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Die Gespenster – Vierter Teil – 46. Erzählung

Die Gespenster
Kurze Erzählungen aus dem Reich der Wahrheit von Samuel Christoph Wagener
Allen guten Schwärmern, welchen es mit dem Bekämpfen und Ablegen beunruhigender Vorurteile in Absicht des Geisterwesens ernst ist, liebevoll gewidmet von dem Erzähler Friedrich Maurer aus dem Jahr 1798
Vierter Teil

Sechsundvierzigste Erzählung
Der mir sehr nachteilige Gespensterglaube

Obwohl ich mich, wie die folgende Begebenheit bestätigen wird, von jeher bestrebt habe, den eitlen Wahn des Glaubens an furchtbare Gespenster auszurotten, und so fest ich auch jederzeit davon überzeugt war, dass es nützlich und nötig sei, diesem Wahn – der schon so manches Unglück nach sich zog – aus allen Kräften entgegenzuarbeiten: So habe ich doch, indem ich auf die angeführte Art meinem Amt und meiner Pflicht genügte, eben dadurch einmal ganz unabsichtlich und zu meinem großen, empfindlichen Nachteil das Vertrauen derjenigen von mir ferngehalten, deren Furcht vor Gespenstern mir – hätten sie sich mir vorbehaltlos anvertraut – zufällig sehr nützlich hätte sein können.

Am 23. November des Jahres 1799 kehrte ein junger Soldat mit seiner Braut gegen Abend – wenn Tag und Nacht sich scheiden und es, wie man hier glaubt, ebenso wie um Mitternacht nicht mit rechten Dingen zugehen soll – von einem benachbarten Dorf in meinen Wohnort Bielwiese zurück. Er ging auf der dem Feld zugewandten Seite an der Kirche vorbei, die einsam auf einem Hügel etwas abseits des Dorfes steht. Sie wird nur vom Kirchhof umgeben, an den im Süden das Pfarrhaus grenzt; nach Norden hin erstreckt sich freies Feld. An der Kirche befindet sich auf dieser Seite eine verdeckte Treppe, die auf eine Empore führt. Als sich das Paar der Kirche näherte, hörten sie auf dieser Treppe ein Gepolter.

Das Mädchen fragte schüchtern: »Was war das?«

Der Bräutigam antwortete ruhiger: »Es sind die Jungen beim Abendläuten.«

Um diese Zeit wird nämlich der Feierabend eingeläutet. Dass sie dies jedoch beide nicht glaubten, schien aus ihrem späteren Geständnis hervorzugehen, wonach sie einen großen Umweg über den Acker machten, um sich der Kirche nicht zu sehr zu nähern. Ich war gerade in einem eine halbe Meile entfernten Dorf gewesen, begegnete auf dem Rückweg diesem schüchternen Brautpaar und sprach auch mit ihnen – jedoch ohne dass sie mir das Geringste von ihrer spukhaften Wahrnehmung verrieten.

Ich aß nun ruhig und unbesorgt mein Abendbrot. Gegen zehn Uhr abends kam die Hebamme des Dorfes noch zu mir und meldete für den folgenden Tag eine Taufe aus einem Nachbardorf an. Als diese Person kurz nach zehn Uhr das Pfarrhaus verließ, sah sie eine schwarze Gestalt auf den Kirchhof zuwandern.

Was anderes kann das sein als ein böser Geist?, dachte sie in ihrer Bestürzung, denn niemand würde es wagen, in finsterer Nacht allein auf den Friedhof zu gehen.

Da die Gestalt zudem schwarz war, folgerte sie, es könne kein guter Geist sein, da diese weiß seien; mit bösen Geistern sei nicht zu spaßen. In ihrer Seelenangst ging sie, ohne jemandem ein Wort zu sagen, umgehend nach Hause.

Kurze Zeit darauf kam noch eine Frau vorbei, die in der Nachbarschaft zu Besuch gewesen war. Als sie an der Kirchgasse vorüberging, sah sie einen Mann diese hinauflaufen, in Richtung des Kirchhofs. Sie wünschte ihm einen guten Abend, erhielt aber keinen Dank. Da jeder Mensch sich bedanken würde, folgerte sie, dass es sich um einen Geist handeln müsse, eilte bebend nach Hause und erzählte niemandem davon bis zum nächsten Tag.

Schließlich kam gegen Mitternacht eine Magd nach Hause, die hundert Schritte von mir entfernt bei einem Dreschgärtner diente und sich dieses Mal bei ihren Eltern aufgehalten hatte. Im Garten beim Backofen, etwa vierzig Schritte von meinem Haus entfernt, sah sie ein Licht und dabei einige schwarze Gestalten. Da dies nahe dem Kirchhof geschah und der Hund des Nachbarn nur kurz anschlug und dann schwieg, war sie sicher, dass es sich um Gespenster handeln müsse. Dem Aberglauben folgend, dass es einem übel ergehe, wenn man darüber spreche, kroch die Erschrockene wortlos ins Bett, zog sich die Decke über die Ohren und schwitzte die ganze Nacht vor Angst.

Morgens um fünf Uhr rief mich eine Magd meines Hauses und bat mich sehr ängstlich, sofort aufzustehen. Die Gespenster waren wieder sichtbar geworden – zwar nicht persönlich, aber an ihren Taten: Diebe hatten das eiserne Gitter des Kellerfensters zum Kirchhof herausgebrochen, mein ganzes Haus ausgeräumt, mir die zwei besten Pferde aus dem Stall gestohlen und waren mit ihrer Beute davongeritten. Trotz allem Nachsetzen und Nachforschen sah ich von meinem Eigentum, dessen Wert sich auf mehrere hundert Taler belief, nicht das Geringste wieder.

Nun war alles klar: Als die Brautleute am Kirchhof vorbeigingen, hatten sich die Spitzbuben auf der Kirchentreppe verstecken wollen. Sie hatten jedoch nicht bedacht, dass am Ende des Ganges noch eine weitere Treppe hinaufführt; von dieser waren im Dunkeln wahrscheinlich einige heruntergepurzelt, was das Gepolter verursacht hatte. Die schwarzen Gestalten am Backofen waren einige dieser Diebe. Es war eine ganze Bande gewesen, die dort lauerten, weil sie von dort aus mein Licht in der oberen Stube sehen konnten. Da meine Hallische Lampe meist so abgedeckt ist, dass nur ein Lichtpunkt an die Zimmerdecke fällt, den man genau vom Backofen des Nachbarn aus sehen kann, hatten sie dort gewartet, bis ich erst um zwei Uhr nachts das Licht löschte.

Der Soldat erklärte mir am folgenden Tag, er habe mir von der Begegnung nichts gesagt, weil er befürchtete, ich würde ihn auslachen und sagen: »Er ist Soldat und fürchtet sich vor Gespenstern?«

Diese Antwort gereichte mir allenfalls insoweit zur Genugtuung, als sie bewies, dass man mich nicht für abergläubisch hielt. Hätte man mir jedoch nur ein einziges Wort gesagt, hätte ich sofort einen Diebstahl vermutet und Vorkehrungen zur Abwendung des Übels getroffen.

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