Catherine Parr – Band 2 – Kapitel 5
Luise Mühlbach
Catherine Parr
Band 2
Drittes Buch
Die Schleife der Königin
Historischer Roman, M. Simion, Berlin 1851
5. Die Nacht der Intrigen
1. Lady Jane
Stille herrschte im Palast von Whitehall. Alles schlief, und selbst die Diener des Königs, welche im Vorzimmer des Schlafgemaches die Wache hatten, waren längst entschlummert, denn der König schnarchte schon seit mehreren Stunden, und dieses majestätische Geräusch war den Bewohnern des Palastes die freudevolle Kunde, dass sie für eine schöne Nacht des Dienstes überhoben und freie Menschen sein konnten.
Auch die Königin hatte sich lange schon in ihre Gemächer zurückbegeben und ihre Damen ungewöhnlich früh sogar entlassen. Sie fühle sich ermüdet von der Jagd, sagte sie, und bedürfe sehr der Ruhe. Man solle daher nicht wagen, sie zu stören, es sei denn, dass der König es befehle! Aber der König, wie gesagt, schlief, und die Königin hatte daher nicht nötig, eine Störung ihrer nächtlichen Ruhe zu befürchten.
Aber wie? Was war dies für eine Gestalt, welche dort mit leichtem, schwebendem Fuß über den Korridor schlüpfte? Sie kommt aus jenem Flügel des Schlosses, in welchem die Gemächer der Königin sich befinden. Wer ist es, der sich unter diesem lang herabwallenden, schwarzen Mantel verbirgt? Wessen Antlitz deckt dieser dichte schwarze Schleier?
Es ist ein Frau, denn nur ein Frau kann so elastisch und geräuschlos gehen, und vornehm ist sie, denn ihre Gestalt ist stolz aufgerichtet und den Kopf trägt sie hoch und frei.
Sie durchschreitet unhörbar den Korridor und schlüpft eine kleine Treppe hinunter. Nun macht sie Halt und lauscht. Nichts ist zu hören. Alles ist geräuschlos und still!
Weiter denn! Nun beflügelt sie den Schritt! Denn hier ist sie sicher, nicht gehört zu werden! Es ist der unbewohnte Flügel des Schlosses von Whitehall. Niemand belauscht sie hier.
Weiter also, weiter, jenen Korridor hinunter, jene Treppe abwärts gestiegen! Da steht sie still vor dieser Tür, welche in den Gartensaal führt. Sie legt das Ohr an die Tür und lauscht. Dann klopft sie drei Mal in die Hände.
Der Schall findet hinter der Tür ein Echo!
Oh, er ist da, er ist da! Vergessen sind nun die Sorgen, vergessen die Schmerzen und Tränen! Er ist da! Sie hat ihn wieder!
Sie reißt die Tür auf! Wohl ist es dunkel in dem Gemach, aber sie, sie sieht ihn, denn das Auge der Liebe durchleuchtet die Nacht, und wenn sie ihn nicht sieht, so fühlt sie doch seine Nähe.
Sie ruht an seinem Herzen, er drückt sie fest an seine Brust. Eins an das andere gelehnt, tappen sie vorsichtig durch das dunkle, öde Gemach bis zu dem Divan dort drüben, und beide, in seliger Umschlingung, sinken sie nieder auf die Polster!
