Sagen der mittleren Werra 106
Möhra im Dreißigjährigen Krieg
Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges soll die Pest in Möhra und der Umgebung so arg gehaust haben, dass der Ort, der vor dem Krieg weit größer gewesen war als jetzt, fast ganz verwaist war und die Felder nicht bebaut werden konnten. Damals kam auch ein Haufen fremden Kriegsvolks ins Dorf; dieser konnte hier nicht einmal einen Boten nach dem nahen Werratal auftreiben.
Nach langem Suchen fanden sie endlich in der Nähe einen jungen Menschen, der auf der Wiese beschäftigt war. Sie zwangen ihn, ihnen den Weg an die Werra zu zeigen. Der Bursche gedachte bald zurückzukehren und hing seine Sense einstweilen an den erstbesten Weidenbaum am Wege, als er mit dem Kriegsvolk von dannen zog.
Das Kriegsvolk aber steckte ihn unter das Regiment und nahm ihn mit weit hinaus ins Reich. Nach sieben Jahren erst gelang es ihm auszureißen. Als er in die Nähe seiner Heimat kam und den Platz sah, wo er dem Haufen in die Hände gefallen war, gedachte er auch seiner Sense – und siehe, sie hing noch an demselben Ast, an dem er sie vor sieben Jahren aufgehängt hatte.
Vom wütenden Heer zu Möhra
Ein Bauer aus Möhra, der vom hellen Morgen bis in die Nacht hinein fluchte – besonders, wenn er es mit dem lieben Vieh zu tun hatte –, war einmal auf dem Feld mit Ackern beschäftigt. Da hörte er auf einmal einen furchtbaren Lärm in der Luft vom Dorf her. Es war der wilde Jäger mit seinem Heer, das an ihm vorüberzog.
Als es wieder still geworden war, roch es auf einmal in der Nähe des Bauern wie nach frischem Kuchen. Als er nach Hause gehen wollte, siehe, da lag am Saum des Ackers ein gar mordschön geschmälzter, halber Kuchen. Der Bauer hob ihn auf und betrachtete ihn lange Zeit. Schon wollte er hineinhauen, da fiel ihm ein, dass die Geschichte doch nicht so ganz mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Er betete daher schnell ein Vaterunser und ließ sich dann den Kuchen prächtig schmecken.
Da aber hörte er neben sich, und zwar ohne jemanden zu sehen, die Worte: »Das war ein Glück, dass du ein Vaterunser gebetet hast, sonst hätte ich dir das Genick gebrochen und du hättest mit uns ziehen müssen.«
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