könnte. Hätte er jedoch nachgedacht – wozu er in seiner Verfassung nicht in der Lage war –, wäre ihm eingefallen, dass er bei der Auswahl des Verlieses in den unterirdischen Gewölben dieser Ruinen selbst durch Versuche sichergestellt hatte, dass kein noch so lauter Schrei von dort unten an die Oberwelt dringen konnte.

So war dieser Schurke durch ebenjene Vorsichtsmaßnahmen, die er ergriffen hatte, um die sichere Verwahrung eines anderen zu gewährleisten, zu seinem eigenen größten Feind geworden.

»Hilfe! Hilfe! Hilfe!«, schrie er besessen. »Varney! Charles Holland! Habt Erbarmen mit mir und lasst mich hier nicht verhungern! Hilfe, o Himmel! Fluch auf eure Häupter – Fluch! Oh, Gnade – Gnade – Gnade!«

In solchen zusammenhanglosen Ausrufen verbrachte er einige Stunden, bis er vor Erschöpfung und brennendem Durst kein Wort mehr herausbrachte. Er lag da als das bloße Ebenbild von Verzweiflung, gescheiterter Bosheit und Niedertracht.

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