Al Capone – Band 37
Al Capone
Band 37
Narbengesicht will ausbrechen
1. Kapitel
Scarface … großmütig wie immer !
Nachdem der Vorsitzende im Schwurgerichtssaal die Vernehmung von Al Capone, Ed Weller und Frank Rio beendet hatte, wurden die Verhafteten von den Kriminalbeamten, die sie vorgeführt hatten, wieder in das Untersuchungsgefängnis, einen feuchten, kalten Raum, zurückgeführt, wo sie so lange bleiben mussten, bis zweiundsiebzig Stunden um waren und der Staatsanwalt dann entweder ihre Freilassung oder ihre weitere Haft anordnen würde.
In der steinernen Zelle standen drei eiserne Betten, wie man sie immer in Gefängnissen findet, außerdem ein Tisch und ein Stuhl, sonst nichts.
Als Scarface wieder einmal die Tür der Zelle hinter sich zuschlagen sah, machte er ein missmutiges Gesicht.
Al Capone liebte die Freiheit unbändig, nichts stand ihm so hoch auf der Erde wie seine persönliche Ungebundenheit.
»Liebe Freunde«, sagte er zu Weller und Rio, nachdem sie mehrere Stunden in Schweigen dahingebrütet hatten, als gerade die untergehende Sonne ihre letzten Strahlen durch das kleine Fenster der Zelle schickte, »liebe Freunde, unsere Angelegenheit nimmt eine schlechte Wendung; ganz besonders bei Ed. Der arme Weller steckt in einer viel übleren Patsche als du und ich, lieber Kline.
Sie werden ihn nur so lange mit uns zusammenlassen, bis der Staatsanwalt und der Schwurgerichtsvorsitzende seine Vernehmung in der Sache O’Banion durchgeführt haben, denn sie halten ihn ja für den Mörder.
Aber dann … dann … steht es für ihn sehr schlecht, denn noch lastet die Anklage wegen der Ermordung des Direktors vom CHICAGO HERALD auf ihm; weiter will ich nichts sagen. Dein Leben«, fügte er hinzu, sich an den jungen Deutschen wendend, »ist in Gefahr, mein Junge.
Es ist daher unbedingt erforderlich, dass du so bald wie möglich aus dem Gefängnis verschwindest, damit dich die Behörden von Chicago nicht verfolgen können, denn niemand glaubt an deine Unschuld.
Ed muss also den Fängen der Polizei so schnell wie möglich entrissen werden.«
»Ihr aber auch!«, sagte der Deutsche.
»Ach, bei uns ist die Angelegenheit nicht so schlimm, wenn mir sie auch gerade nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen …«
»Aber, hör doch mal, Scarface«, warf Rio ein, »hast du denn gar keinen Zeugen, nicht wenigstens einen einzigen, der bezeugen kann, dass du, als sie Dion O’Banion ermordeten, viele Kilometer weit weg warst?«
»Ich erinnere mich«, fuhr Kline nachdenklich fort, »an ein junges Mädchen und einen alten Mann, in dessen Haus du dich aufgehalten hast. Das Häuschen stand in der Nähe des Sees. Diese beiden haben dich gerettet, als der Fesselballon schon kurz vor dem Untergehen war und du bewusstlos, hilflos in seiner Gondel lagst. Du bist bis zum nächsten Tag bei ihnen gewesen. Denkst du noch an das scheu gewordene Pferd, an den Menschen, der noch einmal in den See fallen sollte? Dieser Mensch warst du, Alfonzo!«
»Ja, und dieser alte Mann, dem das Häuschen am Michigansee gehört, ist der alte Beppo Troppea, der früher einmal der Verbrecherkönig von Chicago war. Die Polizei hält diesen Mann für gelähmt. Auch die Detektive glauben daran, denn dieser Mann verstellt sich und verkleidet sich mithilfe von orthopädischen Apparaten sehr geschickt. Wenn es plötzlich herauskommt, dass dieser Mann nicht gelähmt ist, dann wandert er ins Gefängnis!
Nein, Kline, ich darf Beppo Troppea nicht erwähnen, auch nicht seine Tochter, die reizende Graziella, von der ich noch die Erinnerung an ihre zarte Schönheit im Herzen trage.
Eher will ich es zulassen, dass mich der Henker auf den elektrischen Stuhl schnallt, als dass ich es wage, den alten Beppo zu verraten, der auch von der Mafia bedroht wird. Nein, so etwas mache ich nicht. Alfonzo Capone erkauft sein Leben nicht dadurch, dass er andere ins Verderben stößt.«
»Du bist wirklich ein anständiger Kerl, Al!«, sagte Kline. »Lieber Chef, du verleugnest nie dein gutes Herz; keiner, der dein vergangenes Leben durchforscht, wird je eine schlechte Handlung feststellen können!«
Kline war so gerührt, dass er seine Arme um Capone schlang; beide Männer drückten sich gegenseitig an die Brust.
Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.
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