»Endlich habe ich dich wieder! Und meine Arme umfassen wieder diese Göttergestalt und meine Lippen drücken wieder diesen purpurnen Mund! Oh, meine Geliebte, welch eine ewig lange Trennung war dies! Sechs Tage! Sechs qualvolle, lange Nächte! Oh, hast du nicht gefühlt, wie meine Seele nach dir schrie und bangte, wie ich die Arme in die Nacht hinstreckte und sie trostlos, schmerzdurchschauert wieder sinken ließ, weil ich nichts fasste, nichts als die kalte, öde Nachtluft? Hast du nicht gehört, Geliebte, wie ich dich rief mit meinen Seufzern, mit meinen Tränen, wie ich in glühenden Dithyramben dir meine Sehnsucht, meine Liebe, mein Entzücken ausströmte? Und du, du Grausame, bliebst immer kalt und immer lächelnd. Deine Augen flammten immer in dem Stolz und der Hoheit einer Juno; die Rosen deiner Wangen sind nicht um einen Hauch gebleicht! Nein, nein, du hast dich nicht nach mir gesehnt, dein Herz hat diese schmerzensvolle, selige Qual nicht empfunden; du bist vor allen Dingen und zuerst die stolze, kalte Königin und dann erst, dann erst die Liebende!«
»Wie ungerecht und wie hart du bist, mein Henry! Ach, ich habe wohl gelitten und vielleicht sind meine Schmerzen grausamer und bitterer gewesen als die deinen, denn ich, ich musste sie nach innen fressen lassen! Du durftest sie ausströmen, du durftest deine Arme nach mir ausstrecken, du durftest schreien, durftest seufzen! Du warst nicht, wie ich, verdammt zu lächeln und zu scherzen und mit anscheinend aufmerksamem Ohr all diesen oft gehörten, immer wiederkehrenden, lobpreisenden und anbetenden Phrasen meiner Umgebung zuzuhören! Du warst mindestens frei, um zu leiden! Ich nicht! Es ist wahr, ich habe gelächelt, aber unter Todesqualen; es ist wahr, meine Wangen sind nicht gebleicht, aber die Schminke war der Schleier, welchen ich über ihre Blässe gelegt habe! Und dann, Henry, inmitten meines Schmerzes und meiner Sehnsucht hatte ich auch einen süßen Trost: deine Briefe, deine Gedichte, welche wie der Himmelstau sich auf meine kranke Seele legten und sie immer wieder gefunden machten zu neuen Qualen und zu neuem Hoffen! Oh, wie liebe ich sie, diese Gedichte, in welcher edlen und bezaubernden Sprache sie mir deine Liebe und unser Leiden widerklingen! Wie fliegt ihnen immer meine ganze Seele entgegen, wenn ich sie empfange, und wie drücke ich tausend und tausend Mal meine Lippen auf das Papier, welches mir deinen Hauch, deine Seufzer entgegenzuströmen scheint! Wie liebe ich die gute, treue Jane, die verschwiegene Botin unserer Liebe! Wenn ich sie in mein Zimmer treten sehe, mit diesem weißen Blatt in der Hand, dann ist sie mir die Taube mit dem Ölblatt, welche den Frieden und das Glück bringt, und ich stürze ihr entgegen und drücke sie an meine Brust und gebe ihr all die Küsse, welche ich dir geben möchte, und fühle, wie arm ich bin und machtlos, weil ich ihr das Glück doch nicht vergelten kann, welches sie mir bringt. Ach Henry, wie viel Dank sind wir der armen Jane schuldig!«
»Weshalb nennst du sie arm, da sie in deiner Nähe sein, dich immer sehen, dich immer hören kann?«
»Ich nenne sie arm, weil sie nicht glücklich ist! Denn sie liebt, Henry, sie liebt bis zur Verzweiflung, bis zum Wahnsinn, und sie wird nicht geliebt! Sie vergeht vor Gram und Schmerz und ringt sich die Hände wund in unermesslichem Weh. Hast du es nicht gesehen, wie bleich sie ist und wie ihre Augen täglich trüber werden?«
»Nein, ich habe es nicht gesehen, denn ich sehe nichts als dich, und Lady Jane ist für mich ein totes Bild, wie alle anderen Frauen!«
»Aber wie? Du zitterst und deine Gestalt zuckt wie im Krampf in meinen Armen? Und was ist das? Du weinst?«
»Oh, ich weine, weil ich so glücklich bin; ich weine, weil ich daran dachte, wie fürchterlich das Leiden sein muss, sein Herz ganz hinzugeben und nichts dafür zu empfangen, nichts als den Tod. Arme Jane!«
»Was kümmert sie uns! Wir, wir lieben uns! Komm Geliebte, lass mich diese Tränen von deinen Wangen küssen, lass mich diesen Nektar trinken, dass er mich begeistere und zu einem Gott verkläre! Weine nicht mehr, nein, weine nicht, oder wenn du es tun willst, so sei es nur im Übermaß des Entzückens und weil das Wort und weil die Brust zu arm ist, all diese Seligkeit zu fassen!«
»Ja, ja, lass uns jauchzen vor Glück, lass uns vergehen in Seligkeit!«, rief sie leidenschaftlich, indem sie sich mit einer rasenden Gewalt an seine Brust warf.
