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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 68

Die Wenden bei Lenzen

In der Nähe von Lenzen gegen Mecklenburg zu liegt das Dorf Seedorf, welches auf einem abgelassenen See von niederländischen Kolonisten gegründet sein soll. Daneben ist eine Breite des Flüsschens Löcknitz, die in der Sprache der Leute der Wennsee genannt wird. In diesem soll nach der Sage einstmals ein ganzes Wendenheer seinen Untergang gefunden und der See daher den Namen empfangen haben. Man meint auch, dass es an demselben nicht recht richtig sei; wenigstens sollen sich des Nachts die Geister der Umgekommenen noch dort sehen lassen und, den Kopf unter dem Arm, herumwanken. Wirklich sind auch noch in der neuesten Zeit dort Menschenschädel, die sehr alt waren, von den Fischern aus dem Wasser aufgefischt worden.

Wahrscheinlich ist dies die große Wendenschlacht, welche nach den alten Chroniken unter König Heinrich den Wenden bei Lunkini geliefert wurde. Da sollen sich nämlich die Führer des Sachsenheeres, die Grafen Bernhard und Dietmar, so aufgestellt haben, dass sie die Stadt und die Elbe im Rücken hatten, während die Wenden einen See hinter sich bekamen. Als diese nun geschlagen wurden, heißt es, seien sie in den See gedrängt worden und zu Tausenden dort umgekommen.

Auch sonst spielt Lenzen in der Wendenzeit noch eine Rolle. Hier war es, wo später (nämlich 1106 nach Chr. Geb.) der Wendenfürst Gottschalk residierte, der ein großes christlich-wendisches Reich stiften wollte. Aber der Versuch misslang, er wurde von seinen eigenen heidnischen Verwandten am Altar der Kirche zu Lenzen erschlagen, und das Land blieb heidnisch bis zur Zeit Albrecht des Bären.

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