Nun schwiegen sie beide, nun ruhten sie stumm eins an des andern Herzen!
Oh, wie süß diese Stille, wie entzückend diese lautlose, selige Nacht! Wie die Bäume da draußen murmeln und rauschen, als sängen sie den Liebenden ein himmlisches Schlummerlied, als flüsterten sie ihnen die heiligen Geheimnisse der Liebe ins Ohr, wie neugierig die blasse Mondessichel durch die Fenster hereinschaut, als suche sie die Zwei, deren seliger Vertrauter sie ist.
Aber das Glück ist so schnell beschwingt, und die Zeit fliegt so rasch, wenn die Liebe ihre Gefährtin ist.
Sie müssen schon wieder scheiden, schon wieder Abschied nehmen.
»Noch nicht, Geliebte! Bleibe noch! Sieh, es ist noch finstere Nacht und horch, dort schlägt die Schlossuhr erst die zweite Stunde! Nein, geh noch nicht!«
»Ich muss, Henry, ich muss! Die Stunden sind vorüber, wo ich glücklich sein darf!«
»Oh, du kalte, stolze Seele! Sehnt sich dies Haupt schon wieder nach der Krone und kannst du es nicht mehr erwarten, dass der Purpur wieder über deine Schultern fällt? Komm, lass mich deine Schulter küssen und nun denke, Holde, dass meine purpurroten Lippen auch ein Purpur sind!«
»Und ein Purpur, um den ich freudig meine Krone und mein Leben gebe!« rief sie ganz begeistert, indem sie ihn in ihre Arme schloss.
»Liebst du mich also? Liebst du mich wirklich?«
»Ja, ich liebe dich!«
»Kannst du es mir schwören, dass du niemand liebst, niemand außer mir?«
»Ich kann es dir schwören, so wahr ein Gott über uns ist und meinen Schwur hört!«
»Sei gesegnet dafür, du Holde, Einzige, Geliebte — o, wie nenne ich dich nur, dich, deren Namen ich nicht nennen darf! O weißt du, dass das grausam ist, nicht einmal den Namen der Geliebten zu nennen? Nimm dies Verbot zurück, gönne mir das schmerzlich süße Glück, dich mindestens bei deinem Namen rufen zu können!«
»Nein, nein«, sagte sie schaudernd, »weißt du denn nicht, dass die Nachtwandler aus ihren Träumen erwachen, wenn sie bei ihrem Namen gerufen werden? Nun denn, ich bin eine Nachtwandlerin, welche mit lächelndem Mut auf schwindelnden Höhen umherschwebt; rufe mich bei meinem Namen und ich werde erwachen und schaudernd in den Abgrund hinunterstürzen! Ach, Henry, ich hasse meinen Namen, denn er wird von andern Lippen als den deinen ausgesprochen! Für dich will ich nicht heißen, wie mich die andern Menschen nennen! Taufe mich, mein Henry, gib mir einen andern Namen, einen Namen, der unser Geheimnis ist und den niemand kennt, außer uns!«
»So nenne ich dich Geraldine, und als Geraldine will ich dich preisen und loben vor aller Welt, will ich dir, all diesen Spähern und Lauschern zum Trotz, immer wiederholen, dass ich dich liebe, und niemand, selbst der König nicht, soll mir es verwehren können!«
»Still«, sagte sie zusammenzuckend, »sprich nicht von ihm! Oh, ich beschwöre dich, mein Henry, sei vorsichtig, denke, dass du mir geschworen hast, immer an die Gefahr zu denken, die uns beide bedroht und ohne Zweifel uns zerschmettern wird, wenn du nur mit einem Laut, einem Blick, einem Lächeln dieses süße Geheimnis verrätst, welches uns beide verbindet! Weißt du noch, was du mir geschworen hast?«
»Ich weiß es! Aber es ist ein unnatürliches, drakonisches Gesetz! Wie, selbst wenn ich allein mit dir bin, soll ich nicht einmal wagen dürfen, dich anders als mit jener Ehrfurcht und Zurückhaltung anzureden, wie sie der Königin gebührt? Selbst wenn uns niemand hören kann, soll ich mit keiner Silbe, keiner noch so leisen Andeutung an unsere Liebe dich erinnern dürfen?«
»Nein, nein, tue es nicht, denn dieses Schloss hat überall Auge und Ohr, und überall sind Späher und Lauscher hinter den Tapeten, hinter den Vorhängen; überall, überall haben sie sich verborgen und lauern auf jede Miene, auf jedes Lächeln, und überwachen jedes Wort, ob es sich nicht verdächtigen lasse! Nein, nein, Henry, schwöre mir bei unserer Liebe, dass du niemals, außer hier, in diesem Zimmer, mit mir anders als mit deiner Königin sprechen willst! Schwöre mir, dass du da draußen nur für mich der ehrfurchtsvolle Diener deiner Königin und zugleich der stolze Graf und Lord sein willst, von dem man sagt, dass nie ein Frau es vermocht, sein Herz zu rühren. Schwöre mir, dass du mit keinem Blick und keinem Lächeln, mit keinem noch so leisen Druck der Hand verraten willst, was außer diesem Zimmer für uns beide ein Verbrechen ist. Dieses Zimmer hier, das ist der Tempel unserer Liebe, hier wollen wir ihre seligen und beseligenden Priester sein, aber einmal über diese Schwelle hinausgetreten, wollen wir diese süßen Mysterien unseres Glückes nicht entweihen, indem wir auch nur einen Strahl davon vor unheiligen Augen sehen lassen! Soll es so sein, mein Henry?«
»Nun ja, es sei so!« sagte er mit trüber Stimme, »obwohl ich dir bekennen muss, dass mich diese fürchterliche Täuschung oft fast bis zum Tode martert. O Geraldine, wenn ich dich da draußen sehe, wenn ich gewahre, mit welchem eiskalten, unbewegten Auge du meinem Blick begegnest, so fühle ich es wie einen Krampf in meinem Herzen und ich sage mir: Dies ist nicht meine Geliebte, nicht das zärtliche, leidenschaftliche Frau, welches ich zuweilen im Dunkel der Nacht in meine Arme schließe; dies ist Katharina die Königin, aber nicht meine Geliebte! So kann ein Frau sich nicht verstellen, so weit geht die Kunst nicht, dass sie die ganze Natur, das innerste Sein und Wesen eines Menschen verleugnen könnte! Oh, es hat Stunden gegeben, schauerliche, entsetzensvolle Stunden, wo mir schien, als ob dies alles nur eine Täuschung, eine Mystifikation sei, als ob irgendein böser Dämon nächtlich die Gestalt der Königin annähme, um mich, armen, wahnsinnigen Schwärmer, mit einem Glück zu umgaukeln, welches nicht wirklich ist, sondern nur in meiner Einbildung lebt! Dann fühle ich bei diesem Gedanken eine wahnsinnige Wut, eine zerschmetternde Verzweiflung, und ich möchte, nicht achtend meines Schwurs, und selbst der Gefahr, welche dich bedroht, zu dir hinstürzen und vor all diesem Hofgeschmeiß und vor dem König selbst dich fragen: Bist du wirklich, was du scheinst? Bist du Katharina Parre, König Heinrichs Gemahlin, nichts mehr, nichts anderes als nur das? Oder bist du meine Geliebte, das Frau, welches mein ist mit jedem Gedanken und jedem Atemzug, welches mir eine ewige Liebe, eine unerschütterliche Treue gelobt hat, und die ich der ganzen Welt und dem König zum Trotz als mein Besitztum an mein Herz drücke?«
»Unglücklicher, wenn du das jemals wagst, gibst du uns beiden den Tod!«
»Sei es darum! Im Tode wenigstens wärst du mein und niemand dürfte es mehr wagen, uns zu trennen, und deine Augen würden mich nicht so kalt und fremd mehr ansehen, wie sie es jetzt oft tun! Oh, ich beschwöre dich, sieh mich niemals an, wenn es nur mit diesen kalten, stolzen Blicken sein kann, welche mein Herz erstarren machen! Wende deine Augen weg von mir und sprich zu mir mit abgewandtem Gesicht!«
»Dann werden die Menschen sagen, dass ich dich hasse, Henry!«
»Es ist angenehmer, wenn sie sagen, dass du mich verabscheust, als wenn sie sehen, dass ich dir ganz gleichgültig, dass ich dir nichts bin als der Graf von Surrey, dein Oberkammerherr!«
»Nein, nein, Henry! Sie sollen sehen, dass du mir mehr bist als nur das! Ich will dir vor dem ganzen versammelten Hofe ein Zeichen meiner Liebe geben! Wirst du dann glauben, du lieber, törichter Schwärmer, dass ich dich liebe und dass es kein Dämon ist, welcher hier in deinen Armen ruht und schwört, dass er nichts liebt als dich? Sage, wirst du mir dann glauben?«
»Ich werde dir glauben! Aber nein, es bedarf keines Zeichens und keiner Versicherungen. Ich weiß es ja, ich fühle ja die süße Wirklichkeit, welche sich warm und beglückend an meine Seite schmiegt, und nur das Übermaß des Glückes ist es, welches mich ungläubig macht!«
»Ich will dich gläubig machen und du sollst nicht mehr zweifeln, selbst in der Trunkenheit des Glückes nicht! Höre also! Der König will, wie du weißt, ein großes Turnier und Dichterfest geben, und in einigen Tagen wird es stattfinden! Nun denn, bei diesem Feste werde ich dir öffentlich, im Beisein des Königs und des Hofes eine Schleife geben, die ich an meiner Schulter trage, und in deren silberner Franse du einen Brief von mir finden sollst! Wird das dich befriedigen, mein Henry?«
»Und du fragst noch, Geliebte? Du fragst, wenn du mich stolz und glücklich machen willst vor allen andern deines Hofes?«
Er drückte sie fest an sein Herz und küsste sie. Aber plötzlich zuckte sie in seinen Armen und schreckte wild empor.
»Es wird Tag, es wird Tag! Sieh, dort zieht schon ein rötlicher Streifen über das Gewölk! Die Sonne kommt, der Tag kommt, und schon beginnt es zu dämmern!«
Er versuchte noch, sie zu halten, aber sie riss sich leidenschaftlich los und hüllte ihr Haupt wieder in den Schleier ein.
»Ja«, sagte er, »der Tag bricht an und es wird Licht! So lass mich also mindestens einen Moment dein Antlitz sehen! Meine Seele dürstet darnach, wie die versengte Erde nach dem Tau! Komm, hier am Fenster ist es hell! Lass mich deine Augen sehen!«
Sie riss sich heftig los! »Nein, nein, du musst fort! Horch, schon drei Uhr! Schon wird es lebendig im Schloss! War es nicht, als ob ein Mensch an der Tür hier vorüberging? Eile, eile, wenn du nicht willst, dass ich vor Angst sterben soll!«
Sie warf ihm selbst den Mantel über, sie drückte ihm den Hut über die Stirn, dann schlang sie noch einmal die Arme um seinen Nacken und presste einen glühenden Kuss auf seine Lippen.
»Lebe wohl, mein Geliebter, lebe wohl, Henry Howard. Wenn wir uns heute wieder sehen, bist du der Graf von Surrey wieder und ich die Königin!«
»Das Glück ist aus und das Leiden erwacht wieder! Lebewohl!«
Sie öffnete selbst die Glastür und schob den Geliebten hinaus.
»Lebewohl Geraldine, gute Nacht, meine Geliebte! Der Tag kommt, und ich grüße dich wieder als meine Königin.«
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